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Tierheim für Pferde — Der verzweifelte Kampf gegen die Abgabewelle.

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Inhaltsverzeichnis

Im Rahmen der Podcasthon Woche, dem welt­weit größ­ten Wohltätigkeits-Podcast-Event mit dem Ziel das Bewusstsein für eine gro­ße Anzahl von Wohltätigkeitsorganisationen welt­weit zu er­hö­hen ist die­ses be­we­gen­de Interview mit Klepperstall e.V. ent­stan­den.

Was pas­siert, wenn das Telefon nicht mehr still­steht, aber die Tröge leer blei­ben? In der heu­ti­gen Folge bli­cken wir hin­ter die Kulissen ei­nes Pferde-Tierheims, das täg­lich an sei­ne Grenzen stößt – und dar­über hinausgeht.

be­en­here

Das Wichtigste in Kürze

»Abgabegründe: Die Hauptgründe für die Abgabe von Pferden sind feh­len­de Reitbarkeit, fi­nan­zi­el­le Nöte der Besitzer und das hohe Alter der Tiere.
»Rehabilitation: Im Tierheim wer­den Pferde kör­per­lich und men­tal sta­bi­li­siert, wo­bei die Korrektur von Hufen und Zähnen so­wie ein struk­tu­rier­ter Impfschutz Priorität ha­ben.
»Haltungskonzept: Moderne Konzepte wie der Paddock Trail er­mög­li­chen es selbst chro­nisch kran­ken Tieren (z. B. Rehepferden), sich schmerz­frei zu be­we­gen und zu sozialisieren.

Die Realität hinter den Kulissen: Warum Pferde im Tierheim landen

In der glit­zern­den Welt der so­zia­len Medien sieht man oft nur die Erfolge und das har­mo­ni­sche Miteinander von Mensch und Tier. Doch hin­ter den Kulissen spielt sich der­zeit eine stil­le Krise ab. Täglich er­rei­chen den Klepperstall zahl­rei­che Anfragen von Menschen, die ihr Pferd ab­ge­ben müs­sen. Oft steht das Telefon nicht still, und die Kapazitäten sind erschöpft.

Die Gründe sind viel­fäl­tig, doch ein Faktor sticht be­son­ders her­vor: Die feh­len­de Reitbarkeit. Sobald ein Pferd sei­nen “Nutzen” als Sport- oder Freizeitpartner ver­liert, wird es für vie­le Besitzer zur fi­nan­zi­el­len und emo­tio­na­len Belastung. Hinzu kom­men per­sön­li­che Schicksalsschläge wie Scheidungen oder die ak­tu­el­le wirt­schaft­li­che Lage, die die Haltungskosten in die Höhe treibt. Besonders Pferde über 20 Jahre ha­ben es schwer, ei­nen Platz zu fin­den, da sie oft eine in­ten­si­ve­re Betreuung und spe­zi­el­le Fütterung benötigen.

Pferde Offenstall

Gnadenhof vs. Tierheim vs. Pferdeklappe: Wo liegen die Unterschiede?

Es herrscht oft Unklarheit dar­über, wel­che Institution wel­che Aufgabe über­nimmt. Ein Gnadenhof bie­tet Tieren ei­nen Altersruhesitz bis an ihr Lebensende; hier fin­det in der Regel kei­ne Weitervermittlung statt. Eine Pferdeklappe dient meist als schnel­ler Durchgangshof für an­ony­me Abgaben mit dem Ziel ei­ner sehr kurz­fris­ti­gen Vermittlung.

Ein Tierheim für Pferde, wie der Klepperstall, ar­bei­tet hin­ge­gen ähn­lich wie ein Tierheim für Hunde oder Katzen. Die Pferde kom­men an, wer­den gründ­lich ge­sund­heit­lich durch­ge­checkt und blei­ben so lan­ge, bis sie men­tal und kör­per­lich sta­bil ge­nug für ein neu­es Zuhause sind. Das kann we­ni­ge Monate, aber auch bis zu zwei Jahre dauern.

Der Weg zurück ins Leben: Rehabilitation und Hufgesundheit

Viele Pferde er­rei­chen das Tierheim in ei­nem ver­nach­läs­sig­ten Zustand. Ein be­son­de­res Augenmerk liegt da­bei auf der Hufbearbeitung. Schlechte Hufe sind ein mas­si­ves Problem in der Pferdewelt und be­nö­ti­gen oft Monate der Korrektur, um dem Tier wie­der schmerz­freie Bewegung zu ermöglichen.

Neben der phy­si­schen Heilung durch Zahnbehandlungen und Impfungen spielt die men­ta­le Rehabilitation eine ent­schei­den­de Rolle. Pferde, die jah­re­lang nur Boxenhaltung kann­ten, müs­sen oft erst wie­der ler­nen, “Pferd zu sein”. Diese Verhaltensstörungen beim Pferd rich­tig zu deu­ten und ih­nen Sicherheit zu ge­ben, ist die Basis für eine er­folg­rei­che Vermittlung.

Artgerechte Haltung als Therapie: Das System Paddock Trail

Ein Herzstück der Arbeit ist das Haltungskonzept. Während man­che Pferde auf­grund ih­rer Vorgeschichte eine in­di­vi­du­el­le Lösung be­nö­ti­gen, hat sich für die Mehrheit der Paddock Trail be­währt. Dieses System mo­ti­viert die Tiere zu stän­di­ger Bewegung über wei­te Strecken zwi­schen Heu, Wasser und Ruhebereichen.

Erstaunlicherweise the­ra­pie­ren sich vie­le chro­nisch kran­ke Tiere, wie etwa Rehepferde, in die­sem System fast von selbst. Durch die Kombination aus fach­ge­rech­ter Hufbearbeitung und der Bewegung auf un­ter­schied­li­chen Untergründen blü­hen selbst auf­ge­ge­be­ne Fälle wie­der auf. 

Für vie­le Besitzer ist ein Paddock Trail als art­ge­rech­te Pferdehaltung ein Ziel, doch die Umsetzung schei­tert oft an re­gio­na­len Möglichkeiten.

Ein Pferd adoptieren: Ablauf und Sicherheit durch die Probezeit

Wer ein Pferd aus dem Tierschutz ad­op­tie­ren möch­te, durch­läuft ei­nen struk­tu­rier­ten Prozess. Anstatt Tiere ein­fach zu in­se­rie­ren, wird im per­sön­li­chen Gespräch er­mit­telt, wel­ches Pferd zu den Vorstellungen und Haltungsbedingungen des Interessenten passt.

Um so­wohl dem Menschen als auch dem Tier den Druck zu neh­men, wur­de eine sechs­mo­na­ti­ge Probezeit ein­ge­führt. In die­ser Zeit bleibt das Tierheim Eigentümer, wäh­rend der neue Besitzer in al­ler Ruhe prü­fen kann, ob die Konstellation im Alltag har­mo­niert. Erst nach Ablauf die­ser Phase geht das Pferd voll­stän­dig in das Eigentum des neu­en Besitzers über. Dies si­chert ab, dass kei­ne vor­ei­li­gen Entscheidungen ge­trof­fen wer­den, die spä­ter zu ei­ner er­neu­ten Abgabe führen.

Unterstützung leisten: So kannst du Pferden in Not helfen

Tierschutz im Pferdebereich er­hält kaum of­fi­zi­el­le Unterstützung und ist fast aus­schließ­lich auf Eigeninitiative und Spenden an­ge­wie­sen. Dabei ist jede Hilfe wert­voll – sei es durch Geldspenden für Tierarztkosten, Sachspenden für den Second-Hand-Laden oder Patenschaften. Besonders für alte Pferde ist die op­ti­ma­le Versorgung kostenintensiv.

Hier kannst du spenden!

Wer kei­nen fi­nan­zi­el­len Spielraum hat, kann durch Aufmerksamkeit hel­fen. Das Teilen von Beiträgen in so­zia­len Medien schafft Bewusstsein für die “dunk­le Seite” der Pferdewelt und hilft da­bei, die per­fek­te Pferdehaltung aus tier­me­di­zi­ni­scher Sicht be­kann­ter zu ma­chen. Hier fin­dest du Klepperstall e.V. in Instagram.

Häufige Fragen (FAQ)

Warum wer­den so vie­le Pferde im Tierheim ab­ge­ge­ben?

Die Hauptgründe sind die feh­len­de Reitbarkeit auf­grund von Alter oder Krankheit, fi­nan­zi­el­le Notlagen der Besitzer so­wie per­sön­li­che Veränderungen wie Scheidungen oder Umzüge.

Was ist der Unterschied zwi­schen ei­nem Gnadenhof und ei­nem Pferdetierheim?

Ein Gnadenhof bie­tet Pferden ei­nen le­bens­lan­gen Platz ohne Weitervermittlung. Ein Tierheim re­ha­bi­li­tiert die Pferde mit dem Ziel, sie in ein pas­sen­des, neu­es Zuhause zu vermitteln

Wie läuft eine Adoption beim Klepperstall ab?

Nach ei­ner Bedarfsanalyse und dem Kennenlernen des Pferdes folgt eine Platzkontrolle. Das Pferd geht dann für sechs Monate auf Probe in das neue Zuhause, be­vor das Eigentum end­gül­tig über­tra­gen wird.

Kann ich auch mit ei­nem klei­nen Betrag hel­fen?

Ja, Patenschaften sind oft schon ab ei­nem ge­rin­gen Betrag (z. B. 5 Euro im Monat) mög­lich. Auch Sachspenden für den an­ge­schlos­se­nen Second-Hand-Shop un­ter­stüt­zen die Einnahmen für die Tiere.

Warum ist die Hufbearbeitung im Tierschutz so wich­tig?

Viele Abgabepferde ha­ben mas­si­ve Hufprobleme, die Schmerzen ver­ur­sa­chen. Eine kor­rek­te Bearbeitung ist die Voraussetzung für Bewegung und da­mit für die ge­sam­te phy­si­sche und psy­chi­sche Gesundheit des Pferdes.

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Dr. Veronika Klein

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