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Hufgeschwür beim Pferd: erkennen, behandeln, vorbeugen

Pferdekrankheiten
Dr. med. vet. Veronika Klein
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Grundlage dieses Artikels ist die Podcast-Folge von Dr. Veronika Klein zum Hufgeschwür beim Pferd. Er ersetzt keine tierärztliche Untersuchung: Bei einer plötzlichen, hochgradigen Lahmheit rufe bitte immer zuerst deinen Tierarzt oder Hufschmied an.

Das Wichtigste in Kürze

» Ein Hufgeschwür (auch Hufabszess) ist eine eitrige Entzündung der Huflederhaut. Es sieht durch die plötzliche, hochgradige Lahmheit dramatisch aus, hat aber in den meisten Fällen eine sehr gute Prognose.
» Der entscheidende Schritt ist, dass der Eiter abfließen kann. Tierarzt oder Hufschmied eröffnen das Geschwür, ein feucht-warmer Verband lässt den Abszess reifen.
» Schmerzmittel und Entzündungshemmer gehören nur in die Hand des Tierarztes, denn sie können die Abszessreifung verzögern und das Geschwür verschleppen.

Von einem Moment auf den anderen tritt dein Pferd kaum noch auf. Es hüpft auf drei Beinen, zittert, schwitzt vielleicht sogar und die Lahmheit sieht so dramatisch aus, dass der erste Gedanke ein Knochenbruch ist. In den allermeisten Fällen steckt aber etwas viel Harmloseres dahinter: ein Hufgeschwür. Ich sage in der Praxis oft, meistens ist man am Ende richtig froh, wenn es nur ein Hufgeschwür war. So schmerzhaft es für dein Pferd im Moment ist, so gut ist die Prognose.

Ein Hufgeschwür ist eine eitrige Entzündung der Huflederhaut (fachlich Pododermatitis), bei der Bakterien in den Huf eindringen und sich Eiter bildet, der zunächst nicht abfließen kann. Genau dieser eingeschlossene Eiter drückt gegen die empfindliche Huflederhaut und verursacht die starken Schmerzen. Umgangssprachlich wird das Hufgeschwür auch Hufabszess genannt, gemeint ist dasselbe.

Was ist ein Hufgeschwür genau?

Es dreht sich alles um die Huflederhaut. Sie ist die verbindende Schicht zwischen der Hornkapsel, also dem Huf, den du von außen siehst, und dem Hufbein, dem Knochen im Inneren. Ist diese Lederhaut entzündet, spricht man von einer Pododermatitis. Der Begriff setzt sich zusammen aus Podo (Fuß), Derma (Haut, das kennst du von den Cremes im Drogeriemarkt) und der Endung -itis, die in der Medizin immer für eine Entzündung steht.

Eine Huflederhautentzündung kann auf zwei Wegen entstehen:

  • infektiös, also durch Erreger. Das ist das klassische Hufgeschwür.
  • aseptisch, also ohne Erreger, zum Beispiel durch Belastung, eine Fehlstellung, Trachtenzwang, zu kurzes Ausschneiden der Hufe oder einen Schlag gegen die Wand. Alles, was die Huflederhaut quetscht.

Zur aseptischen Form gehört übrigens auch die Hufrehe. Dort ist die gesamte Huflederhaut entzündet, ausgelöst durch innere Faktoren wie Fütterung, eine Vergiftung, Nachgeburtsverhalten oder hormonell durch PPID (Cushing) und EMS. Beim Hufgeschwür dagegen wandern Keime von außen ein, entweder durch einen Riss in der Hornkapsel oder weil die Hornschicht sehr dünn und durchfeuchtet ist. Deshalb häufen sich Hufgeschwüre auch in nassen Jahreszeiten, wenn der Boden matschig ist und das Horn aufweicht.

Wie entsteht ein Hufgeschwür?

Damit sich ein Hufabszess bildet, müssen zwei Dinge zusammenkommen: eine Eintrittspforte und Bakterien. Die Eintrittspforte ist oft winzig, ein feiner Riss in der weißen Linie, ein aufgeweichter Bereich der Sohle, ein Nageltritt oder eine Stelle, an der das Horn nach einer Quetschung nicht mehr dicht ist. Durch diese Lücke gelangen Keime in die tieferen Schichten. Dort vermehren sie sich, es entsteht Eiter, und weil der Huf eine feste Kapsel ist, kann dieser Eiter nirgends hin. Der Druck steigt, und mit ihm der Schmerz.

Begünstigt wird das durch eine schlechte Hornqualität. Ein Horn, das fest, elastisch und gut durchblutet ist, hält Keime besser draußen als ein dünnes, brüchiges oder dauerfeuchtes Horn. Genau deshalb sind Fütterung, Haltung und Hufmechanismus so wichtig, dazu weiter unten mehr.

Pferdehuf von unten mit Blick auf Sohle und Strahl, dem typischen Sitz eines Hufgeschwürs

Symptome: So erkennst du ein Hufgeschwür

Das auffälligste Anzeichen ist die plötzliche, meist hochgradige Lahmheit. Typisch sind außerdem:

  • starke Entlastung des Beins schon im Stand, oft wird die Zehe nur angetippt
  • ein deutlich warmer Huf
  • eine pochende Pulsation der Mittelfußarterie, du kannst sie seitlich am Fesselkopf ertasten
  • eine Abwehrreaktion, wenn mit der Hufuntersuchungszange gezielt auf die schmerzhafte Stelle gedrückt wird
  • an dieser Stelle ist das Horn oft weich und federt leicht nach

Wie dramatisch das aussieht, hängt vom Schmerzempfinden des Pferdes ab. Manche zittern, schwitzen, hüpfen auf drei Beinen oder legen sich sogar hin. Das ist für uns Menschen furchtbar mit anzusehen. Es ist aber wichtig zu wissen: So schlimm die Lahmheit wirkt, für das Leben deines Pferdes ist ein Hufgeschwür keine bedrohliche Situation.

Genau dieses dramatische Bild ist aber auch der Grund, warum immer ein Fachmann draufschauen sollte. Denn eine hochgradige Lahmheit kann in seltenen Fällen auch von einer Hufbeinast- oder Strahlbeinfraktur kommen, und die ist genauso schmerzhaft. Diese Differentialdiagnose lässt sich nur mit dem Röntgengerät sicher ausschließen. Wie du eine Lahmheit grundsätzlich einordnest, habe ich dir in der Ganganalyse zusammengefasst.

Hufgeschwür oder Hufrehe?

Diese Frage bekomme ich oft. Eine einfache Faustregel: Ein Hufgeschwür betrifft fast immer nur ein Bein und kommt plötzlich. Eine Hufrehe betrifft typischerweise beide Vorderhufe (manchmal alle vier), das Pferd tritt trittig, klamm und stellt sich in die typische Rehehaltung, um die Zehen zu entlasten. Im Zweifel gilt bei beidem dasselbe: Tierarzt anrufen. Mehr dazu im Artikel über die Hufrehe.

Am Kronrand oder an der Sohle: Wo bricht das Hufgeschwür durch?

Der Eiter sucht sich seinen Weg immer dorthin, wo der Widerstand am geringsten ist. Das kann nach unten zur Sohle sein, oder nach oben, wo er am Kronrand durchbricht. Deshalb suchen viele nach Begriffen wie „Hufgeschwür kommt am Kronrand raus". Bricht der Abszess oben auf, entsteht dort eine kleine, nässende Öffnung. Das ist unangenehm, aber im Prinzip ein guter Moment, denn ab dann kann der Druck entweichen und die Schmerzen lassen deutlich nach.

Bricht der Eiter am Kronrand durch, entwickeln manche Pferde zusätzlich eine Phlegmone, also einen Einschuss am Bein: Das Bein schwillt an und wird warm. Das braucht dann tierärztliche Begleitung.

Manchmal hörst du den Satz, das Hufgeschwür „komme nicht raus" oder „sitze zu tief". Meist ist das Gegenteil der Fall: Das Geschwür sitzt sehr weit oben in den oberflächlichen Schichten und lässt sich deshalb von unten schlecht eröffnen. Der Eiter braucht dann einfach etwas länger, bis er sich seinen Weg gebahnt hat. Der feucht-warme Verband, den ich gleich beschreibe, hilft genau dabei.

Übrigens: Der Eiter ist meist grau-gelblich und riecht extrem. Einmal über die Finger gelaufen, hat man davon wirklich lange etwas. Ich habe mir angewöhnt, beim Aufschneiden Handschuhe zu tragen.

Was tun bei Hufgeschwür? Die Behandlung Schritt für Schritt

Der wichtigste Grundsatz lautet: Der Eiter muss abfließen können. Alles andere ordnet sich dem unter. Konkret heißt das:

  • Tierarzt oder Hufschmied anrufen. Eine plötzliche, hochgradige Lahmheit ist ein Notfall und gehört fachlich abgeklärt.
  • Das Geschwür eröffnen. Tierarzt oder Schmied schneiden die schmerzhafte Stelle vorsichtig auf, damit der Eiter abfließen kann. Ich bin ein Fan von einem eher kleinen Loch: So kann kein neuer Schmutz hineingelangen, die Öffnung hornt schneller wieder zu, und der Schutzverband muss nur kurz draufbleiben. Der Nachteil, dass sich ein kleines Loch schneller zusetzt und der Eiter erneut staut, wird durch die kürzere offene Phase mehr als ausgeglichen.
  • Feucht-warmer Verband. Er lässt den Abszess reifen und den Eiter nachfließen. Wärme und Feuchtigkeit sind hier entscheidend.

Ganz wichtig, und ein häufiger Fehler: Gib deinem Pferd nicht auf eigene Faust ein Schmerzmittel oder einen Entzündungshemmer. Diese Medikamente verzögern die Reifung des Abszesses und können das Hufgeschwür verschleppen. Ob und wann ein Schmerzmittel sinnvoll ist, entscheidet der Tierarzt im Einzelfall, nicht die Hausapotheke.

Jod, Sauerkraut und warum Rivanol tabu ist

Für den feucht-warmen Verband kommt in der Praxis häufig Jod zum Einsatz. Das früher sehr beliebte Rivanol ist für Pferde offiziell nicht zugelassen. Beides sind Desinfektionsmittel, aber am Ende ist es weniger die Art des Mittels, die zählt, sondern dass der Verband warm und feucht ist.

Ein bekanntes Hausmittel ist Sauerkraut, das mit eingewickelt wird: Es ist warm-feucht, leicht sauer und zieht gut. Der Geruch ist gewöhnungsbedürftig, die Wirkung überzeugt aber viele. Teure Wundermittelchen und Spezialpasten braucht es dagegen nicht. Entscheidend ist am Ende ein sauberes, feucht-warmes Milieu, das den Abszess reifen und abfließen lässt.

Angelegter feucht-warmer Hufverband am Pferdehuf zur Versorgung eines Hufgeschwürs

Hufverband und Angussverband: worauf es dabei ankommt

Ein Hufverband hat zwei Aufgaben: die Wunde sauber halten und das feucht-warme Milieu bewahren. Grundprinzip: eine desinfizierende, feuchte Kompresse auf die Öffnung, darüber Polster (zum Beispiel eine Windel oder Kompressen), dann eine Lage, die die Feuchtigkeit hält, und zum Schluss ein stabiler, aber nicht abschnürender Außenverband mit Panzertape an der Unterseite, damit er beim Auftreten hält.

Der Begriff Angussverband beschreibt genau diese feucht-warme Variante: Der Verband wird mit warmer Jodlösung oder einem entsprechenden Mittel „angegossen" und feucht gehalten, damit der Abszess reift. Lass dir das Anlegen beim ersten Mal von deinem Tierarzt oder Schmied zeigen. Ein Verband, der verrutscht, drückt oder das Bein abschnürt, richtet mehr Schaden an als gar keiner.

Bewegung oder Boxenruhe beim Hufgeschwür?

Auch das ist eine der häufigsten Fragen, und die Antwort ist zweistufig. Solange dein Pferd hochgradig lahm ist und den Huf kaum belasten kann, gehört es in die Boxenruhe oder auf einen kleinen, weichen, sauberen Auslauf. Zu viel Bewegung auf hartem Boden tut jetzt weh und bringt nichts.

Sobald der Eiter abgeflossen ist und die Schmerzen nachlassen, dreht sich das Bild aber um: Dann ist kontrollierte Bewegung ausdrücklich erwünscht. Denn Bewegung fördert den Hufmechanismus und damit die Durchblutung im Huf, und eine gute Durchblutung ist der beste Motor für die Heilung. Boxenruhe ist also nur die Akutmaßnahme, nicht der Dauerzustand. Wann Boxenruhe hilft und wann sie schadet, habe ich hier ausführlich beschrieben.

Die drei Schweregrade des Hufgeschwürs

Nicht jedes Hufgeschwür ist gleich. Man unterscheidet drei Formen, und daran hängt auch, wie lange die Heilung dauert:

  • Oberflächliches Hufgeschwür: die häufigste und harmloseste Form. Der Eiter ist eher gräulich, und in der Regel ist die Sache nach dem Eröffnen innerhalb weniger Tage ausgestanden.
  • Tiefes Hufgeschwür: Hier sind tiefere Schichten betroffen, das Gewebe schmilzt durch die Eiterbildung ein, und es kann sich eine Abszesshöhle bilden. Der Eiter ist eher gelblich. Solche Pferde können Fieber entwickeln, und es besteht die Gefahr, dass die Entzündung auf innere Strukturen wie das Hufbein oder das Hufgelenk übergreift. Das dauert dann Wochen und braucht enge tierärztliche Betreuung, manchmal liegt sogar ein Teil der Huflederhaut frei. Stell dir vor, jemand hätte dir einen Fingernagel abgerissen, so ähnlich empfindlich ist das.
  • Gangränöses Hufgeschwür: die seltenste und schwerste Form. Hier sind Fäulniserreger beteiligt (Anaerobier, die ohne Sauerstoff auskommen), der Eiter ist grünlich. Das Gewebe muss radikal entfernt und intensiv betreut werden, weil sich die Infektion schnell ausbreitet. In zehn Jahren Praxis habe ich das genau einmal in der Klinik gesehen. Gott sei Dank ist das die absolute Ausnahme.

Die gute Nachricht: Echte tiefe oder gangränöse Hufgeschwüre sind selten. Das, was die allermeisten Pferdebesitzer erleben, ist das oberflächliche Hufgeschwür mit sehr guter Prognose.

Wie lange dauert ein Hufgeschwür?

Das ist die Frage, die alle stellen, und die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an, wie tief das Geschwür sitzt und wie schnell der Eiter abfließt.

  • Oberflächliches Hufgeschwür: Nach dem Eröffnen ist die akute Lahmheit oft schon nach wenigen Tagen deutlich besser. Bis der Huf wieder komplett dicht und belastbar ist, vergehen meist ein bis zwei Wochen.
  • Bricht der Eiter erst am Kronrand durch, dauert es tendenziell länger, weil er den weiteren Weg nach oben nehmen muss.
  • Tiefes Hufgeschwür: Hier musst du mit mehreren Wochen rechnen, in schweren Fällen länger, bis das Loch zugehornt ist.

Wichtig ist Geduld beim Zuhornen. Ein neu gebildetes Horn braucht Zeit, um wieder fest und dicht zu werden. Solange die Öffnung noch nicht sauber verschlossen ist, bleibt der Verband dran, damit kein neuer Schmutz eindringt.

Was kostet die Behandlung eines Hufgeschwürs?

Ein unkompliziertes, oberflächliches Hufgeschwür ist eine der günstigeren Angelegenheiten in der Pferdemedizin. Die Kosten setzen sich meist zusammen aus dem Besuch von Tierarzt oder Schmied inklusive Anfahrt, dem Eröffnen des Geschwürs und dem Verbandsmaterial. Teurer wird es, wenn eine Röntgenuntersuchung nötig ist, um einen Bruch auszuschließen, oder wenn ein tiefes Geschwür über Wochen behandelt und mehrfach neu verbunden werden muss. Eine seriöse pauschale Zahl gibt es nicht, weil Anfahrt, Region und Aufwand stark schwanken. Frag im Zweifel deinen Tierarzt vorab nach einer groben Einschätzung.

Immer wieder Hufgeschwüre? Dann liegt es am Management

Ein einzelnes Hufgeschwür passiert in den besten Familien und sollte nicht überbewertet werden. Ich sage aber gerne: Einmal ist keinmal, zweimal ist eigentlich schon zu viel. Wenn dein Pferd immer wieder Hufgeschwüre bekommt, ist das ein Warnsignal, und es lohnt sich, systematisch hinzuschauen. Diese Punkte gehören auf den Prüfstand:

  • Fütterung: Sowohl ein Mangel als auch eine Überversorgung schadet der Hornqualität. Ein besonders wichtiger Nährstoff ist Zink, vor allem im Fellwechsel: Im Herbst und Frühjahr wird es vermehrt gebraucht, und ein Mangel schlägt sich direkt in einer schlechteren Horn- und Hufqualität nieder.
  • Haltung und Hufmechanismus: Der Huf muss stimuliert werden, damit er gut durchblutet ist. Ein Pferd, das in der Box steht, im Winter nur kurz rauskommt und rundum beschlagen ist, hat einen deutlich eingeschränkten Hufmechanismus. Ein Pferd, das barhuf über wechselnde Böden läuft, hat eine viel bessere Durchblutung und Hornqualität.
  • Körperliche Ursachen: Auch innere Faktoren wirken auf das Horn. Zum Beispiel können sich Leberprobleme auf die Hornqualität auswirken. Bei wiederkehrenden Problemen lohnt der umfassende Blick aufs ganze Pferd.

In meinem tierärztlichen Vier-Phasen-Modell ist das genau die vierte Phase: die umfassende Rehabilitation und Wiederherstellung der vollen Belastbarkeit. Wenn du wissen willst, wie du strukturiert an die Gesundheit deines Pferdes herangehst, schau dir das 4-Phasen-Modell an.

Barhuf, Hufeisen oder Hufschuhe?

Der Trend geht dahin, die Eisen abzunehmen, weil barhuf die natürlichste Form ist. Grundsätzlich stimme ich dem zu, aber das Pferd muss darauf vorbereitet sein. Was ich draußen leider oft sehe: Es werden von heute auf morgen alle Eisen abgezogen, und dann läuft das Pferd fühlig herum, bekommt warme, pochende Hufe, die Huflederhaut wird überlastet, und es entsteht genau die aseptische Huflederhautentzündung, die wir vermeiden wollten. Den Pferden brennen dann buchstäblich die Füße.

Eine Umstellung auf Barhuf braucht Vorbereitung, oft über ein halbes Jahr, in dem über die Fütterung eine feste Hornqualität aufgebaut und langsam umgestellt wird. Wer nur über Schotter ausreitet, kann sinnvollerweise Hufschuhe nutzen. Und wenn ein Pferd immer wieder Hufgeschwüre bekommt, darf man ruhig auch über Hufbearbeitung, Hufform und vorübergehend Eisen nachdenken, bis wieder Ruhe im Huf ist. Am Ende entscheidet nicht die Lehre, die Methode oder die Ideologie, sondern dein Pferd. Wenn es Schmerzen hat und alle drei Wochen ein Hufgeschwür bekommt, muss gehandelt werden. Die verschiedenen Perspektiven dazu findest du im Artikel Barhuf oder Hufeisen.

Genau hier, beim ehrlichen Blick aufs ganze Pferd statt nur auf den einen Huf, setzt die KKP Welt an. Dem Thema Huf und Hufgesundheit haben wir dort einen ganzen Monat gewidmet, gemeinsam mit dem Team HUF und einem Fachvortrag zur Hufbearbeitung. Wenn du lernen möchtest, deine Hufe selbst zu beurteilen und die richtigen Fragen zu stellen, findest du dazu in der KKP Welt mehr.

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Hufgeschwür vorbeugen: gesunde Hufe von innen und außen

Vorbeugen ist besser als heilen, das gilt beim Huf ganz besonders. Die drei großen Hebel für ein festes, widerstandsfähiges Horn sind:

  • Fütterung: bedarfsgerecht, mit ausreichend Zink und Spurenelementen, besonders im Fellwechsel.
  • Haltung und Bewegung: viel Bewegung über wechselnde, trockene Untergründe hält den Hufmechanismus in Gang und die Durchblutung hoch.
  • Hufpflege und Trockenheit: regelmäßiges Ausschneiden, trockene Liegeflächen und saubere Hufe. Dauernässe weicht das Horn auf und öffnet Bakterien Tür und Tor, auch bei der verwandten Strahlfäule.

Wichtig ist der Blick aufs Ganze. Der Huf ist kein isoliertes Bauteil, sondern hängt an Fütterung, Haltung, Bewegung und dem gesamten Stoffwechsel deines Pferdes.

Mein Fazit

Ein Hufgeschwür sieht schlimmer aus, als es ist. In den meisten Fällen ist es eine gut behandelbare, oberflächliche Angelegenheit, die nach dem Eröffnen und ein paar Tagen feucht-warmem Verband ausgestanden ist. Wichtig sind drei Dinge: den Fachmann rufen, den Eiter abfließen lassen und keine Schmerzmittel auf eigene Faust geben. Und wenn dein Pferd immer wieder betroffen ist, dann ist das Hufgeschwür nicht das eigentliche Problem, sondern der Bote. Dann lohnt der ehrliche Blick auf Fütterung, Haltung und Hornqualität.

Denn am Ende reicht Liebe zum Pferd allein nicht. Erst wenn Wissen und Erfahrung dazukommen, haben wir das Rüstzeug, um wirklich gute Entscheidungen für unser Pferd zu treffen, ruhig, sicher und ohne das ungute Gefühl, es könnte etwas übersehen worden sein.

Häufige Fragen

Ein oberflächliches Hufgeschwür ist nach dem Eröffnen oft schon nach wenigen Tagen deutlich besser, bis der Huf wieder ganz dicht und belastbar ist, vergehen meist ein bis zwei Wochen. Bricht der Eiter erst am Kronrand durch oder handelt es sich um ein tiefes Hufgeschwür, dauert die Heilung entsprechend länger, bis zu mehreren Wochen.

Nicht auf eigene Faust. Entzündungshemmende und schmerzstillende Medikamente können die Reifung des Abszesses verzögern und ein Verschleppen des Hufgeschwürs begünstigen. Ob und wann ein Schmerzmittel sinnvoll ist, entscheidet der Tierarzt im Einzelfall.

Solange dein Pferd hochgradig lahm ist, gehört es in die Boxenruhe oder auf einen kleinen, weichen, sauberen Auslauf. Sobald der Eiter abgeflossen ist und die Schmerzen nachlassen, ist kontrollierte Bewegung dagegen erwünscht, denn sie fördert den Hufmechanismus und die Durchblutung und damit die Heilung.

Es ist dasselbe. Hufabszess ist der umgangssprachliche Begriff für das Hufgeschwür, fachlich eine eitrige Huflederhautentzündung (Pododermatitis).

Bricht der Eiter am Kronrand durch, ist das oft ein guter Moment, weil der Druck entweicht und die Schmerzen nachlassen. Halte die Stelle sauber und lass sie von Tierarzt oder Schmied kontrollieren. Schwillt das Bein an oder wird warm, kann sich eine Phlegmone (Einschuss) entwickelt haben, die tierärztlich behandelt werden muss.

Das Eröffnen gehört in die Hand von Tierarzt oder Hufschmied. Sie erkennen die richtige Stelle, halten die Wunde sauber und schließen einen Bruch als Ursache der Lahmheit aus. Selbst herumzuschneiden riskiert, dass zusätzlicher Schmutz in den Huf gelangt und ein neues Geschwür entsteht.

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