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Aufbautraining Pferd: Die ersten 3 Monate richtig planen

Pferdetraining
Dr. Veronika Klein
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Das Wichtigste in Kürze

» Das Aufbautraining folgt immer einem festen 3-Stufen-Plan, der mit der Vorbereitung der Gewebe beginnt und erst danach in Ausdauer und Sport übergeht.
» Sechs bis acht Wochen Schrittarbeit ohne Reiter richten die Sehnenfasern aus und legen die stabile Basis für alles, was danach kommt.
» Krafttraining wie Springen, Cavalettis oder Versammlung gehört in den ersten drei bis vier Monaten klar zu den No-Gos.

Diese Folge gehört zu unseren Gold-Folgen — den Episoden, die in der Praxis besonders viele Pferdemenschen weitergebracht haben und die wir deshalb gerne immer wieder hervorholen. Schön, dass du dabei bist.

Du hast ein junges Pferd, kommst aus der Sommerpause, planst die Winterpause auszuleiten oder dein Pferd hatte eine längere Boxenruhe wegen einer Verletzung? Und jetzt soll es wieder losgehen mit dem Training. Erst einmal: juhu! Die Freude ist groß — und kurz darauf kommen die Fragen. Wie steigere ich die Belastung? Wie halte ich die Balance zwischen Reiz und Erholung? Wie verbessere ich konkret die Ausdauer, wenn mein Pferd schnell aus der Puste ist? Reicht mein kleiner Reitplatz überhaupt? Wie lange darf eine Trainingseinheit sein, wann ist es zu viel, wann zu wenig?

Genau diese Fragen begegnen mir in der Praxis täglich — und genau deshalb schauen wir uns hier sehr ausführlich an, wie die ersten drei Monate im Aufbautraining wirklich aussehen sollten. Am Ende soll ein ausgeglichenes, zufriedenes und vor allem gesundes Pferd stehen. Das Ziel ist meistens klar, der strukturierte Plan dahin fehlt aber. Und auch die Motivation lässt nach meiner Erfahrung schnell nach — ein bisschen wie beim guten Neujahrsvorsatz. Damit dir das nicht passiert, gehen wir Schritt für Schritt durch.

Podcast-Cover Kernkompetenz Pferd mit Collage zum Thema die ersten 3 Monate im Aufbautraining: Pferd am Boden, Ohrenblick im Gelände, Longieren und Hufkontrolle.

Was ist eigentlich Training — und was nur Bewegung?

Bevor wir loslegen, müssen wir kurz aufräumen, denn hier fängt es meistens schon an. Sehr grob gilt: Alles unter etwa 40 % körperlicher Auslastung ist Bewegung. Alles ab grob 50 % körperlicher Auslastung wandert in den Bereich Training. Das klingt nach einer trockenen Definition, ist aber praktisch enorm wichtig — weil dieselbe Aktivität für das eine Pferd Bewegung und für das andere harte Trainingsarbeit ist.

Ein typisches Beispiel aus der Praxis: „Ich gehe mit meinem Pferd 45 Minuten Schritt und Trab im Gelände — ist das Training?" Antwort: Es kommt darauf an. Für ein Pferd direkt nach der Boxenruhe ist diese Einheit schon zu viel. Für ein Pferd, das vier- bis fünfmal pro Woche ein bis zwei Stunden in allen drei Gangarten auf L-Niveau gearbeitet wird, ist die Tour ein ruhiger Ausgleichstag. Und für ein Pferd mitten im Aufbautraining kann derselbe Ausritt der passende überschwellige Reiz sein. Ob etwas Training oder Bewegung ist, hängt also immer vom aktuellen Fitnesslevel deines Pferdes ab — und genau deshalb sollte ein Trainingsplan beides enthalten.

Denn ein Pferd wird besser, fitter und kräftiger nach einem festen Prinzip: erst kommt die Belastung, dann die Erholung, dann die Anpassung. Immer in dieser Reihenfolge. Wer den zweiten oder dritten Schritt weglässt, baut keinen Fortschritt auf, sondern Schäden. Die clevere Abwechslung zwischen Pause, Bewegung und Training erzeugt am Ende das, was wir alle wollen: mehr Ausdauer, eine tragfähige Muskulatur und ein insgesamt belastbares Pferd.

Der 3-Stufen-Plan im Aufbautraining

Egal, ob du Bodenarbeit, Distanzreiten, Kutsche fahren, Dressur, Working Equitation oder einfach gepflegtes Freizeitreiten anstrebst — jedes Aufbauprogramm folgt drei klaren Stufen, und zwar immer in derselben Reihenfolge:

  1. Stufe 1 — Vorbereitung der Gewebe. Sehnen, Bänder, Knochen und Faszien werden auf die kommende Belastung stabilisiert. Hier passiert noch nichts „Spektakuläres", aber alles, was später trägt, wird in dieser Phase aufgebaut.
  2. Stufe 2 — Grundlagen- und Kraftausdauer. Jetzt kommt der klassische Aerobik-Teil: Das Herz-Kreislauf-System wird trainiert, der Rumpfträger gezielt aufgebaut, das Pferd lernt wieder, über längere Zeit gleichmäßig zu arbeiten.
  3. Stufe 3 — Sport und spezielles Krafttraining. Erst hier sprechen wir wirklich von „Sport". Ausdauer wird ausgebaut, spezifische Kraft im Hinblick auf das Ziel (Dressur, Springen, Distanz, Working Equitation …) aufgebaut.

Wie weit du Stufe 3 ausbaust, entscheidet dein Ziel — Freizeitpferd oder Turnierpferd. Die Reihenfolge selbst ist aber nicht verhandelbar. Wer Stufe 1 überspringt oder zu kurz hält, zahlt das später mit Sehnenproblemen, Rückenproblemen oder einem Pferd, das immer wieder zwickt. In diesem Artikel kümmern wir uns um Stufe 1 und den Übergang in Stufe 2 — also die ersten drei Monate.

Stufe 1: Vorbereitung der Gewebe — die unterschätzten ersten 6 bis 8 Wochen

Bevor wir Sehnen, Bänder, Muskeln und Knochen belasten, müssen sie auf diese Belastung vorbereitet werden. Das gilt für Pferde nach Boxenruhe genauso wie für ein Jungpferd am Anfang seiner Karriere oder ein Pferd nach mehrwöchiger Pause aus anderen Gründen. Eine wichtige Zahl zum Mitnehmen: Der Muskelabbau startet bereits nach zehn Tagen Pause. Nach sechs bis zwölf Wochen ohne Training ist die Muskulatur praktisch komplett untrainiert — und du startest nicht „bei 80 %", sondern wirklich von ganz vorne.

Schritt 1: Ist-Zustand schriftlich festhalten

Bevor du den ersten Strick einklinkst, setz dich kurz hin und notiere möglichst detailliert:

  • Wie lange war dein Pferd in Pause?
  • Wo hat es in dieser Zeit gelebt — Box, Paddock, Offenstall, Weide?
  • Wurde es trotzdem bewegt? Wenn ja, wie?
  • Falls eine Erkrankung der Grund war: Wie lautet die genaue Diagnose?
  • Welches Fitnesslevel hattest du vor der Pause?
  • Welche Trainingsmöglichkeiten hast du jetzt (Reitplatz, Halle, Gelände, ebene Wege …)?

Die Diagnose ist nicht nebensächlich, sondern entscheidet maßgeblich über den Plan danach. Beispiel Hufrollensyndrom: War der Knochen, die tiefe Beugesehne oder der Schleimbeutel betroffen? Genau das verändert, welches Gewebe das schwächste Glied in der Kette ist — und an diesem schwächsten Glied orientiert sich der gesamte Wiedereinstieg.

Pferdebesitzerin und Therapeutin stehen rechts und links neben einem Fuchswallach und tasten gemeinsam den Hals ab — Bestandsaufnahme vor dem Aufbau.

Die strukturierte Bestandsaufnahme funktioniert am besten gemeinsam mit deinem Therapeuten oder deiner Tierärztin. Diese vier Augen sehen Asymmetrien, die du im Alltag längst nicht mehr wahrnimmst — und liefern eine ehrliche Ausgangsbasis für deinen Plan.

Schritt 2: Sechs bis acht Wochen Schritt — geführt, ohne Reiter

Jetzt heißt es: Wanderschuhe an, und später gerne auch Joggingschuhe. Denn der eigentliche Startpunkt im Aufbautraining ist nicht das Aufsteigen, sondern das Schrittführen. Sehnen und Bänder brauchen Belastung, um ihre Fasern auszurichten — ungeordnet aufgebaute Sehnenstrukturen sind das Letzte, was du willst. Knochen wird unter dosierter Belastung dichter und stabiler. Und ganz nebenbei wird dein Pferd mental auf das vorbereitet, was kommt: draußen im Gelände prasseln Reize ein, das Pferd lernt wieder loszulassen, zu schnauben, sich zu orientieren.

Konkret bedeutet das:

  • Gerne sehr lange Schritteinheiten — Zeit ist hier dein Verbündeter, nicht dein Gegner.
  • Möglichst ebener, eher fester Boden. Tiefer Boden ist in dieser Phase Gift.
  • Der Puls bleibt im aeroben Bereich — die Energiebereitstellung läuft mit ausreichend Sauerstoff, das Pferd „arbeitet ruhig durch".
  • Sechs bis acht Wochen. Ja, das klingt lang. Schiebe diese Phase trotzdem konsequent vorneweg.

Auch bei einem ungerittenen Jungpferd würde ich diese Vorbereitung nicht überspringen, sondern es als Handpferd mit auf die Spaziergänge nehmen. Du bekommst ein Pferd, das sich draußen sicher bewegt, das Trittsicherheit aufbaut, das mental wächst — und das parallel die körperliche Basis legt, ohne dass jemand auf dem Rücken sitzt. Apropos Reitergewicht: Der Rumpfträger, also der Bauchmuskel- und Hüftbeugerkomplex, der die Wirbelsäule des Pferdes unter dem Reitergewicht stabilisiert, ist nach einer langen Pause ebenfalls abgebaut. Aufzusitzen, bevor dieser Muskelkomplex wieder trägt, ist unfair und im Wortsinn rückschrittlich.

Zum Ende der Schrittphase kannst du langsam kurze Trabreprisen einbauen — Laufschuhe an, mit dem Pferd im langsamen Reisetempo joggen gehen. Du sollst ja noch mitkommen, also Reiterfitness lässt grüßen. Was viele unterschätzen: Das ist auch ein Kondi-Programm für den Mensch.

Sonderfall: Aufbau nach Arthrose, Fesselträgerschaden oder Kolik-OP

Wenn dein Pferd vor der Pause krank war, gilt eine ganz einfache Regel: Das schwächste Glied bestimmt das Tempo. Das gerade geheilte Gewebe — sei es eine Sehne, ein Band, eine Bauchnaht nach Kolik-OP, ein Gelenk mit Arthrose — ist nach Abschluss der akuten Heilung noch lange nicht voll belastbar. Daran orientieren sich die Pausentage zwischen den Einheiten, die zulässigen Bodenverhältnisse, die Streckenlänge zum Start und das Tempo der Steigerung.

Allen Pferden gemeinsam ist trotzdem: Die ersten sechs bis acht Wochen sind Schritt, ohne Reiter. Bist du dir bei einer Steigerung unsicher — etwa, ob die Sehne den nächsten Schritt mitmacht oder die Bauchnaht stabil genug ist —, lass deinen Tierarzt einen Kontrollultraschall machen. Bildgebende Diagnostik gibt dir und ihm Sicherheit, ob das vorher kaputte Gewebe den nächsten Reiz tragen kann. Das ist kein Luxus, sondern Pflicht. Wer in dieser Phase einen Aufbau-Fehler macht, verlängert die Reha um Monate. Wenn dich das Thema vertieft interessiert, lies dir gerne meinen Beitrag zu den drei größten Aufbau-Fehlern beim Sehnenschaden durch — da bringe ich an konkreten Fällen auf den Punkt, wo es typischerweise schiefläuft.

Frau in beigem Pullover beugt sich nach vorn und prüft die Beweglichkeit im Fesselgelenk eines Fuchses — Kontrolle der ehemals geschädigten Struktur.

Wenn du die Schritttouren steigerst, kannst du das auf mehrere Kilometer und mehrere Stunden ausbauen — je nachdem, wie viel Zeit du hast. Mein Tipp: Geh lieber zweimal die Woche eine richtig lange Tour als jeden Tag nur zweimal zehn Minuten. Ein Pferd, das viel Schritt geht, ist mental deutlich ausgeglichener als eines, das in Mini-Häppchen abgespult wird. Und: Variiere das Tempo. Erst gemütliches Bummeln, dann flotter Schritt, am Ende echtes strammes Marschieren. Das fordert Muskeln und Kreislauf unterschiedlich — und genau diese Variation will dein Pferd.

Tracken statt schätzen — die App ist dein Trainingstagebuch

Nutze für deine Schritttouren eine simple Wander- oder Fitness-App und tracke Strecke und Zeit. Wie viele Kilometer schaffst du in einer Stunde? Wird das von Woche zu Woche flotter oder dümpelt es auf demselben Schnitt? Diese Zahlen sind Gold wert. Wenn am Ende der Woche doch mal ein Bein warm oder dick wird, hast du eine schwarz auf weiß dokumentierte Vorgeschichte: Was war die letzte Tour? Wie lang? Wie schnell? Welcher Untergrund? Statt zu raten, was zu viel war, kannst du gezielt zurückblättern und korrigieren. Wer schreibt, der bleibt — und vor allem: wer schreibt, kann später vergleichen und Muster erkennen.

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Trainingskurs – Warteliste

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Für Fortgeschrittene: Den Puls beim Pferd messen lernen

Schon in der Schrittphase kannst du anfangen, dich mit der Pulsmessung vertraut zu machen — ein zentrales Werkzeug, das du in jeder weiteren Trainingsphase brauchst. Im Online-Kurs steigen wir tief ein, hier bekommst du die Basis:

  1. Ruhepuls finden und auszählen. Beginne im Stehen, in einer ruhigen Situation. Wenn du das noch nie gemacht hast, brauchst du ein paar Versuche, bis du den Puls überhaupt sicher findest und in einer Minute zuverlässig auszählst. Das ist ganz normal.
  2. Maximale Herzfrequenz rechnerisch ermitteln. Im Kurs rechnen wir die maximale Herzfrequenz deines Pferdes aus und leiten daraus klare Trainingszonen ab — also Pulsbereiche, in denen Grundlagenausdauer, Kraftausdauer oder anaerobes Training stattfindet.
  3. Belastungstest? Bitte nicht jetzt. Die maximale Herzfrequenz kann auch tierärztlich begleitet im Belastungstest ermittelt werden — davon rate ich am Anfang ausdrücklich ab. Ein Pferd, das eben aus der Boxenruhe kommt, im Galopp bis zur maximalen Herzfrequenz zu treiben, wäre grob fahrlässig. Rechnerisch ist absolut ausreichend.

Deine konkrete Aufgabe für die nächsten Wochen: Finde den Puls, zähle den Ruhepuls aus, absolviere eine ganz normale Schritttour. Direkt nach der Tour misst du noch einmal — im Stehen — und dann noch zweimal in Fünf-Minuten-Abständen. So bekommst du ein Gefühl für die Pulswerte deines Pferdes und vor allem für die Regenerationszeit: Wie lange braucht dein Pferd, um wieder im Ruhepuls anzukommen?

Diese Regenerationszeit ist die wichtigste Kennzahl, die du in dieser Phase mitnimmst. Sie verrät dir, ob die Einheit für das Herz-Kreislauf-System passend war. Aber — und das ist ein zentraler Punkt: Sie sagt nichts darüber aus, ob die Einheit für die zuvor geheilte Sehne oder das geheilte Band passend war. Der Puls kann völlig im grünen Bereich liegen, und trotzdem war die Tour für die genesene Struktur zu viel. Deshalb musst du im weiteren Verlauf auch die Turnover-Raten der Gewebe kennen — also, wie lange ein Gewebe nach einem überschwelligen Reiz Pause braucht. Sehnen, Knorpel und Knochen ticken da deutlich langsamer als die Muskulatur.

Wenn der Puls Alarm schlägt

Ein paar harte Stoppregeln, an die du dich halten solltest:

  • Steigt der Puls plötzlich an und fällt in der Pause nicht mehr ab, beende sofort die Einheit. Hoher, nicht abfallender Puls steht für Überforderung, Schmerzen oder einen beginnenden Krankheitsverlauf.
  • Ist der Ruhepuls im Stand schon deutlich erhöht, gehst du gar nicht erst los — sondern rufst den Tierarzt an.
  • Regenerationszeit über 15 Minuten? Das ist ein Warnsignal, das du ernst nimmst. Die Einheit war zu viel.

Wenn dich das Thema Pulsmessung und Belastungstest beim Freizeitpferd interessiert, hör gerne in die zugehörige Podcastfolge rein — dort erklären Feli und ich das Schritt für Schritt mit konkreten Beispielwerten.

Stufe 2: Grundlagenausdauer und Kraftausdauer für den Rumpfträger

Die Schrittphase ist absolviert. Alle Kontrolluntersuchungen beim Tierarzt sind in Ordnung. Deine Chiro-, Osteo- oder Physiotherapeutin war da und hat dein Pferd noch einmal durchgearbeitet, um die Beweglichkeit zu optimieren. Du bist im dritten Monat angekommen — und damit in Stufe 2.

Therapeutin in brauner Jacke tastet konzentriert den Rücken eines Fuchses ab — Mobilisation und Kontrolle des Rumpfträgers vor Beginn von Phase zwei.

Hier geht es um die Grundlagenausdauer, die wirklich jedes Pferd braucht — egal, ob es später Dressur, Distanz, Freizeit oder Working Equitation gehen soll. Und es geht um Kraftausdauer für den Rumpfträger, damit du danach überhaupt wieder fair aufsteigen kannst. Klassisches Kardiotraining ist jetzt die Idee: Du nimmst mehr Trab hinzu — kontrolliert, gleichmäßig — und nach mindestens drei Wochen kommt auch der Galopp dazu. Auch hier wieder: Reisetempo, kein Affenzahn.

Diese Zahlen sind grobe Faustregeln. Sie gelten nur, wenn du regelmäßig, mit Plan und systematisch trainierst — also nicht, wenn dazwischen ein zweiwöchiger Urlaub liegt, du selbst krank warst oder dein Pferd aus anderen Gründen pausieren musste. Sobald du eine Lücke hattest, geht es ein paar Schritte zurück, nicht weiter vorwärts. Bitte besprich die Steigerungen außerdem immer mit deinem Therapeuten oder Tierarzt vor Ort — der kennt dein Pferd individuell, ich kenne es nur über die allgemeinen Prinzipien.

Warum jetzt kein klassisches Krafttraining?

An dieser Stelle bekomme ich regelmäßig die Frage: „Aber ich möchte doch, dass mein Pferd aufmuskelt und wieder hübsch aussieht — warum kein Krafttraining?" Die Antwort ist physiologisch eindeutig: Sehnen verbinden Knochen mit Muskeln. Ist der Muskel deutlich kräftiger als die Sehne, zieht ein starker Muskel an einer schwachen Sehne — und das schwächt das Sehnengewebe Tag für Tag. Erst entstehen Mikroläsionen, dann reißen Fasern, dann hast du den nächsten Schaden. Aufmuskeln ohne stabile Sehnenbasis ist kurzfristig schön anzusehen und langfristig der direkte Weg zurück in die Reha.

Deshalb: Kein spezielles Krafttraining in den ersten drei bis vier Monaten. Ich würde es persönlich sogar länger ziehen. In dieser Zeit sind aus meiner Sicht klare No-Gos:

  • Klettern am Berg, anspruchsvolles Bergtraining
  • Springen und Freispringen
  • Viele schnelle Übergänge, insbesondere über zwei Gangarten (Schritt-Galopp, Halt-Trab)
  • Versammlung und versammelnde Lektionen
  • Tempiwechsel innerhalb einer Gangart
  • Cavaletti-Arbeit

Technisch kann dein Pferd das alles vielleicht schon — wenn es das früher konnte, ist die Bewegungserinnerung da. Darum geht es nicht. Es geht darum, dass der Körper diese Belastung in der aktuellen Aufbauphase nicht verschleißfrei ausführen kann. Und Verschleiß ist genau das, was wir mit dem strukturierten Aufbau verhindern wollen.

Genauso tabu in Stufe 2 ist alles, was in Richtung Schnelligkeit geht: Speedtrail aus der Working Equitation, Rinderarbeit aus dem Western, Stechen im Springen, Wettrennen im Gelände oder starke Verstärkungen in der Dressur. Das Motto für diese acht Wochen lautet: rhythmisch, gleichmäßig, langsam. Reizüberschneidung mit der Schrittphase ist gewollt — Stufe 2 ist nicht „etwas ganz Neues", sondern die nächste, höhere Dosis derselben Idee.

Wer tiefer in Grundlagen wie aerobe Energiebereitstellung, Trainingsherzfrequenz und sinnvolle Cardio-Einheiten einsteigen will, findet im Beitrag zum Konditionstraining für Pferde eine gute Ergänzung. Und wenn dein Pferd gerade aus einer wirklich langen Boxenruhe kommt, lohnt sich der Blick in den Beitrag Boxenruhe beim Pferd — Segen und Fluch zugleich, in dem ich die typischen Fallstricke der akuten Pausenphase aufschreibe.

Den Rumpfträger gezielt aufbauen

Der Rumpfträger ist der Muskelkomplex, der über die Reitbarkeit deines Pferdes nach einer Pause entscheidet. Er trägt buchstäblich das Reitergewicht. Übungen dazu gehören in Phase 2 hinein — sanft, dosiert, mit klugem Aufbau. Im Trainingskurs hat das Team von Osteodressage einen vollständigen Gastvortrag dazu beigesteuert: „Aufbau vom Rumpfträger und Bauchmuskulatur nach einer Trainingspause". Wenn du dich dafür interessierst, schau dir gerne die Inhalte des Kurses an.

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Trainingsplanung aus medizinischer Sicht

Nächste Live-Runde: Herbst 2026

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Die fünf Eckpfeiler der ersten drei Monate auf einen Blick

Fassen wir zusammen, damit du den Plan im Kopf hast — und ihn dir an die Stallwand hängen kannst:

  1. Schritt ohne Reiter, sechs bis acht Wochen. Das gilt nicht nur für Pferde nach Krankheit, sondern auch für Jungpferde und für jedes Pferd, das länger als zwei oder drei Monate Pause hatte. Diese Phase bereitet den Körper auf alles weitere vor und ist nicht verzichtbar.
  2. Puls messen lernen — in Ruhe, nach der Bewegung, später auch während der Bewegung. Schnellt der Puls nach oben, fällt nicht mehr ab oder dauert die Regeneration über 15 Minuten, beende sofort die Einheit. Das ist ein klares Warnsignal.
  3. Das schwächste Glied bestimmt das Tempo. Jede Steigerung passiert in Absprache mit Tierarzt und Therapeut und berücksichtigt die Turnover-Raten der ehemals kaputten Gewebe.
  4. Phase 2 — Grundlagenausdauer und Kraftausdauer, etwa weitere acht Wochen. Kein spezielles Krafttraining, kein Schnelligkeitstraining. Das Motto heißt rhythmisch, gleichmäßig, langsam.
  5. Geduld mit dir und deinem Pferd. Drei Monate sind nicht das Ende des Aufbautrainings, sondern der Start. Denke nicht in Tagen und Wochen, sondern in Monaten und Jahren — und richte das Aufbautraining konsequent auf ein langfristig, nachhaltig gesundes Pferd aus.

Der häufigste Fehler: nicht zu wenig wissen, sondern nicht aufschreiben

Wenn ich aus zehn Jahren Praxis einen einzigen Hebel nennen müsste, der die meisten Aufbau-Probleme verhindert hätte, dann ist es nicht die perfekte Sehnen-Diagnostik, nicht das exklusive Equipment, nicht der teure Trainer. Es ist der geschriebene Plan. Wer schreibt, der bleibt. Notiere messbare Werte — Streckenlänge, Zeit, Puls, Regenerationszeit, Bodenverhältnisse, gefühlte Belastung — und halte sie konsequent fest. So beobachtest du Fortschritt, erkennst Probleme deutlich früher und kannst gezielt eingreifen, bevor aus einem kleinen Warnsignal eine ausgewachsene Verletzung wird. Das ist am Ende der echte Unterschied für die Gesundheit deines Pferdes.

Wenn dir bei alledem schwirrt der Kopf — verständlich, das Thema ist groß — dann lass dich begleiten. Im Online-Kurs zur Trainingsplanung erstellst du in fünf Wochen deinen individuellen Trainingsplan, lernst, ihn auf wechselnde Bedingungen anzupassen, und nimmst messbare Werte mit, an denen du dich orientieren kannst. Stufe 3 — also der sportliche, leistungsorientierte Teil — wird dort ebenfalls ausführlich besprochen. Du musst das nicht allein machen.

In diesem Sinne: Jeden Tag ein bisschen besser für unsere Pferde ist und bleibt das Ziel. Grüß mir die Pferde — deine Veronika.

Häufige Fragen

Die ersten drei Monate gelten als Basis-Aufbau: rund sechs bis acht Wochen reine Schrittarbeit ohne Reiter und weitere etwa acht Wochen Grundlagen- und Kraftausdauer. Das vollständige Aufbautraining bis zur vollen Sportbelastung erstreckt sich realistisch über mehrere Monate bis zu einem Jahr — abhängig davon, wie lang die Pause war, ob eine Erkrankung vorlag und welches Leistungsziel du verfolgst.

Nein. Bei einer Pause von mehr als zwei bis drei Monaten ist der Rumpfträger — der Muskelkomplex, der das Reitergewicht trägt — deutlich abgebaut. Plane sechs bis acht Wochen Schrittarbeit ohne Reiter ein, bevor du wieder aufsitzt. So gibst du Sehnen, Bändern, Knochen und Bauchmuskulatur die Chance, sich auf die kommende Belastung vorzubereiten.

Beginne in Ruhe: Suche den Puls im Stehen, zähle ihn eine Minute lang aus und übe diesen Handgriff so lange, bis du sicher bist. Direkt nach einer Schritteinheit misst du erneut, dann nach fünf und nach zehn Minuten. Aus diesen Werten erkennst du sowohl die Belastung der Einheit als auch die Regenerationszeit deines Pferdes. Eine Regenerationszeit von über 15 Minuten ist ein Warnsignal.

Tabu ist alles, was Kraft- oder Schnelligkeitsspitzen erzeugt: Springen und Freispringen, Cavalettiarbeit, viele Übergänge über zwei Gangarten, Versammlung, Tempiwechsel innerhalb einer Gangart, Bergtraining, Speedtrail, Rinderarbeit, Stechen und starke Verstärkungen. Solange Sehnen und Rumpfträger nicht stabil sind, schaden diese Reize mehr, als sie nützen.

War dein Pferd vor der Pause krank, ist das gerade geheilte Gewebe — Sehne, Band, Bauchnaht, Gelenk — die am wenigsten belastbare Struktur. Genau daran orientieren sich Pausentage, Bodenverhältnisse, Streckenlänge und Steigerungstempo. Eine Kontrollbildgebung beim Tierarzt verschafft dir Sicherheit, bevor du die Belastung erhöhst.

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