Antrainieren nach Verletzung — Trainingstherapie für Pferde
Experten-Interview· Dr. Veronika Klein
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Nach Verletzung Antrainieren ist immer ein heikles Thema, denn einerseits ist das Antrainieren nach Verletzung eine sehr wichtige Komponente für die nachhaltige Gesundung des Pferdes. Gleichzeitig gibt es dazu relativ wenig Wissen über nach Antrainieren nach Verletzung. Da wollen wir heuet Abhilfe schaffen.
In dieser Podcastfolge habe ich Katharina Möller und Claudia Weingand von Osteodressage eingeladen. Sie beschäftigen sich intensiv mit dem Aufbautraining von zum Beispiel Pferden nach Krankheit oder von Jungpferden.
Oft kommt es aber auch durch mangelndes oder falsches Training nie zu einer Lösung eines langjährigen Problems. Hier kommen die sich ergänzenden Kompetenzen der beiden Pferdeexpertinnen ins Spiel.
Als FN-Trainerin A kümmert sich Katharina Möller um ein individuell angepasstes Training für das Pferd und Claudia Weingard übernimmt die osteopathischen Behandlungen. Die Trainingseinheiten werden dabei individuell auf das Pferd zugeschnitten.
Sinnvoll Antrainieren nach Verletzungen — Grundsätze der Trainingstherapie
Die Grundsätze der Trainingstherapie sind eine wichtige Maßnahme beim Antrainieren nach Verletzungen, um dem Pferd in Bewegung eine sinnvolle Reha nach einer Verletzung oder Krankheit zu ermöglichen. Dabei lernt das Pferd in Bewegung, alte Bewegungsmuster zu überschreiben, wenn zum Beispiel ein chronisches Schmerzgedächtnis besteht. Gleichzeitig soll diese Therapieform präventiv wirken, denn dem Pferd wird damit geholfen wieder physiologische Bewegungsabläufe zu entwickeln.
Möglicher Ablauf einer Trainingstherapie
Zunächst schauen sich beide gemeinsam das Gangbild und den natürlichen Bewegungsablauf des Pferdes an, denn das wichtigste ist nicht in den Verschleiß zu trainieren. Es soll ja eine ‚Trainings‘-‚therapie‘ sein. Dieser Begriff kommt übrigens aus der Humanphysiotherapie und Katharina und Claudia verknüpfen ihr Wissen mit vielen etablierten Kenntnissen aus der Humanmedizin. Somit können sie sich voller Hingabe der Aus- und Weiterbildung von Pferden, Reitern, Trainern und Therapeuten widmen.
Die Herangehensweise der beiden:
Pferd in seiner physiologischen Bewegung begutachten, Verspannungen lokalisieren
Wird eine Lahmheit festgestellt, wird dies erst mit dem Tierarzt abgeklärt und muss es erst behandelt werden.
Sobald das Pferd lahmfrei ist, beginnen sie mit Standardübungen.
Es folgen mobilisierende angepasste Trainingseinheiten passend für das Pferd.
Wann wieder reiten beim Antrainieren nach Verletzungen
Das große Ziel einer Rehaphase sollte im Blick behalten werden, denn das wichtigste was dein Pferd in einer solchen Situation brauch ist: Zeit!
Nach 3 Monaten ohne Training ist ein Pferd muskulär auf dem Stand eines Jungpferdes.
Insbesondere der Rumpfträger Musculus serratus ventralis muss wieder antrainiert werden und das geht nicht von heute auf morgen.
Keiner kann erwarten, dass das Pferd wieder das kann, was es vor der Verletzung oder der Lahmheit hatte. In 9–12 Wochen muss dies wieder schrittweise ganz neu aufgebaut werden, als ob das Pferd das was es mal konnte, nie konnte.
Antrainieren nach Verletzung: Beispiel Pferd mit Spat
Erstmal wichtig ist das Go des Tierarztes: „Ja, das Pferd darf wieder trainieren“. Erst muss die Behandlung abgewartet werden, bis das Pferd physiologisch wieder fit und lahmheitsfrei ist.
Nach drei Monaten nur Schritt ist erstmal ein entsprechendes Gangbild zu erwarten, welches bei Spat-Pferden oft gekennzeichnet ist von Zehenschleifen, steifes Gehen ohne Schwung und Trab ohne Schwebephase. Massive Verspannungen begünstigen oft noch den steifen Gang, die Pferde sind allgemein bewegungseingeschränkt.
Hier helfen Übungen mit höher gelegten Stangen. Als erstes auf einer Geraden im Schritt, dann auf gebogener Linie im Stangenfächer, und anschließend auch im Trab. Die Stangen können schrittweise erhöht werden.
Das Pferd muss wieder lernen das Sprunggelenk physiologisch zu bewegen und sich nicht nur aus der Hüfte heraus zu bewegen.
Antrainieren nach Verletzung: Beispiel Pferde mit überstandenen Sehnenschaden
Sehnenschäden kommen nicht selten immer wieder, weil immer wieder alte Bewegungsmuster über lange Zeiten ihren Schaden verursachen. Außerdem passiert es häufig aus den verschiedensten Gründen, dass die Schrittaufbau-Angaben des Tierarztes nicht konsequent befolgt werden. Sehnenpferde müssen bestenfalls 2–3 Stunden am Tag spazieren gehen, denn 10 min sind nicht ausreichend, um einen Stimulus im Gewebe zu bewirken. Wenn es absolut nicht möglich ist das Pferd ruhig zu halten, und das Pferd nur Tobak macht und mit allen Vieren in der Luft hängt, kann mit dem behandelnden Tierarzt über eine leichte Sedierung gesprochen werden. Denn sonst drehen wir uns bei Sehnenschäden im Kreis.
Eine Herausforderung beim Antrainieren von Pferden nach einer Sehnenverletzung ist, dass es keine konkreten Angaben und Trainingsplanungen gibt.
Das seit Jahrzehnten angewandte tägliche steigern der Trabminuten beruht auf einer (!) uralten tiermedizinischen Literaturquelle. Weil es einfach nichts anderes gibt, was in der Literatur beschrieben wird oder erforscht wurde, fahren die meisten Tierärzte weiterhin diesen Plan. Aber, vom logischen Aspekt betrachtet macht diese Art des Aufbautrainings wenig Sinn, denn kollagenes Gewebe baut sich langsam auf.
Laut Katharina und Claudia ist es besser nur alle drei Tage mit Trab anzufangen, erstmal 5 min, gefolgt von zwei Tagen Schritt zur Regeneration für einen ordentlichen Kollagenaufbau. Nach einigen Tagen können dann auch 10 Minuten am Stück getrabt werden, dann kann das Pferd auch eine gewisse Losgelassenheit erreichen und wird nicht sofort wieder ausgebremst. Diese Form von Aufbautraining zeigt so gute Erfolge, dass auch Tierärzte mittlerweile umschwenken.
Über- und Unterforderung beim Antrainieren nach Verletzung vermeiden lernen
Der Puls eines Pferdes ist der ideale Indikator für Stressund Schmerzen.
„Wenn die Werte erhöht sind, dann hat das Pferd etwas, dann muss diagnostisch abgeklärt werden.“ – Katharina.
Um die Pulsmessungen durchzuführen, wird das Pferd zunächst auf der linken Hand und dann auf der rechten Hand jeweils 5 min im Schritt bewegt und dann wird die Regenerationszeiten des Pulses gemessen. Das gleiche erfolgt dann im Trab und anschließend im Galopp. Über die Referenzwerte für den Puls und die Regenerationszeiten lässt sich auf den Gesundheitsstatus schließen. Wenn die Werte erhöht sind, dann ist das ein eindeutiges Zeichen für Schmerzen und Stress, schwarz auf weiß. Bei Rehepferden ist der Puls sogar schon im Schritt erhöht.
“Ein gesundes Pferd bewegt sich gerne!“
Oft hören Claudia und Katharina, dass das Pferd eben so ist, „faul und träge“. Doch hier haben die beiden eine ganz klare Meinung: Es gibt keine faulen Pferde. Entweder ist das Pferd untertrainiert oder krank.
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Trainingstherapie für Pferde
Trainingsplanung und Exterieur
Ganganalyse
Cavaletti-Training
Exterieurmerkmale
Gleichzeitig liefern die Kurse Hilfestellungen bei häufig gestellten Fragen, wie zum Beispiel, wann ist eine Dehnungshaltung erreicht? Manchmal sind sowohl das Pferd als auch der Besitzer überfordert und wissen nicht “wie”. Therapeuten wiederum wüssten zwar wie man hinten rechts auftrainiert und was man tun müsste, die Besitzer sind wiederum oft überfordert. Hier begleiten Katharina und Claudia gerne, vor allem auch, wenn das Pferd nicht mitmacht.
Die Prävention ist das A und O, daher sprechen wir ganz viel über die Ursachen.
Für jeden Trainer ist das genauso wichtig, weil derjenige entscheiden muss was gemacht wird und was nicht gemacht wird.
Vormerken
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