Das Wichtigste in Kürze
» Pferde weinen nicht. Läuft Tränenflüssigkeit sichtbar aus dem Auge, ist das nicht normal, denn sie soll über den Tränen-Nasen-Kanal an der Nüster ablaufen.
» Erhöhte Blinzelrate, ein kleiner wirkendes Auge, runtergeklappte Wimpern und Gefäße in der Hornhaut sind die vier Zeichen für den Anruf beim Tierarzt.
» Einmal ist keinmal, zweimal ist zu oft. Wenn du dich an das letzte dicke Auge erinnerst, war der Abstand zu kurz und es gehört abgeklärt.
Ein tränendes Auge sieht harmlos aus, und oft ist es das auch. Trotzdem lohnt der zweite Blick, denn Pferde weinen nicht. Die Tränenflüssigkeit läuft normalerweise über den Tränen-Nasen-Kanal und die Nüster ab. Immer wenn Tränenflüssigkeit überläuft und aus dem Auge kommt, ist das beim Pferd also nicht normal. Entscheidend ist deshalb nicht, ob das Auge tränt, sondern ob Anzeichen für eine Entzündung im Auge dazukommen. Vier davon kannst du selbst prüfen, und sie entscheiden darüber, ob du in Ruhe beobachten darfst oder ob der Tierarzt kommen muss.
Vorweg eine Einordnung, die im Stall gerne untergeht: Schmerzen im Auge werden von Pferden sehr intensiv erlebt. Das ist keine Lappalie, die man mal eben eine Woche beobachtet. Ich trage keine Brille, ich sehe scharf wie ein Adler und habe damit null Komma null Last. Bis ich selbst einmal eine virale Bindehautentzündung hatte. Alles verschwommen, alles geschwollen, es juckt, es schmerzt, und das fünf Wochen lang. Das war eine Katastrophe. Beim Pferd kommt dazu, dass es uns nicht sagen kann, wie es sich anfühlt. Es setzt nur Zeichen.
Warum ein tränendes Auge nie „nur Zugluft" ist
Die Tränenflüssigkeit wird ständig produziert, um das Auge feucht zu halten und zu reinigen, und sie läuft anschließend über den Tränen-Nasen-Kanal ab. Der verläuft vom inneren Augenwinkel bis in die Nüster. Wenn du die Nüster mal aufklappst und vorsichtig reinschaust, ist auf dem Übergang von pigmentierter zu unpigmentierter Haut ein Loch. Da bin ich schon ein paar Mal angerufen worden, dass das Pferd da eine Verletzung hat. Das gehört dahin, das ist der Ausgang vom Tränen-Nasen-Kanal, und da läuft die Tränenflüssigkeit ab.
Daraus folgen zwei praktische Dinge. Im Umkehrschluss heißt das nämlich: Nicht jeder Nasenausfluss kommt aus der Lunge und ist per se ein Problem, es kann auch einfach Tränenflüssigkeit sein. Und erst wenn es überläuft, wenn wir eine Abflussstörung haben oder eine vermehrte Bildung durch eine Entzündung, läuft es sichtbar aus dem Auge.
Referenzbild: Gesundes Auge. Achte auf die Spiegelung, denn das ist ein Selbsttest, den du jederzeit machen kannst. Wenn du das Auge aufkriegst und dich da ganz glatt drin spiegelst, wie in einem Spiegel oder auf einem Bildschirm, dann ist die Hornhaut unbeschädigt, weil sie eben ganz glatt ist. Sobald dein Spiegelbild rau oder gebrochen wird, hat die Hornhaut mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Schaden, und dann sollte sowieso der Tierarzt kommen. Die dunklen Fransen am oberen Pupillenrand sind übrigens die Traubenkörner. Die gehören dahin, sehen bei jedem Pferd ein bisschen anders aus und haben mit einer Erkrankung nichts zu tun.
Die vier Zeichen, die über den Anruf beim Tierarzt entscheiden
Die Frage lautet nicht „tränt das Auge", sondern ob eine Entzündung dahintersteckt. Ein Indiz für harmlos ist ein Tränenausfluss, der sehr klar ist und der keine weiteren Anzeichen für eine Entzündung aufweist. Stell dich dafür einmal bewusst frontal vor dein Pferd, mit dem nötigen Sicherheitsabstand, und schau dir beide Augen im direkten Vergleich an. Meist ist nur eine Seite betroffen, und dann fällt der Unterschied sofort auf.
- Die Blinzelrate. Das Pferd zwinkert viel mehr. Da gibt es keine belastbaren Zahlen fürs Pferd, beim Menschen schon. Also: Schau dein Pferd an, guck mal, wie viel es im Schnitt so blinzelt, meinetwegen auch nur 15 Sekunden lang. Pferde blinzeln tatsächlich relativ wenig, in Ruhe vielleicht dreimal in der Minute. Das ist nichts. Wichtig ist nur, dass du es immer gleich machst, denn nach dem Training blinzeln sie durch den Sympathikus ein bisschen häufiger.
- Das eingezogene Auge. Das Auge wird bei Schmerz so ein bisschen nach innen gezogen. Das heißt, es erscheint kleiner als das gesunde Auge, und zwar auch dann, wenn noch gar keine Schwellung da ist.
- Die Wimpernstellung. Die Wimpern sind wie so Markisen, die stehen einfach nach außen zur Seite, grob im 90-Grad-Winkel. Und sobald ein Pferd Schmerzen im Auge hat, dann klappen die Wimpern runter. Für mich ist das immer das Anzeichen: Blinzelrate und Markise runtergeklappt, das ist ein Schmerzanzeichen, und dann wird der Tierarzt angerufen.
- Die Gefäßzeichnung. Normalerweise haben wir in dem Bereich keine Gefäße. Dann sieht man wirklich, wie Gefäße in die Hornhaut einwachsen, möchte man fast sagen, und das wird sehr, sehr sichtbar. Das gilt als rote Flagge.
Zur Einordnung hilft eine Ampel. Lidschwellung, Tränenfluss und eine leicht gerötete Bindehaut liegen noch im Bereich dessen, was du selbst beobachten kannst. Bei geröteter Bindehaut sind wir so im Orangebereich, da musst du dir schon sehr sicher sein, ob du noch andere Entzündungsanzeichen siehst. Alles darüber hinaus, also Zwinkerrate, das Auge wird ein bisschen kleiner, die Gefäßzeichnung und die Wimpernstellung, das ist dann wirklich schon rot. Da muss definitiv angerufen werden.
Ein Hinweis noch zur Farbe: Bei dunklen Pferden ist hellrosa im Vergleich zu knatschrosa relativ einfach zu unterscheiden. Gerade bei hellen Schecken kann das schwierig sein, dann zählen die anderen Zeichen umso mehr.
Referenzbild: Hier wird nicht mehr beobachtet. Das Lid ist dick geschwollen, das Auge fast vollständig zu, die Wimpern sind runtergeklappt. Wenn das Auge so total zugeschwollen ist, lässt sich auch für den Tierarzt gar nichts mehr untersuchen, und die Pferde lassen sich in der Regel nicht mehr an den Kopf packen. Genau deshalb ist das kein Fall zum Abwarten bis morgen.
Eine wichtige Einschränkung dazu: Der Umkehrschluss gilt nicht. Nur weil ein einzelnes Zeichen fehlt, ist dein Pferd nicht bewiesen schmerzfrei. Es ist wieder das Puzzle. Du zoomst als Adler raus und schaust dir das Gesamtbild an, und wenn du so einen Hinweis siehst, musst du ihn immer im Gesamtkonzept Pferd interpretieren. Das ist manchmal ein bisschen tricky, das gebe ich zu. Und behalte im Hinterkopf: Jeder hat das Recht auf zwei Probleme. Ein Infekt schließt eine zweite Erkrankung am Auge nicht aus.
So schaust du dir das Auge sicher an
Du hast diesen Knochen oben über dem Auge, die Orbita. Leg die Finger so zusammen, dass sie das Auge abbilden, geh von außen auf Ober- und Unterlid, drück die Lider auseinander und das obere Lid unter den Knochen nach oben und rein. Das tolerieren die Pferde tatsächlich richtig gut, es tut ihnen nicht weh. Es sei denn, sie haben Augenprobleme oder Schmerzen, dann mögen sie es natürlich nicht.
Und jetzt der Teil, der mir am wichtigsten ist: deine Sicherheit. Du stehst an der Seite des Pferdes, nicht vor dem Pferd. Klingt logisch, ich sage es trotzdem nochmal. Auf dem Bild siehst du meinen Ellbogen in dieser Linie am Pferdehals liegen. Du hast zum einen die Hand am Halfter, um den Kopf von dir wegzudrücken. Und du bist mit deinen Augen ziemlich nah am Kopf des Pferdes, um da ja reinzugucken. Dieser Ellbogen am Hals wahrt den Abstand und schützt dein Gesicht, damit du eben nicht den Pferdeschädel in deinem Schädel hast, wenn das Pferd auf dich zukommt. Und dadurch, dass du die Hand so stabil ablegen kannst, verletzt du dein Pferd nicht mit den Fingern im Auge. Denselben Ellbogen nutzt du übrigens auch, wenn du hinten am Pferd stehst und Fieber misst.
Wenn du schon dabei bist, klapp das Lid einmal um und guck darunter. Manchmal kann man gar nicht so doof denken, aber dann ist im unteren Lid eine Haferspelze. Und immer wenn das Auge klimpert, ratscht diese Haferspelze über die Hornhaut. Manchmal findet man da leider Dinge, die da nicht hingehören. Üb das Ganze an ruhigen Tagen ein paar Mal, aber nicht ständig. Und sei ehrlich mit dir: Bei einem schmerzhaft geschwollenen Auge hilft auch das beste Medical Training nicht mehr, dann wird sediert und örtlich betäubt, damit überhaupt untersucht werden kann.
Was hinter einem tränenden Auge stecken kann
Ein verstopfter Tränen-Nasen-Kanal
Das ist die harmloseste Erklärung, und sie kommt häufiger vor, als man denkt. Wenn das Auge sehr viel tränt, kann es einfach sein, dass der Kanal verstopft ist, oft durch ganz gewöhnlichen Schnodder. Den kann man dann von unten super easy spülen. In der Regel braucht man die Pferde dafür nicht mal zu sedieren, das kommt ein bisschen aufs Pferd an. Ein ganz weicher kleiner Schlauch rein, spülen, und dann kommt es oben am Auge wieder raus. Danach ist das Thema meistens erledigt.
Es gibt auch Pferde, die Verletzungen oder Tritte im Bereich des Kopfes hatten, wo der Kanal zerstört ist. Dann läuft natürlich immer Tränenflüssigkeit aus dem Auge ab. Das ist aber nicht die Regel, und man weiß dann, wo die Ursache herkommt, und muss keine Angst vor einer schlimmeren Erkrankung haben. Eine Operation lohnt sich dafür in der Regel nicht.
Bindehautentzündung und einfache Reizung
Die Bindehaut ist die Schleimhaut, die die Innenseiten der Lider überzieht. Sie produziert Schleim, einmal ganz mechanisch, damit von außen nichts reinkommt, und sie hält das Auge feucht. Merkbild für eine gesunde Schleimhaut: rosa, glatt und glänzend. Das kennst du auch von dir selbst: Wenn du unter einer Klimaanlage sitzt und das Auge wird zu trocken, dann fängt es an zu jucken und du blinzelst die ganze Zeit. Eine zu trockene Schleimhaut ist für Erreger überwindbar, und dann hast du schneller eine Entzündung dahinter.
Entsprechend kommt als Ursache alles infrage, was diese Barriere stört: Trockenheit, Wind, Sonne, Kälte, Staub, Pollen, Fremdkörper, Fliegen, dazu Allergien und Traumata. Ein Blick auf die Farbe hilft bei der Einordnung: Gelber, dickflüssiger Ausfluss ist in der Regel bakteriell bedingt und bedeutet mehr Handlungsbedarf als klares Tränen.
Referenzbild: Verkrusteter Tränenfluss. Hier hat sich das Sekret unterhalb des Auges festgesetzt. Solche Krusten sind ein Hinweis, dass das Auge nicht erst seit einer Stunde läuft. Ein gelegentliches Stäubchen im Augenwinkel ist normal und darf, muss aber nicht weg. Sind die Augen ständig verkrustet oder verschmutzt, geh der Ursache nach.
Ein praktischer Hinweis, falls eine antibiotische Salbe im Raum steht: Wenn eine bakteriologische Untersuchung gemacht werden soll, muss die Tupferprobe vor der Salbe genommen werden. Ist schon Salbe im Auge, ist keine aussagekräftige Probe mehr möglich. Und die Antibiotika-Leitlinien schreiben vor dem Einsatz von Antibiotika grundsätzlich eine Probe vor, damit wir die Resistenzlage kennen.
Eine Verletzung am Lidrand
Verletzungen um das Auge herum sind unterschiedlich dramatisch. Eine Verletzung nur unter dem Lid ist meist nicht tragisch, ein verletzter Lidrand aber schon. Werden die beiden Hautenden nicht fein und chirurgisch korrekt wieder zusammengefügt, entsteht eine kleine Kante oder das Lid rollt sich nach innen ein. Dann reibt es dauerhaft an der Hornhaut, reizt sie und verursacht Schmerzen. Deshalb sollte selbst bei kleinen Cuts geprüft werden, ob eine feine Naht nötig ist, damit der Lidrand glatt bleibt. Was von außen unspektakulär aussieht, entscheidet hier über Jahre.
Begleitsymptom einer anderen Erkrankung
Nicht der Regelfall, aber möglich: Ein tränendes oder gereiztes Auge kann Begleitsymptom einer Infektionskrankheit sein, etwa bei einer Herpes-Infektion, bei Druse oder Influenza. Das Immunsystem setzt sich mit Viren oder Bakterien auseinander, das Pferd ist wirklich krank, und begleitend entsteht eine Bindehautentzündung mit vermehrtem Tränen. Der Unterschied ist das Allgemeinbefinden, denn dann findest du meist noch mehr: Nasenausfluss, dicke und schmerzhafte Lymphknoten, erhöhte Temperatur, weniger Appetit.
Deshalb gehört zu jedem auffälligen Auge einmal kurz der Gesundheitscheck. Fieber messen dauert zwei Minuten und ist der aussagekräftigste Einzelwert, den du selbst erheben kannst. Entscheidend ist dabei deine eigene Baseline: 37,8 Grad liegen noch im Referenzbereich, wenn dein Pferd sonst aber 37,0 Grad hat, ist das schon eine deutliche Erhöhung. Wer täglich die Lymphknoten fühlt und die Temperatur misst, merkt sofort, wenn Tag B anders ist als Tag A, auch ohne hundert Vergleichspferde zu kennen. Und Infektionskrankheiten mit Fieber sind grundsätzlich ansteckend, dann geht es auch um die anderen Pferde im Stall. Ein Pferd, das nicht frisst, bleibt übrigens nicht über Nacht oder übers Wochenende unbehandelt. Dafür darfst du den Notdienst rufen.
Die periodische Augenentzündung, der Fall, den du nicht verpassen darfst
Das ist die PA, die periodische Augenentzündung, heute meist Equine Rezidivierende Uveitis oder kurz ERU genannt und früher als Mondblindheit bekannt. Sie ist eine entzündliche Erkrankung vom inneren Auge, und das ist der Unterschied zur Bindehautentzündung, die sich am Auge abspielt. Sie ist extrem schmerzhaft und weltweit die häufigste Ursache dafür, dass Pferde erblinden. Sie ist also nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.
Sie läuft entweder in krassen Schüben, dann haben die Pferde sehr viel Schmerzen, die Wimpern sind runter, sie blinzeln, sie haben dick geschwollene Augen. Das ist sehr offensichtlich. Viel häufiger ist aber der andere Fall: Dann zwinkern sie ein bisschen. Wenn man an dem Tag vielleicht nicht da war, hat man es gar nicht gesehen, und es war halt heiß und es waren ein paar Fliegen und dann war ein bisschen Tränenausfluss, und naja, das kommt und geht, aber es ist nie so richtig. Und dann sind sie plötzlich blind. Das ist das große Problem.
Meine Devise in der Praxis war deshalb immer: Einmal ist keinmal. Jedes Pferd kann mal ein dickes Auge haben, das passiert in den besten Familien. Aber zweimal ist zu oft. Und dann werde ich ganz oft gefragt, wie viel der Abstand zwischen den beiden Malen denn sein darf. Da ist meine Devise: Wenn du dich an das letzte Mal erinnerst, dann war das zu nah dran.
Je später wir feststellen, dass es nicht nur ein Zwinkern ist, sondern eine Entzündung im inneren Auge, umso schlechter wird die Prognose. Umso früher es diagnostiziert wird, umso besser stehen die Chancen, dass wir es mit einer Therapie in den Griff bekommen und das Pferd Auge und Sehkraft behält. Rund 75 Prozent der Pferde behalten ihr Augenlicht, wenn sie frühzeitig in der Klinik behandelt oder operiert werden. Das ist Praxiserfahrung aus über zehn Jahren, in denen sehr viele Pferde rechtzeitig diagnostiziert worden sind. Ist ein Auge betroffen, liegt die Wahrscheinlichkeit für das zweite je nach Studienlage bei rund 35 Prozent, also deutlich höher als beim augengesunden Pferd. Kontrollier die andere Seite deshalb mit, zum Beispiel mit einem Foto von vorne, auf dem Lidstellung und Wimpern zu sehen sind. Wie die Erkrankung entsteht und was die beiden Operationsverfahren leisten, steht ausführlich im Artikel zur periodischen Augenentzündung beim Pferd.
Das dritte Augenlid
Pferde haben ein Oberlid, ein Unterlid und ein drittes Augenlid, das von der Innenkante über das Auge geht. Das gehört dahin, das haben alle Pferde. Zwei Dinge solltest du trotzdem darüber wissen.
Wenn du ein sehr altes Pferd hast, würde ich regelmäßig hinschauen, weil sich dort oft bösartige Tumore bilden. Früh erkannt lässt sich das dritte Augenlid mit Lokalanästhesie und einem Scherenschnipp entfernen. Das klingt schlimmer, als es ist, und verhindert, dass der Tumor streut.
Und wenn das dritte Augenlid vorfällt, ohne dass das Pferd das beeinflussen kann, gerade wenn man den Kopf hochhebt, dann ist das leider eine sehr rote Lampe. Das passiert bei Pferden, die sich mit Tetanus angesteckt haben. Typisch sind Jährlinge, Zweijährige und Dreijährige, die auf der Wiese stehen und bei denen die Tetanusimpfung verschwitzt worden ist. Dann haben die eine Trittverletzung, es hat keiner bemerkt, und dann fangen sie an, ein bisschen schwankig zu laufen. Wenn du dann den Kopf hebst und das dritte Augenlid fällt vor, hast du relativ sicher deine Verdachtsdiagnose. Dann heißt es mit Blaulicht in die Klinik, am besten schon vor Ort mit Medikamenten und Tetanusserum versorgt. Die Überlebensraten sind auch dann noch schlecht, und ich habe leider drei, vier Tetanus-Pferde sterben sehen. Das ist wirklich kein schönes Bild, die Pferde leiden sehr.
Dickes Auge beim Pferd: Wann es der Tierarzt sein muss
Bei einem stark geschwollenen Auge gibt es keine Diskussion, das gehört untersucht. Der Grund ist banal: Was zu ist, kann niemand beurteilen. Weder du noch der Tierarzt sehen von außen, ob die Hornhaut verletzt ist, ob ein Fremdkörper unter dem Lid sitzt oder ob im Inneren des Auges etwas los ist. Für eine vernünftige Untersuchung muss das Pferd fixiert und oft sediert oder mit einer Lokalanästhesie versorgt werden.
Warum das eilt, zeigt der Blick auf die Hornhaut. Ein Defekt kann so tief gehen, dass das Auge im schlimmsten Fall ausläuft. Und in einen bestehenden Hornhautdefekt können sich Pilze setzen, und die sind echt ein Riesenproblem in der Behandlung. Deshalb wird bei einem geschwollenen Auge in der Regel als Standard die Fluoreszein-Färbung gemacht, eine neongrüne Flüssigkeit, die sich in einem Hornhautschaden einlagert und ihn sichtbar macht. Praktischer Nebeneffekt: Wenn die grüne Farbe später an der Nüster herauskommt, ist auch der Tränen-Nasen-Kanal durchgängig.
Dazu kommt der Augenultraschall, und der ist im Stall einfacher, als viele denken. Es braucht kein spezielles Gerät, der Schallkopf für Sehnen genügt. Gel auf das geschlossene Oberlid, Schallkopf drauf, fertig, die meisten Pferde tolerieren das ohne Sedierung. Er beantwortet draußen genau die Frage, auf die es ankommt: Ist die Entzündung am Auge oder im Auge, und muss das Pferd in die Klinik? Bei einer reinen Bindehautentzündung gibt es im Augeninneren keine Veränderungen. Bei einer Entzündung im Auge sieht man weiße Stippen oder Schlieren, das sind Entzündungsprodukte, die da nicht hingehören.









