Das Wichtigste in Kürze
» Kolik heißt Bauchschmerzen und ist ein Symptom, keine Diagnose. Die Ursachen reichen von Verstopfung und Aufgasung bis zu Parasiten, Sand und Wetterumschwung.
» Typische Symptome: Hinlegen und Aufstehen, Wälzen, Scharren, Flehmen, Schwitzen, erhöhter Puls, Futterverweigerung. Verstopfungskoliker sind oft auffällig ruhig.
» Bei Verdacht gilt immer: Tierarzt anrufen, Futter weg, im Schritt führen. Wälzen ist kein striktes Verbot, deine Sicherheit geht vor.
Kolik ist eine sehr häufige Erkrankung unserer Pferde, und sie kann im schlimmsten Fall tödlich enden. Daher ist es wichtig, Kolikanzeichen sicher zu erkennen und rechtzeitig den Tierarzt zu rufen. Und weil Vorbeugen besser ist als Heilen, geht es hier auch um Fütterung, Haltung und ein paar Kniffe, die eine Kolik von vornherein zumindest unwahrscheinlicher machen. Ich habe lange in einer großen Pferdeklinik gearbeitet und leider sehr viele Koliker auf dem OP-Tisch gesehen. Ich hoffe, du musst das nie erleben.
Kolik heißt Bauchschmerzen: Ein Symptom, keine Diagnose
Kolik bedeutet übersetzt einfach nur Bauchschmerzen und sagt zunächst nichts über die Ursache aus. Warum hast du manchmal Bauchschmerzen? Die Ursachen sind vielfältig. Im Winter tritt eher eine Verstopfung auf, beim Anweiden im Frühling eher Krämpfe und eine Aufgasung des Darms. Stell dir vor, du trinkst eine ganze Flasche Kirschsaft. Schmeckt super, aber nach einer Stunde bereust du es, es rumpelt im Darm und Durchfall ist die Folge. Bei Stress entstehen schnell Magengeschwüre, und auch die machen Bauchschmerzen. Und so wie Frauen Unterleibsschmerzen haben können, gibt es das auch bei der Stute. Im Klartext: Die Ursachen einer Kolik können auch außerhalb des Magen-Darm-Trakts liegen.
Kolik ist also ein sehr weit gefasster Oberbegriff und keine Diagnose, sondern ein Symptom. Die Diagnose wäre zum Beispiel eine Kolonobstipation, eine Dickdarmverstopfung. Das Symptom dazu ist die Kolik.
Kolik erkennen: Die Symptome beim Pferd
Das Verhalten kann so unterschiedlich sein wie die Ursachen. Am häufigsten sieht man, dass die Pferde sich hinlegen und wieder aufstehen, sehr unruhig sind, sich wälzen, scharren und flehmen. Dazu kommen Schwitzen, ein deutlich erhöhter Puls aufgrund der Schmerzen, gerötete Schleimhäute und Futterverweigerung. Auch Leerkauen, Nüsternhochziehen und Sich-zum-Bauch-Umsehen werden häufig beobachtet. Manchmal stellen sich die Pferde komisch hin, die Vorderbeine nach vorne, die Hinterbeine nach hinten, die sogenannte sägebockartige Stellung.
Zwei Extreme führen oft zu Verwirrung. Bei Verstopfungen koliken die Pferde meist sehr ruhig: Sie stehen in der Ecke, wollen nicht fressen und liegen viel. Bei einer Verdrehung, also der Strangulation eines Darmabschnitts, fallen die Symptome dagegen extrem heftig aus. Bei sehr starken Schmerzen schmeißen sich die Pferde regelrecht hin und sind kaum zu bändigen. Denk dabei immer an deine Sicherheit: Wenn sich 700 Kilo hinwerfen wollen, hältst du sie nicht auf.
Du kannst selbst die PAT-Werte nehmen, also Puls, Atmung und Temperatur, und die Darmgeräusche abhören. Zu leise ist nicht in Ordnung, zu laut aber auch nicht. Wie das geht, steht im Gesundheitscheck, Teil 2.
Warum Pferde so oft Kolik bekommen
Zum einen spielen die anatomischen Besonderheiten des Magen-Darm-Trakts eine wesentliche Rolle. Pferde können nicht erbrechen; du kennst den Spruch „ich habe schon Pferde kotzen sehen", der ausdrückt, dass etwas unglaubwürdig ist. Die Aufhängung des Dünndarms im Bauchraum ist sehr lang, so kann er sich viel bewegen, aber auch schnell eingeklemmt werden oder sich verdrehen. Der Dickdarm ist noch schlimmer, kaum befestigt und größtenteils frei beweglich, deshalb kann er sich verlagern, zum Beispiel in den Milz-Nieren-Raum. Nicht so gute Voraussetzungen, und als wäre das nicht genug, kommen fünf weitere Kolikauslöser dazu:
- Fütterungsfehler, zum Beispiel schimmliges Heu, hastiges Fressen oder ein abrupter Futterwechsel wie beim Anweiden.
- Darmparasiten. Würmer bohren sich durch die Darmwand und wandern teils in die Gefäße des Darms ein. Verstopft ein Wurm ein Darmgefäß, bildet er sozusagen einen Thrombus, der Darmabschnitt wird nicht mehr durchblutet und stirbt ab. Diese Pferde koliken sehr stark und müssen umgehend in die Klinik. Die Larven der kleinen Strongyliden sitzen in der Darmwand, wachen alle im Frühjahr auf und wandern zurück in den Darm. Ihre Bohrgänge zerstören die Darmwand, die Pferde leiden an Durchfall, Abmagerung und Schmerzen. Tückisch: Solange die Larven in der Darmwand sind, ist die Kotprobe negativ. Deshalb ist eine Entwurmungsstrategie ein Stück Kolikprophylaxe.
- Sandaufnahme. Gerade im Winter sehe ich so viele Pferde auf Sandpaddocks ohne Wasser und Futter stehen. Das ist besser als in der Box, aber einige Pferde nehmen zu viel Sand auf, wenn sie nach etwas Essbarem suchen. Auch Heu vom Boden auf dem Sandpaddock ist nicht ungefährlich. Häufiges Symptom ist Durchfall. Bei Verdacht: Etwas Kot in eine Plastiktüte, mit Wasser mischen, über Nacht aufhängen. Sand setzt sich unten ab, und du kannst ihn fühlen.
- Wetterumschwung. Das kennen die meisten. Hat dein Pferd damit Probleme, lies regelmäßig den Wetterbericht und unterstütze dein Pferd am Tag vorher, am Tag selbst und am Tag danach, etwa mit Mash und ausreichend Bewegung.
- Haltungsfehler. Das Pferd ist ein Lauftier, ausgerichtet auf kontinuierliche Bewegung. Das betrifft nicht nur den Bewegungsapparat, sondern auch die Verdauung: Bewegung fördert die Darmperistaltik, zu wenig Bewegung kann zu Verstopfung führen. Wie viel Bewegung ein Pferd braucht, steht im Artikel 30 km am Tag.
Das ist nur ein Einblick, es gibt noch deutlich mehr Kolikursachen als diese fünf.
Vorsicht im Winter: Verstopfungskoliken vorbeugen
Im Winter sind Verstopfungskoliken sehr häufig, und das hat mehrere Gründe. Erstens zu wenig Bewegung: Die Pferde gehen nicht mehr auf die Wiese oder gar nicht mehr raus, und wir Reiter sind auch nicht so motiviert wie im Sommer, es ist früh dunkel und kalt. Selbst Offenstallpferde bewegen sich auf gefrorenem Boden zu wenig. Zweitens haben die Pferde durch mehr Zeit in der Box mehr Zeit, Stroh aufzunehmen, besonders wenn frisch gemistet und dick eingestreut ist. Drittens mögen Pferde kein eiskaltes Wasser, sie trinken im Winter weniger, und das verschlechtert die Situation weiter. Meine Gegenmaßnahmen:
- Lauwarmes Wasser anbieten.
- Für ausreichend Bewegung sorgen, auch wenn es dunkel und kalt ist.
- Besondere Vorsicht bei frisch eingestreuten Boxen.
- Einmal in der Woche Mash füttern.
- Bei kolikanfälligen Pferden nach Absprache mit dem Tierarzt Paraffinöl über das Futter geben.
Die Wahl des Öls ist entscheidend. Leinöl wird vom Darm resorbiert und gelangt gar nicht bis in den Dickdarm, wo es der Verstopfung entgegenwirken soll. Dafür ist Paraffinöl das richtige, es geht unverdaut durch den Darm hindurch. Soll dein Pferd dagegen zunehmen, ist Leinöl perfekt und Paraffinöl falsch, weil es keinen Nährwert hat. Je nachdem, was dein Ziel ist, ist deine Wahl eine andere.
Was tun bei Kolik? Erste Hilfe bis der Tierarzt kommt
Dein Pferd kolikt, du hast es erkannt und den Tierarzt gerufen. Was nun? Zuerst das Futter wegnehmen, dann das Pferd in der Reithalle oder auf festem Boden im Schritt führen. Immer wieder stellt sich die Frage: Wälzen lassen oder verhindern? Am wichtigsten ist deine Sicherheit. Wenn sich das Pferd unkontrolliert hinwirft, hältst du es nicht auf. Dann zur Seite gehen und wälzen lassen. Der Darm kann durch das Wälzen auch wieder in die richtige Position rutschen. Bei einer Milz-Nieren-Raum-Verlagerung werden Pferde in der Klinik teils in Narkose gelegt und absichtlich gewälzt, um den Darm zurückzubringen. Ein strenges Verbot, wie es manchmal dargestellt wird, gibt es also nicht. Wenn es geht, sollte das Pferd aber besser geführt werden, um den Kreislauf in Schwung zu halten und die Darmtätigkeit anzuregen. Ab und zu darf eine Pause sein. Jeder Koliker ist anders, und die Situation muss vor Ort individuell eingeschätzt werden. Drei Grundsätze gelten immer:
- Bei Verdacht auf Kolik immer den Tierarzt anrufen. Lieber einmal zu viel.
- Futterentzug.
- Führen. Und bei Unsicherheit den Tierarzt noch einmal anrufen, das Verhalten schildern und dir telefonisch sagen lassen, was bis zu seinem Eintreffen zu tun ist.
Was immer hilft: Hänger und Zugfahrzeug stehen bereit, und dein Pferd hat gelernt, auf den Hänger zu gehen, falls eine Klinikeinweisung nötig wird.









