Stand: 23. September 2026. Das Wissen zum Shamonda-Virus beim Pferd ändert sich gerade von Woche zu Woche. Wir aktualisieren diesen Artikel, sobald es neue gesicherte Erkenntnisse gibt.
Das Wichtigste in Kürze
» Das Shamonda-Virus wird durch Gnitzen übertragen und wurde 2026 erstmals in Europa bei Pferden nachgewiesen, auch in Deutschland.
» Betroffene Pferde zeigten neurologische Symptome wie Schläfrigkeit und Ataxie, der ursächliche Zusammenhang ist aber noch nicht belegt.
» Einen Impfstoff gibt es nicht, deshalb ist Insektenschutz gegen Gnitzen derzeit der einzige Schutz.
Seit August taucht ein Name in jeder Pferdegruppe auf, den vorher kaum jemand kannte: Shamonda. Dazu kommen Schlagzeilen über tote Pferde in der Schweiz und einen Fall in Rheinland-Pfalz (RLP). Wenn du dich gerade fragst, ob du dir um dein Pferd Sorgen machen musst, bist du damit nicht allein. In diesem Artikel ordne ich für dich ein, was Behörden und Kliniken bisher bestätigt haben, was noch offen ist und was du im Stall konkret tun kannst. Ausführlich besprechen Dr. Bianca C. Schwarz und ich das Thema am 4. Oktober im Live-Webinar zum Shamonda-Virus.
Was ist das Shamonda-Virus?
Das Shamonda-Virus (abgekürzt SHAV) ist ein Virus aus der Simbu-Serogruppe der Orthobunyaviren, das nach heutigem Wissen durch Gnitzen übertragen wird. Aus dieser Virusfamilie kennst du vielleicht das Schmallenberg-Virus, das seit 2011 bei Rindern, Schafen und Ziegen für Missbildungen bei Neugeborenen sorgt. Ursprünglich wurde Shamonda in Afrika und Asien beschrieben.
2026 ist das Virus in Europa aufgetaucht. Das Institut für Virologie und Immunologie der Schweiz (IVI) hat es Anfang August zuerst bei Rindern nachgewiesen, kurz darauf folgten Befunde in Deutschland, Frankreich, Österreich, den Niederlanden und zuletzt Spanien. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, unterscheidet inzwischen zwei Varianten, SHAV-EU1 und SHAV-EU2. Die Behörden in der Schweiz und in Österreich sprechen vom Shamonda-like-Virus, in Frankreich liest du auch „Shamonda-Europe“. Gemeint ist in allen Fällen dieselbe Virusgruppe.
Wichtig für die Einordnung: Schmallenberg verursacht bei Pferden keine neurologischen Erkrankungen. Ein anderes verwandtes Virus, das Shuni-Virus aus Südafrika, dagegen schon. Genau deshalb schauen Tierärzte beim Shamonda-Virus so genau hin.
Wo wurde das Shamonda-Virus bei Pferden nachgewiesen?
Die bisherigen Meldungen zu Pferden im Überblick (alle 2026):
- 25. August: Erster Nachweis bei Pferden in Europa. Das IVI findet das Virus im Gehirn von zwei Pferden in der Schweiz.
- 28. August: Das IVI meldet Antikörper bei mehreren Pferden und zwei Alpakas in der Schweiz.
- 31. August: Das FLI bestätigt den ersten Fall in Deutschland: ein Pferd aus Rheinland-Pfalz mit zentralnervösen Störungen, gestorben, mit hoher Viruslast im Gehirn.
- Mitte September: Das Labor LABOKLIN berichtet von einem Virusnachweis im Nervenwasser (Liquor) eines neurologisch erkrankten Pferdes.
- 18. September: Die Pferdeklinik ISME der Universität Bern meldet sechs verstorbene Pferde mit Virusnachweis im Gehirn, vier aus Zürich und zwei aus Bern.
Eine verlässliche Gesamtzahl gibt es nicht. Das Shamonda-Virus ist in Deutschland weder anzeige- noch meldepflichtig, deshalb werden Fälle nicht einheitlich erfasst. Darauf weist das FLI selbst hin. Die Liste oben enthält also Einzelmeldungen und ist keine vollständige Statistik.
Welche Symptome zeigt ein Pferd mit Shamonda-Virus?
Nach den Beschreibungen der Pferdeklinik der Universität Bern und des Tierspitals Zürich beginnt die Erkrankung oft unauffällig: Das Pferd ist teilnahmslos und wirkt abgeschlagen. Danach können neurologische Ausfälle folgen:
- ausgeprägte Schläfrigkeit
- Koordinationsstörungen, also ein unsicherer, schwankender Gang (Fachbegriff: Ataxie)
- Muskelzucken und Muskelzittern
- erhöhte Reizempfindlichkeit
- Gleichgewichtsstörungen mit schiefer Kopfhaltung
Die Verläufe reichen von mild bis schwer. Einige Pferde haben sich von selbst wieder erholt, andere mussten eingeschläfert werden. Wie viele es jeweils sind, ist nicht veröffentlicht.
Fieber wird bei erkrankten Pferden in den Primärquellen bisher nicht ausdrücklich genannt, bei Rindern dagegen schon. Das heißt nicht, dass Pferde kein Fieber bekommen können. Es ist nur nicht beschrieben. Miss bei einem auffälligen Pferd trotzdem immer die Temperatur, denn Fieber ist ein wichtiger Hinweis auf andere Erkrankungen wie Herpes.
Wie sich diese Zeichen von Herpes oder dem West-Nil-Virus unterscheiden lassen und wann aus „komisch heute“ ein Notfall wird, besprechen wir ausführlich im Webinar am 4. Oktober.
Wie gefährlich ist das Shamonda-Virus für Pferde, und ist es tödlich?
Ehrlich gesagt: Das weiß im Moment niemand genau. So ist der aktuelle Stand der Wissenschaft, und ich finde es wichtiger, dir das offen zu sagen, als eine Zahl zu erfinden.
Gesichert ist: Das Virus wurde im Gehirn von Pferden gefunden, die neurologisch erkrankt und gestorben sind, teils in hoher Menge. Das FLI wertet das als Hinweis auf einen Zusammenhang. Die Universität Bern bezeichnet den ursächlichen Zusammenhang aber weiterhin als nicht abschließend belegt. Fest steht: Die Erkrankung kann tödlich enden, manche Pferde erholen sich aber auch wieder.
Was fehlt: Wir wissen nicht, wie viele Pferde sich infizieren, ohne je krank zu werden. Antikörperbefunde aus der Schweiz zeigen, dass es Pferde mit Kontakt zum Virus gibt. Wie groß dieser Anteil ist und wie viele davon erkranken, ist offen. Ohne diese Zahlen lässt sich kein Risiko für dein einzelnes Pferd berechnen. Lass die Kirche im Dorf: Die gemeldeten Fälle sind ernst zu nehmen, aber sie sagen nichts darüber, wie wahrscheinlich dein Pferd erkrankt.











