Das Wichtigste in Kürze
» Die periodische Augenentzündung ist eine Entzündung im Auge, kommt in Schüben oder schleichend und ist die häufigste Erblindungsursache.
» Eine Heilung gibt es nicht. Wird früh operiert, bleibt die Sehkraft aber bei den meisten Pferden erhalten.
» Einmal ist keinmal, zweimal ist zu oft: Ein wiederkehrend tränendes oder dickes Auge gehört in die Augenklinik.
Die periodische Augenentzündung beim Pferd ist eine wiederkehrende Entzündung der Gefäßhaut im Auge und weltweit die häufigste Ursache für Erblindung. Sie verläuft in Schüben oder schleichend, zerstört unbehandelt Strukturen im Auge und ist nicht heilbar. Mit einer rechtzeitigen Diagnose und einer Operation lässt sich der Prozess aber bei den meisten Pferden anhalten. Deshalb klären wir hier die grundlegenden Fakten und worauf du achten solltest, wenn dein Pferd Symptome zeigt. Der medizinische Name ist equine rezidivierende Uveitis, kurz ERU. Früher hieß die Erkrankung Mondblindheit.
Dein Pferd hat gerade akut ein tränendes oder dickes Auge? Dann lies zuerst den Artikel Tränendes Auge beim Pferd: Was tun?. Dort steht, was du sofort prüfst und wann der Tierarzt kommen muss.
Dieser Artikel beruht auf meiner Podcastfolge zur periodischen Augenentzündung. Ich habe ihn im Oktober 2026 mit der aktuellen Studienlage abgeglichen, neue Erkenntnisse sind im Text mit Quellen verlinkt.
Was ist die periodische Augenentzündung beim Pferd?
Der medizinische Begriff lautet equine rezidivierende Uveitis, kurz ERU, und beschreibt eine wiederkehrende Entzündung der Gefäßhaut im Auge. Die Gefäßhaut besteht aus der Iris, dem Ziliarkörper und der Aderhaut und bildet die mittlere Gewebeschicht im Auge. Wichtig ist der Unterschied zur Bindehautentzündung: Die ist eine Entzündung der Schleimhaut am Auge. Bei der periodischen Augenentzündung sitzt die Entzündung im Auge.
Die Entzündung tritt entweder wiederkehrend in Schüben auf oder schleichend schlechter werdend. Das ist besonders tückisch. Unbemerkt und unbehandelt zerstört sie nämlich Strukturen im Auge und führt zur Erblindung.
Sie kann einseitig, aber auch beidseitig auftreten. Bei etwa einem Drittel der betroffenen Pferde erkranken beide Augen, oft zeitversetzt um einige Wochen bis etwa zwei Jahre (Wollanke und Kollegen, 2022). Das zweite Auge gehört deshalb immer mit kontrolliert. In Deutschland sind nach dieser Übersicht etwa 7 bis 10 Prozent der Pferde betroffen, weltweit schwanken die Angaben zwischen 2 und 25 Prozent (Merck Veterinary Manual).
Früher wurde die Erkrankung Mondblindheit genannt und gehörte zu den Hauptmängeln in der Kaiserlichen Verordnung von 1899. Vielleicht kommt dir der Begriff aus den Unterlagen deiner Reitabzeichenprüfung bekannt vor.
Was löst die periodische Augenentzündung aus?
Die Ursachen sind immer noch nicht vollständig geklärt. Die heute wissenschaftlich akzeptierte Hypothese nimmt eine immunvermittelte Erkrankung mit verschiedenen Auslösern an, die je nach geografischer Lage unterschiedlich sein können. Diskutiert werden Leptospiren, Streptokokken, Virusinfektionen, allergische Reaktionen, Autoimmunerkrankungen und auch erbliche Veranlagung. Die zwei großen Komponenten sind die Leptospireninfektion und die Autoimmunreaktion, und beides wird ein bisschen unterschiedlich behandelt.
In Europa ist bei den meisten Fällen eine Leptospireninfektion beteiligt. An der Münchner Universitätsklinik ließen sich in den Glaskörperproben von 1.387 betroffenen Augen bei 83 Prozent Antikörper gegen Leptospiren und bei 72 Prozent deren Erbgut nachweisen (Geiger und Kollegen, 2022). Andere Kliniken finden niedrigere Anteile, die Zahlen hängen also auch davon ab, welche Pferde wo untersucht werden.
Die Leptospireninfektion kann ohne Symptome verlaufen und erst Monate bis Jahre später eine Entzündung im Auge auslösen. Leptospiren sind Bakterien und kommen weltweit vor, ihre Hauptwirte sind Ratten und Mäuse. Die Bakterien werden von kranken Tieren mit dem Urin ausgeschieden. So sind verunreinigtes Futter und Wasser die Hauptquelle für Infektionen, aber auch feuchte Böden und Gewässer. Die Bakterien sind temperaturabhängig und kommen daher vermehrt im Sommer und Herbst vor. Aufgenommen werden sie über Schleimhäute oder verletzte Haut.
Allerdings kommen fast alle Pferde irgendwann in ihrem Leben mit Leptospiren in Kontakt. Eine periodische Augenentzündung entsteht daraus aber bei Weitem nicht bei jedem Pferd. Verschiedene Faktoren können die Erkrankung triggern, zum Beispiel Stress durch Transport, Turnier oder Stallwechsel. Die genauen Vorgänge bei der Entstehung neuer Entzündungsschübe sind bis heute unbekannt.
Welche Rolle spielt die Vererbung?
Bei manchen Rassen ist die Veranlagung inzwischen gut belegt. Appaloosas erkranken etwa achtmal häufiger als andere Rassen (UC Davis Center for Equine Health), meist an der schleichenden Form und oft an beiden Augen. Das Risiko hängt mit dem Tigerschecken-Gen zusammen: Reinerbige Tiere waren in einer Untersuchung an 145 Appaloosas deutlich häufiger betroffen (Sandmeyer und Kollegen, 2020). Auch beim Deutschen Warmblut wurde ein Genort gefunden, der mit der Erkrankung zusammenhängt (Kulbrock und Kollegen, 2013). Einen Gentest für Warmblüter gibt es bisher nicht.
Ist die periodische Augenentzündung ansteckend?
Die Entzündung im Auge ist eine Reaktion des Immunsystems. Sie wird nicht von Auge zu Auge weitergegeben wie ein Schnupfen. Was aus der Umgebung kommt, sind die Leptospiren: Hauptüberträger sind kleine Nager, die die Bakterien mit dem Urin ausscheiden und so Tränkwasser und Futter verunreinigen. Welche Bedeutung Pferde selbst als Ausscheider haben, lässt sich nach aktuellem Stand schwer einschätzen (Wollanke und Kollegen, 2022). Für deinen Stall heißt das: Ein Pferd mit periodischer Augenentzündung muss nicht isoliert werden, aber die Stallhygiene verdient einen genauen Blick.
Kann ich vorbeugen, und gibt es eine Impfung?
Der Kontakt mit Leptospiren lässt sich mit verschiedenen Maßnahmen verringern:
- Mäuse und Ratten im Stall systematisch bekämpfen
- Die Futterkammer sauber und aufgeräumt halten
- Keine offenen Futtersäcke herumstehen lassen
- Feuchte Stellen trockenlegen
- Sauberes, am besten fließendes Wasser anbieten. Wird auf der Wiese aus Eimern getränkt, das Wasser regelmäßig erneuern
Eine zugelassene Impfung gegen Leptospiren gibt es für Pferde in Deutschland weiterhin nicht. Im Einzelfall kann aus den Leptospiren, die im eigenen Stall vorkommen, ein bestandsspezifischer Impfstoff hergestellt werden. Der wirkt dann aber nur gegen diese Serogruppe, und die Serogruppen sind von Stall zu Stall unterschiedlich. Sind die Leptospiren bereits im Auge, hilft die Impfung nicht mehr (Wollanke und Kollegen, 2022). In den USA ist inzwischen ein Impfstoff zugelassen (Impfleitlinie der amerikanischen Pferdetierärzte). Dass er vor der periodischen Augenentzündung schützt, ist bisher nicht gezeigt.
Hat dein Pferd eine periodische Augenentzündung, sollten Stress und weitere Situationen vermieden werden, die die Erkrankung triggern und das Immunsystem schwächen.
Woran erkenne ich einen Schub?
Die Erkrankung kann sehr unterschiedlich verlaufen. Manchmal zwinkern die Pferde nur etwas, und der Entzündungsschub bleibt eigentlich unbemerkt. Wenn man an dem Tag nicht da war, hat man es gar nicht gesehen. Es war halt heiß, es waren ein paar Fliegen da, das Auge hat ein bisschen getränt. Andere Pferde zeigen sehr starke Symptome.
Augenerkrankungen sind grundsätzlich sehr schmerzhaft. Die Pferde zeigen häufig ein Schmerzgesicht: Die Ohren sind nach hinten gerichtet, die Nüstern hochgezogen und das Maul fest zusammengekniffen. Woran du Schmerz im Gesicht noch erkennst, steht im Artikel zum Schmerz-Ethogramm.
Die typischen Symptome am Auge selbst:
- Lidschwellung
- Tränenfluss
- Gerötete Bindehaut
- Grau-rauchige Hornhauttrübung
- Verengte Pupille (Schmerzanzeichen)
- Häufiges Zwinkern bis Zukneifen des Auges (Schmerzanzeichen)
- Fibrinfäden in der vorderen Augenkammer: Weiße Fäden schwimmen im vorderen Teil des Auges
- Schmerzbedingter Enophthalmus: Das Auge wird tiefer in die Augenhöhle gezogen und erscheint kleiner
- Die Wimpern stehen senkrecht (Schmerzanzeichen). Im gesunden Zustand stehen sie waagerecht bis leicht schräg nach unten
Mein Tipp: Schau deinem Pferd von vorne ins Gesicht und vergleiche die Wimpernstellung von linkem und rechtem Auge.


Der Vergleich: Links ein gesundes Auge. Es ist weit geöffnet, die Pupille ist queroval und klar, die Wimpern stehen waagerecht. Rechts ein schmerzhaftes Auge: Das Lid ist geschwollen, das Auge wird halb zugekniffen, die Wimpern zeigen nach unten, im Augenwinkel steht Ausfluss.
Was du hier siehst: Ein stark geschwollenes, zugekniffenes Auge. Die Wimpern zeigen steil nach unten. So sieht ein Pferd aus, das am Auge deutliche Schmerzen hat.
Symptome im fortgeschrittenen Verlauf
Bei immer wiederkehrenden Schüben wird das Auge stark zerstört. Der Augapfel schrumpft zusammen und die Hornhaut trübt sich. Bleibt die Entzündung unbemerkt oder wird fälschlicherweise angenommen, es handle sich „nur“ um eine Bindehautentzündung, kann das Pferd unbemerkt erblinden. Dann zeigen die Pferde Verhaltensänderungen: Sie sind schreckhaft, haben Angst vor wechselnden Untergründen, verweigern beim Springen, sind in bestimmten Wendungen unwillig und halten manchmal den Kopf schräg.
Wie oft kommen die Schübe wieder?
Das ist sehr unterschiedlich. Die entzündungsfreien Abstände können unter zwei Wochen liegen oder mehr als ein Jahr betragen. Meist folgen die Schübe im Abstand von einigen Wochen bis Monaten, und die Abstände werden mit der Zeit kürzer (Wollanke und Kollegen, 2022). Wie lange ein einzelner Schub dauert, ist in den Studien nicht beziffert.
Meine Devise aus der Praxis war immer: Einmal ist keinmal. Jedes Pferd kann mal ein dickes Auge haben, das passiert in den besten Familien. Zweimal ist zu oft. Und wenn ich gefragt wurde, in welchem Abstand das zweite Mal denn sein darf: Wenn du dich an das letzte Mal erinnern kannst, dann war es zu oft. Dazu passt eine kleine britische Untersuchung: Von 22 nachverfolgten Pferden mit einer ersten Uveitis blieben 13 ohne Rückfall, vier bekamen einen weiteren Schub, fünf mussten operiert werden (Malalana und Kollegen, 2023). Eine einzelne Augenentzündung ist also noch keine periodische Augenentzündung. Die zweite gehört abgeklärt.
Wie wird die periodische Augenentzündung diagnostiziert?
Zuerst kommt die klinische Untersuchung: Der Tierarzt beurteilt Pupille, Augenkammer und Augenhintergrund. Bei Entzündung und Schmerz ist die Pupille eng gestellt, egal wie die Lichtverhältnisse sind.
Was ich draußen am Patienten sehr gerne gemacht habe, ist der Ultraschall vom Auge. Man gibt Gel auf das Lid, das Pferd macht das Auge automatisch zu, und man schallt durch das obere Lid. Die meisten Pferde tolerieren das sehr gut, oft ohne Sedierung. Ein gesundes Auge ist im Ultraschall innen schwarz. Bei der periodischen Augenentzündung sieht man weiße Stippen und Fibrinfäden, also Entzündungsprodukte im hinteren Teil des Auges. Bei einer Bindehautentzündung gibt es dort hinten gar keine Veränderungen. Damit bekommst du eine Dringlichkeit: Sind Stippen zu sehen, schrillt die Alarmglocke deutlich lauter.
Für die endgültige Diagnose ist aus meiner Sicht der Weg in die Klinik notwendig. Die Augenabteilungen untersuchen in einem fensterlosen Raum mit Spezialgeräten, das lässt sich im Stall nicht leisten. Auch wenn es sich vielleicht albern anfühlt, wegen eines tränenden Auges in die Klinik zu fahren: Aus meiner Erfahrung ist das die bessere Variante. In über zehn Jahren Praxis kann ich die Pferde, die ich umsonst geschickt habe, an einer Hand abzählen. Augenveränderungen sind sehr ernst zu nehmen. Andere Therapeuten können bei gestellter Diagnose unterstützen, aber für die sichere Diagnose sollte in jedem Fall ein Tierarzt das Auge untersuchen.
Wie wird ein Schub behandelt?
Die medikamentöse Behandlung dient dazu, die Entzündung zu bekämpfen und die Schmerzen zu lindern. Sie ist allerdings extrem zeitaufwendig und teuer und kann in den meisten Fällen weitere Schübe nicht verhindern, sondern nur den bestehenden abfangen. Bei jedem neuen Schub muss die Therapie sofort wiederholt werden. Teilweise ist es nötig, stündlich Augentropfen oder Salben einzubringen, auch nachts. Die Pferde lassen sich das nach einer gewissen Zeit verständlicherweise nicht mehr gefallen. Dann muss ein Augenkatheter eingesetzt werden, und das ist nur in der Klinik möglich.
Zu den Medikamenten zählt das Atropin, das die Pupille weit stellt. Durch den Schmerz zieht sich die Pupille zusammen, und leider kommt es dann häufig zu Verklebungen mit den Fibrinfäden, also den Entzündungsprodukten, die im Auge herumschwimmen. Die Pupille kann danach nicht mehr geöffnet werden, was die Sehfähigkeit immens einschränkt. Solange die Pupille weit gestellt ist, braucht das Pferd bei Sonne zusätzlichen Schutz, weil das Licht ungebremst ins Auge fällt.
Zur Behandlung der Entzündung werden kortisonhaltige Augensalben eingesetzt (nur bei intakter Hornhaut) und nichtsteroidale Entzündungshemmer, die schmerzlindernd und entzündungshemmend wirken. Das entspricht dem, was auch das Merck Veterinary Manual als Standard im Schub beschreibt. Daneben kommen häufig weitere Maßnahmen zum Einsatz: Akupunktur, das Tragen einer Fliegenmaske als Sonnen- und Windschutz und Eigenblutprodukte wie Serum-Augentropfen.
Ist die Entzündung abgeklungen, kann operiert werden. Denn die Medikamente verzögern das Erblinden nur, sie verhindern es in der Regel nicht.
Welche Operationen gibt es?
Vitrektomie
Bei der Vitrektomie wird der Inhalt des Glaskörpers ausgetauscht, vereinfacht gesagt der Inhalt des hinteren Teils des Auges. Er wird abgesaugt, und mit ihm die Entzündungsprodukte und Bakterien. Dadurch kann die Sehfähigkeit zum Teil sogar wieder etwas besser werden, weil die Trübung weniger wird. Die Operation wird vor allem dann gemacht, wenn Leptospiren beteiligt sind.
Die Ergebnisse sind gut: In einer Münchner Nachuntersuchung von 654 Augen über im Mittel 7,7 Jahre blieben 96,3 Prozent ohne weiteren Schub, und bei rund 75 Prozent blieb die Sehfähigkeit langfristig erhalten (Wollanke und Kollegen, 2021). Eine Auswertung aus Hannover und Utrecht fand bei 9 Prozent der operierten Augen mindestens einen weiteren Schub (Baake und Kollegen, 2019). Je nach Klinik liegt die Rückfallquote also bei etwa 4 bis 10 Prozent. Entscheidend bleibt der Zeitpunkt: Je weniger im Auge schon zerstört ist, desto mehr Sehkraft lässt sich retten.
Gentamicin-Injektion ins Auge
Dieses Verfahren hat sich erst nach meiner Podcastfolge verbreitet. Dabei wird in Sedierung eine kleine Menge des Antibiotikums Gentamicin in den Glaskörper gespritzt. Es ist deutlich weniger aufwendig als eine Operation in Vollnarkose. In zwei deutschen Auswertungen blieben 88 Prozent von 59 Augen (Fischer und Kollegen, 2019) und 92 Prozent von 61 Augen (Kleinpeter und Kollegen, 2019) im Beobachtungszeitraum ohne weiteren Schub, und zwar unabhängig davon, ob Leptospiren nachweisbar waren.
Zwei Dinge gehören zur ehrlichen Einordnung dazu. Die Nachbeobachtung war in diesen Arbeiten oft kurz, und als Komplikationen traten Linsentrübungen und Schäden an der Netzhaut auf. Eine schwedische Auswertung kam außerdem nur bei 41 Prozent von 32 Augen zu einem guten Ergebnis (Morén und Kollegen, 2025). Belastbare Langzeitdaten fehlen noch. Welches Verfahren für dein Pferd passt, entscheidet die Augenklinik am Befund.
Ciclosporin-Implantat
Mit diesem Verfahren wird die Autoimmunreaktion unterdrückt. Es ist also sinnvoll bei Pferden, bei denen keine Leptospiren nachweisbar sind. Das Implantat wird ins Auge gesetzt und gibt dort kontinuierlich den Wirkstoff ab. Augensalben sind dann nicht mehr nötig, und weitere Entzündungen werden unterdrückt. In einer amerikanischen Auswertung von 151 Augen waren nach im Mittel gut zwei Jahren 79 Prozent sehend, nach etwa vier Jahren kann ein neues Implantat nötig werden (Gilger und Kollegen, 2010). In der Europäischen Union sind die Implantate allerdings nicht legal erhältlich (Wollanke und Kollegen, 2022).
Entfernung des Auges
Bei Augen mit weit fortgeschrittener Zerstörung kann es nötig sein, das Auge zu entfernen, um dem Pferd Linderung zu verschaffen. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.
Wie ist die Prognose, und was ist, wenn das Auge blind wird?
Die Prognose der periodischen Augenentzündung ist schlecht, und eine Heilung ist leider nicht möglich. Die entstandene Zerstörung im Auge kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Das klingt erst einmal schlimm. Wenn die Pferde aber frühzeitig in der Klinik sind und frühzeitig behandelt oder operiert werden, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie ihr Augenlicht behalten und damit sehr gut zurechtkommen. Wie groß der Unterschied ist, zeigt eine amerikanische Auswertung von 224 Pferden einer Überweisungsklinik, in der laut Besitzern knapp die Hälfte auf dem betroffenen Auge erblindete (Gerding und Gilger, 2016).
Und wenn das Auge blind ist? Viele Pferde kommen mit einem blinden Auge sehr gut zurecht. Aber nur weil das Auge blind ist, heißt das nicht, dass es nicht mehr wehtut. Die Entzündung ist ja immer noch im Auge, das Auge schrumpft meist weiter, und das Pferd hat dauerhaft einen chronischen Schmerz. Deshalb gilt: Ist ein blindes Auge schmerzfrei, muss es nicht entfernt werden. Zeigt es Entzündungszeichen, also Tränen, Blinzeln, Schwellung oder Rötung, dann sollte es herausgenommen werden. Den Pferden geht es danach deutlich besser, weil der Schmerz weg ist.
Auch die Nutzung ist danach meist weiter möglich: In einer Untersuchung kehrten 29 von 34 Pferden nach der Entfernung eines Auges in die Arbeit zurück (Utter und Kollegen, 2010). Die periodische Augenentzündung ist deshalb in den allermeisten Fällen kein Grund, ein Pferd einzuschläfern. Schwierig wird es, wenn beide Augen betroffen sind und die Schmerzen sich nicht mehr beherrschen lassen. Was bei dieser Entscheidung hilft, steht im Artikel Pferd einschläfern: Ablauf und Zeitpunkt.
Daher ist es besonders wichtig, dass du die Symptome frühzeitig erkennst und deinen Tierarzt informierst. Utensilien für den Notfall griffbereit zu haben ist eine große Erleichterung, und noch besser: haben statt brauchen. Langzeit- und Folgeschäden reduzieren, dem Pferd in einer schmerzhaften Situation helfen, das alles kannst du. Mach dich nicht klein, sondern hilfreich und wertvoll im Fall der Fälle.









