Das Wichtigste in Kürze
»Ehrliches Feedback: Die Frage „Schatz, wie war ich?“ an dein Pferd liefert dir über objektive Parameter (Pferdekompass) die Wahrheit über deine Pferdetrainingsqualität – weg vom Raten, hin zum Wissen.
»Unterscheidung ist Key: Lerne zwischen Ausbildung (Lernen), Bewegung (Stoffwechsel) und echtem Training (Reizsetzung) zu unterscheiden, um dein Pferd weder zu über- noch zu unterfordern.
»Die 2er-Regel: Du musst nicht täglich trainieren. Zweimal pro Woche einen gezielten Reiz zu setzen reicht, um das Leistungsniveau zu halten; dreimal sorgt für Verbesserung.
Wir schreiben das Jahr 2026 – das Jahr des Feuerpferdes. Ein perfekter Zeitpunkt, um Dinge anders anzugehen und neu zu beginnen. Wenn du deinem Pferd nach dem Training eine einzige Frage stellen könntest, welche wäre das?
Vielleicht denkst du an: „Hattest du Spaß?“, „Tut dir was weh?“ oder „War ich fair?“. Wenn wir ehrlich sind, suchen wir oft nach Bestätigung oder Sicherheit. Ich fasse das gerne in einem provokanten Satz zusammen, den wir unserem Partner Pferd eigentlich stellen wollen: „Schatz, wie war ich?“
Die Antwort auf diese Frage ist entscheidend für die Gesundheit und Freude deines Pferdes. Und die gute Nachricht ist: Dein Pferd gibt dir diese Antwort jeden Tag. Du musst nur lernen, sie zu lesen. Ich nenne das den Pferdekompass.
Die 3 Typen in der Pferdewelt: Zu welcher Gruppe gehörst du?
Im Umgang mit Feedback vom Pferd lassen sich Reiter oft in drei Kategorien einteilen. Erkennst du dich oder jemanden aus deinem Stall wieder?
Gruppe 1: Die „Ich war super“-Fraktion
Diese Menschen stellen sich die Frage „Wie war ich?“ gar nicht. Für sie ist klar: „Ich war super!“ Sie halten sich für unfehlbar, weil sie vielleicht schon lange reiten oder sportliche Erfolge vorweisen können. Doch Erfolg im Sport ist nicht automatisch gleichzusetzen mit dem körperlichen Wohlbefinden des Pferdes. Nur weil man eine S‑Dressur gewonnen hat, heißt das nicht, dass man aufhören sollte, das eigene Handeln zu hinterfragen.
Gruppe 2: Die Angst-Vermeider
Dies ist eine riesige Gruppe. Sie stellen die Frage nicht aus Arroganz, sondern aus Angst vor der Antwort. Wir lieben unsere Pferde abgöttisch. Wenn die Antwort lauten würde: „Mir tut etwas weh“ oder „Das war langweilig“, fühlen wir uns schuldig. Die Konsequenz?
- Kaputt schonen: Aus Sorge, etwas falsch zu machen, wird das Pferd massiv unterfordert.
- Wegschauen: Ein unrundes Laufen wird ignoriert, weil die Wahrheit (Tierarzt, Lahmheitsdiagnostik, Kosten, Reitpause) unangenehm wäre.
Langfristig riskierst du hierdurch jedoch massive Gesundheitsschäden wie Sehnenschäden oder chronische Erkrankungen, weil Warnsignale übersehen werden.
Gruppe 3: Die Unverständigen
Diese Gruppe stellt die Frage, versteht aber die Antwort nicht. Das Feedback des Pferdes klingt für sie wie eine Fremdsprache. Das führt zu Frust auf beiden Seiten: Du bemühst dich, aber ihr redet aneinander vorbei.
Genau hier setzt der Pferdekompass an. Er übersetzt die Sprache des Pferdes in verständliche Fakten.
Der Pferdekompass: Zahlen, Daten, Fakten statt Bauchgefühl
Viele verlassen sich rein auf ihr Bauchgefühl. Das ist gut, aber oft trügerisch oder schwer zu greifen. Der Pferdekompass fügt diesem Gefühl harte Fakten hinzu. Er nutzt Feedback-Schleifen, damit du beweisen kannst, wie es deinem Pferd geht.
Mögliche Parameter des Pferdekompasses sind:
- Puls- und Atemfrequenz
- KI-Ganganalysen
- Das Reitpferde-Schmerz-Ethogramm (nach Dr. Sue Dyson)
- Rückenlinie und Muskulatur (Fotos/Scans)
- Gewichtsband
Das klingt nach Arbeit und „Diagnose-Training“? Keine Sorge. Medizinisch fundiertes Training bedeutet nicht den Verlust von Spaß. Im Gegenteil: Echtes Verständnis bringt Freiheit. Wenn du weißt, dass es deinem Pferd gut geht, werden die kritischen Stimmen der Stallnachbarn oder die eigene Unsicherheit im Kopf plötzlich ganz leise.
Du möchtest mehr über die Grundlagen der körperlichen Fitness wissen? Dann schau dir auch den Artikel zur Leistungsdiagnostik beim Pferd an.
Praxisbeispiele: Decke und Atmung einfach erklärt
Du musst kein Tierarzt sein, um den Pferdekompass zu nutzen. Hier sind zwei Beispiele, die dich 0 Euro kosten und sofort Klarheit schaffen.
1. Das leidige Thema: Decke drauf oder runter?
Jeden Winter das gleiche Gedankenkarussell: „Ist meinem Pferd kalt?“ Hör auf zu raten und frag dein Pferd – mit einem Fieberthermometer.
- Miss an 7 Tagen bei normalem Wetter die Temperatur (Morgens/Abends), um den Durchschnittswert deines Pferdes zu kennen.
- Wird es kälter, miss erneut.
- Weicht die Temperatur signifikant nach unten ab (z.B. 0,4 oder 0,6 Grad unter dem individuellen Durchschnitt), dann friert dein Pferd. Punkt. So triffst du Entscheidungen basierend auf Tatsachen, nicht auf der Meinung von Lieschen Müller. Mehr dazu findest du in unserem Gesundheitscheck beim Pferd.
2. Die Atmung als Frühwarnsystem
Die normale Atemfrequenz eines Pferdes in Ruhe liegt bei 8 bis 16 Atemzügen pro Minute.
- Ist sie höher, ist das ein Alarmzeichen für Schmerzen, Stress oder Atemwegsprobleme.
- Wichtig: Die Atemfrequenz steigt oft lange, bevor das Pferd hustet. Husten ist ein Spätsymptom!
Zähle einfach beim Putzen die Atemzüge. Es dauert eine Minute und gibt dir Sicherheit.
Ausbildung, Bewegung oder Training? Der feine Unterschied
Um dein Pferd gesund zu erhalten, müssen wir physiologisch sauber unterscheiden, was wir eigentlich tun. Wir werfen oft alles in einen Topf, aber es gibt drei (plus eins) klare Bereiche:
- Ausbildung: Hier lernt das Pferd etwas Neues (wie ein Kind, das Krabbeln lernt). Es geht um neue Nervenbahnen, Koordination und Verstehen.
- Training: Physiologisch bedeutet das, einen überschwelligen Reiz zu setzen. Wir holen das Pferd aus der Komfortzone, damit der Körper sich anpasst (Muskelaufbau, Ausdauer). Das ist das Marathon-Training für den Erwachsenen.
- Bewegung: Gemütliches Spazierengehen, leichte Arbeit, Stoffwechsel anregen. Wichtig für die Seele und die Gelenke, aber es setzt keinen Trainingsreiz.
- Pause: Extrem wichtig! Muskeln wachsen nicht während des Trainings, sondern in der Pause danach.
Frage dich vor jeder Einheit: Was mache ich heute? Einen Trainingsplan für Freizeitpferde zu erstellen, hilft dir, diese Bereiche sinnvoll zu strukturieren.
Lade dir die PDF Vorlage runter, druck sie aus und leg los! Nimm das Training deines Pferdes mal richtig in die Hand. Trag dich mit deiner Email und deinem Namen für meinen Infobrief für Pferdemenschen ein und ich schicke dir den Auszug aus meinem Trainingstagebuch im Nachgang per Mail.
Die Pferdetrainings-Formel: Warum du nicht täglich schuften musst
„Ich habe keine Zeit für perfektes Training!“ – Das höre ich oft. Aber wir Pferdemenschen haben oft unrealistische Ansprüche an uns selbst. Hier ist die physiologische Wahrheit, die dir massiv Druck nehmen wird:
- 1x pro Woche: Ist zu wenig. Der Körper baut ab.
- 2x pro Woche: Das hält das Niveau! Wenn du also wenig Zeit hast, sorge für zwei gezielte, überschwellige Trainingsreize pro Woche. Das reicht zur Erhaltung.
- 3x pro Woche: Das brauchst du für Verbesserung und Aufbau.
Du musst nicht sieben Tage die Woche drei Stunden im Stall stehen. Du musst nur das Richtige – selten, aber oft genug. Das verhindert beim Pferdetraining auch das gefürchtete Übertraining beim Pferd, bei dem wir oft „viel hilft viel“ denken, aber dem Körper schaden.
Fazit: Dein Pferd hat die Antwort
Du brauchst keine neue Ausrüstung, keine neue “Wundermethode” und kein teures Zusatzfutter. Du brauchst Verständnis für den Körper deines Pferdes. Dein Pferd ist dein Kompass. Die Antworten auf „War das zu viel?“, „Tut dir das weh?“ oder „Hat es Spaß gemacht?“ liegen direkt vor dir.
Es lohnt sich, diese Fragen zu stellen – auch wenn die Antwort mal unbequem ist. Denn nur so kommst du vom Raten zum Wissen und kannst dein Pferdetraining so anpassen, dass dein Pferd auch 2026 fit und gesund an deiner Seite bleibt.
Möchtest du lernen, deinen Pferdekompass präzise zu lesen und Trainingspläne zu erstellen, die wirklich funktionieren? Dann ist der Trainingskurs aus medizinischer Sicht genau das Richtige für dich. Wir starten gemeinsam durch, egal ob du ein Reha-Pferd, einen Freizeitpartner oder ein Sportpferd hast. Nutze das Jahr des Feuerpferdes für die Umsetzung !
👉 Hier geht’s zu allen Infos zum Trainingskurs aus medizinischer Sicht (Hinweis: Achte auf aktuelle Anmeldephasen auf der Website)
Wir beantworten Fragen wie…
- Überfordere ich mein Pferd?
- An welchen Tage soll ich was und wie viel machen?
- Wie kann ich ohne viel Equipment sinnvoll trainieren?
- Mein Pferd hatte krankheitsbedingt eine Pause, wie gestalte ich das Aufbautraining?
- … und noch vieles mehr!
Lass dich gleich unverbindlich für den nächsten Kursstart vormerken. Dadurch erhältst du eine Erinnerung und einen Gutscheincode wenn die nächste Runde startet. Der Kurs Trainingsplanung aus medizinischer Sicht startet im
in die nächste Live Runde.
Vom wagen Bauchgefühl zu messbaren und sichtbaren Fortschritten:
Gestalte auf medizinischer Grundlage eigenständig deinen Trainingsplan und erreiche ein fittes und starkes Pferd.
Häufige Fragen (FAQ)
Für einen effektiven Muskelaufbau (positive Anpassung) solltest du mindestens 3x pro Woche einen gezielten, überschwelligen Trainingsreiz setzen. 2x pro Woche reicht aus, um den aktuellen Trainingszustand und die Muskulatur zu erhalten. Weniger als 2x führt oft zu Abbau.
Ein gesundes Pferd atmet in Ruhe etwa 8 bis 16 Mal pro Minute. Werte darüber können (in Ruhe) auf Stress, Schmerzen oder beginnende Atemwegserkrankungen hinweisen, noch bevor das Pferd hustet.
Miss die Körpertemperatur deines Pferdes über mehrere Tage, um seinen Normalwert zu ermitteln. Wenn die Temperatur an kalten Tagen signifikant unter diesen Durchschnittswert fällt (z.B. >0,4 Grad Abweichung), friert das Pferd und benötigt Unterstützung durch eine Decke.
Bewegung (z.B. Spazierengehen, lockeres Reiten) regt den Stoffwechsel an und dient der Erholung oder Lockerung. Training setzt physiologisch einen “überschwelligen Reiz”, der den Körper zwingt, sich anzupassen (z.B. Muskeln aufzubauen). Beides ist wichtig, hat aber unterschiedliche Ziele.
Absolut. Gerade bei Pferden mit Einschränkungen wie Arthrose ist objektives Feedback essenziell. Du lernst zu erkennen, was zu viel oder zu wenig Belastung ist, und kannst den Trainingsplan so anpassen, dass das Pferd schmerzfrei und mobil bleibt.
