Das Wichtigste in Kürze
» Kondition ist ein Oberbegriff für Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Beweglichkeit. Wer „Konditionstraining" sagt, hat noch nicht gesagt, was er trainiert.
» Jedes Pferd startet mit der Grundlagenausdauer, und dabei gilt immer: erst die Dauer erhöhen, dann die Intensität.
» Fast jedes Organsystem passt sich an Training an, nur die Lunge kaum. Verlorene Lungenkapazität lässt sich nicht zurücktrainieren.
Was ist Konditionstraining aus medizinischer Sicht, und warum ist die Lunge der limitierende Faktor? Nach diesem Beitrag weißt du, was hinter dem Begriff Kondition steckt, was hinter dem Begriff Training, und was die Lunge damit zu tun hat. Wenn du Zeit und einen Stift zur Hand hast, überleg dir vorher kurz: Was ist für dich eigentlich Kondition, und was ist für dich Training? Was in deinem Kopf bestimmt hier die Definition?
Und noch eine zweite Frage vorneweg: Was bestimmt eigentlich die Leistungsfähigkeit deines Pferdes? Leistung meint hier nicht die sportliche Leistung, sondern das Körperliche: die verschiedenen Stoffwechselvorgänge, die Funktionsfähigkeit der Muskeln, alles, was dazugehört, damit dein Pferd sich wohlfühlt und gesund ist. Drei Punkte spielen dabei zusammen: die Konstitution, also Anatomie, Physiologie und Psyche, die Koordination, also die Bewegungsfertigkeiten, und die Kondition. Über die sprechen wir heute ausführlich.
Kondition beim Pferd: Ein Begriff, der inflationär verwendet wird
„Mein Pferd hat eine schlechte Kondition." „Wir machen heute Konditionstraining." Ich möchte sagen, dieser Begriff wird inflationär verwendet, und er ist nicht genau genug, um irgendetwas zu beschreiben. Denn unter den Begriff Kondition fallen vier Dinge: Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Beweglichkeit.
Wenn ich also sage, ich mache Konditionstraining, ist das viel zu ungenau. Was mache ich denn jetzt in der Einheit? Trainiere ich Ausdauer, Beweglichkeit oder Kraft? Das sind völlig unterschiedliche Trainingsansätze. Ich setze einen komplett anderen Reiz. Deshalb ist es von Bedeutung, was du in der Einheit erreichen möchtest, und genauso wichtig ist, in welcher Reihenfolge du diese Dinge abfragst.
Ausdauer: Damit fängt jedes Pferd an
Starten wir mit der Ausdauer, denn damit solltest du immer anfangen. Gerade wenn du ein Pferd nach einer langen Pause oder nach einer Krankheit wieder aufbaust oder ein Jungpferd startest, ist Punkt Nummer eins die Ausdauer. Du fängst niemals mit Krafttraining an.
Auch innerhalb der Ausdauer gibt es unterschiedliche Arten: die Grundlagenausdauer, die Schnelligkeitsausdauer, die Kraftausdauer und noch ein paar weitere. Was ich dir mitgeben möchte: Du startest immer, immer mit der Grundlagenausdauer, bevor irgendetwas anderes gemacht wird. Das gehört zum Basistraining. Hier vollzieht der Organismus die Anpassung, die ihn überhaupt erst in die Lage versetzt, allem standzuhalten, was du danach mit deinem Pferd vorhast, egal was. Deshalb braucht jedes Pferd dieses Basistraining, und es passiert immer als Erstes.
Wichtig ist dabei die Reihenfolge: Du erhöhst immer erst die Dauer und dann erst die Intensität. Wenn du tiefer ins Thema einsteigen willst, schau besonders auf Puls und Atmung und beurteile daran, wie die Belastung für dein Pferd gerade ist. Das ist für das Ausdauertraining super easy, und welche Werte dabei normal sind und wann es zu viel wird, steht im Beitrag über Übertraining beim Pferd. Wie die ersten Wochen nach einer Pause konkret aussehen, zeigt der Beitrag zum Aufbautraining in den ersten drei Monaten.
Kraft: Nicht jedes Pferd braucht jede Art
Punkt zwei ist die Kraft, auch das ist ein Teil des Konditionstrainings. Und natürlich gibt es auch hier verschiedene Arten: Maximalkraft, Schnellkraft, Reaktivkraft, um drei zu nennen. Nicht jedes Pferd braucht jede Art von Kraft. Das kommt darauf an, was du mit deinem Pferd machen möchtest. Ein Distanzpferd braucht ein anderes Krafttraining als ein Dressurpferd. Was beim Muskelaufbau wirklich hilft und was nicht, habe ich im Beitrag Muskelaufbau beim Pferd auseinandergenommen.
Schnelligkeit: Erst, wenn die Basis steht
Der dritte Punkt ist die Schnelligkeit. Die ist natürlich relevant für den Rennsport und die Vielseitigkeit, aber auch fürs Western oder für Working Equitation. Da stecken immer wieder Komponenten der Schnelligkeit drin, und du wirst feststellen: Das wird in der Regel erst in den höheren Klassen abgefragt. Der Grund ist, dass Schnelligkeitstraining ein erhöhtes Verletzungsrisiko für die Pferde birgt. Deshalb empfiehlt es sich, vor Beginn des Schnelligkeitstrainings eine gute Grundkondition zu haben und ein entsprechendes Muskeltraining durchgeführt zu haben, damit Muskeln, Sehnen und Knochen so gestärkt sind, dass sie den erhöhten Belastungen standhalten.
Auch bei der Schnelligkeit differenzieren wir. Wollen wir grundsätzlich eine höhere Geschwindigkeit? Wollen wir eine höhere Bewegungsgeschwindigkeit, soll also das Vorführen der Gliedmaße schneller sein? Oder geht es um eine schnellere Beschleunigung, wie aus der Startbox beim Rennen? Und dann wünschen wir uns natürlich alle, dass die eingehende Information, also die Hilfe des Reiters, in kurzer Zeit motorisch umgesetzt wird. Wenn das immer schneller geht, freuen wir uns alle darüber. Die Fachbegriffe dafür sind Grundschnelligkeit, also die schnellere Reaktion, und Komplexschnelligkeit, also der schnellere Ablauf der gesamten Bewegung.
Beweglichkeit: Auch die Haltung trainiert mit
Der letzte Begriff ist die Beweglichkeit, und auch diese Trainingseinheit sieht ganz anders aus als ein Krafttraining. Der Begriff beschreibt grob die Dehnfähigkeit und die Gelenkigkeit von Sehnen, Bändern und Muskulatur, und die ist extrem wichtig für die gesunde Haltung. Beweglichkeitstraining kann man ganz einfach über eine artgerechte Haltung machen, in der die Pferde besondere Aufgaben lösen müssen. Dazu zählen die Aufwärmphase und das Cooldown beim Reiten sowie die passiven und dynamischen Lockerungsübungen.
Passive Lockerungsübungen sind zum Beispiel Massage, Dehnübungen oder Gelenkmobilisationen, wie du sie auch selbst durchführen kannst. Wenn du Input für einen sinnvollen Ruhetag suchst: Genau diese passiven Übungen besprechen wir im Wellness-Workshop „Medizinischer Wellnesstag", der inzwischen im Kurs-Archiv der KKP Welt liegt. Dynamische Lockerungsübungen wären zum Beispiel Cavaletti-Arbeit oder die Bodenarbeit.
Fassen wir zusammen: Unter den Begriff Kondition fallen Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Beweglichkeit. Wenn du demnächst eine Einheit machst, sagst du also nicht mehr „ich mache Konditionstraining", sondern zum Beispiel „ich mache Ausdauertraining". Denn du setzt einen spezifischen Fokus in deiner Trainingseinheit.
Was Training eigentlich ist: Die enge Definition
Damit sind wir beim zweiten Begriff von Konditionstraining, dem Training. Ich weiß, wir verwenden den Begriff draußen etwas breiter, aber schauen wir uns heute die enge Definition an. Training ist regelmäßig, systematisch, zielgerichtet und mit Plan. Der Zweck ist eine Leistungssteigerung, also eine Anpassung an die neue Belastung. Und auch hier gilt: Leistung heißt nicht, dass dein Pferd höher springen kann, sondern dass der Stoffwechsel effizienter wird und dein Pferd deswegen weniger ermüdet und sich besser konzentrieren kann.
Was passiert, wenn wir einen überschwelligen Reiz setzen, der zu einer Veränderung im Körper führt? Wir verlassen die Komfortzone. Sonst werden wir nicht besser, und die Systeme in unserem Körper auch nicht. Die Komfortzone wird verlassen, wir setzen einen überschwelligen Reiz, und nachfolgend kommt es zu Veränderungen im Körper. Und das übrigens erst in der Erholungsphase. Fortschritt passiert in der Pause.
Training bedeutet also auch der Wechsel zwischen Belastung und Entlastung, und zwar in sinnvollen Varianten. In der Belastung verbraucht der Körper Energie und merkt: Hoppla, das war nicht genug. Im Anschluss, an deinem Ruhetag, in der Erholungsphase, kommt es zur Wiederherstellung des Ausgangszustands, die Energiespeicher füllen sich wieder. Und dann kommt die Anpassung an die neue Belastung: Der Körper macht eine Superkompensation. Einfach übersetzt legt er eine Schippe drauf, damit er beim nächsten Mal besser gerüstet ist. Das kann er aber nur, wenn nach dem überschwelligen Reiz des Trainings auch eine Erholungsphase kommt. Wie du diesen Wechsel in einen Wochenplan übersetzt, steht im Beitrag Trainingsplan für Pferde: 4 Schritte, 3 Stufen, 1 System.









