Das Wichtigste in Kürze
» Die oberflächliche Beugesehne erreicht im Galopp 43 bis 45 Grad. Das ist normal, solange die Wärme über die Haut wieder abfließen kann.
» Unter Bandagen ist die Haut nach 20 Minuten Longieren rund zehn Grad wärmer als am nackten Bein, und nach drei Stunden Ruhe ist die Wärme noch nicht weg.
» Funktion vor Fashion: Beinschutz nur, wenn dein Pferd sich streift oder springt, so leicht und luftdurchlässig wie möglich, als Letztes dran und als Erstes ab.
Der Sommer steht vor der Tür, und damit kommt jedes Jahr dieselbe Diskussion: Hitzestau unter dem Beinschutz. Kaum ein Ausrüstungsthema wird so kontrovers und emotional diskutiert wie Gamaschen und Bandagen. Die Klassiker-Frage, die ich dazu ständig bekomme, lautet: Wann macht welcher Beinschutz Sinn, und wann kann oder sollte man darauf verzichten?
Für diese Folge habe ich mir deshalb eine Expertin ins Boot geholt, die genau diese sachliche, auf Fakten gestützte Betrachtung zum Schwerpunkt gemacht hat: Helle Kleven.

Helle ist Human- und Tierphysiotherapeutin, hat lange das deutsche Vielseitigkeits- und Distanzreiterteam als offizielle Physiotherapeutin begleitet, war 2016 bei den Olympischen Spielen in Rio dabei und hat ein Fachbuch über Biomechanik und Physiotherapie für Pferde geschrieben. Aus dem Bedarf heraus hat sie den Helle Kleven Shop für pferdegerechte Ausrüstung gegründet.
Die Grundlage dieses Beitrags ist die Podcastfolge mit Helle Kleven. Der Artikel wurde 2026 überarbeitet und mit der Studienlage zu Sehnentemperatur und Beinschutz abgeglichen, die Quellen sind im Text verlinkt.
Warum Ausrüstung mehr ist als Optik
Warum überhaupt ein Shop? Helle beschreibt das Muster, das sie als Therapeutin immer wieder erlebt hat: Man fährt raus, behandelt ein Pferd, kommt wieder und findet dasselbe Problem vor, weil die Strukturen um das Pferd herum unpassend sind, allen voran das Equipment. Man läuft gegen Windmühlen, weil man die Ursache nicht abstellt. Wir reden dabei oft nur vom Sattel. Dabei haben auch Trense und Sattelgurt eine enorme Auswirkung auf Wohlbefinden und Biomechanik des Pferdes.
Ihr Aha-Moment war eine Studie zum Sattelgurt. Druckmessungen zeigten, dass der höchste Druck nicht am Brustbein entsteht, wie alle dachten, sondern hinter dem Ellenbogen am Rumpf. Mit einem Gurt, der genau diese Stellen ausspart, zeigten Sportpferde in der Untersuchung von Murray und Kollegen (2013) 6 bis 11 Prozent mehr Vorführung in der Vorhand und 10 bis 20 Prozent mehr in der Hinterhand. Wer sich also mehr Aktivität in der Hinterhand wünscht, darf erst einmal seinen Sattelgurt überprüfen.
Und der Bogen zum Sehnenapparat ist kurz: Ausrüstung, die die Biomechanik hemmt, verändert die Belastung der Sehnen. Das Bewegungsausmaß wird kleiner, der Druck punktueller, und damit steigt das Risiko für frühzeitige Verletzungen. Es geht nicht nur um Leistung oder Wohlbefinden. Es geht um Gesundheit.
Braucht dein Pferd überhaupt Beinschutz?
Helles Shop hat zwei Mottos: Keep it simple, und Function for Fashion. So wenig wie möglich, und die Funktion vor der Mode. Wann macht Beinschutz Sinn? Ganz klar dann, wenn das Pferd sich streift und die Beine geschützt werden müssen. Da brauchen wir gar nicht zu diskutieren, der Schutz ist Nummer eins. Die Frage ist nur, wann wir diesen Schutz brauchen.
In Springställen sieht man oft, dass jeden Tag Hartschalengamaschen benutzt werden. Helles Frage dazu: Brauchen wir das jeden Tag? Wenn nur Dressurarbeit ansteht, brauchen wir sie nicht. Die Hartschale ist dafür da, die Sehne beim Springen zu schützen. Ihre Devise lautet deshalb: Überlegt euch, was ihr heute eigentlich machen wollt. Bei ihrem eigenen Pferd Colin hieß das: Hartschale zum Springen, bei der täglichen Arbeit perforierte, also luftdurchlässige Gamaschen, so leicht wie möglich, und im Gelände einfach nur Hufglocken.
Ob ein Pferd Schutz braucht, hängt auch von seinem Körperbau ab. Pferde, die vorne eng stehen oder oben in der Vorhand schwach sind, bei denen das Schulterblatt etwas nach außen steht oder die Brustmuskulatur die Beine unten zu eng zusammenführt, kreuzen oder streifen eher. Das lernt man mit der Zeit, und man sieht es nach dem Reiten: Ist viel Dreck auf der Gamasche oder wenig? Gibt es Kratzer, hörst du beim Reiten ein Streifen? Dann weißt du, wie viel Schutz dein Pferd braucht.
Ich selbst reite viel nackig an den Füßen. Im Gelände und im Vielseitigkeitsparcours hat mein Pferd natürlich Beinschutz dran, vorne und hinten, und zwar den passenden für das, was ich vorhabe, mit Belüftung, damit er sich nicht voll Wasser saugt. Was ich dagegen oft beobachte: Fleecebandagen werden drangemacht, weil sie farblich zur Schabracke passen. Und nicht, weil der Schutz vorneweg steht.
Hitzestau unter dem Beinschutz: Was in der Sehne passiert
Hitze im Pferdebein ist erst einmal normal. Bewegung produziert Wärme, und die Sehnen speichern bei jedem Schritt Energie, von der ein Teil als Wärme verloren geht. Wilson und Goodship haben 1994 bei galoppierenden Pferden direkt in der oberflächlichen Beugesehne gemessen: Der Kern der Sehne erreichte 43 bis 45 Grad, und ihr Modell sagt voraus, dass er im anhaltenden Galopp bis zu elf Grad wärmer wird als die Oberfläche der Sehne.
Was macht diese Hitze mit den Sehnenzellen? Dieselbe Arbeitsgruppe hat das 1997 im Labor geprüft und Zellen aus dem Kern der Beugesehne erhitzt. Nach zehn Minuten bei 45 Grad lebten noch 91 Prozent der Sehnenzellen, bei 48 Grad waren es nach zehn Minuten nur noch 22 Prozent. Sehnenzellen sind also erstaunlich hitzeresistent, deutlich mehr als Hautzellen. Zwischen 45 und 48 Grad liegt aber eine Schwelle, ab der es eng wird.
Helle sagt dazu etwas, das man einen Moment im Raum stehen lassen sollte: Diese Hitze ist physiologisch. Rennpferde sind dafür konzipiert zu rennen, und beim Rennen entsteht in der Sehne sehr viel Bewegung und sehr viel Wärme. Durch die Bewegung werden die Sehnen aber auch wieder abgekühlt. Der Grad ist nicht so erschreckend, wie er sich anhört. Das Problem entsteht, wenn wir diese Hitze mit Gamaschen stauen.
Der Grund liegt in der Anatomie: Unterhalb von Karpal- und Sprunggelenk hat das Pferdebein keine Muskulatur und kein Fettpolster. Die Sehnen liegen dicht unter der Haut, und genau darüber geben sie ihre Wärme ab, wenn das Pferd sich bewegt. Die Natur ist immer wieder faszinierend. Ein Beinschutz setzt sich genau auf diese Kühlfläche.
Es wird nicht sofort ein Problem geben, und das ist der Punkt, den ich immer wieder erkläre. Ich bekomme Anfragen von Menschen, die einmal Gamaschen oder Fleecebandagen benutzt haben und fragen: Habe ich mein Pferd jetzt kaputt gemacht? Nein. Die sind ja auch nicht aus Zucker. Aber wenn wir das jeden Tag machen, harte Arbeit haben, die Beine einpacken und die Wärme nicht abgehen kann, dann kann das auf lange Sicht die Sehne schwächer machen. Genau das steht auch am Ende der Laborstudie: Die im Sehnenkern gemessenen Temperaturen töten die Zellen wahrscheinlich nicht direkt, aber wiederholte Hitzereize können ihren Stoffwechsel stören und so zur Degeneration im Sehnenkern beitragen.
Aus den Statistiken der Tierkliniken, mit denen ich zu tun habe, weiß ich: Dass eine Sehne durch ein einmaliges, traumatisches Ereignis kaputtgeht, ist kaum der Fall. Was die Sehne kaputt macht, ist die tägliche Schwächung des Gewebes, und Hitzestau ist einer dieser Mosaiksteine. Nicht die weißen Gamaschen für die Weihnachtsquadrille oder das Turnier. Sondern das unbedachte „jeden Tag drauf, weil hübsch". Dann habe ich jeden Tag eine kleine Schwächung, und das führt langfristig zu unserem Sehnenproblem. Der Beinschutz ist dabei eine Stellschraube von vielen, vom Training bis zum Boden. Wie Sehnenschäden wirklich entstehen, habe ich im Beitrag Sehnenschäden beim Pferd: 3 hartnäckige Mythen auseinandergenommen.
Wie heiß wird es wirklich unter Gamaschen und Bandagen?
Das ist inzwischen gemessen. An der Veterinärmedizinischen Universität Wien haben Westermann und Kollegen 2014 zehn Pferde 20 Minuten longiert, einmal mit nackten Beinen, dann mit einer Bandage am linken und einer Gamasche am rechten Vorderbein. Das nackte Bein hatte nach der Arbeit eine Hauttemperatur von rund 14 Grad, also praktisch dieselbe wie in Ruhe. Unter der Gamasche waren es 20,6 Grad, unter der Bandage 24,8 Grad. In Ruhe gab es keinen Unterschied. Der Stau entsteht also nicht beim Stehen, sondern in der Bewegung.
Eine amerikanische Arbeit von Brock und Spooner (2021) hat sechs Beinschutz-Varianten verglichen, von der Neoprengamasche über perforiertes Neopren und die Vielseitigkeitsgamasche bis zur Fleecebandage, jeweils 20 Minuten Arbeit und danach drei Stunden Ruhe, das andere Bein nackt als Vergleich. Alle Varianten lagen zu jedem Zeitpunkt über dem nackten Bein, die Fleecebandage staute am meisten Wärme und Feuchtigkeit. Und keine der Varianten war nach 180 Minuten Ruhe wieder auf dem Ausgangswert.
Genau das ist Helles Erfahrung: Die Fleecebandagen sind die schlimmsten von allen. Da kommt gar keine Wärme weg, und sie speichern auch noch die Feuchtigkeit. Geschlossene Neoprengamaschen sind ein bisschen billiger, aber Neopren speichert ebenfalls. Gut abgeschnitten haben perforierte Materialien. Ihr Rat: Schaut nach, dass ihr so viel Perforation wie möglich habt, und legt sie nicht eng an. Auch die Farbe spielt eine Rolle, sobald Gamaschen im Sommer stundenlang in der Sonne getragen werden. Dazu gleich mehr.
Ein Hinweis zur Einordnung: Die Wiener Studie misst die Hauttemperatur, nicht den Sehnenkern. Beides hängt zusammen, aber wie viel von der gestauten Wärme tatsächlich in der Sehne ankommt, ist noch Gegenstand der Forschung. Es passiert sehr viel Forschung, und es kommen unterschiedliche Resultate heraus, wie Helle sagt. Am Ende bleibt trotzdem die Konsequenz, unseren Beinschutz zu überdenken und nicht so viel einzupacken, wie wir es bisher gemacht haben.
Bandagieren: Warum Helle die Bandagen aus dem Shop genommen hat
Auf dem Turnier weiße Bandagen zu tragen ist nicht das Thema. Das Thema ist die tägliche Arbeit. Und beim Bandagieren kommt zum Hitzestau ein zweites Problem dazu: Es wird sehr viel falsch bandagiert. Zu hoch, über das Karpalgelenk hinaus. Und zu tief, über das Fesselgelenk.
Helle erklärt, warum das die Beweglichkeit stört. An der Rückseite des Karpalgelenks sitzt das Erbsenbein, und das muss sich frei bewegen können. Beugt das Gelenk, gleitet der Knochen nach innen, streckt es, gleitet er nach außen. Direkt an seiner Innenseite laufen die Gefäße und Nerven in das untere Bein. Hemmen wir diese Bewegung, kann deutlich mehr Kompression auf dem Knochen und den Strukturen daneben entstehen. Unten am Fesselgelenk ist es ähnlich: Das Gelenk muss Richtung Boden durchfedern, und auf seiner Rückseite liegen die beiden Gleichbeine. Wird dort permanent Druck aufgebaut, bekommen die Gleichbeine und ihre Bänder bei jeder Belastung noch mehr davon ab. Helle sagt ausdrücklich, dass das nicht wissenschaftlich bewiesen ist, sondern ihr Gefühl und ihre Meinung. Sie ist sich nur nicht sicher, wie gut dieser permanente Druck hinten ist.
Dazu kommt: Gut zu bandagieren ist schwer, und schnell mal die Beine zu wickeln macht aus ihrer Sicht viel mehr kaputt, als es gut ist. In der Humanmedizin geht man inzwischen vom Bandagieren weg, gerade bei Sehnenverletzungen, die denen unserer Pferde an den Beugesehnen ähneln. Der Grund: Zu feste Bandagen erzeugen mehr Reibung zwischen den Strukturen. Das ist für uns schwer zu verstehen, weil Bandage für uns Schützen und Heilen bedeutet.
Wer eine Bandage oder Gamasche einmal über Nacht vergessen hat, kennt die weißen Haare, die sich danach entwickeln können. Das ist eine deutliche Durchblutungsstörung im Gewebe unter dem Druck. Helle war deshalb konsequent: Die Bandagen sind aus dem Shop rausgeflogen, sie verkauft sie nicht mehr. Es gibt Leute, die deshalb keine Schabracken mehr dort kaufen. Das findet sie schade, akzeptiert es aber, weil vielleicht die eine oder andere jetzt ins Nachdenken kommt. Zum Wohl des Pferdebeins.
Ich sehe das genauso und ergänze aus tierärztlicher Sicht: Fleecebandagen ohne Unterlage gehen für mich überhaupt nicht. Und wer bei angelaufenen Beinen über Nacht in Querfriktion wickelt, behandelt nicht nur Symptome, sondern beschädigt die Lymphgefäße und macht am Ende alles noch schlechter. Beinschutz in Bewegung und Bandagen über Nacht sind zwei verschiedene Fragen, und beide haben ihre eigenen Fallen.
Stützen Gamaschen die Sehne?
Gerade bei Pferden, die schon einmal einen Sehnenschaden hatten, ist der Wunsch groß, die Beine besonders zu schützen. Und viele erhoffen sich vom Beinschutz eine Stützwirkung. Was sagt die Forschung? Eine Wiener Studie von 2004 hat bei 26 Pferden auf dem Laufband gemessen, wie stark das Fesselgelenk mit und ohne Stützgamaschen durchfedert. Im Trab reduzierten alle Stützgamaschen die maximale Streckung des Fesselgelenks, allerdings nur um 0,56 bis 1,44 Grad. Die Autoren geben selbst zu bedenken, dass die Langzeitfolgen unklar sind und eine dauerhaft verringerte Streckung die Faserausrichtung in einer heilenden Sehne sogar negativ beeinflussen könnte.
Helle hält eine nennenswerte Stützwirkung deshalb für unwahrscheinlich: Wenn man sich überlegt, wie schwer ein Pferd ist und wie viel Gewicht auf diese kleine Fläche kommt, ist es logisch, dass man da nicht viel stützen kann. Fesselkopfgamaschen müssten wahnsinnig fest zugemacht werden, damit sie überhaupt einen Effekt haben, das Material hält diesen Effekt nicht lange, und beim Festziehen geht vermutlich mehr kaputt, als gestützt wird. Ein Stützeffekt hält in einer Trainingseinheit ohnehin nicht lange an. Selbst wenn da ein bisschen ist: Kriegsentscheidend ist es am Ende nicht.
Spannender ist, was die englische Forschung zur Sehnenheilung sagt: Pferde mit Sehnenschwäche oder Sehnenverletzung müssen die Sehne unterschiedlicher belasten, als wir bisher dachten, damit sie heilt und wieder stark wird. Es gibt Hinweise, dass wir viel mehr auf unebene Böden gehen müssen, um die Struktur in der Sehne zu stärken. Vier Wochen lang dieselbe Belastung macht das nicht. Und die Propriozeption muss trainiert werden, also das Sinnessystem, mit dem das Pferd spürt, wie sein Bein im Raum steht, damit es nicht umknickt oder stolpert. Tritt es auf einen Stein, melden diese Sensoren ans Gehirn, und das Pferd balanciert sich aus. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt in der Heilung von Sehnen, und wie das Antrainieren konkret aussieht, steht im Beitrag über die 3 größten Aufbau-Fehler nach dem Sehnenschaden.
Beinschutz beim Sehnenpferd: Worauf du achten musst
Ich verstehe die Intention, gerade bei Sehnenpferden Beinschutz zu nutzen: Die Sehne soll beim Antrainieren vor Streifen und Schlägen sicher sein, damit kein Rückfall passiert. Wenn du dich dafür entscheidest, gelten laut Helle vier Dinge.
Erstens: leicht. Man braucht nicht viel, 200 oder 300 Gramm am Bein reichen, und das Pferd hat einen ganz anderen Bewegungsablauf. Der Hebel von der unteren Gliedmaße bis zur steuernden Muskulatur oben ist lang, und jedes zusätzliche Gewicht erhöht den Krafteinsatz. Im Gelände kann das schnell zu Ermüdung führen. Deshalb auch keine Gamaschen, die Feuchtigkeit aufnehmen und sich vollsaugen.
Zweitens: luftdurchlässig. Atmungsaktiv nennt man das, und Helle findet das ein komisches Wort. Es soll einfach heißen, dass die Hitze wegkommt, und da sind wir mit perforierten Gamaschen am besten aufgehoben. Nicht eng anlegen.
Drittens: passend. Dazu weiter unten mehr.
Viertens: so kurz wie möglich. Die Gamasche sollte das Letzte sein, was du vor dem Reiten anlegst, und nicht das Erste. Helle sieht oft, dass zuerst bandagiert wird und dann der Rest des Equipments kommt. Macht es genau andersherum. Und wenn ihr fertig seid mit Reiten: absteigen, alles von den Beinen abmachen, dann wieder aufsteigen und Schritt reiten. So ist die Tragezeit am kürzesten, und der Beinschutz ist wirklich nur dort im Einsatz, wo er gebraucht wird.
Was Sehnen und Fesselträger genau aushalten und wo sie versagen, siehst du in diesem Video.
Kühlen nach dem Reiten: Muss das jeden Tag sein?
Wer ein Sehnenpferd hat, kennt auch die Diskussion ums Kühlen. In vielen großen Ställen wird sofort mit Eis gearbeitet, wenn die Pferde reinkommen. Helle hat dazu den Vortrag eines Physiotherapeuten gehört, der viel zur Achillessehne geforscht hat, und auch dort geht man vom Kühlen nach dem Training weg. Die Begründung: Bei Belastung entstehen in der Sehne ganz kleine Mikrotraumen, und genau die sagen dem Körper, dass er sich hier stärker machen muss. Wenn wir sofort mit Eis kühlen, unterbinden wir diese Information. Wer jeden Tag kühlt, könnte damit die Reparatur ausbremsen, die die Sehne eigentlich stärker macht.
Die Gegenposition gibt es genauso: Eis ist ein guter Entzündungshemmer für diese Mikrotraumen, es lindert Schmerzen und drosselt bei einer akuten Verletzung die Durchblutung, was man dann auch will, um das Hämatom klein zu halten. Helle sieht beide Seiten. Das Kühlen war das Thema, das ihr beim Schreiben ihres Buches am schwersten fiel, und sie hat sich für ein Mittelding entschieden: nicht zu viel, nicht zu wenig. Kurz abspritzen ist bestimmt okay. Aber ob man jeden Tag mit Eisgamaschen arbeiten muss, sollte man sich überlegen.
Da bin ich auch beim Mittelweg angekommen. Ich kühle, wenn ich einen stark überschwelligen Reiz für die Sehnen gesetzt habe, oder bei einem Sehnenpferd, das per se ein Problem hat: viel galoppiert, gesprungen, die Sehne wirklich belastet. Dann mit dem Schlauch abspritzen, ja. Eis nutze ich bei einem gesunden Pferd und auch bei einem vorbelasteten eigentlich nicht. Und nach einem Schritt-Ausritt oder einer normalen Dressureinheit, also wenn ich mein Pferd eher bewege als trainiere, frage ich mich: Warum dann kühlen? Der Körper braucht seine Anpassungszeit, und eine Mikroläsion ist per se nichts Schlechtes, wenn man der Sehne die Zeit gibt, sich wieder zu regenerieren.
Die entscheidende Frage lautet: Trainiere ich einen Sportler, oder habe ich ein Ödem, ein Hämatom, also eine echte Verletzung? Das eine ist Trainingsbegleitung, das andere ist schon eine Therapie. Für die Verletzung gehört das Kühlen in die Hände von Tierärztin und Therapeut. Für die Trainingsbegleitung gilt: Mittelmaß ist das Gute.












