Das Wichtigste in Kürze
» Magengeschwüre sind bei Pferden sehr häufig, auch bei Freizeitpferden. Die Symptome sind unspezifisch und oft unauffällig.
» Sicherheit bringt nur die Gastroskopie. Sie zeigt auch, ob das Geschwür im vorderen oder hinteren Magenbereich sitzt.
» Medikamente heilen, aber das Management entscheidet: Raufutter, wenig Stärke, Wasser, Sozialkontakt und angepasstes Training.
Ein Magengeschwür beim Pferd ist eine Schädigung der Magenschleimhaut, die von der leichten Reizung bis zum tiefen, blutenden Geschwür reicht. Der Fachbegriff ist Equine Gastric Ulcer Syndrome, kurz EGUS. Betroffen sind Rennpferde, aber genauso Sport-, Schul- und Freizeitpferde. Die Symptome sind unspezifisch, sicher erkennen lässt sich ein Magengeschwür nur mit der Magenspiegelung. Behandelt wird mit Medikamenten wie Omeprazol. Ob das Pferd danach gesund bleibt, entscheidet aber das Management: Fütterung, Haltung und Training.
Dieser Artikel beruht auf meiner Podcastfolge zu Magengeschwüren und auf meinem Webinar „Management Magenpferd“. Ich habe ihn im Oktober 2026 neu aufgebaut und mit der aktuellen Studienlage abgeglichen, die Quellen sind im Text verlinkt.
Was du auf dem Cover siehst: Drei Aufnahmen von Magengeschwüren in der Schleimhaut des Pferdemagens (Quelle: Veterinär-Pathologie Leipzig) und oben rechts ein abgemagertes Pferd. Die Geschwüre sind die rundlichen und länglichen Defekte in der sonst glatten Schleimhaut.
Wie sieht ein typischer Fall aus?
Beginnen wir mit einer Geschichte aus dem wahren Leben. Ich werde zu einer Stute gerufen. Sie buckelt, ist klemmig am Bein, knirscht mit den Zähnen und gähnt häufiger als sonst. Auf den Turnieren verweigert sie neuerdings vor den Hindernissen und wirkt insgesamt einfach unzufrieden.
Zuerst dachte die Besitzerin, die Stute wäre überfordert, und gab ihr zwei Wochen frei: Wiese, Spazierengehen, Longe. Nach der Pause dasselbe Spiel von vorn. Also weiter in der Checkliste. Rücken und Sattel wurden kontrolliert, der Rücken mobilisiert, der Sattel aufgepolstert. Keine Besserung. Der Rücken wurde geröntgt, auch hier nichts. Weil es eine Stute ist, kamen ein Bluttest auf Entzündungs- und Hormonwerte dazu, der Ultraschall von Eierstöcken und Gebärmutter, die Zähne und eine Lahmheitsuntersuchung. Alles in Ordnung. Das ist zwar schön, bringt uns aber nicht weiter.
Dann nahmen wir Management und Fütterung unter die Lupe und beschlossen: mehr Heu und mehr Weidegang. Es wurde etwas besser. Damit hatten wir eine Verdachtsdiagnose. Die Stute wurde zur Gastroskopie in die Klinik überwiesen, und dort wurden die Magengeschwüre bestätigt.
So oder ähnlich läuft es oft. Das Magengeschwür steht am Ende einer langen Liste, weil seine Zeichen zu so vielem passen.
Was ist ein Magengeschwür beim Pferd?
Das Pferd ist ein Dauerfresser, also wird auch dauerhaft Magensäure hergestellt. Der Mensch produziert im Vergleich vor allem dann Magensäure, wenn er isst. Unter bestimmten Umständen überwindet die Säure die Schutzeinrichtungen der Magenschleimhaut. Erst wird die Schleimhaut gereizt, daraus entsteht eine Entzündung und daraus das Geschwür, das Ulkus.
Entscheidend ist der Aufbau des Magens. Er hat beim Pferd zwei Arten von Schleimhaut:
- Vorne die drüsenlose Schleimhaut: Sie produziert keine Säure und ist an den sauren pH-Wert nicht gewöhnt. Geschwüre hier heißen ESGD (Equine Squamous Gastric Disease). Das ist das „klassische“ Magengeschwür.
- Hinten die drüsenhaltige Schleimhaut: Sie stellt die Magensäure her und ist durch eine Schleimschicht geschützt. Geschwüre hier heißen EGGD (Equine Glandular Gastric Disease).
Magengeschwür ist also nicht gleich Magengeschwür. Ursachen, Behandlung und Aussichten unterscheiden sich je nachdem, ob das Geschwür vorne oder hinten sitzt. So unterscheidet es auch die europäische Fachgesellschaft für Innere Medizin des Pferdes in ihrer Konsenserklärung (Sykes und Kollegen, 2015).
Wie häufig sind Magengeschwüre beim Pferd?
Sehr häufig, und zwar in allen Gruppen. Die Zahlen aus der Konsenserklärung für Geschwüre im vorderen Magenbereich:
- Vollblüter: 37 Prozent schon ohne Training, 80 bis 100 Prozent innerhalb von zwei bis drei Monaten im Renntraining
- Sportpferde: 17 bis 58 Prozent
- Freizeitpferde: 37 bis 59 Prozent
- Eine Herde selten startender Pferde in gewohnter Umgebung: 11 Prozent. Weniger, aber nicht null
Geschwüre im hinteren Magenbereich sind weniger untersucht. In einer britischen Auswertung fanden sie sich bei 54 Prozent der Freizeitpferde und 64 Prozent der Sportpferde. Aus den Medien wissen die meisten, dass Rennpferde Magengeschwüre bekommen. Aber eigentlich können alle Pferde betroffen sein.
Welche Symptome zeigt ein Pferd mit Magengeschwür?
Die Symptome sind sehr variabel und leider sehr unspezifisch. Deshalb ist es draußen in der Praxis nicht immer leicht, das Problem zu erkennen. Die Pferde haben Schmerzen und fühlen sich unwohl, und das äußert sich verschieden:
- Schlechtes Fressen von Kraftfutter, mäkeliger Appetit
- Kolik, vor allem nach der Kraftfutteraufnahme
- Zähneknirschen
- Gewichtsverlust und stumpfes Fell
- Apathie und Leistungsschwäche
- Rittigkeitsprobleme und Verhaltensauffälligkeiten wie Buckeln, Klemmen oder Blockieren
Aus meiner Praxis kommt das häufige Gähnen dazu. In den Studien taucht es bisher nicht als gesichertes Zeichen auf, ich habe es bei Magenpferden aber oft gesehen.
Zwei Dinge sind mir wichtig. Erstens: Ein Pferd zeigt nur Rittigkeitsprobleme, ein anderes Kolik und Gewichtsverlust, und manche zeigen gar nichts. Zweitens: Aus den Symptomen lässt sich weder sicher ablesen, ob ein Geschwür da ist, noch wie schwer es ist. Die Konsenserklärung sagt ausdrücklich, dass die Zeichen nur schwach mit dem tatsächlichen Befund zusammenhängen und eine Diagnose allein nach „typischen“ Symptomen nicht haltbar ist. Wie du Schmerz im Gesicht deines Pferdes erkennst, steht im Artikel zum Schmerz-Ethogramm. Und weil Gewichtsverlust viele Ursachen hat, hilft dir der Artikel Pferd nimmt ab: Die 5 Ursachen systematisch prüfen.
Was verursacht Magengeschwüre beim Pferd?
Wie so oft hat eine Krankheit selten nur eine Ursache. Es kommen mehrere Faktoren zusammen, und dann läuft das Fass über.
Stress
Pferde sind Gewohnheitstiere. Turnier, Transport, fremde Umgebung und sportliche Leistung sind Stress, und deshalb müssen Ausgleich, Vorbereitung und Freizeit dieser Pferde besonders gut gemanagt werden. Aber auch der Urlaub in der Heide, ein Stallwechsel und die Trennung von bekannten Pferden sind ungewohnt und damit Stress.
Fütterung
Zu wenig Raufutter, zu viel Kraftfutter, zu lange Fresspausen, zu große Portionen auf einmal und zu viel Stärke erhöhen das Risiko. Die Zahlen dazu stammen aus einer dänischen Untersuchung an 201 Pferden (Luthersson und Kollegen, 2009):
- Mehr als 2 Gramm Stärke pro Kilogramm Körpermasse am Tag oder mehr als 1 Gramm pro Mahlzeit: etwa doppeltes Risiko
- Pausen ohne Raufutter von mehr als sechs Stunden: deutlich erhöhtes Risiko
- Stroh als einziges Raufutter: deutlich erhöhtes Risiko
- Kein Wasser im Auslauf: mehr als doppelt so hohes Risiko
Der letzte Punkt wird oft unterschätzt. Auf dem Winterpaddock oder dem Sandauslauf muss Wasser bereitstehen.
Haltung
Stress durch Nachbarn im Stall, zu lange Stehzeiten und vor allem fehlender Sozialkontakt verschlechtern die Situation. Besonders ungünstig sind feste Trennwände, durch die die Pferde einander nicht sehen können. Eine australische Untersuchung an Rennpferden fand außerdem mehr Geschwüre in Ställen in der Stadt und dort, wo ständig das Radio lief. Pferde mögen es lieber ruhig.
Training
In jeder Gangart, die schneller ist als Schritt, steigt der Druck im Bauchraum. Der Magen wird zusammengedrückt, und die Säure gelangt nach oben in den empfindlichen drüsenlosen Bereich (Lorenzo-Figueras und Merritt, 2002). Das ist kein Schwappen wie in einem halb vollen Eimer: Die angespannte Bauchmuskulatur presst den Mageninhalt nach oben.
Dazu kommt der Mensch. In Studien war das Risiko auch vom Trainer abhängig, also personenbezogen. Unsachgemäßer Gerten- und Zügeleinsatz und Gebrüll auf dem Pferd sind völlig unangebracht. Reite zu deiner Freude.
Medikamente und Kolik
Entzündungshemmende Schmerzmittel wie Phenylbutazon können den Magen belasten. Wie groß der Effekt in üblicher Dosierung ist, bewerten die Studien uneinheitlich. Sag deinem Tierarzt auf jeden Fall, wenn dein Pferd ein Magenpferd ist, damit er das bei der Wahl des Präparats berücksichtigen kann.
Nach einer Kolik solltest du ebenfalls an den Magen denken: Bei Darmerkrankungen können Verdauungssäfte aus dem Dünndarm zurückfließen, das Pferd bekommt Medikamente und soll meist fasten. Das alles ist für den Magen ungünstig.
Die Studie, die zu denken gibt
In einer amerikanischen Studie wurden 30 Pferde aufgestallt, mit Heu und 6 Kilogramm Kraftfutter am Tag gefüttert und sechs Tage pro Woche wie Rennpferde trainiert. Alle entwickelten mittelgradige bis schwere Geschwüre an der drüsenlosen Schleimhaut, laut Konsenserklärung innerhalb von 14 Tagen (Vatistas und Kollegen, 1999). Das war die Kombination aus Aufstallung, viel Kraftfutter und hartem Training, und es zeigt, wie schnell es gehen kann.
Wie wird ein Magengeschwür diagnostiziert?
Die einzige verlässliche Möglichkeit ist die Gastroskopie, die Magenspiegelung. Der Tierarzt führt ein langes Endoskop über die Nase und die Speiseröhre bis in den Magen und sieht sich die Schleimhaut an. Dafür muss der Magen leer sein, das Pferd wird also vorher nüchtern gestellt. Halte dich dabei genau an die Angaben der Klinik.
Auch wir Tierärzte hätten lieber eine Blutprobe oder einen Speicheltest. Es gibt viele Versuche dazu, aber bisher nichts, was in der Praxis funktioniert: Verlässliche Blutwerte für Magengeschwüre gibt es nicht, der Test auf Blut im Kot zeigt keinen Zusammenhang, und Zucker- und Speicheltests sind zu ungenau.
Die offiziellen Empfehlungen raten, die Gastroskopie zu machen, bevor Medikamente gegeben werden. Denn es ist entscheidend, wo die Geschwüre sitzen. Vorne werden sie nach Schwere in Grade von 0 bis 4 eingeteilt, hinten wird der Befund beschrieben.
Wie wird ein Magengeschwür beim Pferd behandelt?
Die Medikamente setzen an zwei Punkten an: Sie senken die Säure, oder sie fördern die Schutzschicht der Schleimhaut.
Geschwüre im vorderen Magenbereich
Das Präparat der Wahl ist Omeprazol, ein Protonenpumpenhemmer, der die Produktion der Magensäure herabsetzt. Die übliche Behandlung dauert vier Wochen. In dieser Zeit heilen etwa 70 bis 80 Prozent der Geschwüre im vorderen Bereich ab. Deshalb wird empfohlen, vor dem Ende der Behandlung noch einmal zu spiegeln. Omeprazol wirkt am besten, wenn es morgens vor dem Füttern gegeben wird.
Geschwüre im hinteren Magenbereich
Hier ist es schwieriger. „Keine Säure, kein Ulkus“ gilt vorne. Hinten muss vor allem die Schutzschicht gefördert werden. Deshalb wird Omeprazol in der Regel mit Sucralfat kombiniert, das sich schützend auf die Schleimhaut legt. Die Aussichten sind deutlich schlechter als vorne: Mit Omeprazol allein heilte in den Studien nur etwa ein Viertel der hinteren Geschwüre ab, und die Behandlung dauert länger. Neuere Wirkstoffe werden untersucht, einen gesicherten Standard gibt es bisher nicht.
Was du über Omeprazol wissen solltest
Omeprazol ist kein Dauer-Allheilmittel. Die Magensäure hat Aufgaben: Sie startet die Eiweißverdauung, desinfiziert den Futterbrei und wird für die Aufnahme von Nährstoffen gebraucht. Unter Omeprazol nahm in einer Untersuchung die Verdaulichkeit von Kalzium ab (Pagan und Kollegen, 2020). Also: nach Anweisung dosieren und nicht auf Dauer „mal eine halbe Tube“ geben.
Und was passiert nach dem Absetzen? Dass die Säureproduktion danach überschießt, ist beim Pferd nicht direkt nachgewiesen, und für ein Ausschleichen gibt es keine Belege (Clark und Kollegen, 2023). Belegt ist aber, wie schnell die Geschwüre zurück sein können: In einer Untersuchung an Rennpferden im Training waren nach nur zwei Tagen ohne Omeprazol wieder so viele Pferde betroffen wie vor der Behandlung (Shan und Kollegen, 2023). Meine Empfehlung für die Tage danach: nicht trainieren, mehr Raufutter, keine Transporte.
Warum reicht das Medikament allein nicht?
Wenn du immer das tust, was du immer getan hast, bekommst du immer das, was du immer bekommen hast. Das Management umzustellen ist Punkt eins und hat einen größeren Einfluss als alle Medikamente und Futterzusätze. Natürlich brauchen wir am Anfang Medikamente, um das Pferd zu heilen. Langfristig entscheidet das Management.
Die Studienlage ist da eindeutig. Wurde nach vier Wochen Omeprazol die Fütterung nicht verändert, waren die Befunde sechs Wochen später wieder so wie vor der Behandlung. Mit einer stärkereduzierten Ration blieb die Besserung erhalten (Luthersson und Kollegen, 2019).
Nur einen Futtertopf zu kaufen, auf dem „Magen“ steht, hilft nicht. Du musst einmal alles auf links drehen. Ich weiß, das ist anstrengend, kleinschrittig und manchmal frustrierend. Es muss auch nicht alles auf einmal sein. Jeden Tag ein bisschen, und alles aufschreiben. Wer schreibt, der bleibt.
Ich nutze dafür gern das Bild einer Pyramide. Ganz unten steht die Haltung, da ist dein Pferd 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Darüber die Fütterung, Pferde fressen 16 bis 18 Stunden täglich. Darüber das Training mit ein bis zwei Stunden am Tag. Und ganz oben, als Zugabe, die Futterzusätze. Erst muss das Untere in Ordnung sein, sonst helfen die Dinge oben auch nicht.
Wie füttere ich ein Pferd mit Magengeschwür?
- Raufutter ist das A und O: Empfohlen werden mindestens 1,5 Kilogramm Trockenmasse Raufutter pro 100 Kilogramm Körpermasse am Tag, frei verfügbar oder auf vier bis sechs Mahlzeiten verteilt.
- Keine langen Fresspausen: Mehr als sechs Stunden ohne Raufutter sind für ein Magenpferd zu lang.
- Stärke begrenzen: höchstens 2 Gramm pro Kilogramm Körpermasse am Tag und höchstens 1 Gramm pro Mahlzeit.
- Heu vor Kraftfutter und mehrere kleine Mahlzeiten statt weniger großer.
- Immer Zugang zu Wasser, auch im Auslauf.
- Stroh nicht als einziges Raufutter.
Diese Empfehlungen stammen aus der Konsenserklärung und beruhen vor allem auf Daten zu den vorderen Geschwüren.
Der Trugschluss mit dem Heu rund um die Uhr
Viele sagen mir: Der bekommt ja 24 Stunden am Tag Heu. Das heißt nicht, dass dein Pferd genügend Heu aufnimmt. In der Herde gibt es Heuraufen, die zeitgesteuert sind, oder andere Pferde fressen mit, und dann verbringt dein Pferd vielleicht gar nicht genug Zeit an der Raufe. Es gibt Pferde, die alles inhalieren, und es gibt die mäkeligen Typen, die hier ein Hälmchen nehmen und da ein Hälmchen.
Deshalb: Mach den Eigenversuch. Stell dich mit Stoppuhr und Waage neben dein Pferd und miss, wie viel es in welcher Zeit frisst. Als Durchschnittswerte gelten: Für ein Kilogramm Kraftfutter braucht ein Pferd etwa 10 Minuten, macht rund 700 Kauschläge und bildet etwa 900 Milliliter Speichel. Für ein Kilogramm Heu sind es etwa 40 Minuten, 2.800 Kauschläge und 3,6 Liter Speichel. Und Speichel ist der natürliche Puffer für die Magensäure. Was willst du diskutieren, was A, B und C haben? Es geht um dein Pferd. Dein Pferd ist dein Kompass.
Wie trainiere ich ein Pferd mit Magengeschwür?
- Nie nüchtern ins Training. Lass dein Pferd etwa 20 Minuten vorher Heu fressen. Schon eine kleine Menge puffert.
- Lieber nachmittags als frühmorgens. Nachts fressen Pferde weniger, morgens ist der Magen leerer.
- Bei Geschwüren vorne: insgesamt nicht mehr als etwa 40 Minuten am Tag im Trab oder schneller.
- Bei Geschwüren hinten: zwei bis drei Ruhetage pro Woche. Ich nenne sie lieber aktive Ruhetage. Das Pferd soll nicht stehen, sondern leicht bewegt werden.
- Während der Behandlung: Bewegung ja, Training nein. Wo die Grenze liegt, ist bei jedem Pferd anders.
- Wenig Wechsel bei Reitern und Trainern.
Die Grenzen von 40 Minuten und zwei bis drei Ruhetagen nennt auch eine aktuelle Übersichtsarbeit (Vokes und Kollegen, 2023). Mein Tipp aus der Praxis vor einer intensiveren Einheit: 100 Gramm Leinsamen und 100 Gramm Haferflocken mit etwas heißem Wasser übergießen und ziehen lassen, während du dein Pferd fertig machst. Das ist kein schweres Kraftfutter, eine Studie dazu gibt es nicht, es hat sich bei meinen Patienten aber bewährt.
Helfen Futterzusätze und Hausmittel gegen Magengeschwüre?
Hier bin ich kritisch, und die Studienlage gibt mir recht. Zu vielen Zusätzen gibt es nur kleine Untersuchungen mit wenigen Pferden, oft ohne Kontrollgruppe und vom Hersteller bezahlt. Zu Pektin und Lecithin etwa konnten zwei Studien keinen schützenden Effekt zeigen. Mittel, die die Säure direkt im Magen neutralisieren, wirken nur sehr kurz. In einer großen Feldstudie an 798 Rennpferden senkte allein Omeprazol das Risiko, Puffersubstanzen taten es nicht (Orsini und Kollegen, 2003).
Einzelne Produkte können ergänzend sinnvoll sein. Keines ersetzt die Behandlung, und keines gleicht ein schlechtes Management aus. Lies genau, was drin ist und womit der Hersteller seine Zahlen belegt, und sprich mit einem Futterberater, bevor du es fütterst. Das kostet alles viel Geld, und ich bin der Meinung, dass es sinnvollere Dinge gibt, als hundert Zusatzfuttermittel auszuprobieren. Ausführlicher habe ich darüber im Gespräch über Magenprobleme im Podcast „Kompetenz-Zirkel Pferd“ gesprochen.
Wie sind die Aussichten, und kann ein Magengeschwür tödlich sein?
Die Geschwüre im vorderen Bereich heilen unter Behandlung meist gut ab. Sie kommen aber wieder, wenn sich am Management nichts ändert, und Magengeschwüre können chronisch werden. Ob „einmal Magen, immer Magen“ gilt, hängt deshalb weniger vom Pferd ab als von dem, was du veränderst.
Lebensgefährlich sind Magengeschwüre beim erwachsenen Pferd extrem selten. Dass ein tiefes Geschwür die Magenwand durchbricht, ist vor allem bei Fohlen beschrieben (Hewetson und Tallon, 2021). Der eigentliche Schaden ist der chronische Schmerz und alles, was daraus folgt.
Es läuft wieder auf eine artgerechte Fütterung und Haltung hinaus: Lauftier, Dauerfresser, Herdentier. Längere Fresszeiten, sozialer Kontakt, immer Zugang zu Wasser, fairer Umgang miteinander, mehrere kleine Mahlzeiten am Tag.









