Oldie but Goldie – In über acht Jahren „Kernkompetenz Pferd“ sind fast 200 Folgen entstanden, die auch Jahre später an Relevanz nichts verloren haben. Daher legen wir Gold-Folgen nochmal neu auf, denn auch wenn sie nicht neu aufgenommen wurden – ihr Inhalt ist aktueller denn je. Denn gute Medizin folgt keinem Trend. Sie basiert auf Wissen, Zusammenhängen und einem klaren Blick für das Pferd. Die Podcast Folge erschien im Original im August 2021.
Das Wichtigste in Kürze
»Ganzheitlichkeit: Hufgesundheit entsteht primär durch das Zusammenspiel von artgerechter Haltung (H), passendem Untergrund (U) und bedarfsgerechter Fütterung (F).
»Individualität: Es gibt kein “Richtig” oder “Falsch” für alle; die Nutzung des Pferdes, die Bodenbeschaffenheit und der Stoffwechsel entscheiden über Barhuf oder Beschlag.
»Konsequenz: Kurze Bearbeitungsintervalle (ideal 4–6 Wochen) sind entscheidend, um Fehlstellungen gar nicht erst entstehen zu lassen oder effektiv zu korrigieren.
5 Experten-Perspektiven zur Hufgesundheit
In dieser Episode lässt Dr. Veronika Klein verschiedene Experten zu Wort kommen, um das komplexe Thema Huf aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten. Es geht nicht darum, wer recht hat, sondern darum, die beste Lösung für das jeweilige Pferd zu finden.
1) Christina und Barbara von Team Huf — Barhufbearbeiter
2) Laura Anthes — Hufheilpraktikerin Hufheilpraktik Anthes
3) Martin Brülke staatlich anerkannter Hufbeschlagsschmied @bruelke
4) Josephine Malzahn — Hufpflegerin nach F‑Balance
5) Franzi Kluth — Huforthopädin @pferdeglück_horsesolution
6) Tanja Rohrmann — Huforthopädin Website
6) Sandra Fencl Hufpflegerin und Pferdeexpertin Website
Hufgesundheit beginnt weit vor der Bearbeitung
Die Gesundheit der Pferdehufe wird massiv von äußeren Faktoren beeinflusst, die oft unterschätzt werden. Ein zentrales Konzept ist hierbei das Kürzel H‑U-F: Haltung, Untergrund und Fütterung. Nur wenn diese drei Säulen stabil sind, kann ein Huf seine volle Funktion als Stoßdämpfer und Tastorgan erfüllen.
In der Haltung sind Bewegungskonzepte wie der Paddock Trail ideal, da sie das Pferd zu stetiger Bewegung motivieren. Der Untergrund sollte dabei so gewählt sein, dass er den Huf fordert, ohne ihn zu überlasten. Verschiedene Bodenbeläge, wie zum Beispiel runder Kiesel, fördern nicht nur den Abrieb, sondern massieren auch den Strahl und unterstützen so den Hufmechanismus.
Die Fütterung liefert die Baustoffe für die Hornqualität. Ein Mangel an Zink oder ein Überschuss an Zucker und Stärke kann die weiße Linie schwächen und die Anfälligkeit für Hufrehe erhöhen. Ein gesundes Pferdegewicht ist dabei die Grundvoraussetzung, um die Hufe vor mechanischer Überlastung zu schützen.
Barhuf: Mehr als nur ein Trend
Grundsätzlich kommt jedes Pferd barfuß zur Welt. Die Natur hat den Huf als hochkomplexes Organ konzipiert, das über eine enorme Stoßdämpfungsfähigkeit verfügt. Ein unbeschlagener Huf bietet dem Pferd eine bessere Propriozeption – es “fühlt” den Boden besser und kann seine Muskelspannung entsprechend anpassen.
Besonders junge Pferde sollten die Chance bekommen, barfuß auszuwachsen, damit sich die inneren Strukturen wie das Strahlbein und die Ballenpolster kräftig entwickeln können. Auch für viele Freizeitpferde ist Barhufgehen die erste Wahl, sofern das Gleichgewicht zwischen Abrieb und Wachstum stimmt. Bei vorübergehender Fühligkeit auf harten Wegen bieten moderne Hufschuhe eine hervorragende temporäre Lösung, ohne den Hufmechanismus dauerhaft einzuschränken.
Wann Hufeisen und permanenter Schutz nötig werden
Trotz der Vorteile des Barfußlaufens gibt es Situationen, in denen ein permanenter Hufschutz unumgänglich ist. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn der Abrieb größer ist als das Hornwachstum. Leistungssportler im Springen, in der Vielseitigkeit oder im Distanzsport benötigen oft Schutz und zusätzliche Traktion durch Stollen.
Auch bei spezifischen Erkrankungen, wie einer Hufbeinfraktur oder fortgeschrittener Arthrose, kann ein orthopädischer Beschlag oder ein moderner Kunststoffschutz für die nötige Stoßdämpfung und Ruhigstellung sorgen. Wichtig ist hierbei die Erkenntnis, dass “Hufschutz” heute weit mehr als nur das klassische Eisen bedeutet. Klebebeschläge und Kunststoffvarianten bieten flexible Alternativen, die den Huf weniger starr fixieren als genageltes Eisen.
Die Schiefe des Pferdes und ihre Auswirkungen auf den Huf
Ein oft übersehener Aspekt ist der Zusammenhang zwischen der Biomechanik des restlichen Körpers und der Hufform. Schiefe Hufe sind häufig ein Spiegelbild der natürlichen Schiefe des Pferdes oder von Blockaden im Bewegungsapparat. Wenn ein Pferd unphysiologisch fußt, etwa über die Zehe statt über die Trachte, belastet es die Strukturen im Huf ungleichmäßig.
Hier greift das Training: Eine korrekte Gymnastizierung hilft dem Pferd, in eine bessere Balance zu finden, was wiederum die Hufbelastung optimiert. Manchmal ist es sinnvoll, die Hufbearbeitung mit osteopathischen oder physiotherapeutischen Behandlungen zu kombinieren, um dem Pferd die Umstellung auf eine korrekte Beinachse zu erleichtern.
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Die größten Fehler im Hufmanagement
Das wohl kritischste “No-Go” in der Hufwelt sind zu lange Bearbeitungsintervalle. Viele Probleme wie untergeschobene Trachten, eine gezerrte weiße Linie oder Strahlfäule entstehen schleichend, weil der Huf zwischen den Terminen zu lang wird. Ein Intervall von acht bis zwölf Wochen ist für die meisten Pferde zu lang, um korrigierend einzuwirken. Ideal sind Zeiträume von vier bis sechs Wochen, um den Huf konstant in einer gesunden Form zu halten.
Ein weiterer Fehler ist die übermäßige Verwendung von Hufölen oder Fetten. Diese versiegeln den Huf oft gegen die benötigte Feuchtigkeit von außen. Ein gesunder Huf braucht in erster Linie sauberes Wasser und keine künstlichen Barrieren, die den natürlichen Austausch verhindern.
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Zudem belasten dich unerwartete Tierarztkosten und andere finanzielle Verpflichtungen und große Kurse ab 400€ und Ausbildungen von 1.000€ und mehr sind daher für dich nicht machbar?
Daher denkst du oft “Ich hätte sehr gerne teilgenommen.”, “Derzeit passt es leider nicht — ich hoffe ich kann beim nächsten Mal dabei sein.” und hast ein schlechtes Gewissen, Frust oder Traurigkeit machen sich breit.
In deinem Stall fehlt dir aber der fachliche Austausch und bei Einführung von neuen Dingen wirst du schief angeschaut, die Augen werden gedreht und lächelnd mit dem Kopf geschüttelt.
Diese Situation wurde mir jahrelang berichtet und immer wieder hatte ich schlaflose Nächte, wie wir das alles unter einen Hut bekommen können.
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FAQ: Häufige Fragen zum Thema Huf
Theoretisch ja, aber es erfordert Geduld und oft eine Anpassung der Haltung und Nutzung. Faktoren wie Bodenbeschaffenheit und Stoffwechsel müssen stimmen, damit das Pferd schmerzfrei laufen kann.
Der Huf wächst etwa einen Zentimeter pro Monat. Bei langen Intervallen entstehen Hebelkräfte, die die Hornkapsel verformen. Kurze Intervalle ermöglichen minimale, aber effektive Korrekturen.
Meistens nicht. Öl verhindert eher, dass Feuchtigkeit in den Huf eindringen kann. Sinnvoller ist es, die Hufe zu wässern und die Nährstoffversorgung über die Fütterung zu optimieren.
Für viele Freizeitpferde ja. Sie bieten Schutz beim Ausritt auf harten Böden, lassen dem Huf aber im Alltag (auf der Weide/im Paddock) die volle Freiheit des Barfußlaufens.
Ein guter Profi erklärt seine Arbeit, achtet auf die individuelle Beinachse des Pferdes und ist offen für den Dialog über Haltung und Fütterung, statt nur stur “auszuschneiden”.
