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Mensch mit Pferd oder Pferdemensch

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QUIZ MIT PFERDETIERÄRZTIN DR. VERONIKA KLEIN

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Podcast

Episode #23 Hufrollen-Erkrankung

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Heute be­schäf­ti­gen wir uns mit dem Hufrollen-Syndrom, eine der häu­figs­ten or­tho­pä­di­schen Erkrankungen bei ei­nem aus­ge­wach­se­nen Reitpferd. Dabei zei­gen die Pferde eine chro­ni­sche Lahmheit in den Vorderbeinen aus­ge­löst durch Schmerzen vom Strahlbein und/oder den um­lie­gen­den Strukturen. Diese Lahmheit lässt sich  durch eine Leitungsanästhesie ver­bes­sern oder aus­schal­ten. Ein an­de­rer Begriff für das Hufrollen-Syndrom ist Podotrochlose oder Palmar Foot Syndrom.

“Mein Pferd hat Hufrolle”

“Mein Pferd hat Hufrolle” – ist ein Satz den wir oft hö­ren, ant­wor­ten möch­te ich dann im­mer „Aber na­tür­lich hat dein Pferd eine Hufrolle und zwar vier Stück in je­dem Huf eine!”

Die Hufrolle ist eine ana­to­mi­sche Struktur im Huf, sie be­steht aus Knochen (Strahlbein), ei­nem Schleimbeutel und ei­ner Sehne. Das Strahlbein ist ein klei­ner Knochen im Huf über den die tie­fe Beugesehne (TBS) glei­tet und mit dem Hufgelenk in Verbindung steht. Zwischen der TBS und dem Strahlbein liegt der Schleimbeutel. Zusätzlich be­fin­den sich hier Bänder vom Strahlbein zum Hufbein und zum Fesselbein.

Merke!
Die Hufrolle ist eine ana­to­mi­sche Struktur und be­steht aus den drei “S”
- Strahl­bein
- Sehne
- Schleim­beu­tel

Kommt es nun zu ei­ner Lahmheit und die Diagnose Hufrollen-Sydrom wird ge­stellt, kann die Ursache un­ter­schied­lich sein – das Strahlbein kann be­trof­fen sein, dann sind im Röntgenbild deut­li­che Veränderungen sicht­bar- denn Knochen lässt sich im Röntgen dar­stel­len. Dazu kann die TBS auf­ge­fa­sert sein, also eine Sehnenentzündung be­stehen, die­se kann im Röntgen nicht ge­se­hen wer­den, da Weichteilgewebe nur mit dem Ultraschall sicht­bar ist. Da die TBS im Huf ist, stellt sich der Ultraschall schwie­rig dar-der Huf muss frisch aus­ge­schnit­ten sein und am Besten 2 Tage in ei­nen Angußverband ein­ge­weicht wer­den, dann kann durch den Strahl hin­durch ver­sucht wer­den die TBS da­zu­stel­len. Weiter kön­nen die Seitenbänder be­trof­fen sein, in ei­nem fort­ge­schrit­te­nem Stadium kann man im Röntgen an den Bandansätzen Knochenneubildungen be­ob­ach­ten, an­sons­ten ist eine Darstellung die­ser Bänder nur mit dem MRT mög­lich. Auch der Knorpel kann ge­schä­digt sein oder der Schleimbeutel ent­zün­det, auch das ist im MRT zu se­hen. Der Schleimbeutel kann in der Lahmheitsdiagnostik an­äs­the­siert und so als Ursache lo­ka­li­siert wer­den.

Wie du hörst gibt es lei­der eine Vielzahl von Ursachen für eine Lahmheit aus dem Huf und eine um­fas­sen­de und lei­der teu­re Diagnostik ist meist nö­tig, um die ge­naue Struktur zu iden­ti­fi­zie­ren, die be­trof­fen ist um dann eine Prognose ab­ge­ben zu kön­nen!

Wie lan­ge muss das Pferd Pause ma­chen? Wann kann es wie­der ge­rit­ten wer­den? Kann es über­haupt wie­der voll ein­ge­setzt wer­den und so wei­ter… All die­se Fragen sind nur zu be­ant­wor­ten, wenn die ge­naue Ursache dia­gnos­ti­ziert wor­den ist. 

Ursache des Hufrollen-Syndroms

Eine Genetische Disposition wird bei Warmblütern, Quater Horses (klei­ne Hufe, vor­hand­las­tig und gro­ßer Popo) und Vollblütern dis­ku­tiert. Insgesamt muss aber be­dacht wer­den, dass es sich wie so oft eher um ein mul­ti­fak­to­ri­el­les Geschehen han­delt und so meh­re­re Faktoren zu­sam­men kom­men, dazu ge­hört die Fehlbelastung durch:

- Huffehlstellungen, wie fla­che Hufe, seit­lich schie­fe Hufe oder ei­nen feh­ler­haf­ten Beschlag,
- Exterieurmängel (Überbaut)
- aus­ge­löst durch fal­sches Training, wie zu viel auf der Vorhand rei­ten oder das Gegenteil zu we­nig Bewegung, das schä­digt den Knorpel, da die Ernährung und so­mit die Versorgung der Gewebe her­ab­ge­setzt ist

> Wie ge­stal­test du eine ge­sun­de Lösungsphase und op­ti­mierst dein Training aus me­di­zi­ni­scher Sicht? Höre dazu die fol­gen­de Podcastfolge:

Podcast Episode #5 Lösungsphase aus me­di­zi­ni­scher Sicht

Symptome beim Pferd

Kommen wir wei­ter zu den Symptomen: da die Erkrankung schlei­chend sich ver­schlech­tert, be­ginnt es meist un­spek­ta­ku­lär mit stol­pern, kür­zer tre­ten im Schritt, be­son­ders auf har­ten Boden, ver­wei­gern vor dem Sprung und schlech­te Landephase, Schwierigkeiten in en­gen Wendungen-ins­be­son­de­re nach ei­ner lan­gen Zeit in der Box muss sich das Pferd erst einlaufen…und auch das neu Beschlagen kann die Lahmheit erst ein­mal ver­schlech­tern. Die Pferde ent­las­ten manch­mal an­wech­selnd die vor­dern Beine in­dem sie ein Bein nach vor­ne aus­stel­len. Die Beugeprobe kann po­si­tiv sein, ist aber nur ein Hinweis, dass die Ursache in den un­te­ren Gelenken sitzt.

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Diagnostik beim Hufrollen-Syndrom

Zur Diagnostik noch­mal als Wiederholung, eine Leitungsanästhesie wird durch ge­führt, da­mit fin­det der Tierarzt her­aus, dass das Problem im Huf sitzt, dann sind Röntgenbildern an­zu­fer­ti­gen, es gibt drei Projektionen, also Richtungen aus de­nen je ein Bild an­ge­fer­tigt wird. In den Schleimbeutel kann Röntgenkontrastmittel ge­spritzt wer­den, dann kann man auch die­se Struktur auf dem Röntgen se­hen. Die Ultraschall-Untersuchung ist zur Darstellung der Weichteile ge­eig­net, der Untersucher muss al­ler­dings sehr er­fah­ren sein, der Huf und der Ballen ent­spre­chen vor­be­rei­tet wer­den, aus­schnei­den und ein­wei­chen und dann sind in der Regel mit­tel­gra­di­ge oder hoch­gra­di­ge Veränderungen zu se­hen, klei­nen, ge­ring­gra­di­gen Veränderungen sind schwie­rig bis gar­nicht zu dia­gnos­ti­zie­ren mit dem Ultraschall. Und zu letzt kann ein MRT an­ge­fer­tigt wer­den, hier han­delt es sich um eine sehr si­che­re bild­ge­ben­de Diagnostik, die al­ler­dings auch sehr teu­er ist und nur in gro­ßen Kliniken durch­ge­führt wer­den kann. 

Behandlung des Hufrollen-Syndroms

Die Behandlung rich­tet sich dann nach den er­ho­be­nen Befunden und ist da­her sehr in­di­vi­du­ell. Allgemein kann aber ge­sagt wer­den eine Hufkorrektur und ein or­tho­pä­di­scher Beschlag spielt eine sehr wich­ti­ge Rolle. Daneben be­kommt das Pferd ei­nen Entzündungshemmer und die Injektion mit Hyaluronsäure und Kortison ins Hufgelenk und/oder in den Schleimbeutel kann sinn­voll sein-eine wie­der­hol­te, also mehr­ma­li­ge Behandlung mit Kortison kann aber auch ne­ga­ti­ve Auswirkungen ha­ben und soll­te ver­mie­den wer­den.

Ebenso kön­nen re­ge­ne­ra­ti­ve Behandlungsmethoden in Betracht ge­zo­gen wer­den –Stammzellen oder PRP zum Beispiel. Einen po­si­ti­ven Einfluss zeigt auch die Stoßwellentherapie. Eingesetzt wer­den auch Biphosphonate, ein Medikament das in den Muskel ge­spritzt wird und den Knochenumbau be­ein­flusst. Sind alle kon­ser­va­ti­ven Behandlungsmethoden ohne Erfolg kann das Pferd auch ope­riert wer­den, hier gibt es ver­schie­de­ne chir­ur­gi­sche Techniken, dazu zählt zum Beispiel auch der Nervenschnitt, wer über die­se OP-Techniken mehr wis­sen möch­te soll­te sich in ei­ner Klinik, die die­se Operationen an­bie­tet in­for­mie­ren las­sen.  Schon ent­stan­de­ne Schäden kön­nen nicht wie­der her­ge­stellt wer­den, Ziel der die­ser Behandlungen ist ein lahm­frei­es Pferd, das heißt der ge­sun­de Ausgangszustand wird je­doch nicht wie­der­her­ge­stellt. Das be­deu­tet ein Pferd mit Hufrollen-Syndrom muss auch wenn es wie­der lahm­frei ist, ent­spre­chend ge­ma­nagt wer­den => ver­mei­de auf har­ten Boden zu rei­ten oder zu enge Wendungen zu rei­ten, re­gel­mä­ßi­ge Hufpflege und ‑kor­rek­tur.

Zusammenfassung

Die Hufrolle ist eine ana­to­mi­sche Struktur, aus Knochen, Schleimbeutel und Sehne und Bändern – ist ein oder meh­re­re Teile der Hufrolle ge­schä­digt lahmt das Pferd und es wird Hufrollen-Syndrom oder Palmar Foot Syndrom ge­nannt. Es be­trifft in der Regel die Vorderbeine und aus­lö­sen­de Faktoren sind wahr­schein­lich zum Teil ge­ne­tisch be­dingt, be­son­ders Quater Horses aber vor­al­lem durch Fehlbelastung, zb Huffehlstellung oder fal­sches Training be­dingt. Die Pferde stol­pern, mei­den enge Wendungen und har­ten Boden bis sie eine Vorderhandlahmheit zei­gen. Die Diagnostik ist sehr um­fang­reich, da so vie­le Strukturen be­tei­ligt sind und be­inhal­tet die Leitungsanästhesie, Röntgen, Ultraschall und MRT. Bei der Therapie ist ins­be­son­de­re die Hufbearbeitung und ein an­ge­pass­tes Training wich­tig be­glei­tet durch ent­zün­dungs­hem­men­de Medikamente und zum Beispiel eine Stoßwellenbehandlung.

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