PA, die periodische Augenentzündung

PA = periodische Augenentzündung

Der medizinische Begriff für die periodische Augenentzündung lautet Equine rezidivierende Uveitis, kurz ERU und stellt eine wiederkehrende Entzündung der Gefäßhaut im Auge dar. Die Gefäßhaut besteht aus der Iris, dem Ziliarkörper und der Aderhaut und bildet die mittlere Gewebeschicht im Auge. 

Die Entzündung tritt entweder wiederkehrend in Schüben auf oder schleichend schlechter werdend, dann ist sie besonders tückisch. Unbemerkt und unbehandelt zerstört sie nämlich Strukturen im Auge und führt zur Erblindung. Die Entzündung kann einseitig, aber auch beidseitig auftreten. Wenn bereits ein Auge entzündet ist, liegt das Risiko, dass das andere Auge auch erkrankt bei 30% bis 35%. Untersuchungen geben eine Häufigkeit der Krankheit von 8% bis 12% in der Pferdepopulation an und es stellt weltweit die häufigste Ursache für Erblindung von Pferden dar. Früher wurde die Erkrankung auch Mondblindheit genannt und gehörte zu den Hauptmängeln in der Kaiserlichen Verordnung von 1899, vielleicht kommt der Begriff dir bekannter vor aus den Unterlagen deiner Reitabzeichenprüfung.

Ursachen einer periodischen Augenentzündung

Die Ursachen der Entzündung sind immer noch nicht vollständig geklärt, die heute wissenschaftlich akzeptierte Hypothese nimmt eine immunassoziierte Erkrankung mit verschiedensten Ursachen an. Die je nach geographischer Lage unterschiedlich sind. Diskutiert werden Leptospiren, Streptokokken, Virusinfektionen, allergische Reaktionen, Autointoxikationen, Autoimmunkomplex-Erkrankungen und auch erbliche Dispositionen. In der USA handelt es sich meist um eine Autoimmunreaktion, dagegen ist in Europa bei den meisten Fälle eine Leptospiren-Infektionen mitbeteiligt. Die Leptospiren-Infektion kann ohne Symptome (inapparent) verlaufen und erst Monate bis Jahre später eine Entzündung im Auge auslösen. Leptospiren sind Bakterien und kommen weltweit vor, deren Hauptwirte Nagetiere sind, wie Ratten oder Mäuse. Die Bakterien werden bei kranken Tieren mit dem Urin ausgeschieden und so stellen verunreinigte Futtermittel und Wasser die Hauptquelle für Infektionen dar sowie feuchte Böden oder Gewässer. Die Bakterien sind temperaturabhängig und kommen daher vermehrt im Sommer und Herbst vor. Aufgenommen werden sie durch Schleimhäute und verletzte Haut. Verschiedene Faktoren können die Erkrankung auch triggern, wie Stress durch Transport, Turnier oder Stallwechsel. Allerdings kommen fast alle Pferde mit Leptospiren in Kontakt während ihres Lebens, eine ERU/PA entsteht daraus aber bei Weiten nicht bei jedem Pferd! Wie gesagt die Inzidenz der ERU/PA liegt nur bei 8% bis 12% in der Pferdepopulation. Die Infektion mit Leptospiren kann mit verschiedenen Maßnahmen versucht werden zu verhindern. Mäuse und Ratten müssen systematisch bekämpft werden in den Ställen, die Futterkammer sauber und aufgeräumt halten, keine offenen Futtersäcke rumstehen lassen und feuchte Stellen trockenlegen. Wasser zum Tränken sollte sauber und fließend sein oder wenn es aus Eimern angeboten wird auf der Wiese regelmäßig erneuert werden. Eine Impfung gegen Leptospiren existiert noch nicht, jedoch kann im Einzelfall aus den bestandsspezifischen Leptospiren eine Vakzine (Impfung) nach der Anzüchtung hergestellt werden. Diese wirkt dann aber nur für diese Leptospiren-Serogruppe und die Serogruppen sind von Stall zu Stall unterschiedlich. Hat das Pferd eine ERU/PA sollte Stress und weitere Situationen vermieden werden, die das Immunsystem schwächen.

Zusammenfassend sind die genauen Vorgänge bei der Entstehung neuer Entzündungsschüben bisher leider immer noch unbekannt.

Die ERU kann sehr unterschiedlich verlaufen. Manchmal zwinkern die Pferde nur etwas mehr und der Entzündungsschub bleibt unbemerkt, andere zeigen starke Symptome und sind sehr schmerzhaft. Augenerkrankungen sind grundsätzlich sehr schmerzhaft – die Pferde zeigen häufig ein Schmerzgesicht. Dabei sind die Ohren nach hinten gerichtet und die Nüstern werden krausgezogen sowie das Maul fest zusammengekniffen.

gesundes Auge:
trocken, glänzend, offen, Pupille geöffnet
krankes Auge:
geschwollen, zwinkern, Augenausfluss

Typische Symptome am Auge sind:

  • Lidschwellung 
  • Tränenfluss
  • gerötete Bindehaut
  • graue-rauchige Hornhauttrübung
  • verengte Pupille (Schmerzanzeichen)
  • häufiges zwinkern bis Auge zukneifen (Schmerzanzeichen)
  • Fibrinfäden in der vorderen Augenkammer 
    (weiße Fäden schwimmen im vorderen Teil des Auges)
  • schmerzbedingter Enophthalmus: das Auge wird tiefer in die Augenhöhle reingezogen, sodass das Auge kleiner erscheint
  • die Wimpern stehen senkrecht (Schmerzanzeichen,) im gesunden Zustand stehen die Wimpern waagerecht bis leicht schräg nach unten vom Kopf

Bei immer wiederkehrenden Schüben wird das Auge stark zerstört und der Augapfel schrumpft zusammen, die Hornhaut trübt sich und selbst wenn das Auge vollständig zerstört ist, haben die Pferde immer wieder Entzündungsanzeichen und Schmerzen, dann bleibt als letzte Möglichkeit nur noch die Entfernung des Auges.

Bleibt die Entzündung unbemerkt oder wird fälschlicherweise angenommen es handelt sich „nur“ um eine Bindehautentzündung, dann kann das Pferd unbemerkt erblinden. Dann zeigen sie Verhaltensänderungen und sind schreckhaft, haben Angst vor wechselnden Untergründen, verweigern beim Springen, sind in bestimmten Wendungen unwillig und halten den Kopf schräg. 

Wenn ein Pferd häufiger ein tränendes Auge über einen längeren Zeitraum zeigt, sollte das immer vom Tierarzt überprüft werden, ob noch weitere Veränderungen im Auge zu sehen sind. Hier sollte eine klinische Untersuchung durchgeführt werden, der Augenhintergrund beurteilt werden und eventuell ein Ultraschall vom Auge durchgeführt werden. Augenveränderungen sind sehr ernst zu nehmen und andere Therapeuten können zwar bei gestellter Diagnose unterstützend eingreifen, aber für eine sichere Diagnose sollte in jedem Fall ein Tierarzt das Auge untersuchen, ohne Ausnahme. 

Die PA ist die häufigste Erblindungsursache des Pferdes und eine Heilung ist bei geschädigtem Auge nicht mehr möglich, also sollte nicht gewartet werden bei Verdacht.

Prognose und Therapie der PA

Die Prognose der PA ist schlecht und eine Heilung ist leider wie gesagt nicht möglich. Die entstandene Zerstörung im Auge kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Mit einer Augen-OP ist der Prozess aber anzuhalten.

Es gibt eine medikamentöse Behandlung und eine chirurgische Möglichkeit. 

Die medikamentöse Behandlung dient dazu die Entzündung zu bekämpfen und die Schmerzen zu lindern, allerdings ist diese Behandlung extrem zeitaufwändig und teuer und kann in den meisten Fällen weitere Schübe nicht verhindern, sondern nur den bestehenden abfangen. So kommt es zwar verzögert, aber trotzdem zum Erblinden der Pferde. Bei jedem neuen Schub muss die Therapie sofort wiederholt werden. Teilweise ist es nötig stündlich Augentropfen oder Salben einzubringen, auch nachts! Darüber hinaus lassen sich die Pferde das in der Regel nach einer gewissen Zeit nicht mehr gefallen und dann muss ein Augenkatheter eingesetzt werden, diese Maßnahmen sind nur in der Klinik möglich. Zu den angewendeten Medikamenten zählt das Atropin, das stellt die Pupille weit. Durch den Schmerz zieht sich die Pupille zusammen und leider kommt es dann häufig zu Verklebungen mit den Fibrinfäden (Entzündungsprodukte), sodass die Pupille danach nicht mehr geöffnet werden kann. Das schränkt die Sehfähigkeit immens ein. Zur Behandlung der Entzündung werden kortisonhaltige Augensalben eingesetzt (nur bei intakter Hornhaut!) und nichtsteroidale Entzündungshemmer, die wirken schmerzlindernd und entzündungshemmend. Daneben kommen häufig noch weitere Therapieoptionen zum Einsatz: Akupunktur, Homöopathie, Tragen einer Fliegenmaske als Sonnen- und Windschutz und Eigenblutprodukte wie Serum-Augentropfen. Ist die Entzündung abgeklungen kann eine OP durchgeführt werden, wie gesagt die Medikamente verzögern nur das Erblinden, verhindern es aber in der Regel nicht!

Auf der anderen Seite gibt es 2 chirurgische Möglichkeiten

  1. Vitrektomie

Diese OP wird bei einer PA durchgeführt, die durch Leptospiren ausgelöst wird. Bei der Virektomie wird der Inhalt des Glaskörpers ausgetauscht. Der Inhalt wird abgesaugt und mit ihm die Entzündungsprodukte und Bakterien, dadurch kann die Sehfähigkeit zum Teil sogar wieder verbessert werden. Einfach ausgedrückt wird der Inhalte des Auges ausgetauscht. Durch diese Spülung werden die Entzündung und die fortschreitende Zerstörung gestoppt und das Risiko, dass danach eine erneute Augenentzündung auftritt wird mit unter 5% angegeben.

  • Ciclosporin-A Implantat

Mit dieser OP wird die auftretende Autoimmunreaktion unterdrückt, dieses Verfahren ist also sinnvoll bei Pferden, bei denen der Leptospiren-Titer negativ ist. Hier handelt es sich dann um eine ausschließlich autoimmun bedingte Erkrankung, wie sie in der USA meist auftritt. Das Implantat wird ins Auge gesetzt und gibt dort kontinuierlich Medikamente ab, somit ist die Anwendung von Augensalbe nicht mehr nötig und weitere Entzündungen werden unterdrück. Hier wird eine sichere Abgabe des Wirkstoffs über 1 Jahr angegeben, bei vielen Pferden bleibt das Auge reizfrei, bei anderen muss das Implantat ausgewechselt werden nach einigen Jahren. Das Implantat ist allerdings für Pferde nicht zugelassen und fällt unter das Doping-Gesetz

Bei Augen mit weitfortgeschrittener Zerstörung kann es nötig sein das Auge zu entfernen, um dem Pferd Linderung zu verschaffen.

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