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Podcast

Herpes beim Pferd
12 Fragen, 12 Antworten

Herpes beim Pferd

12 Fragen, 12 Antworten

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Ist die Herpes Impfung zumutbar für dein Pferd? ‑12 Fragen, 12 Antworten 

„Einen weit­rei­chen­den Schutz er­rei­chen sie nur, wenn alle Pferde des Bestandes ge­gen Herpes (EHV) ge­impft wer­den.“ — Diese amt­li­chen Formulierungen sind wün­schens­wert, in der Praxis funk­tio­niert dies lei­der häu­fig nicht. Alle zum „Mitmachen“ zu be­we­gen ist schwie­rig, denn das Thema Herpesimpfung bei Pferden Impfen wird sehr kon­tro­vers un­ter Pferdebesitzern diskutiert.

Daher schlüs­seln wir hier die wohl am meis­ten auf­kom­men­den Fragen auf und ge­ben euch die Antworten aus tier­me­di­zi­ni­scher Sicht.

Themen im Podcast:

  1. Was ist das Herpesvirus eigentlich?
  2. Ist eine Herpesinfektion ge­fähr­lich für Pferde? Wie er­kennst du die Symptome der Krankheit?
  3. Wie lan­ge dau­ert eine equi­ne Herpesinfektion?
  4. Wie kann eine Herpesviren Infektion beim Pferd nach­ge­wie­sen werden?
  5. Ausbruch im Landkreis, musst du dir Sorgen machen?
  6. Wie funk­tio­niert die Herpesimpfung?
  7. Muss dein Pferd wirk­lich alle 6 Monate ge­gen Herpes ge­impft werden?
  8. Bringt die Herpes Impfung ei­nen Vorteil, ob­wohl an­de­re Pferde im Stall nicht ge­impft werden?
  9. Ist die Herpesimpfung wirk­lich so schlimm, bzw. mit so vie­len Nebenwirkungen be­haf­tet wie im­mer behauptet?
  10. Warum macht eine Titerbestimmung vor der Impfung von Herpes kei­nen Sinn?
  11. Wann tre­ten die häu­figs­ten Herpes Infektionen auf und gibt es ei­nen ge­eig­ne­ten Zeitpunkt für die Impfungen im Jahr?
  12. Müssen auch Pferde ge­impft wer­den, die we­der auf Turniere fah­ren noch im Kontakt zu Pferden aus an­de­ren Ställen haben?

Q1: Was ist das Herpesvirus eigentlich?

  • Das EHV (Equine Herpes Virus) ist wie der Name schon sagt ein Virus. Daher hel­fen kei­ne Antibiotika. Ein Virus braucht im­mer ei­nen Wirt, also ein Lebewesen, mit le­ben­den Zellen.
  • Viele Pferde ha­ben Antikörper ge­gen Herpesviren, was wie­der­um nicht heißt, dass die­se Pferde im­mun ge­gen die Herpeserkrankung sind.
  • 85% al­ler Pferde tra­gen Herpes Viren in sich, aber sind nicht akut krank. Diese Latenz bil­det sich aus, in­dem sich das Virus in Nervenzellen oder Blutzellen versteckt.
  • Bei Stress „bricht“ das Herpesvirus wie­der aus. Das Pferd muss da­bei nicht krank sein, selbst ohne Symptome schei­det das Pferd plötz­lich wie­der vie­le Viren aus und kann an­de­re Pferde anstecken.
  • Es gibt ganz vie­le Herpesviren, am häu­figs­ten be­kannt sind EHV 1 und 4, die auch bei den Impfstoffen ver­wen­det wer­den. EHV 2,3 und 5 Viren be­fal­len an­de­re Stellen und Organe des Körpers der Pferde.

Q2: Ist eine Herpesinfektion gefährlich für Pferde? Was sind Symptome der Krankheit?

Der Krankheitsverlauf kann sehr un­ter­schied­lich verlaufen.

Hierzu schau­en wir uns noch­mal ge­nau­er die Infektionskette des equi­nen Herpesvirus an:

Eine Infektion mit EHV 4 bleibt meist auf den obe­ren Atemwegen be­schränkt und kann auch ganz ohne Symptome ver­lau­fen, weil das Pferd im­mun­kom­pe­tent ist. Das heißt es bil­det schnell im aus­rei­chen­den Maße Antikörper, die wie­der­um das Virus im Schach halten. 

Wenn das Immunsystem ge­schwächt ist und der Körper es nicht schafft, das Virus in Schach zu hal­ten, dann kommt es zum Ausbruch. Die häu­figs­ten Krankheitsanzeichen bzw. Symptome sind:

  • Husten
  • Geschwollene Lymphknoten
  • Nasenausfluss
  • Fieber
Da die­se Symptome sehr un­spe­zi­fisch sind, muss das na­tür­lich auch kein Herpes sein. Das sind ja im­mer­hin Grippesymptome, die auch beim Pferd als „Erkältung“ oder 3‑Tage Fieber auf­tre­ten. Im bes­ten Fall ist das Pferd „nur“ krank wie bei ei­nem grip­pe­ähn­li­chen Infekt und die Symptome blei­ben lo­kal in den Atemwegen und eine Virämie wird verhindert.
Krankheitsverlauf Herpes Pferd

Wenn je­doch eine Virämie statt­fin­det und das Virus sich im gan­zen Körper ver­teilt, kann es dazu kom­men, dass sich bei dem Transport über das Blut v.a. die Gefäße ent­zün­den. Bei Eintritt und Verbreitung im Rückenmark und Gehirn tre­ten neu­ro­lo­gi­sche Symptome auf. Lähmungen und eine Überlaufblase sind häu­fi­ge Krankheitszeichen. Das Virus kann eben­so die Gebärmutter be­fal­len und so­mit zu Verfohlen, Aborten, Totgeburten und le­bens­schwa­che Fohlen führen.

Bei schwe­ren Verläufen kön­nen Pferde auch an ei­ner EHV Infektion verster­ben oder blei­ben­de neu­ro­lo­gi­sche Schäden davontragen.

 

Q3: Wie lange dauert eine equine Herpesinfektion?

Das kommt auf den Schwergrad des Verlaufs an. Die Inkubationszeit be­trägt 2–10 Tage, bis die ers­ten Symptome auf­tre­ten. Nach ca. 14 Tagen soll­ten die Krankheitssymptome auch wie­der nach­las­sen, wenn sich die Infektion nur auf die obe­ren Atemwege aus­ge­brei­tet hat. 

Die Pferde sind nach ei­ner Herpes-Infektion la­tent in­fi­ziert. Das be­deu­tet, dass die­se Pferde meis­tens sym­ptom­los Herpesviren aus­schei­den, ohne un­be­dingt krank zu wer­den. Bei Stress und ei­nem schlech­ten Immunstatus kann es na­tür­lich er­neut zu ei­ner Erkrankung füh­ren und dann auch zu ei­nem Ausbruch mit der Ansteckung an­de­rer Pferde.

Bei ei­ner sym­ptom­lo­sen Ausscheidung von Herpesviren ist die Übertragung auf an­de­re Pferde zwar mög­lich, aber eher unwahrscheinlich. 

 Die Ausscheidungsrate ist meist sehr ge­ring. EHV tritt ganz häu­fig bei vor­er­krank­ten oder äl­te­ren Pferden auf. Aber auch Sportpferde sind an­fäl­lig durch ihr har­tes Training, denn das senkt das Immunsystem und eine ad­äqua­te Immunantwort.

Auch die Jüngeren ha­ben mitt­ler­wei­le ver­mehrt die neu­ro­lo­gi­sche Form.  Die Sportpferde ha­ben auch Stress durch Training und sind so­mit an­fäl­lig, denn das senkt das Immunsystem und eine ad­äqua­te Immunantwort.

Q4: Wie kann eine Herpesviren Infektion beim Pferd nachgewiesen werden?

Das Herpesvirus fest­zu­stel­len ist im­mer et­was schwie­rig, da sich das Herpesvirus ger­ne in­ner­halb der Zellen ver­steckt. Daher ist ein Nachweis meist nur bei ei­nem aku­ten Ausbruch mög­lich. 

Gepaarte Serumprobe:

Tag 1 Fieber: Blutprobe des Pferdes neh­men und die Entzündungszellen nä­her be­trach­ten:  Je nach­dem wel­che er­höht sind, ist dies ein Hinweis auf die Herpes Erkrankung.

Das Serum wird ein­ge­fro­ren für eine spä­te­re Antikörperbestimmung (wich­tig!).

Tag 14: Eine 2. Serumprobe wird ge­nom­men und mit den Werten der ein­ge­fro­re­nen Probe ver­gli­chen. Wenn die Antikörper um ein 4‑faches an­ge­stie­gen sind, ist das der Nachweis ei­ner ak­ti­ven Herpeserkrankung des Pferdes.

Nasentupfer:

In den ers­ten 5 Tagen des Ausbruchs kann das Herpes Virus mit­tels PCR fest­ge­stellt wer­den, da die Viren im obe­ren Atemtrakt sind. Anschließend sind die equi­nen Herpesviren (EHV) ein­fa­cher mit ei­ner Blutprobe nachweisbar.

Die Diagnose soll­te im­mer im Zusammenspiel mit dem kli­ni­schen Verlauf und den Laborwerten ge­stellt wer­den. Bei Verdacht soll­te das Pferd iso­liert wer­den, weil Schmierinfektionen die häu­figs­te Ursache für eine Herpesübertragung sind (Nüstern zu Nüstern), aber auch die klas­si­sche Tröpfcheninfektion durch Husten ist mög­lich oder eine Übertragung durch ge­mein­sa­me Tränken und Futtertröge.

 

Q5: Ausbruch im Landkreis, musst du dir Sorgen machen?

  • Nur bei Pferdetransporten aus den be­trof­fe­nen Betrieben. Das Herpes- Virus kann nicht über die Luft auf eine grö­ße­re Distanz über­tra­gen wer­den. Solange die Pferde des be­trof­fe­nen Betriebes nicht in an­de­re Betriebe trans­por­tiert wer­den, kann es nicht zu ei­ner Ansteckung kom­men, denn der di­rek­te Kontakt ist nö­tig. Personenverkehr ist aber zu be­ach­ten. Wenn der Hufschmied ge­ra­de in dem Herpes po­si­ti­ven Stall an­ge­s­ab­bert wur­de, soll­te er nicht im nächs­ten Stall von ei­nem an­de­ren Pferd ab­ge­schnup­pert wer­den. Gleiches gilt bei Pferdekontakt im Gelände beim Beschnuppern.
  • Ein kran­kes Pferd soll­te iso­liert wer­den und ins­be­son­de­re mit Fieber nicht zum Schmied. Die Pediküre kann warten.
  • Auch hier gel­ten zu­min­dest zwei der Corona Regeln: AHA- Abstand, Hygiene und naja, Alltagsmasken für Pferde sind noch nicht sehr gebräuchlich.

Q6: Wie funktioniert die Herpesimpfung?

Die EHV Impfung bie­tet kei­nen 100%igen Schutz vor der Infektion und ist kei­ne klas­si­sche Schutzimpfung wie bei Tetanus oder Influenza, die zu 100% vor der Erkrankung schützen.

Das Ziel der EHV Impfung ist es, die „Schwere der Erkrankung“ zu mil­dern, in­dem die Menge der im Pferd be­find­li­che Viren re­du­ziert wird. Denn die Herpesviren kön­nen nicht eli­mi­niert wer­den, das ist ana­log zum Menschen unmöglich.

Durch die Impfung wer­den nach­weis­lich die Symptome ge­dros­selt und es kommt nach­weis­lich zu eine mil­de­ren Krankheitsverlauf. Eine Virämie kann den­noch nicht aus­ge­schlos­sen wer­den und so­mit auch nicht ein neu­ro­lo­gi­scher Krankheitsverlauf.

Es ist nach­ge­wie­sen, dass die Impfung fol­gen­der­ma­ßen hilft:

  • Virusausscheidung wird reduziert
  • Infektionsdruck wird re­du­ziert, statt das Herpes Virus zu eliminieren
  • Symptome wer­den un­ter­drückt, die Erkrankung ver­läuft meist mil­der, aber die Virämie kann nicht zu aus­ge­schlos­sen werden
  • Dauer und die Intensität der Virämie wer­den verkürzt
  • Aborte wer­den ver­hin­dert (Vollblutzucht Pflichtimpfung= es gibt kei­ne Fälle mehr)

Totimpfstoff Herpesimpfung:

In Deutschland zu­ge­las­sen, EHV1 und 4, ver­meh­rungs­un­fä­hi­ge Antigene, da­für ist die Immunantwort nicht so aus­ge­prägt. Enthaltene Zusatzstoffe ver­stär­ken die im­mu­ni­sie­ren­den Eigenschaften. Empfindliche Pferde re­agie­ren meist auf ge­nau die­se Zusatzstoffe, das führt meist zu Impfreaktionen.

Lebendimpfstoff Herpesimpfung:

Noch ver­meh­rungs­fä­hi­ger ab­ge­schwäch­ter Virus, A‑virulent, kei­ne krank­ma­chen­den Eigenschaften, der Schutz ist meist lang­an­hal­ten­der, weil der Köper deut­li­cher auf die Impfung re­agiert, weil auch die hu­mo­ra­len Abwehrstoffe ak­ti­viert werden:

Fazit: Die Lebendimpfstoff Wirkung ist i.d.R. bes­ser, bei­de Impfvarianten funk­tio­nie­ren zuverlässig.

Q7: Muss dein Pferd wirklich alle 6 Monate gegen Herpes geimpft werden?

Ja. Herpes Viren ver­ste­cken sich in Zellen und ha­ben ganz vie­le Mechanismen, sich vor dem Immunsystem zu ver­ste­cken. Deshalb ist ein Impfintervall von 6 Monaten so wich­tig und macht auch Sinn. Denn die Immunität ge­gen die Herpesviren, die sich aus­bil­det, ist sehr kurz und we­nig ro­bust. Die Reaktion des Immunsystems hält ein­fach nicht lan­ge. Das hat ein­fach mit den Herpesviren und des­sen Eigenschaften zu tun und nicht mit ei­ner ver­meint­li­chen schlecht wir­ken­den Impfung!

 

Q8: Bringt es deinem Pferd einen Vorteil gegen Herpes geimpft zu sein, obwohl andere Pferde im Stall nicht geimpft werden?

Grundsätzliche ja, denn selbst wenn bei Infektion die Herpes Viren eine Virämie ver­ur­sa­chen, ist der Krankheitsverlauf nach­weis­lich deut­lich mil­der, als bei nicht-ge­impf­ten Pferden.

Jedes ge­impf­te Pferd ver­min­dert den Infektionsdruck. Wenn auch die Nachbarpferde ge­impft sind, umso bes­ser, denn wenn drum her­um die Herpesviren aus­ge­schie­den wer­den, kann dein ge­impf­tes Pferd trotz­dem erkranken.

In vie­len Pferdebetrieben wer­den alle Pferde ge­impft, die ge­sund­heit­lich fit sind. Im Idealfall sind das 70–95%, da­mit eine Herdenimmunität besteht. 

Bei (chro­nisch) kran­ken Pferden, sehr jun­gen und al­ten Pferde und die­je­ni­gen, die es nicht ver­tra­gen, soll­te eine in­di­vi­du­el­le Abwägung mit dem Tierarzt be­spro­chen werden.

Bestandsschutz Herpesimpifung Pferd

Nur eine re­gel­mä­ßi­ge Impfung der Pferde alle 6 Monate führt zu ei­nem lang­fris­ti­gen Schutz, un­ab­hän­gig vom Antikörper Titer.

Q9: Ist die Herpesimpfung wirklich so schlimm, bzw. mit so vielen Nebenwirkungen behaftet wie immer behauptet?

Natürlich wäre es ide­al, wenn der gan­ze Bestand sich für das Impfen al­ler Pferde ent­schei­det, um den Schutz al­ler Pferde zu ge­währ­leis­ten. Aber es gibt hier im­mer wie­der Schwierigkeiten, da die Herpes Impfung ei­nen sehr schlech­ten Ruf hat.

Dennoch gibt es auch Pferde, die auf­grund ei­ner chro­ni­schen Erkrankung oder an­de­rer Gründe nicht ge­impft wer­den kön­nen. Das ist auch voll­kom­men le­gi­tim. Idealerweise sind 95% der Pferde in ei­nem Stall ge­impft, um die­je­ni­gen mit zu schüt­zen, die kei­nen Impfschutz be­kom­men kön­nen. Das nennt man Herdenimmunität.

Die Impfung ist nicht schwarz- weiß ge­se­hen „schlecht“. Impfnebenwirkungen kön­nen auf­tre­ten, so wie sie bei je­dem Medikament auf­tre­ten kön­nen. Das ist bei uns Menschen nicht an­ders. Ganz nor­ma­le Impfreaktionen sind:

  • Lokale Impfreaktionen wie eine di­cke Brust an der Einstichstelle
  • Teilweise Fieber
  • Gliederschmerzen
  • Lethargie (schlapp sein)

Deswegen sol­len Pferde nach dem Impfen auch nicht über­mä­ßig be­wegt werden.

Eine Impferkrankung wäre, wenn das Pferd zum Beispiel wirk­lich krank wird, in­fol­ge des Lebensimpfstoffes, was al­ler­dings so gut wie nie vor­kommt. Auch ein lang­fris­ti­ger Impfschaden ist höchst unwahrscheinlich.

Beim Paul Ehrlich Institut gin­gen 2016/2017 ins­ge­samt 129 Meldungen ein, dass Impfungen eine Reaktion her­vor­ge­ru­fen ha­ben. Dazu zäh­len lo­ka­le Reaktionen, Fieber, Lethargie. Davon wa­ren 53 in­fol­ge ei­ner Herpes Impfung. Wir se­hen, die Impfnebenwirkungen der Herpesimpfung sind zwar sta­tis­tisch ge­se­hen hö­her im Vergleich zu den an­de­ren gän­gi­gen Impfungen, den­noch ver­tra­gen auch vie­le Pferde die Herpesimpfung ohne Probleme.

Und noch­mal zur Veranschaulichung: 129 Meldungen bei so vie­len Pferden in Deutschland ist ver­schwin­dend gering.

Q10: Warum macht eine Titerbestimmung vor der Impfung von Herpes keinen Sinn?

Hier müs­sen wir wie­der zwi­schen den ver­schie­de­nen Krankheitserregern und de­ren Infektionsketten unterscheiden.

Bei Tetanus macht es Sinn eine Titerbestimmung zu ma­chen, weil al­lei­ne die Antikörper spe­zi­fisch auf dem Erreger eli­mi­nie­ren. Hier ist die Menge der ge­fun­de­nen Antikörper gleich­zu­set­zen mit der Schutzwirkung.

Bei Herpesviren ist dies nicht der Fall. Erinnere dich, 85% der Pferde ha­ben Herpesviren in ih­rem Körper und ha­ben dem­entspre­chend auch Antikörper. Die Menge der Antikörper kor­re­liert hier al­ler­dings nicht mit der Schutzwirkung, da so vie­le an­de­re Faktoren eine Rolle spie­len, ob das Pferd er­krankt oder nicht. Das Immunsystem, der Stress, Vorerkrankungen, Alter usw. Schlussfolgernd kann man, bei ei­nem ge­sun­den Pferd, nach ei­ner Titerbestimmung kei­ne Entscheidung über Impfung ja/nein tref­fen, denn es sagt nichts über den Schutz aus und macht ein­fach kei­nen Sinn.

Q11: Wann treten die häufigsten Herpes Infektionen bei Pferden auf? Gibt es einen geeigneten Zeitpunkt für die Impfungen im Jahr?

Die Ausbrüche sind sai­so­nal ver­mehrt im Winter, wenn es kalt, nass und un­ge­müt­lich ist und die Pferde ei­nen schwä­che­ren Immunstatus ha­ben. Aber auch im Frühling und Herbst tre­ten nicht sel­ten Herpes Infektionen auf, zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Fellwechsel und Temperaturschwankungen.

Das Immunsystem ist sehr be­an­sprucht in die­sen Jahreszeiten we­gen Nässe, Kälte, Dunkelheit und auch wid­ri­gen Stall Bedingungen. Der Infektionsdruck, also die Virenmenge, die zur Ansteckung ver­füg­bar ist und die Dauer der Exposition ist im Winter erhöht.

Gibt es hier eine Empfehlung für ein Impfintervall?

Dann wenn das Pferd vom Immunsystem am we­nigs­ten be­las­tet ist und gut plan­bar. Zum Beispiel wenn kein Turnier an­steht, kein Urlaub ge­plant ist, kein Fellwechsel an­steht, das Pferd nicht um­ge­stellt wird und mög­lichst nicht in den nas­sen kal­ten Wochen des Jahres.

Das wich­tigs­te ist aber, dass Herpes re­gel­mä­ßig und im­mer ge­impft wird, denn sonst kann man sich das Geld sparen.

Q12: Müssen auch Pferde geimpft werden, die weder auf Turniere fahren noch im Kontakt zu Pferden aus anderen Ställen haben? 

Pferdebesitzer soll­ten sich im­mer an den Empfehlungen der StiKo, der stän­di­ge Impfkommission, orientieren.

Heutzutage wer­den Pferde in vie­len Fällen nicht mehr re­gel­mä­ßig ge­impft, was dazu füh­ren kann, dass die Grundimmunisierung nicht mehr wirk­sam ist.

Wichtige Faktoren, die im­mer be­dacht wer­den müs­sen, sind:

  • Wie groß ist die Herde und so­mit wie die Kontaktmöglichkeiten zu an­de­ren Pferden?
  • Ist eine Fluktuation im Stall? Ist dein Pferd im­mer wie­der neu­en Pferden und so­mit neue Infektionsquellen ausgesetzt?
  • Wie ist das Management in dei­nem Stall? Wie wird mit der Hygiene umgegangen?
  • In wel­cher Umgebung lebt dein Pferd?
  • Hat dein Pferd Vorerkrankungen? Wie ist das Immunsystem dei­nes Pferdes aufgestellt?

Wichtig ist, dass Pferdebesitzer re­gel­mä­ßig an das Impfen Ihrer Pferde den­ken. In wel­chem Intervall, kann und muss teil­wei­se von Fall zu Fall in Absprache mit dem Tierarzt ent­schie­den wer­den, ins­be­son­de­re wenn Vorerkrankungen oder chro­ni­sche Erkrankungen be­stehen. Es ist vor al­lem dar­auf ach­ten, in wel­cher Umgebung die Pferde le­ben, wie groß die Herde ist und so­mit wie die Kontaktmöglichkeiten zu an­de­ren Pferden und wie das Management im Stall aussieht.

Tetanus ist nicht ver­han­del­bar und ist ein Muss, egal wie alt und krank das Pferd ist. Da der Erreger über­all auf­tre­ten kann, z.B. auch in der Erde und schon eine klei­ne Verletzung für eine Infektion aus­reicht, wäre es grob fahr­läs­sig sein Pferd nicht imp­fen zu las­sen. Zumal ist es eine Schutzimpfung, die zu 100% pro­tek­tiv und si­cher wirkt. Eine Tetanus Auffrischung wird alle 3 Jahre emp­foh­len und das Intervall kann durch eine Titerbestimmung ge­ge­be­nen­falls noch ver­län­gert werden.

Pferde-Influenza ist auch eine Schutzimpfung, und be­rei­tet ins­be­son­de­re Sorgen auf­grund der hö­he­ren Fallzahlen in den letz­ten Jahren. Turnierpferde müs­sen alle 6 Monate ge­impft wer­den, denn ohne Impfnachweis gibt es kei­ne Startberechtigung. Die Pferde sind viel an­fäl­li­ger für Stress, wer­den oft trans­por­tiert und sind so­mit ei­nem hö­he­ren Infektionsdruck aus­ge­setzt. Aber auch bei Freizeitpferden in „nor­ma­len“ Ställen, wo im­mer mal Pferde neu an­kom­men und ge­hen, auf Turniere fah­ren, ver­kauft oder Jungpferde ge­zo­gen wer­den ist der Infektionsdruck so groß, dass ein re­gel­mä­ßi­ger Impfschutz enorm wich­tig ist.

In ei­ni­gen Sonderfällen kann man dar­über dis­ku­tie­ren, ob eine jähr­li­che Influenza Impfung wirk­lich sein muss. Zum Beispiel in klei­nen Privathaltungen mit ei­ner Handvoll Pferde, die nur zum Ausreiten ge­nutzt wer­den. Aber auch hier, so­bald du dich zum Ausreiten aus an­de­ren Ställen ver­ab­re­dest, du auf Distanzritte gehst oder auch mal ei­nen Lehrgang mit­rei­test, ist ein jähr­li­cher Impfschutz ab­so­lut zu empfehlen.

Konsequent mit Plan imp­fen bringt lang­fris­tig am meis­ten Schutz für dein Pferd.

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