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Body Condition Score Pferd: In 6 Schritten beurteilen

Pferdefütterung
Dr. med. vet. Veronika Klein
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Dieser Beitrag geht auf eine Podcastfolge von Dr. Veronika Klein zurück und wird bei neuen Erkenntnissen aktualisiert. Er ersetzt keine tierärztliche Untersuchung deines Pferdes.

Das Wichtigste in Kürze

» Das Körpergewicht allein sagt nichts über den Ernährungszustand aus. 500 kg sind beim Pony Übergewicht und beim großen Warmblüter Untergewicht.
» Beim Body Condition Score beurteilst du sechs Körperregionen auf einer Skala von 1 bis 9. Der Zielbereich liegt bei 5 bis 6.
» Ab einem Wert von 7 ist Übergewicht nachweislich schädlich, weil Fettgewebe hormonell aktiv ist und EMS sowie Hufrehe begünstigt.

Zwei Pferde stehen nebeneinander, beide wiegen 500 Kilogramm. Beim etwas größeren Pony ist das deutliches Übergewicht. Beim großen Warmblüter mit Vollblutanteil ist dasselbe Gewicht Untergewicht. Die Zahl allein beantwortet die Frage also nicht, die du eigentlich stellst: Ist mein Pferd zu dick, zu dünn oder genau richtig?

Genau dafür gibt es den Body Condition Score, kurz BCS. Er beschreibt nicht, wie schwer dein Pferd ist, sondern in welchem Ernährungszustand es sich befindet. Du brauchst dafür kein Gerät, keine Waage und kein Labor. Du brauchst deine Hände, ein paar Minuten Zeit und das Wissen, wo du hinfassen musst. Das lernst du hier.

Was ist der Body Condition Score beim Pferd?

Der Body Condition Score ist ein standardisiertes Bewertungssystem für den Ernährungszustand. Beurteilt werden sechs Körperregionen auf einer Skala von 1 bis 9, wobei 1 für ausgehungert steht und 9 für extrem verfettet. Aus den sechs Einzelwerten wird der Mittelwert gebildet, und dieser Mittelwert ist der Body Condition Score deines Pferdes.

Das System hat eine Entwicklungsgeschichte. Das erste stammt von 1983 aus Texas, von Henneke, und war für Quarter Horses gedacht, mit Blick auf die Fruchtbarkeit von Zuchtstuten. 1988 folgten Carroll und Huntington mit einem Pony Condition Score auf einer Skala von 0 bis 5, 1990 Martin-Rosset mit einer verkürzten Variante, die nur Brustwand und Schweifansatz bewertete.

Für unsere Pferde am wichtigsten ist die Fassung von Schramme, die 2004 gemeinsam mit Professorin Ellen Kienzle an der Ludwig-Maximilians-Universität München veröffentlicht wurde. Sie wurde an 181 Warmblutpferden entwickelt und dann an weiteren 140 Pferden überprüft, nachzulesen auch in der zugrunde liegenden Dissertation. Der entscheidende Unterschied zum amerikanischen Original: Ab einem Wert von 5 fließt Muskulatur nicht mehr in die Bewertung ein. Das amerikanische System hatte gut bemuskelte Warmblüter systematisch zu hoch bewertet, weil es nicht sauber zwischen Muskel und Fett unterschied. Ein durchtrainiertes Sportpferd landet mit der angepassten Fassung also nicht mehr fälschlicherweise im Bereich „zu dick“.

Schematische Darstellung der sechs Koerperregionen, die beim Body Condition Score beurteilt werden: Hals, Schulter, Ruecken, Brustwand, Huefte und Schweifansatz

Die drei Fragen, die sich in jeder Region wiederholen

Das Schöne am BCS ist, dass du dir nicht sechs verschiedene Verfahren merken musst. In jeder Region stellst du dieselben drei Fragen. Wenn du die einmal verinnerlicht hast, kannst du jedes Pferd beurteilen.

Frage 1: Kannst du die Knochenpunkte sehen oder fühlen?

Das ist die wichtigste Frage, und die Antwort folgt einer klaren Logik. Wenn du die Knochenpunkte sehen und fühlen kannst, ist das Pferd mager. Wenn du sie nicht sehen, aber durch die Haut ertasten kannst, liegt es im Idealbereich. Und wenn du sie weder sehen noch fühlen kannst, dann liegt eine Fettschicht darüber, das Pferd ist zu dick.

Frage 2: Wie verläuft die Körperoberfläche?

Leg die flache Hand auf die Region und streiche darüber. Drei Möglichkeiten: Die Fläche ist eingefallen, sie ist gerade, oder sie wölbt sich nach außen. Eingefallen bedeutet mager, gerade ist der Idealbereich, gewölbt heißt, dass Fett aufliegt.

Am Rücken funktioniert das besonders gut. Leg die Handfläche hinter dem Widerrist quer auf die Sattellage und nimm sie wieder weg. Bildet deine Hand ein Dach, weil die Dornfortsätze herausstehen? Liegt sie flach auf? Oder wölbt sie sich nach oben, weil sich links und rechts der Wirbelsäule Fettpolster auftürmen?

Frage 3: Lässt sich eine Hautfalte abheben?

Bei sehr mageren Pferden bekommst du keine Falte zu fassen, die Haut liegt direkt auf dem Gewebe und lässt sich nicht verschieben. Im Idealbereich ist die Haut leicht verschieblich, eine kurze Falte lässt sich unter Spannung abheben. Bei fetten Pferden greifst du eine richtige Speckfalte, die sich spannungsfrei abheben lässt.

Die sechs Körperregionen im Einzelnen

Fang vorne am Pferd an und arbeite dich nach hinten. So vergisst du keine Region. Nimm dir für den ersten Durchgang bewusst Zeit, das dauert am Anfang zehn Minuten und später drei.

1. Der Hals

Die Knochenpunkte am Hals sind die Halswirbel. Der erste Halswirbel, der Atlas, ist immer gut zu tasten, direkt hinter dem Genick. Bei Pferden, die nicht im Übergewicht sind, kannst du auch die Halswirbel drei, vier und fünf ertasten. Sie liegen relativ weit unten über der Drosselrinne. Lass dir diese Punkte einmal von deiner Tierärztin oder deiner Physiotherapeutin zeigen, am besten an einem Skelett, dann sitzt es sofort.

Dann die Körperoberfläche: Streiche mit der flachen Hand über die Halsseite. Ist sie eingefallen, gerade oder gewölbt? Achte zusätzlich auf den Übergang zum Widerrist. Findest du dort eine Kuhle oder einen deutlichen Absatz, spricht man vom Axthieb, und das deutet auf Untergewicht hin.

Die Besonderheit am Hals ist das Kammfett, also das Fett, das auf dem Nackenband sitzt. Es gibt eine Faustregel, die im Stall gut funktioniert: Greif im Bereich des Genicks das Nackenband, taste dich nach unten, und alles was darüber liegt, ist Kammfett. Die Höhe in Zentimetern entspricht ungefähr dem Score. Vier Zentimeter Kammfett bedeuten also etwa einen Wert von 4, fünf Zentimeter einen Wert von 5.

Vorsicht bei Friesen. Die haben rassetypisch deutlich mehr Kammfett, ohne deshalb übergewichtig zu sein. Hier musst du das Gesamtbild beurteilen und nicht nur den Hals.

Uebergewichtiges Pferd mit deutlich verbreitertem Fettkamm am Hals, typisches Bild bei einem BCS von 7 und darueber

Referenzbild: BCS 7. Das Pferd auf dem Foto hat einen deutlich verbreiterten, festen Mähnenkamm. Das Fett sammelt sich mittig statt gleichmäßig verteilt zu sein. So sieht Übergewicht am Hals aus, wenn es bereits im gesundheitlich kritischen Bereich liegt. Nimm dieses Bild als Vergleich, wenn du bei deinem eigenen Pferd unsicher bist.

2. Die Schulter

An der Schulter tastest du das Schulterblatt und vor allem die Schulterblattgräte, einen Knochenkamm, der sich sehr leicht finden lässt. Bei sehr dünnen Pferden kannst du zusehen, wie sich das Schulterblatt beim Laufen nach vorne und hinten bewegt.

Geh dann hinter die Schulter in den Bereich hinter dem Ellbogen, wo der Sattelgurt liegt. Dort tastest du die sechste bis achte Rippe. Sichtbar, fühlbar oder weg? Und genau dort, vor dem Ellbogen, versuchst du deine Hautfalte abzuheben. Bekommst du überhaupt Haut zu fassen, weil Fett darunter liegt, oder ist das nicht möglich?

3. Rücken und Kruppe

Hier sind die Knochenpunkte die Dornfortsätze der Wirbelsäule. Streiche mit den Fingern direkt über den Rücken. Weiter hinten, hinter der Sattellage, kannst du bei mageren Pferden zusätzlich die Querfortsätze der Lendenwirbelsäule fühlen, die seitlich abstehen.

Lendenwirbelsaeule eines mageren Pferdes, bei dem die Querfortsaetze der Wirbel deutlich sicht- und tastbar sind

Für die Körperoberfläche nimmst du den Handflächen-Test von oben: Dach, Gerade oder Wölbung. Bei stark übergewichtigen Pferden bildet sich links und rechts der Wirbelsäule so viel Fett, dass in der Mitte eine regelrechte Rinne entsteht.

4. Die Brustwand

Das ist die einfachste Region, weil jeder weiß, wo die Rippen sitzen. Schau zuerst aus einigen Metern Entfernung: Kannst du die Rippen zählen? Wenn ja, ist dein Pferd zu dünn. Wenn nicht, geh hin und taste mit leichtem, streichendem Druck. Im Idealbereich fühlen sich die Rippen an wie Bleistifte unter einer Decke, du spürst sie deutlich, ohne drücken zu müssen.

Musst du kräftig drücken, um überhaupt etwas zu finden, oder sinken deine Fingerkuppen in weiches Gewebe ein, liegt Fett darüber.

Deutlich zu duennes Pferd mit sichtbaren Rippen und hervortretenden Huefthoeckern, entspricht einem BCS von 3

Referenzbild: BCS 3. Hier siehst du das Gegenstück. Die Rippen sind schon aus der Entfernung erkennbar, die Knochenpunkte an Hüfte und Schweifansatz treten deutlich hervor. Zusammen mit dem Halsbild weiter oben hast du damit zwei Eckpunkte, zwischen denen sich fast alle Pferde einordnen lassen: 3 ist deutlich zu dünn, 7 ist deutlich zu dick, und dazwischen liegt bei 5 bis 6 der Bereich, in dem du dein Pferd haben willst.

5. Die Hüfte

Praeparat eines Pferdebeckens mit drei rot markierten Knochenpunkten: Huefthoecker seitlich, Sitzbeinhoecker hinten und Kreuzhoecker oben

Drei Knochenpunkte sind hier wichtig, auf dem Bild rot markiert: Der Hüfthöcker sitzt seitlich, der Sitzbeinhöcker im hinteren Bereich und der Kreuzhöcker oben auf.

Die Hüfthöcker liegen ungefähr dort, wo beim Menschen der Gürtel sitzt, das kannst du an dir selbst nachfühlen. Am Skelett siehst du gut, wie deutlich diese Punkte hervorstehen, wenn kein Gewebe darüber liegt.

Bei mageren Pferden stehen sie entsprechend spitz und scharfkantig hervor. Mit zunehmender Fettauflage runden sich die Kanten ab, bis die Knochen unter einem Fettmantel verschwinden. Die Besonderheit dieser Region ist die Hungergrube vor dem Hüfthöcker, die bei mageren Pferden deutlich eingefallen ist.

6. Der Schweifansatz

Zieh gedanklich eine Linie vom Sitzbeinhöcker zu den ersten Schwanzwirbeln. Ist diese Linie eingefallen, gerade oder gewölbt? Rund um den Schweifansatz lagern Pferde sehr leicht weiches, schwammiges Fett ein. Bei stark übergewichtigen Tieren werden daraus richtige Wülste.

Warum der Bauch nicht zählt

Ein Punkt, der viele überrascht: Der Bauchumfang wird beim Body Condition Score bewusst nicht bewertet. Ein dicker Bauch sagt vor allem etwas darüber aus, wie gut Blinddarm und Grimmdarm gerade gefüllt sind, und wie es um die Bauchmuskulatur steht. Über den Körperfettanteil sagt er wenig.

Ein Heubauch ist deshalb kein Übergewicht. Umgekehrt kann ein Pferd mit unauffälligem Bauch am Hals, an der Kruppe und am Schweifansatz deutlich zu viel Fett tragen. Deshalb tastest du die sechs definierten Regionen ab, statt dich vom Gesamteindruck leiten zu lassen.

Welcher Wert ist normal?

Bei mittelalten Pferden liegt der Zielbereich zwischen 5 und 6. Jungpferde, die noch im Muskelaufbau sind, dürfen etwas darunter liegen, bei 4 bis 5.

Und dann gibt es eine Grenze, die keine Geschmacksfrage ist: Ab einem Wert von 7 ist Übergewicht nachweislich gesundheitsschädlich. Das ist keine Ästhetik-Debatte, dahinter steht Physiologie. Fettgewebe ist kein passiver Vorratsspeicher, sondern ein hormonell aktives Organ. Es schüttet Botenstoffe aus, die in den gesamten Stoffwechsel eingreifen.

Die Folge ist eine Insulinresistenz, und damit sind wir beim Equinen Metabolischen Syndrom. Der erhöhte Insulinspiegel schädigt die Aufhängung des Hufbeins in der Hufkapsel, und daraus entsteht die endokrine Hufrehe, die häufigste und gefährlichste Form dieser Erkrankung. Dazu kommt die rein mechanische Belastung von Gelenken und Sehnen, eine schlechtere Wärmeregulation im Sommer und weniger Ausdauer.

Wie schnell aus „ein bisschen zu viel“ ein ernstes Problem wird, haben wir in den 5 Mythen über dicke Pferde aufgeschrieben.

Untergewicht ist genauso wenig harmlos. Ein Wert unter 4 weist auf eine katabole Stoffwechsellage hin, also auf einen Zustand, in dem der Körper Substanz abbaut. Dahinter stecken oft Zahnprobleme, chronische Schmerzen, Parasiten oder schlicht eine Ration, die den Bedarf nicht deckt. Das Immunsystem leidet mit. Wenn dein Pferd ohne erkennbaren Grund abnimmt, gehört das abgeklärt, bevor du einfach mehr fütterst. Mehr dazu findest du im Beitrag über plötzlichen Gewichtsverlust.

Der Mähnenkamm verdient einen eigenen Blick

Es gibt Pferde, deren Gesamt-BCS völlig in Ordnung aussieht, die aber trotzdem ein Stoffwechselproblem haben. Der Grund: Bei einer Insulin-Dysregulation lagert sich Fett bevorzugt an bestimmten Stellen ab, allen voran am Mähnenkamm, über der Schulter und am Schweifansatz.

Für diese regionale Fettverteilung gibt es ein eigenes System, den Cresty Neck Score auf einer Skala von 0 bis 5. Ab Stufe 3 gilt er als eigenständiges Warnsignal: Der Kamm ist deutlich verbreitert, das Fett sammelt sich mittig statt gleichmäßig verteilt, und es bilden sich erste Falten. Bei Stufe 5 kippt der Kamm unter seinem eigenen Gewicht dauerhaft zur Seite.

Wenn dir das an deinem Pferd auffällt, sprich es bei der nächsten tierärztlichen Untersuchung an, auch wenn der Rest unauffällig wirkt.

Rasse einordnen, bevor du dich erschreckst

Die Skala wurde an Warmblutpferden entwickelt und validiert. Bei anderen Rassen gehört Augenmaß dazu, sonst kommst du zu falschen Schlüssen:

  • Araber und Englische Vollblüter zeigen oft auch im Idealzustand einen leichten Axthieb vor dem Widerrist. Bei einem Warmblut würde dasselbe Bild auf einen Wert von 3 bis 4 hindeuten.
  • Kaltblüter, Iberer, Ponys und Friesen lagern genetisch bedingt mehr Kammfett ein. Ein breiterer Hals ist hier nicht automatisch Übergewicht.
  • Tinker und Quarter Horses haben eine stark bemuskelte Hinterhand, die optisch eine geteilte Kruppe erzeugt. Beim Warmblut wäre das ein sicheres Zeichen für einen Wert von 8 oder 9, hier ist es schlicht Muskelmasse.
  • Hengste tragen geschlechtsbedingt einen ausgeprägteren Hals. Bis zu sieben Zentimeter Kammfett sind hier tolerierbar.

Und was ist mit dem Gewicht?

Der Ernährungszustand ist die eine Hälfte der Antwort. Die andere ist das Körpergewicht in Kilogramm, und das brauchst du für zwei Dinge sehr konkret, gleich mehr dazu.

Das Problem: Kaum ein Stall hat eine Pferdewaage. Geschätzt wird trotzdem ständig, und zwar erstaunlich schlecht. Abweichungen von 50 bis über 150 Kilogramm sind auch bei erfahrenen Pferdeleuten normal. Mit einem Maßband kommst du deutlich näher heran.

Dafür haben wir einen Rechner gebaut. Er nutzt die Gleichungen aus derselben Münchner Arbeitsgruppe, die auch hinter der BCS-Fassung steht. Du gibst fünf Maße ein, und weil der Ernährungszustand als Faktor in der Formel steckt, kommt dein BCS gleich mit hinein:

Rechner wird geladen …

Die Gleichungen dahinter stammen aus derselben Münchner Arbeitsgruppe, für Pferde im Wachstum aus einer Folgearbeit von Hois, Kienzle und Schulze. Ein Gewichtsmaßband brauchst du dafür nicht. Die klassischen Bänder lesen das Gewicht allein aus dem Brustumfang ab und ignorieren Knochenstärke und Ernährungszustand. Der Rechner nutzt fünf Maße plus den BCS und kann deshalb zwischen kräftigem Knochenbau, trainierter Muskulatur und reinem Fettansatz unterscheiden.

Wofür du das Gewicht wirklich brauchst

Zwei Dinge hängen unmittelbar am Körpergewicht, und bei beiden richtet Schätzen echten Schaden an.

Die Dosierung von Wurmkuren und Medikamenten. Wer das Gewicht unterschätzt, dosiert zu niedrig. Eine Unterdosierung tötet nur die schwächeren Parasiten ab. Die widerstandsfähigen überleben und geben ihre Resistenz an die nächste Generation weiter. Genau so ist die heutige Resistenzlage entstanden: Gegen manche Wirkstoffgruppen sind kleine Strongyliden in über 80 Prozent der untersuchten Betriebe resistent. Deshalb gilt bei der Dosierspritze: Lieber auf die nächsthöhere Markierung aufrunden. Eine leichte Überdosierung der gängigen Wurmkuren ist unproblematisch, eine Unterdosierung ist es nicht.

Die Rationsberechnung. Der Energie- und Nährstoffbedarf wird über das Körpergewicht berechnet. Ohne belastbare Zahl rechnest du auf Sand.

Was tun, wenn der Wert nicht stimmt?

Liegt dein Pferd bei 7 oder darüber, gibt es einen Denkfehler, der erstaunlich häufig passiert: Die Ration wird auf das aktuelle Gewicht berechnet. Damit füttert man genau den Zustand, den man loswerden will. Der Erhaltungsbedarf muss sich am Soll-Gewicht orientieren, also an dem Gewicht, das dein Pferd bei einem BCS von 5 hätte.

Und dann gilt: Abnehmen darf nicht schnell gehen. Mehr als ein bis zwei Prozent der Körpermasse pro Woche sollten es nicht sein. Bei einem 600-Kilo-Pferd sind das 6 bis 12 Kilogramm. Wird zu schnell Fett abgebaut, droht eine Stoffwechselentgleisung, die besonders bei Ponys lebensbedrohlich werden kann.

Der wirksamste Hebel ist übrigens nicht die radikale Diät, sondern Bewegung in Kombination mit einer Ration, die genug Struktur und wenig Zucker und Stärke liefert.

Sicherheit bekommst du nur über die Hände

Den BCS zu verstehen dauert zehn Minuten. Ihn sicher zu bestimmen dauert länger, weil es eine Frage der Übung ist. Beim ersten Mal wirst du bei mancher Region unsicher sein, und genau da entstehen die Fehleinschätzungen: Man tastet, ist sich nicht sicher, und entscheidet im Zweifel zugunsten des Pferdes. So bleibt ein Pferd über Jahre bei einer 7, ohne dass es jemandem auffällt.

Deshalb gibt es in der KKP Welt einen eigenen Kurs zum Body Condition Score, der ohne Aufpreis enthalten ist. Wir gehen die Einstufung dort nicht in der Theorie durch, sondern an echten Pferden: Einmal an einem mageren, einmal an einem idealgewichtigen und einmal an einem übergewichtigen. Du siehst also dieselbe Körperregion in drei Zuständen nebeneinander und bekommst genau das Auge dafür, das dir am eigenen Pferd fehlt.

Dazu kommt die Aufzeichnung eines Workshops, in dem der Body Condition Score gemeinsam bestimmt wird. Du kannst also zuschauen, wie andere tasten und einschätzen, statt allein vor deinem Pferd zu stehen und zu raten. Außerdem klären wir, was ein Gewichtsband wirklich leisten kann und wo seine Grenzen liegen, und wie du deine Messwerte so dokumentierst, dass du Veränderungen über Monate überhaupt erkennst. Und wenn ein Pferd abnehmen muss, wird es konkret: Von der kontrollierten Raufuttermenge über Futterbremsen bis zum Trainingsplan, der zu einem übergewichtigen Pferd wirklich passt.

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Wann und wie oft du messen solltest

Ein einzelner Wert ist eine Momentaufnahme. Interessant wird es, wenn du alle vier bis sechs Wochen neu beurteilst und die Richtung siehst. Trag dir die Werte irgendwo ein, im Kalender oder im Trainingstagebuch, denn im Alltag verschiebt sich die Wahrnehmung schleichend. Man sieht sein Pferd jeden Tag und merkt deshalb nicht, wie es sich verändert.

Zwei Zeitpunkte sind besonders wichtig. Der eine ist das Ende des Winters, kurz vor dem Anweiden. Pferde sollten eher schlank aus dem Winter kommen, damit sie die Weidesaison gut einleiten können. Wer im Frühjahr schon mit einem Wert von 7 auf die saftige Wiese geht, hat ein Problem, das sich über den Sommer weiter aufbaut. Wie du dabei vorgehst, steht im Beitrag zum Anweiden im Frühling.

Der andere Zeitpunkt ist der Herbst, wenn du entscheidest, wie dein Pferd durch den Winter kommen soll.

Fang einfach an

Geh in den Stall und taste die sechs Regionen ab. Beim ersten Mal fühlt sich das ungewohnt an, und du wirst dir bei der einen oder anderen Region unsicher sein. Das ist normal. Wichtiger als der exakte Nachkommawert ist, dass du überhaupt anfängst, systematisch hinzuschauen statt nur zu gucken.

Denn das ist der eigentliche Punkt: Ein Pferd wird nicht über Nacht zu dick. Es passiert über Monate, in kleinen Schritten, und genau deshalb fällt es niemandem auf, der jeden Tag danebensteht. Der Body Condition Score macht diese schleichende Veränderung sichtbar, bevor daraus ein Gesundheitsproblem wird.

Vier Pferdekruppen von hinten im Vergleich, Titelbild der Podcastfolge zum Body Condition Score

Häufige Fragen

Der Body Condition Score, kurz BCS, ist ein standardisiertes System zur Beurteilung des Ernährungszustandes. Sechs Körperregionen werden auf einer Skala von 1 bis 9 bewertet: Hals, Schulter, Rücken und Kruppe, Brustwand, Hüfte und Schweifansatz. Aus den sechs Einzelwerten wird der Mittelwert gebildet. Anders als das reine Körpergewicht berücksichtigt der BCS, wie viel Fett das Pferd tatsächlich mit sich trägt.

Bei mittelalten Pferden liegt der Zielbereich zwischen 5 und 6. Jungpferde im Muskelaufbau dürfen mit 4 bis 5 etwas schlanker sein. Ab einem Wert von 7 ist Übergewicht nachweislich gesundheitsschädlich, weil es eine Insulinresistenz begünstigt und damit das Risiko für EMS und Hufrehe erhöht.

Taste die Rippen ab. Im Idealbereich sind sie optisch nicht sichtbar, lassen sich bei leichtem Druck aber gut fühlen, ungefähr wie Bleistifte unter einer Decke. Musst du kräftig drücken oder sinken deine Fingerkuppen in weiches Gewebe ein, liegt zu viel Fett darüber. Achte zusätzlich auf einen verbreiterten Mähnenkamm und Fettpolster am Schweifansatz.

Nein, der Bauchumfang wird bewusst nicht bewertet. Ein dicker Bauch zeigt vor allem, wie gut Blinddarm und Grimmdarm gefüllt sind und wie es um die Bauchmuskulatur steht. Über den Körperfettanteil sagt er wenig. Ein Heubauch ist deshalb kein Übergewicht.

Alle vier bis sechs Wochen, und besonders zu zwei Zeitpunkten: am Ende des Winters vor dem Anweiden und im Herbst. Der einzelne Wert ist nur eine Momentaufnahme, die Veränderung über die Zeit ist die eigentliche Information. Weil man sein Pferd täglich sieht, fallen schleichende Veränderungen sonst kaum auf.

Mit einem nicht dehnbaren Maßband und den Gleichungen von Kienzle und Schramme kommst du auf etwa 18 Kilogramm genau heran. Gebraucht werden Brustumfang, Körperumfang, Widerristhöhe als Bandmaß, Halsumfang und Röhrbeinumfang, dazu der Body Condition Score. Ein spezielles Gewichtsmaßband ist nicht nötig und sogar ungenauer, weil es nur den Brustumfang berücksichtigt.

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