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Kolik beim Pferd: Symptome erkennen und richtig handeln

Pferdekrankheiten
Dr. med. vet. Veronika Klein
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Das Wichtigste in Kürze

» Kolik heißt Bauchschmerzen und ist ein Symptom, keine Diagnose. Die Ursachen reichen von Verstopfung und Aufgasung bis zu Parasiten, Sand und Wetterumschwung.
» Typische Symptome: Hinlegen und Aufstehen, Wälzen, Scharren, Flehmen, Schwitzen, erhöhter Puls, Futterverweigerung. Verstopfungskoliker sind oft auffällig ruhig.
» Bei Verdacht gilt immer: Tierarzt anrufen, Futter weg, im Schritt führen. Wälzen ist kein striktes Verbot, deine Sicherheit geht vor.

Kolik ist eine sehr häufige Erkrankung unserer Pferde, und sie kann im schlimmsten Fall tödlich enden. Daher ist es wichtig, Kolikanzeichen sicher zu erkennen und rechtzeitig den Tierarzt zu rufen. Und weil Vorbeugen besser ist als Heilen, geht es hier auch um Fütterung, Haltung und ein paar Kniffe, die eine Kolik von vornherein zumindest unwahrscheinlicher machen. Ich habe lange in einer großen Pferdeklinik gearbeitet und leider sehr viele Koliker auf dem OP-Tisch gesehen. Ich hoffe, du musst das nie erleben.

Podcast-Cover zur Folge über Kolik beim Pferd mit wälzendem Pferd, Abhören des Bauchs und Winterweide

Kolik heißt Bauchschmerzen: Ein Symptom, keine Diagnose

Kolik bedeutet übersetzt einfach nur Bauchschmerzen und sagt zunächst nichts über die Ursache aus. Warum hast du manchmal Bauchschmerzen? Die Ursachen sind vielfältig. Im Winter tritt eher eine Verstopfung auf, beim Anweiden im Frühling eher Krämpfe und eine Aufgasung des Darms. Stell dir vor, du trinkst eine ganze Flasche Kirschsaft. Schmeckt super, aber nach einer Stunde bereust du es, es rumpelt im Darm und Durchfall ist die Folge. Bei Stress entstehen schnell Magengeschwüre, und auch die machen Bauchschmerzen. Und so wie Frauen Unterleibsschmerzen haben können, gibt es das auch bei der Stute. Im Klartext: Die Ursachen einer Kolik können auch außerhalb des Magen-Darm-Trakts liegen.

Kolik ist also ein sehr weit gefasster Oberbegriff und keine Diagnose, sondern ein Symptom. Die Diagnose wäre zum Beispiel eine Kolonobstipation, eine Dickdarmverstopfung. Das Symptom dazu ist die Kolik.

Kolik erkennen: Die Symptome beim Pferd

Pferd wälzt sich auf der Weide im Nebel, ein mögliches Anzeichen einer Kolik

Das Verhalten kann so unterschiedlich sein wie die Ursachen. Am häufigsten sieht man, dass die Pferde sich hinlegen und wieder aufstehen, sehr unruhig sind, sich wälzen, scharren und flehmen. Dazu kommen Schwitzen, ein deutlich erhöhter Puls aufgrund der Schmerzen, gerötete Schleimhäute und Futterverweigerung. Auch Leerkauen, Nüsternhochziehen und Sich-zum-Bauch-Umsehen werden häufig beobachtet. Manchmal stellen sich die Pferde komisch hin, die Vorderbeine nach vorne, die Hinterbeine nach hinten, die sogenannte sägebockartige Stellung.

Zwei Extreme führen oft zu Verwirrung. Bei Verstopfungen koliken die Pferde meist sehr ruhig: Sie stehen in der Ecke, wollen nicht fressen und liegen viel. Bei einer Verdrehung, also der Strangulation eines Darmabschnitts, fallen die Symptome dagegen extrem heftig aus. Bei sehr starken Schmerzen schmeißen sich die Pferde regelrecht hin und sind kaum zu bändigen. Denk dabei immer an deine Sicherheit: Wenn sich 700 Kilo hinwerfen wollen, hältst du sie nicht auf.

Du kannst selbst die PAT-Werte nehmen, also Puls, Atmung und Temperatur, und die Darmgeräusche abhören. Zu leise ist nicht in Ordnung, zu laut aber auch nicht. Wie das geht, steht im Gesundheitscheck, Teil 2.

Warum Pferde so oft Kolik bekommen

Zum einen spielen die anatomischen Besonderheiten des Magen-Darm-Trakts eine wesentliche Rolle. Pferde können nicht erbrechen; du kennst den Spruch „ich habe schon Pferde kotzen sehen", der ausdrückt, dass etwas unglaubwürdig ist. Die Aufhängung des Dünndarms im Bauchraum ist sehr lang, so kann er sich viel bewegen, aber auch schnell eingeklemmt werden oder sich verdrehen. Der Dickdarm ist noch schlimmer, kaum befestigt und größtenteils frei beweglich, deshalb kann er sich verlagern, zum Beispiel in den Milz-Nieren-Raum. Nicht so gute Voraussetzungen, und als wäre das nicht genug, kommen fünf weitere Kolikauslöser dazu:

Präparat eines Pferdedünndarms aus der Veterinär-Pathologie Leipzig, das die lange Aufhängung des Darms zeigt
  1. Fütterungsfehler, zum Beispiel schimmliges Heu, hastiges Fressen oder ein abrupter Futterwechsel wie beim Anweiden.
  2. Darmparasiten. Würmer bohren sich durch die Darmwand und wandern teils in die Gefäße des Darms ein. Verstopft ein Wurm ein Darmgefäß, bildet er sozusagen einen Thrombus, der Darmabschnitt wird nicht mehr durchblutet und stirbt ab. Diese Pferde koliken sehr stark und müssen umgehend in die Klinik. Die Larven der kleinen Strongyliden sitzen in der Darmwand, wachen alle im Frühjahr auf und wandern zurück in den Darm. Ihre Bohrgänge zerstören die Darmwand, die Pferde leiden an Durchfall, Abmagerung und Schmerzen. Tückisch: Solange die Larven in der Darmwand sind, ist die Kotprobe negativ. Deshalb ist eine Entwurmungsstrategie ein Stück Kolikprophylaxe.
  3. Sandaufnahme. Gerade im Winter sehe ich so viele Pferde auf Sandpaddocks ohne Wasser und Futter stehen. Das ist besser als in der Box, aber einige Pferde nehmen zu viel Sand auf, wenn sie nach etwas Essbarem suchen. Auch Heu vom Boden auf dem Sandpaddock ist nicht ungefährlich. Häufiges Symptom ist Durchfall. Bei Verdacht: Etwas Kot in eine Plastiktüte, mit Wasser mischen, über Nacht aufhängen. Sand setzt sich unten ab, und du kannst ihn fühlen.
  4. Wetterumschwung. Das kennen die meisten. Hat dein Pferd damit Probleme, lies regelmäßig den Wetterbericht und unterstütze dein Pferd am Tag vorher, am Tag selbst und am Tag danach, etwa mit Mash und ausreichend Bewegung.
  5. Haltungsfehler. Das Pferd ist ein Lauftier, ausgerichtet auf kontinuierliche Bewegung. Das betrifft nicht nur den Bewegungsapparat, sondern auch die Verdauung: Bewegung fördert die Darmperistaltik, zu wenig Bewegung kann zu Verstopfung führen. Wie viel Bewegung ein Pferd braucht, steht im Artikel 30 km am Tag.

Das ist nur ein Einblick, es gibt noch deutlich mehr Kolikursachen als diese fünf.

Vorsicht im Winter: Verstopfungskoliken vorbeugen

Dr. Veronika Klein mit Pferd im Winter, Hinweis auf die Gefahr von Verstopfungskoliken in der kalten Jahreszeit

Im Winter sind Verstopfungskoliken sehr häufig, und das hat mehrere Gründe. Erstens zu wenig Bewegung: Die Pferde gehen nicht mehr auf die Wiese oder gar nicht mehr raus, und wir Reiter sind auch nicht so motiviert wie im Sommer, es ist früh dunkel und kalt. Selbst Offenstallpferde bewegen sich auf gefrorenem Boden zu wenig. Zweitens haben die Pferde durch mehr Zeit in der Box mehr Zeit, Stroh aufzunehmen, besonders wenn frisch gemistet und dick eingestreut ist. Drittens mögen Pferde kein eiskaltes Wasser, sie trinken im Winter weniger, und das verschlechtert die Situation weiter. Meine Gegenmaßnahmen:

  • Lauwarmes Wasser anbieten.
  • Für ausreichend Bewegung sorgen, auch wenn es dunkel und kalt ist.
  • Besondere Vorsicht bei frisch eingestreuten Boxen.
  • Einmal in der Woche Mash füttern.
  • Bei kolikanfälligen Pferden nach Absprache mit dem Tierarzt Paraffinöl über das Futter geben.

Die Wahl des Öls ist entscheidend. Leinöl wird vom Darm resorbiert und gelangt gar nicht bis in den Dickdarm, wo es der Verstopfung entgegenwirken soll. Dafür ist Paraffinöl das richtige, es geht unverdaut durch den Darm hindurch. Soll dein Pferd dagegen zunehmen, ist Leinöl perfekt und Paraffinöl falsch, weil es keinen Nährwert hat. Je nachdem, was dein Ziel ist, ist deine Wahl eine andere.

Was tun bei Kolik? Erste Hilfe bis der Tierarzt kommt

Dein Pferd kolikt, du hast es erkannt und den Tierarzt gerufen. Was nun? Zuerst das Futter wegnehmen, dann das Pferd in der Reithalle oder auf festem Boden im Schritt führen. Immer wieder stellt sich die Frage: Wälzen lassen oder verhindern? Am wichtigsten ist deine Sicherheit. Wenn sich das Pferd unkontrolliert hinwirft, hältst du es nicht auf. Dann zur Seite gehen und wälzen lassen. Der Darm kann durch das Wälzen auch wieder in die richtige Position rutschen. Bei einer Milz-Nieren-Raum-Verlagerung werden Pferde in der Klinik teils in Narkose gelegt und absichtlich gewälzt, um den Darm zurückzubringen. Ein strenges Verbot, wie es manchmal dargestellt wird, gibt es also nicht. Wenn es geht, sollte das Pferd aber besser geführt werden, um den Kreislauf in Schwung zu halten und die Darmtätigkeit anzuregen. Ab und zu darf eine Pause sein. Jeder Koliker ist anders, und die Situation muss vor Ort individuell eingeschätzt werden. Drei Grundsätze gelten immer:

  1. Bei Verdacht auf Kolik immer den Tierarzt anrufen. Lieber einmal zu viel.
  2. Futterentzug.
  3. Führen. Und bei Unsicherheit den Tierarzt noch einmal anrufen, das Verhalten schildern und dir telefonisch sagen lassen, was bis zu seinem Eintreffen zu tun ist.

Was immer hilft: Hänger und Zugfahrzeug stehen bereit, und dein Pferd hat gelernt, auf den Hänger zu gehen, falls eine Klinikeinweisung nötig wird.

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Was der Tierarzt macht: Von der rektalen Untersuchung bis zur OP

Tierärztin hört mit dem Stethoskop den Bauch eines braunen Pferdes ab, um die Darmgeräusche zu prüfen

Ist der Tierarzt vor Ort, wird das Pferd klinisch untersucht: Puls, Atmung, Darmperistaltik und die kapilläre Rückfüllzeit. Dann folgt die rektale Untersuchung. Ich kann dir erzählen, am Anfang ist es warm und dunkel da drin. Mit der Zeit lernt man, Dünndarm, Dickdarm, Milz, Blase und Blinddarm zu unterscheiden und zu beurteilen, ob alles dort liegt, wo es hingehört, und ob es mit Gas oder zu viel Futter gefüllt ist. Den ganzen Bauchraum kann der Tierarzt nicht ertasten, aber es ist eine wertvolle Untersuchung, um herauszufinden, wo das Problem liegt.

Ist der Magen sehr voll, und erinnere dich, Pferde können nicht erbrechen, schiebt der Tierarzt eine Nasenschlundsonde: Durch die Nüster in die Speiseröhre und bis in den Magen. So kann der Mageninhalt abgehebert oder bei einer Verstopfung Öl und Wasser eingegeben werden. Je nachdem, was das Pferd gefressen hat, riecht man aromatische Magenluft oder üble Galle. Dann kommt der richtig gute Teil: Der Tierarzt saugt den Mageninhalt an, und glaub mir, am Anfang ist man häufig nicht schnell genug und schluckt einen kräftigen Schluck. Deshalb ist die Sonde immer durchsichtig, damit man sieht, wenn der Mageninhalt kommt. Du merkst schon, Tierarzt ist ein leidenschaftlicher Beruf. Medikamentös bekommen Koliker Schmerzmittel und etwas zum Entkrampfen.

Jeder Koliker muss gut beobachtet werden, denn jede Kolik kann sich verschlimmern. In einigen Fällen ist die Klinikeinweisung unumgänglich. Die Prognose lässt sich pauschal nicht sagen: Ist ein Teil des Darms abgestorben und muss entfernt werden, ist sie eher schlecht. Ist der Dickdarm nur verlagert und muss in der OP zurückverlagert werden, ist sie gut. Was in der Klinik passiert, was eine Operation kostet und wie die Nachsorge aussieht, steht im Artikel Kolik-OP beim Pferd. Informiere dich rechtzeitig über eine OP-Versicherung, damit die Entscheidung nicht von der finanziellen Seite abhängt. Und ohne selbst in der Situation gewesen zu sein, ist schwer zu beurteilen, wie man sich entscheiden würde. Respektiere die Entscheidung anderer Pferdebesitzer, sie hängt von so vielen Faktoren ab.

Zusammenfassung: Kolik vorbeugen und richtig reagieren

Kolik ist ein Symptom und keine Krankheit, die Ursachen reichen von Sand im Darm über Darmparasiten bis zum Wetterumschwung, und im Winter ist die Verstopfung besonders häufig. Die Pferde zeigen Unruhe, scharren, legen sich hin, wälzen sich, flehmen und fressen nicht. Stellst du diese Symptome fest: Immer den Tierarzt anrufen, Futter weg, ruhig im Schritt führen, Hänger bereit. Und zum Vorbeugen: Ausreichend hochwertiges Heu, genügend Bewegung, immer Zugang zu Wasser, eine Entwurmungsstrategie und regelmäßige Zahnkontrollen. Trag dieses Wissen in die Ställe, damit wir gemeinsam unsere Pferde gesund erhalten und deine Tierarztrechnung hoffentlich klein bleibt.

Häufige Fragen

Am häufigsten Hinlegen und Aufstehen, Unruhe, Wälzen, Scharren, Flehmen, Schwitzen, ein erhöhter Puls, gerötete Schleimhäute und Futterverweigerung. Auch Leerkauen, Nüsternhochziehen, Sich-zum-Bauch-Umsehen und eine sägebockartige Stellung kommen vor. Verstopfungskoliker sind oft sehr ruhig, stehen in der Ecke und liegen viel, bei einer Darmverdrehung sind die Symptome dagegen extrem heftig.

Immer sofort den Tierarzt anrufen, das Futter wegnehmen und das Pferd ruhig im Schritt führen, um Kreislauf und Darmtätigkeit anzuregen. Bei Unsicherheit den Tierarzt noch einmal anrufen und das Verhalten schildern. Hänger und Zugfahrzeug bereithalten, falls eine Klinikeinweisung nötig wird.

Ein striktes Verbot gibt es nicht. Wenn sich das Pferd unkontrolliert hinwerfen will, hältst du 700 Kilo nicht auf, dann geht deine Sicherheit vor: Zur Seite gehen und wälzen lassen. Der Darm kann dabei sogar wieder in die richtige Position rutschen. Wenn es möglich ist, ist Führen besser, mit kurzen Pausen.

Wegen ihrer Anatomie: Pferde können nicht erbrechen, der Dünndarm hängt an einer sehr langen Aufhängung und kann sich verdrehen, der Dickdarm ist kaum befestigt und kann sich verlagern. Dazu kommen Fütterungsfehler, Darmparasiten, Sandaufnahme, Wetterumschwung und Bewegungsmangel.

Lauwarmes Wasser anbieten, weil Pferde eiskaltes Wasser meiden und dann zu wenig trinken. Für ausreichend Bewegung sorgen, auch bei gefrorenem Boden. Vorsicht bei frisch und dick eingestreuten Boxen, weil die Pferde mehr Stroh fressen. Einmal pro Woche Mash füttern und bei anfälligen Pferden nach Rücksprache mit dem Tierarzt Paraffinöl geben, nicht Leinöl, das im Dünndarm resorbiert wird.

Etwas Kot in eine Plastiktüte oder einen Handschuh geben, mit Wasser mischen, kräftig schütteln und über Nacht aufhängen. Sand setzt sich unten ab und lässt sich fühlen. Häufiges Symptom einer Sandaufnahme ist Durchfall, vor allem bei Pferden auf Sandpaddocks ohne Futter oder mit Heu vom Boden.

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