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Druse beim Pferd: Symptome, Ansteckung und was im Stall wirklich hilft

Pferdekrankheiten
Dr. Veronika Klein
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Grundlage dieses Artikels ist die Podcast-Folge von Dr. Veronika Klein zur Druse, ergänzt um die aktuelle wissenschaftliche Studienlage, unter anderem das ACVIM-Konsensuspapier und neue Daten zu Impfung und stillen Trägern. Sobald es neue Erkenntnisse gibt, aktualisieren wir den Artikel. Er ersetzt keine tierärztliche Untersuchung deines Pferdes.

Das Wichtigste in Kürze

» Druse ist hoch ansteckend, aber in aller Regel nicht lebensbedrohlich. Erstes Anzeichen ist fast immer Fieber, danach folgen eitriger Nasenausfluss und dicke Kehlgangslymphknoten.
» Das Fieber steigt 24 bis 48 Stunden, bevor ein Pferd ansteckend wird. Zweimal täglich messen und fiebernde Pferde sofort trennen ist deshalb der wirksamste Hebel im ganzen Ausbruch.
» Die eigentliche Gefahr sind die stillen Träger: äußerlich gesunde Pferde, die den Erreger monatelang im Luftsack behalten und immer wieder ausscheiden.

Wenn im Stall das Wort Druse fällt, kippt die Stimmung sofort. Kein Wunder: Die Krankheit ist hoch ansteckend, sie legt ganze Betriebe für Wochen lahm, und in den Stallgassen kursieren mehr Gerüchte als Fakten. Genau das macht die Sache schlimmer, als sie sein muss. Denn wer versteht, was bei einer Druse wirklich passiert, kann sachlich handeln statt in Panik zu verfallen. Und er trifft die Entscheidungen, die den Ausbruch klein halten.

Die gute Nachricht vorweg: Druse ist zwar unangenehm, langwierig und teuer, aber in aller Regel nicht lebensbedrohlich. Die schlechte: Der Erreger ist ein Meister darin, sich zu verstecken. Und die neuere Forschung zeigt, dass ausgerechnet die Pferde, die kerngesund aussehen, das eigentliche Problem sind.

Was ist Druse beim Pferd?

Die Druse ist eine fieberhafte Erkrankung der oberen Atemwege. Ausgelöst wird sie von einem Bakterium mit dem Namen Streptococcus equi subspecies equi, kurz S. equi. Es kommt weltweit vor und ist hochgradig auf Pferde spezialisiert: Es macht ausschließlich Pferde, Esel und Maultiere krank.

Wichtig für das Verständnis vieler Laborbefunde: Es gibt einen nahen Verwandten, Streptococcus zooepidemicus. Der lebt bei vielen gesunden Pferden ganz normal auf den Schleimhäuten und ist ein Gelegenheitserreger, der bei geschwächten Pferden Atemwegsinfekte machen kann. Wenn im Tupferbefund also Streptokokken, aber keine Druse steht, ist das ein großer Unterschied. Nur der Nachweis von S. equi bedeutet Druse, mit allem, was an Stallmanagement daran hängt.

Der Erreger wandert nach der Aufnahme über die Mandeln im Rachen in die Lymphknoten des Kopfes und vermehrt sich dort. Er besitzt eine Art Tarnkappe aus Hyaluronsäure und spezielle Oberflächenproteine, mit denen er sich der Abwehr durch die Fresszellen entzieht. Die Abwehrzellen strömen trotzdem massenhaft an, sterben ab, und genau daraus entsteht der typische Eiter. Nach etwa sieben bis vierzehn Tagen sind daraus die berüchtigten Abszesse geworden.

Druse-Symptome: woran du sie erkennst

Am Anfang steht fast immer das Fieber, und zwar deutlich, oft über 39 Grad. Danach folgen die Symptome, die die meisten mit Druse verbinden:

  • zunächst wässriger, dann dickflüssiger eitrig-gelber Nasenausfluss
  • geschwollene, schmerzhafte Kehlgangslymphknoten
  • Husten, Schluckbeschwerden und eine gestreckte Kopf-Hals-Haltung
  • Abgeschlagenheit und Fressunlust

Die Schluckbeschwerden entstehen durch die anschwellenden Lymphknoten, ähnlich wie bei einer heftigen Mandelentzündung beim Menschen. Nicht jedes Pferd zeigt alle Symptome, und gerade das führt oft dazu, dass ein Fall zu spät erkannt wird.

Nahaufnahme einer Pferdenüster mit eitrig-gelbem Nasenausfluss als typisches Anzeichen für Druse beim Pferd

Besonders betroffen sind die Pferde, deren Immunsystem entweder noch nicht ausgereift oder bereits geschwächt ist. In der Tiermedizin fassen wir sie unter dem Merkwort YOPIS zusammen: Young (Fohlen und Jungpferde, deshalb heißt die Druse manchmal Kinderkrankheit), Old (die Rentner), Pregnant (tragende Stuten, bei denen es zu Fehlgeburten kommen kann), Immunsupprimiert (etwa durch Stress oder Parasitenbefall) und Sick (Pferde, die ohnehin schon krank sind).

Tierärztin Dr. Veronika Klein bei einem liegenden Fohlen auf der Weide, Fohlen und Jungpferde gehören zur Hauptrisikogruppe für Druse

Wie gefährlich ist Druse wirklich?

Das ist die Frage, die Pferdebesitzer nachts wachhält. Die ehrliche Antwort: Der unkomplizierte Verlauf ist die Regel, und er heilt aus. Die Abszesse reifen, brechen auf, der Eiter fließt ab, und den meisten Pferden geht es danach schnell besser. In unserem Praxisgebiet ist über Jahre und mehrere begleitete Ausbrüche hinweg kein einziges Pferd an der Druse gestorben.

Es gibt aber zwei ernste Komplikationen, die du kennen solltest, weil sie schnelles Handeln erfordern:

  • Die Bastard-Druse: Der Erreger streut über Blut oder Lymphe in den Körper und bildet Abszesse in inneren Lymphknoten und Organen. Sie zeigt sich durch immer wiederkehrende Koliken, Fieberschübe und Abmagerung. Sie ist selten, aber ernst, und die Prognose ist vorsichtig zu stellen.
  • Die Blutfleckenkrankheit (Purpura haemorrhagica): eine überschäumende Reaktion des Immunsystems, bei der sich Immunkomplexe in den Wänden kleiner Blutgefäße ablagern. Der Kopf und die Beine schwellen massiv an, umgangssprachlich spricht man vom Nilpferdkopf, auf den Schleimhäuten zeigen sich punktförmige Blutungen. Sie ist ein Notfall.
Deutlich abgemagertes Pferd mit hervortretenden Rippen, Abmagerung kann ein Hinweis auf eine Bastard-Druse sein

Beides tritt selten auf. Wir haben in all den begleiteten Ausbrüchen eine Handvoll Komplikationen gesehen, darunter einen Nilpferdkopf und ein Pferd mit Nierenproblemen, und beide wurden wieder fit. Was du daraus mitnehmen solltest: Nicht die Druse selbst ist der Feind, sondern das Übersehen der Pferde, denen es plötzlich deutlich schlechter geht. Solche Verläufe gehören sofort in tierärztliche Hand.

Ansteckung und Inkubationszeit

Zwischen Ansteckung und den ersten Symptomen liegen meist drei bis vierzehn Tage. Bei geringer Erregermenge kann es auch länger dauern, in Einzelfällen bis zu drei oder vier Wochen. Genau deshalb ist die Quarantäne für neue Pferde keine Schikane, sondern der wirksamste Schutz, den ein Stall hat. In fast allen Ausbrüchen, die wir in der Praxis betreut haben, waren kurz zuvor neue Pferde eingestellt worden.

Übertragen wird der Erreger vor allem direkt von Pferd zu Pferd über Nüsternkontakt. Fast genauso wichtig ist der indirekte Weg: Das Pferd wischt seinen Nasenausfluss an deiner Jacke ab, und die trägst du zum nächsten Pferd. Stellvertretend für die Jacke steht alles, was im Stall herumkommt, also Mistgabel, Futtereimer, Trense, Putzzeug, Hände und Stiefel. Tränken und feuchte Futtertröge sind kritische Punkte, weil der Erreger es dort feucht mag.

Zur Umweltstabilität ist die Datenlage inzwischen genauer, als die alte Faustregel vermuten lässt: Auf trockenen Oberflächen überlebt S. equi meist nur ein bis zwei Tage. Im feuchten Milieu und bei Kälte hält er sich dagegen deutlich länger, unter winterlichen Bedingungen auf Holz wurden mehrere Wochen nachgewiesen. Für die Praxis heißt das: Trockenheit und mechanische Reinigung sind deine Verbündeten, nasse Ecken und Tränken die Schwachstelle.

Die stillen Träger: warum Druse in einem Stall immer wiederkommt

Hier kommt der Punkt, an dem die aktuelle Forschung das Bild am stärksten verändert hat. Bei einem Teil der Pferde, die klinisch längst wieder gesund sind, gelingt es dem Immunsystem nicht, den Erreger vollständig zu beseitigen. Er zieht sich dann in die Luftsäcke zurück, zwei luftgefüllte Aussackungen im Kopf, die das Pferd nur schwer selbst reinigen kann.

Bleibt dort Eiter liegen, entzieht ihm der Luftsack über Wochen die Flüssigkeit. Übrig bleiben harte, runde Klumpen, die sogenannten Chondroide oder Luftsacksteine. Und in denen überleben vermehrungsfähige Bakterien über Monate bis Jahre. Diese Pferde sehen kerngesund aus: kein Fieber, kein Nasenausfluss, keine dicken Lymphknoten. Sie scheiden den Erreger aber immer wieder aus, besonders unter Stress oder Belastung.

Eine Untersuchung an 108 Druse-Fällen zeigt, wie lange das dauern kann: Ein erheblicher Teil der Pferde war noch mindestens 40 Tage nach der Erstdiagnose positiv, im Mittel blieben die Tests etwa 60 Tage lang positiv. Solange solche Träger unerkannt im Bestand stehen, ist der nächste Ausbruch nur eine Frage der Zeit, sobald neue, nicht immune Pferde dazukommen. Das Konsensuspapier des amerikanischen Fachverbands ACVIM nennt genau diese stillen Träger als Hauptgrund dafür, dass die Druse aus manchen Beständen nicht verschwindet.

Diagnose: vom Tupfer bis zur Luftsackspülung

Husten, Nasenausfluss und dicke Lymphknoten machen auch andere, deutlich harmlosere Erkrankungen. Die Diagnose braucht daher einen Erregernachweis durch den Tierarzt.

Podcast-Cover zur Folge über Druse beim Pferd mit Aufnahmen der tierärztlichen Untersuchung von Nüstern und Kehlgang

Im akuten Fall wird ein Tupfer genommen, am besten direkt aus dem eitrigen Nasenausfluss, weil die Nachweisgrenze dort am besten ist. Aussagekräftiger als der Tupfer ist eine Spülprobe aus dem Nasen-Rachen-Raum. Untersucht wird heute vorrangig mit der PCR, die auch kleinste Erregermengen findet und in ein bis zwei Tagen ein Ergebnis liefert. Die klassische Bakterienkultur kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn man wissen will, ob die Keime noch lebensfähig sind, oder wenn ein Antibiogramm gebraucht wird.

Für die Frage, ob ein genesenes Pferd wirklich erregerfrei ist, hat sich der Standard verschoben. Der einzelne Nasentupfer ist dafür ungeeignet, weil Träger nur zeitweise ausscheiden. Als sicherste Methode gilt heute die Endoskopie beider Luftsäcke mit anschließender Spülung, deren Spülflüssigkeit dann per PCR untersucht wird. Nur so lassen sich Chondroide überhaupt sehen. Wo das nicht möglich ist, gelten drei Spülproben im Abstand von je einer Woche als Alternative, allerdings als weniger sichere.

Behandlung: warum nicht jedes Pferd Antibiotika bekommt

Das ist der Punkt, an dem in der Stallgasse am heftigsten diskutiert wird. Viele erwarten, dass sofort und bei jedem Pferd Antibiotika gegeben werden, damit der Ausbruch schnell endet. Fachlich ist das jedoch nicht der Automatismus, für den es viele halten.

Bei einem unkomplizierten Verlauf mit bereits geschwollenen Lymphknoten verzögert eine Antibiotikagabe die Reifung der Abszesse und damit den Moment, in dem der Eiter abfließen kann und es dem Pferd besser geht. Dazu kommt ein Effekt, der lange nur vermutet wurde und inzwischen belegt ist: Eine Studie an 41 natürlich infizierten Islandpferden zeigte, dass Pferde, die früh in der Fieberphase mit Penicillin behandelt wurden, nach vier bis sechs Monaten deutlich niedrigere Antikörperspiegel gegen die schützenden Erregerbestandteile hatten als spät oder gar nicht behandelte Pferde. Sie verlieren ihren Schutz also schneller und können sich leichter erneut anstecken.

Deshalb wird der Einsatz von Antibiotika heute gezielt abgewogen statt pauschal verordnet. Als Situationen, in denen sie klar angezeigt sind, gelten unter anderem das ganz frühe Fieberstadium vor der Abszessbildung, bedrohliche Atemnot oder Schluckstörungen, anhaltend hohes Fieber mit starker Schwäche sowie die Komplikationen Bastard-Druse und Blutfleckenkrankheit. Diese Abwägung trifft dein Tierarzt am konkreten Pferd, und sie kann bei zwei Pferden im selben Stall unterschiedlich ausfallen.

Unterstützend werden reifende Abszesse im Kehlgang mit Wärme behandelt, bis sie sich öffnen und der Eiter abfließen kann. Öffnen sie sich nicht von selbst, können sie tierärztlich eröffnet werden. Ansonsten gilt: Ruhe, gute Pflege, weiches Futter und Wasser in Reichweite, damit das Pferd trotz Halsschmerzen frisst und trinkt.

Ausbruch im Stall: das Ampel-System und das 24-Stunden-Fenster

Wenn die Diagnose steht, entscheidet das Management über das Ausmaß. International hat sich dafür ein Zonen-Konzept nach dem Ampelprinzip durchgesetzt, das den gesamten Bestand in drei streng getrennte Gruppen teilt:

  • Rot: erkrankte oder positiv getestete Pferde, konsequent isoliert, mit eigenem Equipment und möglichst eigenem Personal.
  • Gelb: klinisch unauffällige Pferde, die Kontakt hatten. Sie werden zweimal täglich rektal gefiebert.
  • Grün: Pferde ohne jeden Kontakt. Versorgt wird immer in der Reihenfolge grün, dann gelb, dann rot, nie umgekehrt.

Der entscheidende Hebel steckt im Fiebermessen, und zwar aus einem sehr konkreten Grund: Das Fieber steigt etwa 24 bis 48 Stunden, bevor das Pferd anfängt, den Erreger auszuscheiden. Wer also zweimal täglich misst und ein fieberndes Pferd sofort in die rote Zone bringt, unterbricht die Ansteckungskette, bevor sie überhaupt beginnt. Ein Fieberthermometer ist in dieser Situation das wirksamste Werkzeug im ganzen Stall.

Rektales Fiebermessen beim Pferd mit einem digitalen Thermometer, der wichtigste Handgriff bei einem Druse-Ausbruch im Stall

Dazu kommt die Hygiene: Schutzkleidung und Handschuhe für die gelbe und rote Zone, Desinfektionswannen für die Stiefel, Seife und Desinfektionsmittel an jedem Waschbecken, Kleidungswechsel beim Stallwechsel. Wichtig ist die Reihenfolge: Erst gründlich mechanisch reinigen, dann desinfizieren, denn Mist und Schleim machen viele Desinfektionsmittel unwirksam. Mist und Einstreu aus dem betroffenen Bereich gehören nicht auf die Weide. Weiden, auf denen infizierte Pferde standen, werden mehrere Wochen nicht genutzt. Das leuchtet sofort ein, wenn man Pferden beim Wälzen zusieht: Was auf dem Boden liegt, landet zuverlässig auf dem nächsten Pferd.

Pferd wälzt sich auf einer nebligen Weide, wodurch Krankheitserreger vom Boden auf das Fell gelangen können

Und dann kommt der Teil, der Nerven kostet: Ab dem ersten Tag, an dem kein Pferd mehr Fieber hat, beginnt eine Wartezeit von etwa drei Wochen. Kommt in dieser Zeit ein neuer Fieberfall dazu, fängt sie wieder von vorne an. Danach folgt die Freitestung. Erst wenn die negativ ist, gilt der Bestand wieder als gesund. Rechne damit, dass das Ganze Wochen bis Monate dauert und durch die vielen Proben ins Geld geht. Die Erfahrung aus der Praxis: Das Aufwendigste an der Druse ist selten das kranke Pferd, sondern die Disziplin drumherum.

Was in dieser Phase wirklich hilft, ist Routine bei den Basics: Fieber messen können, Vitalwerte einordnen, Veränderungen früh bemerken. Und genauso wichtig sind Menschen, die dasselbe gerade durchmachen oder schon hinter sich haben. Genau dafür gibt es die KKP Welt: fundiertes Wissen und eine Stallgemeinschaft, die dich versteht, wenn im eigenen Stall gerade alles stillsteht.

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Impfung gegen Druse: was sich gerade ändert

Lange galt für die Druse eine klare Zurückhaltung, denn die älteren Impfstoffe hatten teils erhebliche Nachteile. Lebendimpfstoffe für die Nase konnten bei falscher Anwendung schmerzhafte Abszesse verursachen, lösten manchmal selbst milde Symptome aus und störten für einige Wochen die PCR-Diagnostik. Inaktivierte Ganzkeim-Impfstoffe schützten unzureichend und reizten die Einstichstelle. Entsprechend empfahl die deutsche Impfleitlinie sie 2019 nur als Notfallmaßnahme für akut gefährdete Bestände, nicht als Routine.

Inzwischen gibt es einen neueren Impfstoff, der auf einzelnen Eiweißbausteinen des Erregers beruht und weder lebende Keime noch das kritische SeM-Protein enthält. Damit sinkt das Risiko impfbedingter Komplikationen deutlich, und er lässt sich im Labor von einer echten Infektion unterscheiden, was die Diagnostik im Ausbruch nicht mehr blockiert. Eine Auswertung mehrerer kontrollierter Impfstudien zeigt einen relevanten Schutz, der bei stabilen Antikörperspiegeln etwa ein Jahr anhält. Aus schwedischen Ausbruchsberichten gibt es zudem Hinweise, dass eine Impfung noch während eines laufenden Ausbruchs die gesunden Pferde eines Bestandes vor klinischer Erkrankung bewahren kann, obwohl sie dem Erreger nachweislich ausgesetzt waren.

Die Fachwelt bewegt sich deshalb gerade weg vom reinen Notfall-Einsatz hin zu einer risikobasierten Impfentscheidung, etwa für Sportpferde oder Pensionsställe mit viel Pferdewechsel. Ob eine Impfung für dein Pferd sinnvoll ist, hängt vom Risiko in deinem Bestand ab und gehört ins Gespräch mit deinem Tierarzt. Ein Punkt ist dabei besonders wichtig: Ein Pferd mit sehr hohen Antikörperwerten nach durchgemachter Infektion darf nicht geimpft werden, weil das Risiko einer Blutfleckenkrankheit steigt.

Ist Druse meldepflichtig?

Nein. Die Druse ist in Deutschland weder anzeige- noch meldepflichtig. Es gibt also keine behördlichen Vorgaben, wie ein Bestand vorzugehen hat, alles Beschriebene sind fachliche Empfehlungen. Das ist ein zweischneidiges Schwert: Es gibt niemanden, der die Maßnahmen anordnet, aber auch niemanden, der sie durchsetzt. Umso mehr hängt es an der Einsicht der Stallgemeinschaft. Und an der Offenheit, einen Ausbruch überhaupt zuzugeben, statt ihn aus Angst vor dem Ruf zu verschweigen.

Ist Druse auf den Menschen übertragbar?

Praktisch nein. Der Erreger ist auf Pferde spezialisiert, Erkrankungen beim Menschen sind absolute Einzelfälle und betreffen fast nur stark immungeschwächte Personen. Normale Stallhygiene reicht also aus, du musst dich nicht vor deinem eigenen Pferd fürchten.

Eine völlig andere Rolle spielst du aber als Überträger: An Händen, Kleidung und Stiefeln verschleppst du den Erreger mühelos von einem Pferd zum nächsten oder in einen anderen Stall. In dieser Hinsicht bist du im Ausbruch der wichtigste Risikofaktor überhaupt, und genau deshalb sind Kleidungswechsel und Händedesinfektion keine Übervorsicht.

Drei Mythen, die sich hartnäckig halten

Wer die Druse einmal hatte, ist für immer geschützt. Das stimmt so nicht. Ein großer Teil der genesenen Pferde ist einige Jahre geschützt, aber eben nicht alle und nicht dauerhaft. Ein Teil baut keinen ausreichenden Schutz auf und kann sich schon nach Monaten erneut anstecken.

Nur Pferde mit Nasenausfluss stecken andere an. Das ist der gefährlichste Irrtum, denn genau die unauffälligen Träger halten die Druse in Beständen am Leben.

Das ist nur eine kalte Druse, halb so wild. Der Begriff kalte Druse ist Stallgassen-Sprache, kein eigenes Krankheitsbild. Gemeint sind milde oder untypische Verläufe ohne die klassischen dicken Abszesse. Das Tückische daran: Diese Pferde können den Erreger trotzdem ausscheiden. Ein milder Verlauf ist ein Glücksfall für das einzelne Pferd, aber kein Grund, die Hygienemaßnahmen zu lockern.

Fazit: sachlich bleiben schlägt Panik

Die Druse ist eine Krankheit, bei der die Aufregung oft größer ist als die Gefahr für das einzelne Pferd. Was wirklich zählt, ist unspektakulär: früh Fieber messen, fiebernde Pferde sofort trennen, saubere Hygiene, Geduld bei der Wartezeit und eine ordentliche Freitestung am Ende. Wer weiß, dass die stillen Träger das eigentliche Problem sind, versteht auch, warum die Abkürzung am Ende die teuerste Variante ist.

Damit bist du für die nächste Diskussion in der Stallgasse gewappnet und kannst dein Wissen weitergeben, um zum Schutz der Pferde beizutragen. Genau darum geht es: vom aufgescheuchten Huhn zum Adler, der die Lage überblickt.

Wenn du tiefer in die Atemwege einsteigen willst, findest du in unserem Beitrag zu den Atemwegserkrankungen beim Pferd die Abgrenzung zu anderen Hustenursachen. Wie du die Basiswerte deines Pferdes richtig einschätzt, zeigt der Gesundheitscheck beim Pferd, und was Entzündungswerte im Labor aussagen, liest du im Beitrag Was dir das Blutbild bei deinem Pferd verrät.

Häufige Fragen

In aller Regel nicht. Der unkomplizierte Verlauf heilt aus, sobald die Abszesse reifen und abfließen. Gefährlich wird es nur bei den seltenen Komplikationen wie der Bastard-Druse oder der Blutfleckenkrankheit. Verschlechtert sich der Allgemeinzustand deines Pferdes deutlich, gehört das sofort in tierärztliche Hand.

Meist drei bis vierzehn Tage. Bei geringer Erregermenge kann es länger dauern, in Einzelfällen bis zu drei oder vier Wochen. Deshalb sollten neue Pferde im Stall grundsätzlich mehrere Wochen in Quarantäne stehen, bevor sie Kontakt zur Herde bekommen.

Nein, in Deutschland ist die Druse weder anzeige- noch meldepflichtig. Es gibt daher keine gesetzlichen Vorgaben für das Vorgehen im Bestand, alle Maßnahmen sind fachliche Empfehlungen. Umso wichtiger ist, dass ein Ausbruch offen kommuniziert und nicht verschwiegen wird.

Praktisch nein. Der Erreger ist auf Pferde spezialisiert, Erkrankungen beim Menschen sind absolute Einzelfälle und betreffen fast nur stark immungeschwächte Personen. Sehr wohl verschleppst du den Erreger aber an Händen, Kleidung und Stiefeln von Pferd zu Pferd. Deshalb sind Kleidungswechsel und Händedesinfektion im Ausbruch so wichtig.

Ab dem ersten Tag ohne Fieber im Bestand beginnt eine Wartezeit von etwa drei Wochen, die bei jedem neuen Fieberfall von vorne startet. Danach folgt die Freitestung. Als sicherste Methode gilt die Endoskopie beider Luftsäcke mit Spülung, alternativ drei Spülproben im Abstand von je einer Woche. Erst bei negativem Ergebnis gilt der Bestand wieder als gesund.

Das hängt vom Risiko in deinem Bestand ab. Ältere Impfstoffe hatten deutliche Nachteile und wurden nur als Notfallmaßnahme empfohlen. Ein neuerer Impfstoff auf Basis einzelner Eiweißbausteine zeigt in Studien einen relevanten Schutz über etwa ein Jahr und stört die Diagnostik nicht mehr. Ob und wann geimpft wird, entscheidet dein Tierarzt anhand des Expositionsrisikos.

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