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QUIZ MIT PFERDETIERÄRZTIN DR. VERONIKA KLEIN

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Podcast

PA, die pe­ri­odi­sche Augenentzündung

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Der me­di­zi­ni­sche Begriff für die pe­ri­odi­sche Augenentzündung lau­tet Equine re­zi­di­vie­ren­de Uveitis, kurz ERU und stellt eine wie­der­keh­ren­de Entzündung der Gefäßhaut im Auge dar. Die Gefäßhaut be­steht aus der Iris, dem Ziliarkörper und der Aderhaut und bil­det die mitt­le­re Gewebeschicht im Auge. 

Die Entzündung tritt ent­we­der wie­der­keh­rend in Schüben auf oder schlei­chend schlech­ter wer­dend, dann ist sie be­son­ders tü­ckisch. Unbemerkt und un­be­han­delt zer­stört sie näm­lich Strukturen im Auge und führt zur Erblindung. Die Entzündung kann ein­sei­tig, aber auch beid­sei­tig auf­tre­ten. Wenn be­reits ein Auge ent­zün­det ist, liegt das Risiko, dass das an­de­re Auge auch er­krankt bei 30% bis 35%. Untersuchungen ge­ben eine Häufigkeit der Krankheit von 8% bis 12% in der Pferdepopulation an und es stellt welt­weit die häu­figs­te Ursache für Erblindung von Pferden dar. Früher wur­de die Erkrankung auch Mondblindheit ge­nannt und ge­hör­te zu den Hauptmängeln in der Kaiserlichen Verordnung von 1899, viel­leicht kommt der Begriff dir be­kann­ter vor aus den Unterlagen dei­ner Reitabzeichenprüfung.

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Ursachen einer periodischen Augenentzündung

Die Ursachen der Entzündung sind im­mer noch nicht voll­stän­dig ge­klärt, die heu­te wis­sen­schaft­lich ak­zep­tier­te Hypothese nimmt eine im­mu­nasso­zi­ier­te Erkrankung mit ver­schie­dens­ten Ursachen an. Die je nach geo­gra­phi­scher Lage un­ter­schied­lich sind. Diskutiert wer­den Leptospiren, Streptokokken, Virusinfektionen, all­er­gi­sche Reaktionen, Autointoxikationen, Autoimmunkomplex-Erkrankungen und auch erb­li­che Dispositionen. In der USA han­delt es sich meist um eine Autoimmunreaktion, da­ge­gen ist in Europa bei den meis­ten Fälle eine Leptospiren-Infektionen mit­be­tei­ligt. Die Leptospiren-Infektion kann ohne Symptome (in­ap­pa­rent) ver­lau­fen und erst Monate bis Jahre spä­ter eine Entzündung im Auge aus­lö­sen. Leptospiren sind Bakterien und kom­men welt­weit vor, de­ren Hauptwirte Nagetiere sind, wie Ratten oder Mäuse. Die Bakterien wer­den bei kran­ken Tieren mit dem Urin aus­ge­schie­den und so stel­len ver­un­rei­nig­te Futtermittel und Wasser die Hauptquelle für Infektionen dar so­wie feuch­te Böden oder Gewässer. Die Bakterien sind tem­pe­ra­tur­ab­hän­gig und kom­men da­her ver­mehrt im Sommer und Herbst vor. Aufgenommen wer­den sie durch Schleimhäute und ver­letz­te Haut. Verschiedene Faktoren kön­nen die Erkrankung auch trig­gern, wie Stress durch Transport, Turnier oder Stallwechsel. Allerdings kom­men fast alle Pferde mit Leptospiren in Kontakt wäh­rend ih­res Lebens, eine ERU/PA ent­steht dar­aus aber bei Weiten nicht bei je­dem Pferd! Wie ge­sagt die Inzidenz der ERU/PA liegt nur bei 8% bis 12% in der Pferdepopulation. Die Infektion mit Leptospiren kann mit ver­schie­de­nen Maßnahmen ver­sucht wer­den zu ver­hin­dern. Mäuse und Ratten müs­sen sys­te­ma­tisch be­kämpft wer­den in den Ställen, die Futterkammer sau­ber und auf­ge­räumt hal­ten, kei­ne of­fe­nen Futtersäcke rum­ste­hen las­sen und feuch­te Stellen tro­cken­le­gen. Wasser zum Tränken soll­te sau­ber und flie­ßend sein oder wenn es aus Eimern an­ge­bo­ten wird auf der Wiese re­gel­mä­ßig er­neu­ert wer­den. Eine Impfung ge­gen Leptospiren exis­tiert noch nicht, je­doch kann im Einzelfall aus den be­stands­spe­zi­fi­schen Leptospiren eine Vakzine (Impfung) nach der Anzüchtung her­ge­stellt wer­den. Diese wirkt dann aber nur für die­se Leptospiren-Serogruppe und die Serogruppen sind von Stall zu Stall un­ter­schied­lich. Hat das Pferd eine ERU/PA soll­te Stress und wei­te­re Situationen ver­mie­den wer­den, die das Immunsystem schwä­chen.

gesundes Auge

Augenausfluss

Typische Symptome am Auge sind:

  • Lidschwellung 
  • Tränenfluss
  • ge­rö­te­te Bindehaut
  • graue-rau­chi­ge Hornhauttrübung
  • ver­eng­te Pupille (Schmerzanzeichen)
  • häu­fi­ges zwin­kern bis Auge zu­knei­fen (Schmerzanzeichen)
  • Fibrinfäden in der vor­de­ren Augenkammer 
    (wei­ße Fäden schwim­men im vor­de­ren Teil des Auges)
  • schmerz­be­ding­ter Enophthalmus: das Auge wird tie­fer in die Augenhöhle rein­ge­zo­gen, so­dass das Auge klei­ner er­scheint
  • die Wimpern ste­hen senk­recht (Schmerzanzeichen,) im ge­sun­den Zustand ste­hen die Wimpern waa­ge­recht bis leicht schräg nach un­ten vom Kopf

Bei im­mer wie­der­keh­ren­den Schüben wird das Auge stark zer­stört und der Augapfel schrumpft zu­sam­men, die Hornhaut trübt sich und selbst wenn das Auge voll­stän­dig zer­stört ist, ha­ben die Pferde im­mer wie­der Entzündungsanzeichen und Schmerzen, dann bleibt als letz­te Möglichkeit nur noch die Entfernung des Auges.

Bleibt die Entzündung un­be­merkt oder wird fälsch­li­cher­wei­se an­ge­nom­men es han­delt sich „nur“ um eine Bindehautentzündung, dann kann das Pferd un­be­merkt er­blin­den. Dann zei­gen sie Verhaltensänderungen und sind schreck­haft, ha­ben Angst vor wech­seln­den Untergründen, ver­wei­gern beim Springen, sind in be­stimm­ten Wendungen un­wil­lig und hal­ten den Kopf schräg. 

Augenuntersuchung

krankes Auge: mittelgrasige Schwellung

Wenn ein Pferd häu­fi­ger ein trä­nen­des Auge über ei­nen län­ge­ren Zeitraum zeigt, soll­te das im­mer vom Tierarzt über­prüft wer­den, ob noch wei­te­re Veränderungen im Auge zu se­hen sind. Hier soll­te eine kli­ni­sche Untersuchung durch­ge­führt wer­den, der Augenhintergrund be­ur­teilt wer­den und even­tu­ell ein Ultraschall vom Auge durch­ge­führt wer­den. Augenveränderungen sind sehr ernst zu neh­men und an­de­re Therapeuten kön­nen zwar bei ge­stell­ter Diagnose un­ter­stüt­zend ein­grei­fen, aber für eine si­che­re Diagnose soll­te in je­dem Fall ein Tierarzt das Auge un­ter­su­chen, ohne Ausnahme. 

Die PA ist die häu­figs­te Erblindungsursache des Pferdes und eine Heilung ist bei ge­schä­dig­tem Auge nicht mehr mög­lich, also soll­te nicht ge­war­tet wer­den bei Verdacht.

Prognose und Therapie der PA

Die Prognose der PA ist schlecht und eine Heilung ist lei­der wie ge­sagt nicht mög­lich. Die ent­stan­de­ne Zerstörung im Auge kann nicht mehr rück­gän­gig ge­macht wer­den. Mit ei­ner Augen-OP ist der Prozess aber an­zu­hal­ten.

Es gibt eine me­di­ka­men­tö­se Behandlung und eine chir­ur­gi­sche Möglichkeit. 

Die me­di­ka­men­tö­se Behandlung dient dazu die Entzündung zu be­kämp­fen und die Schmerzen zu lin­dern, al­ler­dings ist die­se Behandlung ex­trem zeit­auf­wän­dig und teu­er und kann in den meis­ten Fällen wei­te­re Schübe nicht ver­hin­dern, son­dern nur den be­stehen­den ab­fan­gen. So kommt es zwar ver­zö­gert, aber trotz­dem zum Erblinden der Pferde. Bei je­dem neu­en Schub muss die Therapie so­fort wie­der­holt wer­den. Teilweise ist es nö­tig stünd­lich Augentropfen oder Salben ein­zu­brin­gen, auch nachts! Darüber hin­aus las­sen sich die Pferde das in der Regel nach ei­ner ge­wis­sen Zeit nicht mehr ge­fal­len und dann muss ein Augenkatheter ein­ge­setzt wer­den, die­se Maßnahmen sind nur in der Klinik mög­lich. Zu den an­ge­wen­de­ten Medikamenten zählt das Atropin, das stellt die Pupille weit. Durch den Schmerz zieht sich die Pupille zu­sam­men und lei­der kommt es dann häu­fig zu Verklebungen mit den Fibrinfäden (Entzündungsprodukte), so­dass die Pupille da­nach nicht mehr ge­öff­net wer­den kann. Das schränkt die Sehfähigkeit im­mens ein. Zur Behandlung der Entzündung wer­den kor­ti­son­hal­ti­ge Augensalben ein­ge­setzt (nur bei in­tak­ter Hornhaut!) und nicht­ste­ro­ida­le Entzündungshemmer, die wir­ken schmerz­lin­dernd und ent­zün­dungs­hem­mend. Daneben kom­men häu­fig noch wei­te­re Therapieoptionen zum Einsatz: Akupunktur, Homöopathie, Tragen ei­ner Fliegenmaske als Sonnen- und Windschutz und Eigenblutprodukte wie Serum-Augentropfen. Ist die Entzündung ab­ge­klun­gen kann eine OP durch­ge­führt wer­den, wie ge­sagt die Medikamente ver­zö­gern nur das Erblinden, ver­hin­dern es aber in der Regel nicht!

Auf der an­de­ren Seite gibt es 3 chir­ur­gi­sche Möglichkeiten

  1. Vitrektomie
    Diese OP wird bei ei­ner PA durch­ge­führt, die durch Leptospiren aus­ge­löst wird. Bei der Virektomie wird der Inhalt des Glaskörpers aus­ge­tauscht. Der Inhalt wird ab­ge­saugt und mit ihm die Entzündungsprodukte und Bakterien, da­durch kann die Sehfähigkeit zum Teil so­gar wie­der ver­bes­sert wer­den. Einfach aus­ge­drückt wird der Inhalte des Auges aus­ge­tauscht. Durch die­se Spülung wer­den die Entzündung und die fort­schrei­ten­de Zerstörung ge­stoppt und das Risiko, dass da­nach eine er­neu­te Augenentzündung auf­tritt wird mit un­ter 5% an­ge­ge­ben.

  2. Ciclosporin‑A Implantat
    Mit die­ser OP wird die auf­tre­ten­de Autoimmunreaktion un­ter­drückt, die­ses Verfahren ist also sinn­voll bei Pferden, bei de­nen der Leptospiren-Titer ne­ga­tiv ist. Hier han­delt es sich dann um eine aus­schließ­lich au­to­im­mun be­ding­te Erkrankung, wie sie in der USA meist auf­tritt. Das Implantat wird ins Auge ge­setzt und gibt dort kon­ti­nu­ier­lich Medikamente ab, so­mit ist die Anwendung von Augensalbe nicht mehr nö­tig und wei­te­re Entzündungen wer­den un­ter­drück. Hier wird eine si­che­re Abgabe des Wirkstoffs über 1 Jahr an­ge­ge­ben, bei vie­len Pferden bleibt das Auge reiz­frei, bei an­de­ren muss das Implantat aus­ge­wech­selt wer­den nach ei­ni­gen Jahren. Das Implantat ist al­ler­dings für Pferde nicht zu­ge­las­sen und fällt un­ter das Doping-Gesetz.

  3. Bulbus ex
    Bei Augen mit weit­fort­ge­schrit­te­ner Zerstörung kann es nö­tig sein das Auge zu ent­fer­nen, um dem Pferd Linderung zu ver­schaf­fen.

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