Das Wichtigste in Kürze
»Ursachenforschung ist Pflicht: Hufrehe ist ein Symptom, keine eigenständige Krankheit. Nur wer die Ursache (z. B. Stoffwechsel vs. Belastung) kennt, kann effektiv therapieren.
»Insulin im Fokus: Die Mehrheit der Rehefälle ist endokrin (hormonell) bedingt. Ein kontrollierter Insulinspiegel ist oft entscheidender für die Schmerzfreiheit als der Hufbeschlag selbst.
»Teamarbeit rettet Pferde: Eine erfolgreiche Genesung gelingt nur durch die enge Zusammenarbeit von Besitzer, Tierarzt und Hufbearbeiter.
Hufrehe beim Pferd: Ein Update aus der Wissenschaft
Die kalte Jahreszeit bringt oft eine unschöne Überraschung für viele Pferdebesitzer mit sich: einen Hufreheschub. Oft handelt es sich dabei um Rückfälle bei Pferden, die bereits in der Vergangenheit Probleme hatten. Doch warum ist das so? Und was hat sich in der Forschung getan?

Christina von Team Huf macht für dich einen Blick auf die Erkenntnisse der internationalen „No Laminitis“-Konferenz der ECIR Group (Equine Cushings and Insulin Resistance Group) zeigt, dass wir in Deutschland oft noch Jahre hinter dem aktuellen wissenschaftlichen Stand zurückliegen.
Hufrehe ist nicht gleich Hufrehe: Die verschiedenen Ursachen
Bevor man mit der Behandlung beginnt, muss die alles entscheidende Frage geklärt werden: Warum hat dieses Pferd gerade jetzt eine Hufrehe? Man unterscheidet heute drei Hauptformen:
- Sepsis-assoziierte Rehe: Diese entsteht durch schwere Allgemeinerkrankungen, Entzündungen oder eine Endotoxämie (z. B. nach einer schweren Kolik oder Nachgeburtsverhaltung). Diese Pferde sind systemisch krank, haben oft Fieber und Durchfall. Dies ist ein absoluter Notfall für die Klinik.
- Belastungsrehe: Hier fehlt der physiologische Wechsel aus Druck und Entlastung im Huf. Dies passiert oft, wenn ein Pferd ein Bein aufgrund einer Verletzung gar nicht belasten kann und das Partnerbein die Dauerlast tragen muss. Weitere Informationen zu den Risiken langer Stehzeiten findest du in meinem Artikel über Boxenruhe beim Pferd.
- Endokrine Rehe (HAL): Die mit Abstand häufigste Form in der Praxis (ca. 90% der Fälle). Sie ist eng mit dem Stoffwechsel und einem zu hohen Insulinspiegel verknüpft.
Endokrine Rehe: Wenn das Insulin zum Problem wird
Die moderne Forschung nennt sie heute oft HAL – Hyperinsulinämie-Assoziierte Laminitis. Das bedeutet: Ein zu viel an Insulin im Blut führt direkt zu den schmerzhaften Prozessen im Huf. Interessanterweise zeigen Studien, dass die Hufform in der akuten Schmerzphase oft zweitrangig ist. Sobald der Insulinspiegel sinkt, lässt meist auch der Schmerz nach – unabhängig davon, ob das Pferd einen Spezialbeschlag trägt oder nicht.
Das Ziel muss es also sein, den Stoffwechsel zu regulieren. Dies gelingt nur über ein striktes Management von Fütterung und – sobald das Pferd schmerzfrei ist – angepasster Bewegung. Um den aktuellen Status deines Pferdes besser einschätzen zu können, empfehle ich dir auch meinen Beitrag zum Body Condition Score, um Übergewicht als Risikofaktor frühzeitig zu erkennen.
Die richtige Diagnostik: Mehr als nur Blutwerte
Ein Bluttest ist ein wichtiger Baustein, aber niemals die ganze Wahrheit. In der Praxis nutzen wir oft das EMS/ECS-Profil (Insulin, Glucose, ACTH, Triglyceride, Gamma-GT). Doch Vorsicht: Es gibt immer wieder falsch-negative Ergebnisse. Das bedeutet, die Werte im Blut sehen gut aus, aber das Pferd zeigt klinische Symptome einer Rehe. In solchen Fällen sollte man immer dem Pferd glauben, nicht nur dem Papier.
Wichtig für aussagekräftige Blutwerte:
- Das Pferd sollte unter zuckerarmer Fütterung (Heu) stehen.
- Kein Stress oder hartes Training unmittelbar vor der Blutabnahme.
- Heu bei Unsicherheit waschen, um Zucker auszuwaschen.
Wie du ein Blutbild generell interpretierst, erfährst du hier: Was dir das Blutbild bei deinem Pferd verrät.
Ganzheitliches Management: Training, Fütterung und Teamarbeit
Hufrehe ist kein Problem, das ein Profi alleine lösen kann. Es braucht ein Team aus Besitzer, Tierarzt und Hufbearbeiter. Während der Tierarzt die Diagnostik und Medikation übernimmt und der Hufbearbeiter für die mechanische Entlastung sorgt, ist der Besitzer für das tägliche Management verantwortlich:
- Fütterung: Radikale Zuckerreduktion (kein Gras, kein Müsli).
- Bewegung: Angepasstes Training ist die beste „Medizin“ gegen Insulinresistenz – aber erst nach der akuten Phase! Tipps für den Wiedereinstieg findest du unter Antrainieren nach Verletzung.
- Stressreduktion: Stress treibt den Cortisolspiegel hoch, was wiederum das Insulin beeinflusst.
Fazit: Hoffnung bei Hufrehe
Die Diagnose Hufrehe ist kein Todesurteil mehr. Durch die modernen Protokolle der ECIR Group und ein tieferes Verständnis der hormonellen Zusammenhänge können heute sehr viele Rehepferde wieder ein schmerzfreies und aktives Leben führen. Es erfordert Disziplin und Wissen, aber der Aufwand lohnt sich für dein Pferd!
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FAQ: Häufige Fragen zur Hufrehe
Ja, viele Pferde können bei konsequentem Management der Ursache (meist Insulinresistenz) wieder voll belastbar werden. Voraussetzung ist, dass die Hufstrukturen nicht irreversibel geschädigt sind und der Stoffwechsel dauerhaft kontrolliert wird.
Das hängt stark vom individuellen Insulinmanagement ab. Viele stoffwechselkranke Pferde vertragen Gras nur sehr begrenzt oder gar nicht. In der akuten Phase und bei instabilem Stoffwechsel ist Weidegang absolut tabu.
Ja, durch das Waschen von Heu (ca. 30–60 Minuten in kaltem Wasser) kann ein Teil der wasserlöslichen Kohlenhydrate (Zucker) herausgewaschen werden, was den Insulinspiegel des Pferdes entlastet.
Bewegung verbessert die Insulinsensitivität der Zellen. Das bedeutet, der Körper benötigt weniger Insulin, um den Blutzucker zu regulieren. Dies darf jedoch erst erfolgen, wenn die akute Entzündung im Huf abgeklungen ist.
EMS (Equines Metabolisches Syndrom) ist die zugrunde liegende Stoffwechselstörung (vergleichbar mit Typ-2-Diabetes beim Menschen). Hufrehe ist oft die schmerzhafte Folge dieser Erkrankung, wenn der Insulinspiegel entgleist.
