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Mensch mit Pferd oder Pferdemensch

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Podcast

Verhaltensstörungen beim Pferd

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Hilfe mein Pferd koppt! Das ist lei­der nur eine von vie­len Verhaltensstörungen beim Pferd, die sie zei­gen bei un­sach­ge­mä­ßer Haltung, Fütterung, un­an­ge­mes­se­nen Training oder Umgang. Wir ha­ben in den letz­ten Wochen viel über Risikofaktoren ge­spro­chen, die zu Krankheiten füh­ren kön­nen. Auch Verhaltensstörungen sind Krankheiten, beim Menschen wür­de man von psy­chi­schen Problemen spre­chen, die durch ei­nen Psychiater und manch­mal auch durch ent­spre­chen­de Medikamente be­han­delt wer­den.

Beispiele für Verhaltensstörungen
Koppen
Weben
Stangenwetzen
Boxenlaufen
Lippen- und Zungenspiel

Die Verhaltensmedizin ist in der Tiermedizin noch re­la­tiv un­er­forscht und steckt in den Kinderschuhen, aber sie ge­winnt an Bedeutung und wird im­mer wich­ti­ger. Leider gibt es nur sehr we­nig Pferdetierärzte, die sich mit die­sem Teilgebiet aus­ein­an­der set­zen. Komisch ei­gent­lich, denn lei­der ist es in der Praxis ein gro­ßes Thema und Verhaltensstörungen sind weit­ver­brei­tet in der Pferdepopulation. Sie re­sul­tie­ren in der Regel aus Haltungs- oder Umgangsfehlern der Menschen.

Wetzspuren am Holz sind Zeichen für eine Verhaltensstörung

Wenn dein Pferd ein solches Verhalten zeigt stelle dir folgende Fragen:

Absetzen als Fohlen?
Aufzucht?
Ausbildung? Reitweise?
Haltung?
Vorerkrankungen?
Fütterung?
Tagesablauf? Betreuungspersonen?

Zusammen mit der kli­ni­schen Untersuchung lässt sich dann eine Diagnose stel­len und dar­aus dann auch eine Prognose.

Therapie: Setzt eine Veränderungen der Bedingungen und eine Verhaltensveränderungen der Pferdebesitzer vor­aus!

Normalverhalten beim Pferd

Normalverhalten: ei­gent­lich so ein­fach und wir ler­nen es schon beim Basispass: das Pferd ist ein Lauftier (Weideschritt für 18 Stunden am Tag), ein Dauerfresser (da­bei Nahrungsaufnahme), ein Herdentier (Sozialkontakte – Sicht‑, Körperkontakt, sta­bi­le Herde), Fluchttier und hat ein star­kes Erkundungsverhalten so­wie ei­nen ho­hen Bedarf an fri­scher Luft und Licht, da es ja ein Steppentier ist.

Was pas­siert in Konfliktsituationen – was macht das Pferd im Normalfall dann? Dafür gibt es drei Verhaltensweise wie das Pferd re­agiert in ei­ner Konfliktsituation, das sind:

  1. am­bi­va­len­tes Verhalten
  2. um­ori­en­tier­tes Verhalten
  3. Übersprungsverhalten

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1.ambivalentes Verhalten

Unter dem am­bi­va­len­ten Verhalten ver­steht man ein Verhalten, dem gleich­zei­tig zwei ver­schie­den­ar­ti­ge Bereitschaften zu­grun­de lie­gen zu re­agie­ren, z.B. Erkundung und Flucht. Es be­steht also ein Konflikt (Konfliktverhalten) zwi­schen ver­schie­de­nen Verhaltenstendenzen.
Beispiel:
Das Pferd er­schrickt sich vor et­was auf dem Reitplatz und schwankt in­ner­lich zwi­schen weg­lau­fen und sei­ner Neugier das Objekt zu un­ter­su­chen. Sie sind also wan­kel­mü­tig und sind in ei­nem Zwiespalt. Und am Ende füh­ren sie keins der Verhalten voll­stän­dig aus – flüch­ten also nicht, aber nä­hern sich auch nicht dem Objekt.

2.umorientertes Verhalten

Bei dem um­ori­en­tie­ren Verhalten wird ein Verhalten aus­ge­löst, aber gleich­zei­tig ge­hemmt, so­dass das Verhalten auf ein Ausweichobjekt um­ge­münzt wird.
Beispiel:
Diese Verhalten se­hen wir viel bei Probierhengsten – der Hengst wird von ei­ner ros­si­gen Stute sti­mu­liert und zeigt sich Paarungsbereit, aber den ei­gent­li­chen Deckakt darf der Hengst nicht voll­zie­hen. Denn im Anschluss wird er weg­ge­führt und wie­der in die Box ge­stellt. Daraus ent­steht eine Konfliktsituation für den Hengst und er ist frus­triert, das un­ter­drück­te Verhalten schlägt nun um. Zum Beispiel in Aggression ge­gen­über an­de­ren Pferden, sich sel­ber, Menschen oder auf Objekten in sei­ner Umgebung. Einige Pferde fan­gen zum Beispiel an sich sel­ber zu bei­ßen und zu ver­let­zen. Dann ist es höchs­te Zeit et­was zu un­ter­neh­men.

3.Übersprungsverhalten

Als drit­tes ha­ben wir noch das Übersprungsverhalten – ein spon­tan auf­tre­ten­des nicht der Situation pas­sen­des Verhalten. Also ein Verhalten, das sonst in ei­ner be­stimm­ten Situatione aus­ge­führt wird und dort ei­nen Sinn er­gibt, da es ziel­ge­rich­tet ist. Dieses Verhalten tritt nun plötz­lich völ­lig au­ßer­halb des Kontextes auf, wo es über­haupt kei­nen Sinn macht. Dazu zählt zum Beispiel das Kopfschlagen oder das Leerkauen, die­ses Verhalten soll in der Konfliktsituation den Stress ab­bau­en.
Beispiel:
Bei uns Menschen wäre das in ei­ner Stresssituation am Kopf krat­zen oder ins Gesicht fas­sen – be­ob­ach­te bei der nächs­ten Fortbildung mal die Redner ge­nau­er am Anfang – sie sind auf­ge­regt und schwan­ken zwi­schen vor dem Publikum ihre Rede zu hal­ten oder weg­zu­lau­fen – als nicht ziel­füh­ren­de Reaktion krat­zen sie sich am Kopf, zup­fen an der Kleidung und so wei­ter, um den Stress in der Situation ab­zu­bau­en.

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Problemverhalten beim Pferd

Das sind nun al­les Abweichungen vom Normalverhalten, wenn du die Anzeichen früh ge­nug er­kennst in der Konfliktsituation kannst du die Ursache ab­stel­len und Schlimmeres ver­hin­dern. Geschieht das nicht, ent­steht dar­aus lei­der ein Problemverhalten – das sich ein­teilt in ein un­er­wünsch­tes Verhalten und Verhaltensstörungen. Die Anpassungs- und Bewältigungsfähigkeit ist sehr un­ter­schied­lich zwi­schen den Pferden und hängt sehr vom Interieur ab, also Charakter und Temperament. Wie schnell ein Pferd bei schlech­ter Haltung, Überforderung im Training und un­fai­ren Umgang eine Verhaltensstörung ent­wi­ckelt ist nicht vor­her­zu­sa­gen.

Unerwünschtes Verhalten weicht vom Normalverhalten ab und stört den Menschen – Ursachen sind Überforderung, Angst und Schmerzen beim Reiten, schlech­ter Umgang, feh­ler­haf­te Haltung und häu­fig auch Langeweile durch die ein­ge­schränk­ten Möglichkeiten – es fehlt Sozialkontakt, Bewegung, Erkundungsgänge und Spielkamaraden. Aber auch ab­rup­tes Absetzen der Fohlen, iso­lier­te Aufzucht, lan­ge Boxenruhe und ein­schnei­den­de Veränderungen tra­gen zu un­er­wünsch­ten Verhalten und Verhaltensstörungen bei.

Mehr zu art­ge­rech­ter Haltung fin­dest du in der Episode: Paddock Trail

-> hier geht es zur Episode

Du bist mehr an ei­ner art­ge­rech­ten und be­darfs­ge­rech­ten Fütterung in­ter­es­siert, dann höre doch in die Fütterungsserie rein

-> hier geht es zur ers­ten Episode: Grundlagen Pferdefütterung

 

Pferdefütterung

art­ge­recht und be­darfs­ge­recht

unerwünschtes Verhalten

Wenn das Pferd Schmerzen beim Reiten hat, möch­te es die­se Situation ver­mei­den, also lässt es sich zum Beispiel auf der Wiese nicht ein­fan­gen, schmeißt den Reiter durch stei­gen und bo­cken run­ter – klappt das, so hat das Pferd ge­lernt sich der un­an­ge­neh­men Situation zu ent­zie­hen und wie­der­holt das Verhalten – Lernen durch Erfolg.

Angst führt eben­falls zu un­er­wünsch­ten Verhalten für den Menschen, kopf­lo­ses Durchgehen, scheu­en in der Ecke, Verladeprobleme, Kleben an an­de­ren Pferden oder ver­wei­gern weg vom Stall zu ge­hen. Natürlich ge­hört hier auch die Angst vor dem Schmied oder dem Tierarzt dazu, das führt ja manch­mal auch zu Fluchtverhalten beim er­bli­cken der Person oder gar nur dem Auto des Tierarztes oder Schmiedes. Kann sich das Pferd nicht ent­zie­hen, kann der Fluchtinstinkt in den Kampfmodus um­schla­gen, die Pferde bei­sen, tre­ten und drü­cken ei­nen an die Wand. Manchmal rich­tet sich die Aggression auch ge­gen an­de­re Pferde, das ist häu­fig auf Managementfehler zu­rück­zu­füh­ren, da zu we­nig Fressplätze oder Raum zur Verfügung steht.

Diese un­er­wünsch­ten Verhaltensweisen ver­su­chen ei­ner un­an­ge­neh­men Situation aus dem Weg zu ge­hen, wenn dies al­les nicht klappt tritt die er­lern­te Hilfslosigkeit ein. Ein soo trau­ri­ges Wort wie ich fin­de, die Pferde re­si­gnie­ren und wer­den teil­nahms­los und er­ge­ben sich ih­rem Schicksal – Schmerz wird er­tra­gen und die Pferde ver­fal­len.

Zum Schluss hier noch zwei un­er­wünsch­te Verhaltensweisen, die aus po­si­ti­ven Beweggründen ent­ste­hen.

Bei jun­gen Pferden ist es zu­mal näm­lich nicht im­mer durch Schmerz oder Angst aus­ge­löst, son­dern sie le­ben ihr Spielverhalten am Menschen aus, da ih­nen der Sozialkontakt zu Artgenossen fehlt. Die jun­gen Hüpfer wol­len dann nur spie­len, das ist aber für uns Menschen ge­fähr­lich und un­er­wünscht, wenn wir an­ge­sprun­gen wer­den, ge­bis­sen und ge­schubst wer­den. Ursache ist hier aber ja auch wie­der der Mensch, der den Pferden ver­sagt mit an­de­ren Pferde Kontakt auf­zu­neh­men. 

Ein ganz an­de­ren Beweggrund steht hin­ter dem Scharren – hier wird nach Aufmerksamkeit ge­fragt und es ist egal ob ihr eu­rem Pferd dann ein Leckerchen gebt und es an­brüllt es sein zu las­sen, bei­des stellt eine Belohnung da, denn das Pferd hat ja nun Aufmerksamkeit be­kom­men…

Beseitigung des unerwünschten Verhaltens

Die Beseitigung der un­er­wünsch­ten Verhaltensweisen ist den­ke ich klar, Ursache fin­den und ab­stel­len- da­her ist es auch so im­mens wich­tig zu Wissen wie art­ge­rech­te Fütterung, Haltung und Training aus­sieht, wie man mit den Pferden ge­sund­heits­för­dernd um­geht und er­kennt was krank macht.

 

Verhaltensstörungen beim Pferd

Werden die Ursachen näm­lich nicht ab­ge­stellt tre­ten ste­reo­ty­pe Verhaltensstörungen auf, dies sind krank­haf­te Störungen, die Pferde sind be­ein­träch­tigt – ein Ergebnis aus chro­ni­scher Überforderung der Anpassungsfähigkeit der Pferde in den Punkten Umgang, Fütterung, Haltung und Ausbildung. Zu die­sen Verhaltensstörungen zäh­len Koppen, Weben, Boxenlaufen und auch Zaunlaufen, die Pferde bei­ßen sich sel­ber, Stangenwetzen, Lippen und Zungenspiel und Holzwetzen. Leider kommt es im Verlauf zu struk­tu­rel­len Veränderungen im Gehirn, so­dass stark aus­ge­präg­te und lang­be­stehen­de Verhaltensstörungen spä­ter nicht mehr voll­stän­dig be­sei­tigt wer­den kön­nen. Es soll­te sich je­der klar ma­chen, das Pferde mit Verhaltensstörungen lei­den oder ge­lit­ten ha­ben und das eine sym­pto­ma­ti­sche Behandlung kei­ne Lösung ist, son­dern nur eine Beseitigung der Ursache in Frage kommt. Einen Kopperriemen an­zu­brin­gen und das Pferd wei­ter in der Box ste­hen zu las­sen für 23 Stunden ist aus mei­ner Sicht völ­lig falsch! Jedoch soll­te auch je­dem klar sein, dass selbst wenn al­les op­ti­miert wor­den ist, das Koppen meist nicht ver­schwin­det auf­grund der struk­tu­rel­len Veränderungen im Gehirn, das Pferd lei­det dann nicht mehr, son­dern kann ent­spannt le­ben, es kann nur lei­der die Verhaltensweise nicht mehr ab­le­gen, da zu spät ein­ge­grif­fen wor­den ist.

Haltungsoptimierung nötig!

artgerechte Pferdehaltung

Zusammenfassung Verhaltensstörungen beim Pferd

Mein Anliegen mit die­ser Episode ist ganz klar auf­zu­zei­gen, das für ei­gent­lich fast alle Verhaltensstörungen der Mensch ver­ant­wort­lich ist durch Fehler im Umgang, Haltung, Training, Ausbildung, Aufzucht und so wei­ter – sei dir be­wusst du trägst die Verantwortung für die Gesundheit dei­nes Pferdes – da­her ler­ne wie man mit Pferden ge­sund­heits­för­dernd um­geht, kom­me ger­ne dazu in mei­ne Facebook Gruppe Projekt: ge­sun­des Pferd, hier be­kommst du noch mehr Input über die Gesundheitsförderung beim Pferd – da­mit Begriffe wie er­lern­te Hilfslosigkeit bald der Vergangenheit an­ge­hö­ren.

Sei wach­sam, wenn dein Pferd et­was tut, was du nicht magst – du oder die be­stehen­den Umstände könn­ten der Grund sein.

Und da­mit wün­sche ich dir ei­nen schö­nen Tag mit hof­fent­lich ei­nem dir ent­ge­gen­wie­hernd und ga­lop­pie­ren­dem Pferd, das sich freut dich zu se­hen!

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