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5 Mythen über dicke Pferde: Warum „ein bisschen mehr“ lebensgefährlich ist

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Inhaltsverzeichnis

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Das Wichtigste in Kürze

»Wahrnehmung vs. Realität: Über 50 % der Pferde sind über­ge­wich­tig, doch Besitzer schät­zen ihr ei­ge­nes Tier oft zu dünn ein, da di­cke Pferde zum ge­sell­schaft­li­chen Normalbild ge­wor­den sind.

»Stille Entzündung: Übergewicht ist kein op­ti­scher Makel, son­dern ein ge­sund­heit­li­ches Risiko, das Juckreiz, Husten, Hitzeunempfindlichkeit und schwer­wie­gen­de Stoffwechselstörungen wie Hufrehe aus­lö­sen kann.

»Heu als Hauptquelle: Die meis­ten „ver­steck­ten“ Kalorien lie­gen nicht im Krippenfutter, son­dern im Grundfutter. Eine Heuanalyse und ein be­wuss­tes Management der Fresspausen (z. B. durch Stroh oder Knabberäste) sind essenziell.


Viele Pferdebesitzer be­fin­den sich in ei­nem Zustand der „un­be­wuss­ten Inkompetenz“: Sie se­hen ihr Pferd je­den Tag, doch die schlei­chen­de Gewichtszunahme wird nicht wahr­ge­nom­men. Das Übergewicht des Pferdes ist zum Alltag ge­wor­den. In die­ser Podcast-Folge spre­che ich ge­mein­sam mit der Agrarwissenschaftlerin und Futterexpertin Katharina Voss über die ver­schie­de­nen Stadien des Bewusstseins – vom Erkennen der Kilos bis hin zur ak­ti­ven Lösung. Unser Ziel ist es, die „Adlerperspektive“ ein­zu­neh­men, um fun­dier­te Entscheidungen für die Pferdegesundheit zu treffen.

dicke Pferde

Katharina Voss ver­eint aka­de­mi­sche Tiefe mit spe­zia­li­sier­tem Fachwissen für die Pferdegesundheit. Als pro­mo­vier­te Agrarwissenschaftlerin (Schwerpunkt Tierzucht und Fellfarbgenetik) bringt Katharina ein fun­dier­tes bio­lo­gi­sches Verständnis mit.

Ihre the­ra­peu­ti­sche Expertise umfasst:

  • Fütterung: Absolventin der Meisterklasse Pferdefütterung (TWI/Conny Röhm).
  • Hufe: Zertifizierte Huf- und Hufrehe-Beraterin (Team HUF).
  • Körperarbeit: Spezialistin für Physiotherapie und Osteopathie beim Pferd.

Durch die­se Kombination aus Stoffwechselwissen und ma­nu­el­ler Therapie bie­tet Katharina ganz­heit­li­che Lösungen für kom­ple­xe Gesundheitsthemen. Einblicke in ihre Arbeit gibt sie auf Instagram un­ter @tierliebe_physio.

Mythos 1: „Mein Pferd ist gar nicht zu dick“ – Die verzerrte Wahrnehmung

Wissenschaftliche Untersuchungen zei­gen, dass die Übereinstimmung zwi­schen der Einschätzung des Besitzers und ei­ner neu­tra­len tier­ärzt­li­chen Bewertung oft er­schre­ckend ge­ring ist. Da wir heu­te fast über­all di­cke Pferde se­hen, hat sich un­ser Blick an die Unform gewöhnt.

Um der Realität ins Auge zu bli­cken, hilft der Body Condition Score (BCS). Hierbei be­ur­teilst du sechs fes­te Punkte am Körper dei­nes Pferdes durch Tasten und Sehen. Ergänzend dazu ist das Wiegen oder die Nutzung ei­nes Gewichtsmaßbandes sinn­voll, wo­bei hier stets das ras­se­spe­zi­fi­sche Idealgewicht als Referenz die­nen muss. Ein BCS von un­ter 6 ist ein wich­ti­ges Ziel, be­son­ders be­vor die Weidesaison beginnt.

Passender Beitrag: Body Condition Score: Gewicht beim Pferd

Mythos 2: „Ein Kilo zu viel schadet doch nicht“ – Die schleichenden Folgen

Viele glau­ben, ein Puffer sei ein Zeichen gu­ter Fürsorge. Doch für die Gesundheit ist ein „Tick zu we­nig“ fast im­mer bes­ser als zu viel. Übergewicht des Pferdes löst chro­ni­sche Entzündungsprozesse im Körper aus. Die Folgen sind vielfältig:

  • Hautprobleme: Unspezifischer Juckreiz oder ver­meint­li­ches Sommerekzem ver­schwin­den oft, so­bald das Pferd abspeckt.
  • Atembeschwerden: Fettansammlungen im Körperinneren (vis­ze­ra­les Fett) ver­hin­dern, dass sich die Lunge voll ent­fal­ten kann. Dies führt zu Husten oder ei­ner er­höh­ten Atemfrequenz, die oft fälsch­li­cher­wei­se als Asthma ge­deu­tet wird.
  • Thermoregulation: Fett wirkt wie eine Isolierschicht. Übergewichtige Pferde lei­den mas­siv un­ter Hitze und kön­nen ihre Körpertemperatur schlech­ter regulieren.

Mythos 3: „Der kriegt doch schon nichts“ – Versteckte Kalorien im Heu

Wenn Besitzer sa­gen, ihr Pferd be­kom­me „nichts“, be­zie­hen sie sich meist auf das Krippenfutter. Die wah­re Kalorienbombe ist je­doch oft das Heu. Ein Pferd in 24/7‑Heufütterung kann pro­blem­los 15 kg Heu oder mehr fres­sen – das liegt oft 50 % über dem tat­säch­li­chen Energiebedarf und führt oft zum Übergewicht des Pferdes.

Besonders bei di­cken Pferden im Offenstall ist das Management schwie­rig, aber mach­bar. Eine zeit­wei­se Separation oder das Mischen von Heu mit Stroh so­wie das Anbieten von Knabberästen kön­nen hel­fen, das Kaubedürfnis zu be­frie­di­gen, ohne die Energiebilanz zu spren­gen. Training al­lein reicht oft nicht aus, um mas­si­ve Fütterungsfehler zu kom­pen­sie­ren – man kann fünf Kilo über­schüs­si­ges Heu nicht mal eben in ei­ner Stunde Schrittarbeit „ab­trai­nie­ren“.

Passender Beitrag: Pferdefütterung Teil 11: Raufutter

Mythos 4: Überversorgung vs. Nährstoffmangel bei Diäten

Ein di­ckes Pferd ist zwar über­ver­sorgt mit Energie, lei­det aber pa­ra­do­xer­wei­se oft an ei­nem Mangel an Proteinen, Spurenelementen und Vitaminen. Das gilt be­son­ders, wenn eine Radikaldiät („Heu auf Minimum“) ohne Sinn und Verstand durch­ge­führt wird.

Ein kran­ker, über­ge­wich­ti­ger Körper hat oft so­gar ei­nen Mehrbedarf an Vitalstoffen, um den Stoffwechsel wie­der an­zu­kur­beln. Eine be­darfs­ge­rech­te Rationsberechnung ist da­her der ers­te Schritt je­der Diät, da­mit das Pferd ge­sund ab­neh­men kann, ohne in eine Stressmangelsituation zu geraten.

Passender Beitrag: Mineralstoffversorgung bei Pferden

Mythos 5: Das Schablonen-Denken – EMS und dünne Pferde

Nicht je­des di­cke Pferd hat au­to­ma­tisch das Equine Metabolische Syndrom (EMS), und nicht je­des dün­ne Pferd ist da­vor si­cher. Es gibt eine ge­ne­ti­sche Prädisposition für Insulindysregulationen, die be­son­ders bei be­stimm­ten Rassen (Ponys, Iberer) aus­ge­prägt ist. Auch Pferde mit Cushing (PPID) kön­nen trotz ei­nes ma­ge­ren Erscheinungsbildes mas­si­ve Probleme mit dem Insulinstoffwechsel und so­mit ein ho­hes Hufrehe-Risiko ha­ben. Die op­ti­sche Beurteilung al­lein reicht nicht aus; im Zweifelsfall müs­sen Blutwerte und eine sau­be­re Diagnostik Klarheit schaffen.

Passender Beitrag: Cushing beim Pferd gibt es nicht!

Der Weg zum fitten Pferd: Motivation statt Schuldgefühle

Der Weg vom „fet­ten zum fit­ten“ Pferd ist oft emo­tio­nal stei­nig, be­son­ders wenn man im Stall für Maßnahmen wie Maulkorb oder Weideverzicht kri­ti­siert wird. Doch es geht nicht um Schuldzuweisungen für die Vergangenheit, son­dern dar­um, es ab heu­te je­den Tag ein biss­chen bes­ser zu ma­chen. Das Pferd ist nicht nach­tra­gend – es wird dir die neu ge­won­ne­ne Bewegungsfreude mit je­dem Galoppsprung danken.


Möchtest du dein Pferd ak­tiv beim Abnehmen un­ter­stüt­zen? Wenn du fun­dier­te Hilfe suchst, um dein Pferd ge­sund und nach­hal­tig in Form zu brin­gen, schau dir den Online-Kurs Von Fett zu Fit“ an. Dort er­fährst du Schritt für Schritt, wie du dei­ne Fütterungsumstellung, dein Trainingsmanagement an­passt und dei­ne men­ta­len Hürden überwindest.

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Mit Dr. Veronika Klein kannst du, in der Kernkompetenz-Pferd-Welt, Schritt für Schritt er­fah­ren, wie du den Body Condition Score be­stimmst.

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Zudem be­las­ten dich un­er­war­te­te Tierarztkosten und an­de­re fi­nan­zi­el­le Verpflichtungen und gro­ße Kurse ab 400€ und Ausbildungen von 1.000€ und mehr sind da­her für dich nicht mach­bar

Daher denkst du oft “Ich hät­te sehr ger­ne teil­ge­nom­men.”, “Derzeit passt es lei­der nicht — ich hof­fe ich kann beim nächs­ten Mal da­bei sein.” und hast ein schlech­tes Gewissen, Frust oder Traurigkeit ma­chen sich breit. 

In dei­nem Stall fehlt dir aber der fach­li­che Austausch und bei Einführung von neu­en Dingen wirst du schief an­ge­schaut, die Augen wer­den ge­dreht und lä­chelnd mit dem Kopf ge­schüt­telt.

Diese Situation wur­de mir jah­re­lang be­rich­tet und im­mer wie­der hat­te ich schlaf­lo­se Nächte, wie wir das al­les un­ter ei­nen Hut be­kom­men können.

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Häufige Fragen (FAQ)

Wie er­ken­ne ich si­cher, ob mein Pferd zu dick ist?

Verlasse dich nicht auf dein Augenmaß. Nutze den Body Condition Score (BCS), um spe­zi­fi­sche Fettdepots an Hals, Schulter, Rippen und Kruppe zu tas­ten. Ein neu­tra­ler Blick von Experten oder re­gel­mä­ßi­ge Fotos hel­fen ge­gen die „Betriebsblindheit“.

Kann mein Pferd im Offenstall trotz­dem ab­neh­men?

Ja, aber es er­for­dert Management. Du kannst die Heuaufnahme tes­ten, in­dem du dein Pferd für ei­ni­ge Stunden se­pa­rierst und die ge­fres­se­ne Menge wiegst. Kooperationen mit an­de­ren Besitzern di­cker Pferde kön­nen hel­fen, Fresspausen ge­mein­sam umzusetzen.

Schadet eine Fresspause dem Magen mei­nes Pferdes?

Lange Pausen ohne Kautätigkeit sind kri­tisch. Das Ziel ist je­doch nicht „Nulldiät“, son­dern die Reduktion der Energiedichte. Biete Alternativen wie ge­wa­sche­nes Heu, Stroh oder un­gif­ti­ge Zweige an, um die Magen-Darm-Tätigkeit ohne Kalorienüberschuss aufrechtzuerhalten.

Warum ist mein Pferd trotz Diät so schlapp?

Oft feh­len bei re­du­zier­ter Fütterung wich­ti­ge Mineralstoffe und Proteine. Ein Nährstoffmangel kann den Stoffwechsel ver­lang­sa­men. Achte auf ein hoch­wer­ti­ges Mineralfutter und eine aus­rei­chen­de Eiweißversorgung wäh­rend der Gewichtsreduktion.

Kann auch ein dün­nes Pferd Hufrehe be­kom­men?

Ja. Hufrehe ist oft ein Symptom ei­ner Stoffwechselstörung wie EMS oder Cushing (PPID). Auch nor­mal­ge­wich­ti­ge Pferde kön­nen eine Insulindysregulation ha­ben, die durch Genetik oder hor­mo­nel­le Erkrankungen aus­ge­löst wird.

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Dr. Veronika Klein

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