Gesundheitscheck beim Pferd 2.Teil

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Ein einfacher Gesundheitscheck des Pferdes sollte täglich vor dem Reiten durchgeführt werden, dies kann mit ein wenig Übung von jedem Pferdebesitzer erlernt werden. Das frühe Erkennen von Warnhinweisenund geringgradigen Krankheitssymptomenschützt das Pferd vor ernsthaften Erkrankungen. So werden Folgeschäden und lange Auszeiten aufgrund von massiven Schäden verhindert. Das erspart dem Pferd Schmerzen und Stress und den Pferdebesitzer Zeit, Geld und Nerven.

Für die Gesundheitsüberwachung der Pferde benötigen die Pferdebesitzer entsprechende Grundkenntnisse, Übung und eine gute Beobachtungsgabe. Die Untersuchung wird als Routine in den täglichen Ablauf eingebaut, so besteht schon nach kurzer Zeit ein Automatismus und im Notfall kann die Untersuchung trotz Stress souverän und sicher durchgeführt werden. 

Palpation des Pferdes

Nach dem Ansprechen des Pferdes tritt der Untersucher an das Pferd heran, um es abzutasten – die Palpation. Dabei achtet der Untersucher besonders auf Wärme, Schwellung und Schmerzhaftigkeit. Dabei wird hier der topographische Untersuchungsgang dargestellt: 

  • Kopf und Hals
  • Rücken
  • Abdomen
  • Gliedmaßen

Kopf und Hals:

Am Kopf werden zunächst die Schleimhäute kontrolliert von Maul, Nüstern und Augen. Diese sollten glatt, glänzend und rosa sein. Am Auge wird die Schleimhaut und die Gefäßzeichnung beurteilt und das dritte Augenlid vorgelagert. Im Bereich der Maulschleimhaut wird gleichzeitig die kapilläre Rückfüllzeit gemessen. Dabei wird mit dem Zeigefinger die Schleimhaut fest gegen den knöchernen Unterkiefer gedrückt und wieder losgelassen. Die Zeit bis der entstandene Fingerabdruck wieder vollständig verschwunden ist, entspricht der KRZ und sollte unter drei Sekunden sein. Er signalisiert einen funktionierenden Kreislauf. Im Bereich der Körperöffnungen wird zudem auf Ausfluss geachtet, wie zum Beispiel Augenausfluss oder Nasenausfluss.

Zwischen den beiden Unterkieferästen befinden sich die mandibulären Lymphknoten, die erbsengroß, unempfindlich und derb unter gesunden Umständen sind. Am Unterkieferast läuft ebenfalls die Arterie entlang, sodass dort der Puls getastet werden kann. An den Ohren wird die Körperoberflächentemperatur überprüft, diese sind physiologisch immer etwas kühler als der Körper. Der Schädel wird von vorne betrachtet und insbesondere die Symmetrie begutachtet. Im Bereich des Kehlkopfes wird Druck auf die erste Trachealspange der Luftröhre ausgeübt, um ein Husten auszulösen, dies ist bei einem gesunden Pferd schwer möglich. Am Hals laufen links und rechts in der Drosselrinne die großen Venen, diese können mit Druck im unteren Bereich gestaut werden, um deren Durchlässigkeit zu testen.

Zum Abschluss wird am Hals der Haltfaltentest durchgeführt zur Überprüfung der Hautelastizität, die Hinweise auf den Hydratationszustand des Pferdes geben kann. Im gleichen Zug werden Haut und Haare mit beurteilt, die glatt und glänzend sind bei gesunden Pferden.

Eitriger Nasenausfluss – hat mein Pferd Druse?? Mehr Informationen zu der Erkrankung in der Folge #4 Druse

Abdomen:

Das Abdomen sollte komplett abgetastet werden und auf Schwellung, Verletzungen, Wärme und Ödeme geachtet werden. Ödeme sind Ansammlungen von Flüssigkeit im Gewebe (z.B. Unterbrust oder Unterbauch). Bei einem Ödem bleibt bei einem Fingerabdruck auf die Schwellung der Eindruck bestehen. Daher ist es wichtig auch immer einen Blick unter den Bauch des Pferdes zu werfen.

An der seitlichen Brustwand kann die Lunge mit einem Stethoskop abgehört werden, da dies viel Übung verlangt ist dies keine Untersuchung für den Laien. Das Abhören von Herz und Darmgeräuschen ist dagegen möglich.

Veränderte Darmgeräusche und Koliksymptome? Das ist ein Fall für den Tierarzt! Lerne mehr über Kolik in dem Beitrag: Podcast #47 Kolik

Gliedmaßen:

Die Gliedmaßen sollten vor jedem Ritt kontrolliert werden, dabei streicht der Untersucher einmal mit der Handrückseite über die Beine. Die Rückseite ist deutlich sensitiver im Bezug auf Temperaturunterschiede. Im Anschluss werden die Knochen, Gelenke und Sehnen abgetastet und zwar am stehenden Bein und am aufgehaltenen Bein mit der Handinnenfläche. Insbesondere die Beugesehnen der unteren Gliedmaße sollten einzeln und gründlich durchgetastet werden. Dazu zählt die oberflächliche und tiefe Beugesehne sowie der Fesselträger. Ebenfalls ist der Füllungszustand der Gelenke und Sehnenscheiden mit zu beurteilen. Bei täglicher Routine fallen dem Pferdebesitzer schon kleinste Veränderungen auf. Fällt dem Besitzer eine Schwellung auf, sollte das Training umgehend zurückgefahren werden, auch wenn das Pferd noch keine Lahmheit zeigt. Im Bereich der Fessel kann der Puls an der Mittelfußarterie ertastet werden. Der Puls an der Mittelfußarterie ist nach dem Reiten immer zu spüren und sollte an allen 4 Gliedmaßen gleich sein, kommt das Pferd dagegen nach einer langen Stehzeit aus der Box ist er nicht zu fühlen. Bei Krankheiten, wie der Hufrehe oder einem Hufgeschwür ist der Puls pochend und deutlich zu tasten. Die Hufe sind auf Wärme und Fremdköper zu untersuchen. 

Dein Pferd zeigt Veränderungen an den Beinen und ist lahm? Dann höre in die Podcast-Folgen über Sehnenschäden oder Hufrehe rein!

Vitalwerte (PAT-Werte) des Pferdes

Zu den Vitalwerten zählt der Puls, die Atmung und die Temperatur, kurz die PAT-Werte. Dies Werte sollten jeden Tag zur gleichen Zeit mit genügend Abstand zur Arbeit gemessen und in ein Gesundheitstagebuch eingetragen werden. Ein schönes Gesundheitstagebuch gibt es bei Pferdeliebe* mit Kapitel über Krankheiten von mir.

Bei den angegebenen Werten handelt es sich um Ruhewerte, bei Aufregung, Schmerz oder Bewegung sind sie deutlich erhöht. Jungpferde und Fohlen besitzen ebenfalls deutlich höhere Werte. Die Temperatur wird beim Pferd rektal gemessen, dabei ist Vorsicht geboten, da der Untersucher hier in der Gefahrenzone steht und bei einem Tritt verletzt werden könnte. Es ist wichtig neben dem Pferd zu stehen und nicht dahinter! Das Temperaturmessen oral oder gar in den Ohren, wie es bei Kindern möglich ist, sollte bei den Pferden unterlassen werden. Die Temperatur besitzt einen gewissen Tagesrhythmus und ist somit unterschiedlich zwischen morgens und abends, unter gesunden Umständen beträgt die Temperatur 37.0 bis 38.2 °C. Während der Arbeit steigt die Temperatur physiologischerweise bis 41°C an. Du kannst nach dem Ampel-Prinzip entscheiden, ob du deinem Pferd eine Pause geben oder sogar den Tierarzt rufen musst.

Im Notfall dein Pferd schnell und souverän untersuchen, den Tierarzt rechtzeitig rufen und die geeigneten Erste Hilfe Maßnahmen durchführen – das ist das Ziel! Besorg dir das ebook “Erste Hilfe am Pferd”, bearbeiten, ausdrucken und in den Spind legen! So hast du es immer griffbereit für den Fall, der hoffentlich nicht eintritt! Aber haben ist ja bekanntlich besser, als brauchen!

Baue den Gesundheitscheck in deine tägliche Putzroutine ein und werde vertraut mit dem Vorgang, dann erkennst du Erkrankungen früh und du kannst rechtzeitig eingreifen. Aufgabe für heute Untersuche 4 Pferde und führe Protokoll!

Bis bald, deine Veronika

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Gesundheitscheck beim Pferd 2.Teil
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