Das Wichtigste in Kürze
» Ein Kreuzverschlag ist ein akuter Muskelzerfall bei oder nach der Arbeit. Das Pferd wird steif, schwitzt und hat eine harte Kruppe.
» Bei Verdacht gilt: Nicht weiterbewegen, Wasser anbieten, Werte nehmen und den Tierarzt rufen. Jeder weitere Schritt kostet Muskulatur.
» Kommt er wieder, steckt oft eine Muskelerkrankung wie RER oder PSSM dahinter. Dann helfen tägliche Bewegung und angepasste Fütterung.
Ein Kreuzverschlag ist eine akute Zerstörung von Muskulatur während oder kurz nach der Arbeit, fachlich Rhabdomyolyse. Das Pferd wird steif, will sich nicht mehr bewegen, schwitzt, und die Kruppenmuskulatur fühlt sich hart an. In schweren Fällen färbt sich der Urin braun. Wichtig für dich: Bei Verdacht wird das Pferd nicht weiterbewegt, auch nicht im Schritt nach Hause, und der Tierarzt wird gerufen. In diesem Artikel erfährst du, woran du einen Kreuzverschlag erkennst, wie er im Blut nachgewiesen wird, warum manche Pferde ihn immer wieder bekommen und was vorbeugend hilft.
Worauf du hier schaust: Kruppe und Rückenlinie von oben. Bei einem Kreuzverschlag sind es vor allem diese großen Muskelpartien an Kruppe und Lende, die hart und schmerzhaft werden.
Was ist ein Kreuzverschlag beim Pferd?
Meine Kollegin Dr. Bianca Schwarz hat es im Podcast so gesagt: Kreuzverschlag auf Schlau heißt Rhabdomyolyse. Gemeint ist, dass Muskelzellen unter Belastung kaputtgehen. Ältere Namen sind Lumbago und Feiertagskrankheit, weil das Bild früher bei Arbeitspferden auffiel, die nach Ruhetagen wieder eingespannt wurden.
Wenn Muskelzellen zerfallen, gelangt ihr Inhalt ins Blut. Dazu gehört der Muskelfarbstoff (Myoglobin). Er soll eigentlich in der Zelle sein, wird jetzt aber über die Niere ausgeschieden. Daher kommt der braunrote Urin. Das spricht also nicht für ein Nierenproblem, sondern für einen Muskelzerfall im Körper.
Wichtig für die Einordnung: Kreuzverschlag ist zunächst ein Bild und keine einzelne Krankheit. Es gibt Pferde, die einmal im Leben einen Kreuzverschlag haben, und Pferde, bei denen er immer wiederkommt. Dahinter stehen unterschiedliche Ursachen. Einen Überblick über alle Muskelerkrankungen findest du im Beitrag Muskelerkrankungen beim Pferd.
Woran erkenne ich einen Kreuzverschlag?
Die Anzeichen einer Muskelerkrankung sind Muskelzittern, Schwäche, Schmerzen, Bewegungsunwille und Steifheit. Bei schlimmerem Ausmaß kommen Schwitzen, rote Schleimhäute sowie eine erhöhte Herz- und Atemfrequenz dazu. Manchmal sieht es auch aus wie eine Lahmheit. Typisch für den Kreuzverschlag ist, wie das Merck Veterinary Manual zusammenfasst:
- Das Pferd wird während oder kurz nach der Arbeit steif und will nicht mehr weitergehen
- Die Muskulatur an Lende und Kruppe ist fest und schmerzhaft
- Starkes Schwitzen, das nicht zur Belastung passt
- Schnelle Atmung und hoher Puls
- Muskelzittern
- In schweren Fällen dunkler, braunroter Urin
Verwechselt wird der Kreuzverschlag vor allem mit drei Dingen. Mit einer Kolik, weil das Pferd Schmerzen zeigt, schwitzt und sich vielleicht hinlegen will. Mit einer Hufrehe, weil sich das Pferd in beiden Fällen kaum bewegen mag (mehr dazu im Artikel zur Hufrehe). Und mit der atypischen Weidemyopathie, der Vergiftung durch Samen und Keimlinge des Bergahorns. Sie zerstört ebenfalls Muskulatur, tritt aber bei Weidepferden ohne vorherige Arbeit auf.
Was tue ich bei Verdacht auf Kreuzverschlag?
Der wichtigste Punkt zuerst: Bei akut auftretenden Symptomen wird das Pferd ruhiggestellt, damit nicht noch mehr Muskulatur kaputtgeht. Das widerspricht dem Reflex, ein steifes Pferd erst einmal warm zu führen. Beim Kreuzverschlag ist genau das falsch.
- Arbeit sofort beenden. Absteigen, nicht mehr weiterreiten und nicht nach Hause führen. Wenn du unterwegs bist, lass das Pferd dort stehen und organisiere den Hänger.
- Ruhig stehen lassen. Am besten dort, wo es weich steht und Wasser hat.
- Wasser anbieten. Flüssigkeit ist wichtig, weil der Muskelfarbstoff über die Niere ausgeschieden werden muss.
- Werte nehmen. Puls, Atmung, Temperatur, Schleimhäute. Wenn das Pferd Urin absetzt, schau auf die Farbe.
- Tierarzt anrufen und die Werte durchgeben.
Gib bitte kein Schmerzmittel auf eigene Faust. Entzündungshemmende Schmerzmittel sind laut Merck Veterinary Manual nur bei gut mit Flüssigkeit versorgten Pferden angebracht, weil ein schwerer Kreuzverschlag die Niere ohnehin belastet. Die erste Aufgabe des Tierarztes ist deshalb, den Flüssigkeitshaushalt wiederherzustellen und die Ausscheidung in Gang zu bringen. Wie du die Werte sicher nimmst, steht im Beitrag zu den PAT-Werten.
Wie stellt der Tierarzt einen Kreuzverschlag fest?
Über die klinische Untersuchung und das Blut. Die Muskelenzyme, vor allem der CK-Wert, zeigen den Schaden sehr klar. Bei einem echten Kreuzverschlag im Sinne von zerstörter Muskulatur reden wir nicht über eine Erhöhung von 300 auf 400. Wir reden über eine Erhöhung von 400 auf 10.000, teilweise 100.000, sodass das Blut verdünnt werden muss, um die Werte überhaupt messen zu können. Das Merck Veterinary Manual nennt für eine Episode in der Regel Werte über 1.000 U/L.
Eine Frage, die mir dazu im Webinar gestellt wurde: Braucht man zusätzlich den Entzündungswert SAA? Aus meiner Sicht nicht. Um einen Kreuzverschlag zu diagnostizieren, reichen die Muskelwerte aus dem normalen Blutbild, und zwar on point. Das ist auch eine Kostenfrage. Was die einzelnen Werte bedeuten, liest du im Artikel zum Blutbild beim Pferd.
Kommt der Kreuzverschlag wieder, geht die Suche weiter: Gentest auf PSSM Typ 1 und gegebenenfalls eine Muskelbiopsie. Bei unklaren Fällen lässt sich außerdem der CK-Wert vor und vier Stunden nach leichter Bewegung vergleichen.









