Das Wichtigste in Kürze:
»Technik ist nicht alles: Wissenschaftliche Lernpsychologie erklärt zwar das „Wie“, aber echte Verbindung entsteht erst durch Emotion und Intuition.
»Mut zur Empathie: Arien Aguilar argumentiert, dass eine gewisse „Vermenschlichung“ (z.B. Trost spenden) biologisch fundiert und für die Bindung essenziell sein kann.
»Gemeinschaft statt Konkurrenz: Wahres Lernen findet statt, wenn wir Dogmen ablegen und uns auf den Austausch und das Erleben (z.B. im Rahmen von Kilumin) konzentrieren.
Vom Mechaniker zum Gesprächspartner
In der Pferdewelt bewegen wir uns oft in einem Spannungsfeld. Auf der einen Seite haben wir die harte Wissenschaft – die Lerntheorie, die Biomechanik, die Fakten. Auf der anderen Seite steht das Gefühl, die Intuition und das, was wir oft als „Magie“ zwischen Mensch und Pferd bezeichnen.

In dieser Podcast-Folge spreche ich mit Arien Aguilar, der genau diese Brücke schlägt. Von Pferdesprachen verstehen hin zum Dialog mit deinem Pferd.
Arien, Sohn des bekannten Alfonso Aguilar, ist mit Pferden aufgewachsen, als wäre es die natürlichste Sache der Welt. Doch sein Weg führte ihn zunächst tief in die Wissenschaft. Er studierte Ethologie und Psychologie, um zu verstehen, was genau im Gehirn passiert, wenn wir trainieren. Doch er merkte schnell: Die reine Wissenschaft kann trocken sein. Sie erklärt uns die Mechanik – den Stimulus und die Response – aber sie lässt oft die Seele außen vor. (Foto links: Arien mit Pferd von @emmaemerelle)
Es ist leicht, das Pferd zu einem „Bioroboter“ zu degradieren, wenn wir uns nur auf Konditionierung konzentrieren. Aber wollen wir das? Oder suchen wir nicht eigentlich den Dialog? Wenn du dich fragst, wie du diesen Dialog startest, hilft oft erst einmal eine Bestandsaufnahme: Setze dich in die Ecke der Halle und versuche nur mit dem Kommando “z. B. Trab” dein Pferd anzutraben. Versteht dein Pferd dein “Wort”?
Die “Black Box”: Was wir über das Innenleben der Pferde wissen
Ein spannender Punkt, den Arien im Gespräch hervorhebt, ist das Konzept der „Black Box“ in der Psychologie. Wir geben einen Reiz (Input) und erhalten ein Verhalten (Output). Was aber dazwischen im Kopf und im Herzen des Pferdes passiert, bleibt uns oft verborgen.
Viele Trainingsmethoden ignorieren diesen Zwischenraum. Sie optimieren nur den Input, um den gewünschten Output zu erhalten. Doch eine echte Sprache – eine Semantik – entsteht erst, wenn wir uns für die „Black Box“ interessieren. Wenn wir uns fragen: Wie fühlt sich das Pferd dabei? Hat es verstanden, was ich meine, oder reagiert es nur auf Druck?
Hierarchien und Dominanztheorien sind oft veraltet. Es geht vielmehr um ein Miteinander. Arien beschreibt schön, wie er sich von der reinen „Technik“ (wie halte ich die Gerte, wie tippe ich an) hin zu einer gefühlten Kommunikation entwickelt hat. Das erinnert an Ansätze wie die Trust Technique für dein Pferd & Achtsamkeit für Dich, wo es ebenfalls darum geht, den mentalen Raum zwischen Mensch und Tier zu klären.
Darf man Pferde vermenschlichen? Ein Plädoyer für Empathie
„Du darfst dein Pferd nicht vermenschlichen!“ – diesen Satz haben wir alle schon gehört. Arien Aguilar hält hier jedoch entschieden dagegen und bringt eine erfrischende wissenschaftliche Perspektive ein.
Er vergleicht unser Verhalten mit dem von Primaten. Schimpansen umarmen sich, um sich zu trösten oder Konflikte beizulegen. Auch Pferde sind hochsoziale Säugetiere, die auf Berührung und emotionale Resonanz angewiesen sind. Wenn wir also unser Pferd in einem stressigen Moment trösten oder ihm Zuneigung zeigen wollen, ist das keine „falsche Vermenschlichung“, sondern biologisch sinnvolle Kommunikation unter Säugetieren.
Gefährlich wird der Anthropomorphismus (die Vermenschlichung) nur dann, wenn wir dem Pferd menschliche Rachegelüste oder komplexe moralische Konzepte unterstellen („Er macht das nur, um mich zu ärgern“). Aber dem Pferd Emotionen, Schmerzempfinden und das Bedürfnis nach Trost zuzusprechen, ist der Schlüssel zu fairem Training.
Genau dieser faire Umgang ist auch die Basis für gesunde körperliche Arbeit. Wenn die emotionale Basis stimmt, können wir uns Themen wie der Bodenarbeit als gesunderhaltendes Pferdetraining widmen, ohne dass das Pferd unter Stress steht.
Der Umgang mit dem Gefühl „nicht gut genug“ zu sein
Ein sehr ehrlicher Moment im Podcast ist Ariens Eingeständnis, dass auch er – trotz seiner Erfahrung und seines Hintergrunds – Momente des Zweifels kennt. In der heutigen Social-Media-Welt sehen wir oft nur die perfekten 15-Sekunden-Clips. Wir sehen das Endprodukt, aber nie den struggle, die Fehler und den Lernprozess.
Das setzt uns unter Druck. Wir haben Angst, Fehler zu machen, das Pferd „kaputt zu machen“ oder vor anderen schlecht dazustehen. Ariens Rat: Akzeptiere, dass du nie „fertig“ bist. Es gibt keinen Punkt, an dem du alles weißt. Kommunikation ist ein lebendiger Prozess. Es ist wichtig, Dogmen loszulassen und offen für verschiedene Wege zu bleiben. Ein Ansatz, den ich auch in meinem Artikel Kein Platz für Dogmen in der Pferdewelt: Tensegrales Training vertrete.
Kilumin: Lernen durch Erleben und Gemeinschaft
Zum Abschluss gibt Arien einen Einblick in sein Herzensprojekt „Kilumin“. Er hat erkannt, dass klassische Seminare oft sehr frontal und trocken sind. Menschen sitzen da, schreiben mit und versuchen, Technik kognitiv zu erfassen.
Kilumin hingegen soll ein Festival des „Equilumina” sein. Es geht darum, Wissen erlebbar zu machen, Emotionen zu wecken und eine Gemeinschaft zu bilden, die sich gegenseitig unterstützt statt sich zu kritisieren. Die Vision ist ein Ort, an dem wir lernen, wie wir lernen – und zwar mit Freude und im Austausch. Es ist der Weg weg vom isolierten „Instruktionen befolgen“ hin zum gemeinsamen Erleben der Pferdewelt.

Foto oben: Arien mit Pferd von @emmaemerelle)
Fazit & Deine nächsten Schritte
Die Entstehung einer gemeinsamen Sprache mit deinem Pferd ist kein technischer Vorgang, den du in einem Wochenende lernst. Es ist eine Reise, die Empathie, wissenschaftliches Verständnis und vor allem das Zuhören erfordert. Arien Aguilar zeigt uns, dass wir keine Angst davor haben müssen, unsere Gefühle in das Training einzubringen – im Gegenteil, sie sind das Bindeglied.
Möchtest du tiefer in diese Art der Kommunikation eintauchen? Wenn dich seine Philosophie angesprochen hat, kann ich dir einen Blick in sein Buch wärmstens empfehlen oder/und nehme an der Equilumina (16.–19. Juli 2026) teil und sei ein Teil der Vision Erlebbares lernen.
In der Kernkopentenz Pferd Welt kannst du Arien Aguilar im laufenden Jahr 2026 in unserem Buchclub live erleben.
Wir beantworten Fragen wie…
- Überfordere ich mein Pferd?
- An welchen Tage soll ich was und wie viel machen?
- Wie kann ich ohne viel Equipment sinnvoll trainieren?
- Mein Pferd hatte krankheitsbedingt eine Pause, wie gestalte ich das Aufbautraining?
- … und noch vieles mehr!
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Häufige Fragen (FAQ)
Für Arien ist Pferdesprache mehr als nur Körpersprache oder Signale (Konditionierung). Er sieht sie als einen semantischen Dialog, bei dem Emotionen, Absichten und das gegenseitige Zuhören im Vordergrund stehen, statt nur mechanische Reaktionen abzurufen.
Nicht pauschal. Arien unterscheidet zwischen schädlicher Vermenschlichung (dem Pferd böse Absichten unterstellen) und nützlicher Empathie (Trost, Zuneigung). Da Pferde und Menschen Säugetiere mit ähnlichen emotionalen Grundbedürfnissen sind, ist emotionale Zuwendung oft der richtige Weg.
Kilumin ist ein von Arien Aguilar ins Leben gerufenes Veranstaltungsformat. Es verbindet Lernen (Education) mit Unterhaltung (Entertainment) und setzt den Fokus auf Gemeinschaft, Erlebnis und dogmenfreien Austausch, statt auf trockene Frontalunterricht-Methoden.
Er nutzt wissenschaftliche Erkenntnisse (Ethologie, Lerntheorie), um zu verstehen, wie das Pferd lernt, betont aber, dass die Anwendung eine Kunst ist. Das Gefühl füllt die Lücke, die die reine Mechanik der Wissenschaft offen lässt (die „Black Box“).
Neben seinen Social-Media-Kanälen und seiner Website ist Arien regelmäßig auf Tour. Aktuell bewirbt er sein Buch und die Tour „Die Entstehung einer Sprache“, wo er diese Konzepte live vermittelt.
