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2 Jahre KKP Welt: 3 Mitglieder erzählen ehrlich

Allgemein
Dr. Veronika Klein
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Das Wichtigste in Kürze

» Fachwissen ist der Einstiegsgrund, aber Reflexion und Austausch sorgen dafür, dass Wissen im Stallalltag ankommt.
» Die größten Veränderungen entstehen durch viele kleine Schritte über Monate, nicht durch ein einziges Großprojekt.
» Wer den fachlichen Hintergrund kennt, stellt beim Tierarztbesuch präzisere Fragen und trifft dadurch bessere Entscheidungen.

Kernkompetenz Pferd geht 2027 ins zehnte Jahr. Bevor es soweit ist, steht aber erst einmal ein anderes Jubiläum an: Die KKP Welt, die digitale Pferdegemeinschaft mit Kursbereich, Live-Formaten, Austausch, Buchklub und Yogaabenden, wird zwei Jahre alt. Ein guter Anlass, um einmal nicht über Fachthemen zu sprechen, sondern über die Menschen dahinter.

Deshalb gibt es dieses Mal keine klassische Fachfolge, sondern Interviews. Drei Mitglieder erzählen, wer sie sind, welche Pferde sie begleiten, warum sie eingestiegen sind und was sich seitdem verändert hat. Es sind drei sehr unterschiedliche Ausgangslagen: ein junges, kerngesundes Pferd, ein 28-jähriger Rentner mit Arthrose und EOTRH, und zwei Friesen im Selbstversorgerstall. Was sie eint, ist weniger die Pferdesituation als eine Haltung: die eigene Komfortzone dosiert zu verlassen, um Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Weltkugel mit Feuerwerk und Konfetti, darauf die Logos von Kernkompetenz Pferd, Röhm, Team-HUF und IVK, darunter der Schriftzug Wir feiern Geburtstag

Ein Detail taucht dabei mehrfach auf: Alle drei waren vorher noch nie live auf Instagram zu sehen. Sich vor die Kamera zu setzen und über das eigene Pferd zu sprechen, war für jede bereits ein Schritt nach draußen.

Drei Pferdemenschen, drei völlig unterschiedliche Ausgangslagen

Ein gesundes Pferd und trotzdem der Wunsch, mehr zu wissen

Margarete ist gelernte Altenpflegerin und hat sich vor einem Jahr als Tierfotografin selbstständig gemacht. Ihr Wallach Embi, ein Andalusier, begleitet sie seit fünf oder sechs Jahren und ist ihr erstes eigenes Pferd. Sie hat ihn angeritten von einer Züchterin gekauft und selbst weiter ausgebildet. Gemeinsam gehen sie vor allem ins Gelände, dazu kommen ein paar Dressurlektionen, die sie sich selbst beigebracht hat, und aktuell die ersten Schritte beim Springen.

Gesundheitlich ist er unauffällig. Ein einziges Thema behält sie im Blick: Vor einigen Jahren hatte er ein geschwollenes Auge, vermutlich durch Fliegen oder Staub. Ansonsten holt er sich hin und wieder eine kleinere Verletzung, die sie selbst versorgen kann. Er tobt über die Weiden, ohne sich dabei je etwas zugezogen zu haben.

Genau das macht ihren Weg ungewöhnlich. Die meisten Menschen kommen in eine Fortbildung, weil sie eine akute Baustelle haben. Ein konkretes Problem, für das eine konkrete Lösung gesucht wird. Wer ein gesundes Pferd hat, priorisiert dagegen ganz anders: Reitkurs, Bodenarbeit, ein neuer Sattel, Urlaub. Es gibt in der Pferdewelt schlicht sehr viele Dinge, für die man Geld ausgeben kann. Margarete wollte trotzdem schon immer alles über Pferde wissen, besonders über Gesundheit, und sie interessierte sich zusätzlich für die Arbeit von Tierärzten. Ihr Satz dazu bringt es auf den Punkt: Sie arbeitet aktiv an der Gesunderhaltung, statt nur Krankheiten zu heilen.

Ein 28-jähriger Wallach, der noch einmal alles umgestellt bekommen hat

Die zweite Interviewpartnerin ist 39, Ingenieurin für Energietechnik und Geschäftsführerin eines Ingenieurbüros. Beruflich hat sie also nichts mit Pferden zu tun, es ist ihr Hobby. Sie reitet, seit sie elf oder zwölf ist, erst in der Reitschule, dann auf Reitbeteiligungen. Jahrelang war sie überzeugt, nie ein eigenes Pferd haben zu wollen, weil die Welt mehr gute Reitbeteiligungen brauche und schon genug Pferdebesitzer habe. Dann lernte sie vor 17 Jahren Ontario kennen und wurde vor drei Jahren seine Besitzerin.

Ontario ist ein Brandenburger Warmblut, 28 Jahre alt, und lebt standesgemäß in Brandenburg vor den Toren Berlins. Er bringt die typischen Themen eines Oldies mit: Arthrose, EOTRH und Augen, die zunehmend trüber werden. Für 28 Jahre, sagt sie, darf das auch so sein. Ein Detail aus dem Gespräch zeigt allerdings, wie schnell sich das drehen kann: Zwanzig Minuten vor dem Interview kam die Nachricht aus dem Stall, dickes Bein, das Pferd lahmt. Bis dahin hätte sie ihn als super fit für sein Alter beschrieben.

Im vergangenen Jahr hat sich für ihn viel verändert. Er lief sein Leben lang auf Eisen, ist inzwischen auf Klebebeschlägen unterwegs und vielleicht bald barhuf. Und er ist umgezogen: Nach zwölf Jahren Paddockbox steht er jetzt im Offenstall. Geritten wird er seit Anfang des Jahres nicht mehr. Stattdessen, sagt sie augenzwinkernd, sei jetzt der Mensch dran, nebenher ums Feld zu joggen, damit nicht das Pferd alles rennen muss.

Zwei Friesen, Selbstversorgerstall, 25 Jahre Offenstall-Erfahrung

Die dritte Stimme kommt aus Mittelfranken in der Nähe von Nürnberg. Sie ist 59, hat einen Bürojob und beschreibt sich selbst als Draußenmensch, nicht als kopfigen Menschen. Ihre beiden Friesen, ein 23-jähriger Senior und ein siebenjähriger Junger, stehen als Selbstversorger im Offenstall, so wie ihre Pferde seit 25 Jahren. Damals war das noch alles andere als selbstverständlich. Dass sich pferdegerechte Haltung mit Offenstall und Paddock Trail inzwischen so durchsetzt, freut sie sichtlich. Wer sich das Thema grundsätzlich erschließen will, findet in unserem Beitrag zur artgerechten Pferdehaltung im Paddock Trail die Grundlagen dazu.

Angefangen hat sie mit zwölf. Und gerade sie beschreibt eine Falle, die mit langer Erfahrung kommt: Je länger man Pferde hat, desto größer die Gefahr zu sagen, das war schon immer so, ich weiß viel, ich weiß mehr als der Rest. Man sitzt dann auf altem Wissen fest. Der Ausweg ist meist Google, und je mehr Social Media dazukommt, desto mehr Anbieter mit Werbeversprechen zeigen einem angeblich die Lösung. Eingestiegen ist sie im vergangenen Herbst und hat keinen Tag bereut, auch wenn der Einstieg ungewöhnlich war: Ihr erstes Format waren die Rauh- und Sperrnächte, ein Reflexionsangebot, und sie fragte sich zunächst, ob sie im falschen Film gelandet sei. Danach saugte sie sich wie ein Schwamm durch die Kurse, allen voran das Thema Body Condition Score, und landete recht schnell im Trainingskurs.

Der Grund für den Fokus auf BCS liegt bei ihr auf der Hand. Mit einem alten und einem jungen Pferd hat man sehr unterschiedliche Voraussetzungen, und Friesen neigen ohnehin zum Dicklichwerden. Ihre eigene Formulierung dazu ist entlarvend ehrlich: Man kann das nicht ewig mit „Ich habe eben ein Barockpferd“ begründen. Wie man den Ernährungszustand systematisch beurteilt, statt nach Gefühl, zeigt der Beitrag zum Body Condition Score beim Pferd.

Warum Fortbildung meistens erst dann passiert, wenn es weh tut

Wer in einen Kurs oder eine Gemeinschaft einsteigt, hat in der Regel eine akute Baustelle. Das Problem drückt, also rutscht die Fortbildung in der Prioritätenliste nach oben. Genau deshalb ist es so schwer, Menschen mit gesunden Pferden zu erreichen: Wenn nichts drückt, gibt es hundert andere Dinge, die attraktiver wirken.

Das ist nachvollziehbar und gleichzeitig ein Denkfehler. Denn die Maßnahmen, die ein Pferd langfristig gesund halten, sind fast alle unspektakulär und wirken erst über Jahre. Sie lassen sich nicht nachholen, wenn die Diagnose schon da ist. Margarete formuliert es als kleine Tipps, die man jeden Tag umsetzt und die eigentlich ganz einfach sein können. Ihr Zusatz ist wichtig, weil er ehrlich ist: Manchmal macht man sich Vorwürfe, wenn die Zeit gefehlt hat oder etwas dazwischenkam. Gesunderhaltung ist keine perfekte Disziplin, sondern eine Richtung.

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Mit 28 noch einmal alles umstellen: Mut zur Veränderung

Der Umzug von Ontario ist die vielleicht eindrücklichste Geschichte der drei Interviews. Ein 28-jähriges Pferd, das zwölf Jahre in einer Paddockbox gelebt hat, zieht in den Offenstall. Die Reaktionen aus dem Umfeld waren erwartbar: Wie kann man ihm das in dem Alter noch antun? Auch in der KKP Welt selbst gab es Stimmen, die in diesem Alter nicht mehr damit anfangen würden.

Sie hat vorher gefragt, Erfahrungen gesammelt und dann bewusst entschieden. Ein wichtiger Punkt war die Fallhöhe: Der Umzug fand innerhalb desselben Stalls statt, hundert Meter weiter, mit Rückkehroption. Denn ehrlicherweise kann so ein Schritt auch schiefgehen. Wenn die Herdenkonstellation nicht passt, die Bodenbefestigung mangelhaft ist oder die Futterstände nicht ausreichen, kann das ein harter Ritt werden. Und wenn sich ein Pferd nicht integriert, wird es unangenehm.

Das Ergebnis spricht für sich. Vorher stand er abends häufig am Tor: Können wir noch was machen? Heute sieht er sie gehen und hat schlicht anderes zu tun. Er hat jetzt seine Hobbys. Mit einem GPS-Tracker hat sie nachgemessen, wie viel er sich tatsächlich bewegt, und festgestellt, dass er eben nicht die ganze Zeit an der Heuraufe steht, sondern seine Spazierrunden dreht. Der nächste Schritt steht schon auf der To-do-Liste: mehr Bewegungsanreize im Offenstall. Der GPS-Tracker gehört übrigens zur Ausstattung, die reihum verliehen wird, sodass man das Bewegungsverhalten des eigenen Pferdes einmal messen kann, ohne selbst ein Gerät kaufen zu müssen.

Diese Erfahrung ist kein Einzelfall. Bei einem begleiteten Umbau vom Boxenstall zum Paddock Trail sagte der Stallbesitzer, ein Mann jenseits der 60 und vom alten Schlag, nach einem halben Jahr einen Satz, der hängen bleibt: Er habe gedacht, er wisse genau, wie Pferde sind, er habe alles gesehen und kenne seine Pferde. Und jetzt habe er sie ganz neu kennengelernt. Sie seien nie sie selbst gewesen, immer irgendwie gedeckelt und runtergedimmt. Dass sie plötzlich selbst entscheiden, sich frei bewegen und aufblühen, hat ihn tief getroffen, weil er sie 40 Jahre lang anders gehalten hatte.

Kleine Schritte statt Großprojekte

Ein Muster zieht sich durch alle drei Gespräche: Die großen Veränderungen sind nie als große Veränderung gestartet. Sie sind das Ergebnis vieler kleiner Schritte über einen langen Zeitraum.

Die Ingenieurin beschreibt das genau so. Wenn sie heute spontan aufzählen sollte, was sich in zwei Jahren verändert hat, käme sie nicht weit. Erst wenn man zurückgeht und schaut, welche Themen es überhaupt alles gab, wird sichtbar, wie viel sich angesammelt hat. Jede einzelne Sache war eine Kleinigkeit. Genau das ist der Trick. Wer Riesenschritte plant, hat nach drei Wochen keine Lust mehr. Wer jeden Monat eine Kleinigkeit umsetzt, hat am Ende eine Großigkeit, ohne dass es unterwegs wehgetan hätte.

Bei ihr sieht das konkret so aus: Gewicht halten im Winter, was bei einem Oldie herausfordernd ist. Regelmäßige Zahnkontrolle, zweimal im Jahr fest eingeplant. Ihr Pferd steht regelmäßig auf der Waage, die Zufütterung wird rechtzeitig hochgesetzt, er wird früh eingedeckt, weil er die Körpertemperatur sonst nicht mehr halten kann. Vor zwei Jahren hatte er nach dem Winter deutlich abgebaut, das soll sich nicht wiederholen. Wer selbst gerade an dieser Baustelle steht, findet im Beitrag über alte Pferde gesund erhalten die tiermedizinische Einordnung dazu.

Dazu kommen Trainingsziele, auch bei einem 28-Jährigen. Sie hat Lust, mit ihm die Piaffe zu erarbeiten. Ihr ist völlig klar, dass sie da vermutlich nie ganz ankommen werden. Aber eine Idee vor Augen zu haben und daraus die nächsten Schritte abzuleiten, verändert das tägliche Tun. Man fängt nicht von heute auf morgen an zu piaffieren, man macht den ersten Schritt.

Was Wissen im Gespräch mit dem Tierarzt verändert

Ein Effekt, den alle drei beschreiben, hat nichts mit Selbstbehandlung zu tun, sondern mit Kommunikation. Wer das Hintergrundwissen hat, stellt andere Fragen, kann die Antworten einordnen und trifft am Ende bessere Entscheidungen.

Margarete bringt hier ihre Erfahrung aus der Altenpflege ein, und das ist eine der klügsten Passagen des Gesprächs: Man nennt dem Tierarzt keine Diagnose. Man sagt Verdacht auf dieses oder jenes und schildert die beobachteten Symptome und die gemessenen Vitalwerte. Die Einschätzung bleibt beim Tierarzt. Was sie selbst dadurch gewinnt, ist die Fähigkeit, vorher einzuordnen: Muss ich jetzt in Panik verfallen oder kann ich ruhig bleiben? Und selbst bei etwas so Banalem wie einer Impfung oder Zahnkontrolle konnte sie mitreden und ihre Einschätzung geben, was den Tierärzten Zeit gespart hat, weil sie weniger nachfragen mussten.

Die Rückmeldungen aus der Gemeinschaft gehen in dieselbe Richtung. Immer wieder erzählen Mitglieder, dass sie in der Klinik gefragt wurden, ob sie aus dem medizinischen Bereich kommen, weil sie so spezifische Fragen gestellt haben. Man muss nicht alle Antworten kennen. Aber mit Hintergrundwissen fragt man detaillierter und genauer, und das führt am Ende zu einem besseren Ergebnis für das Pferd.

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Reflexion: das unterschätzte Werkzeug

Fachwissen ist der Grund, warum fast alle einsteigen. Interessant ist, dass es bei keiner der drei der einzige Hebel geblieben ist. Die Ingenieurin nennt Reflexion als den Punkt, der für sie über das Pferdemenschenleben hinaus wirkt. Der Stammtisch gehört dazu, vor allem aber die Sperrnächte am Jahresende, bei denen man sich hinsetzt und zurückblickt: Was ist gut gelaufen, was nicht, und wo standen wir eigentlich vor einem Jahr?

Daraus folgt der zweite Teil, das Zielesetzen. Das Pferderad ist so ein Format. Gerade im Hobbybereich, wo niemand auf Turniere fährt und es keine externen Termine gibt, die Struktur erzwingen, lassen sich viele einfach treiben. Zu wissen, was das eigene Ziel ist und in welchem Bereich, verändert das komplett.

Dabei geht es weniger um das Format selbst als um die verbindliche Stunde. Wer das Pferderad zum fünften Mal ausfüllt, weiß längst, wie es geht, und könnte es allein machen. Der Punkt ist, dass man sich die Zeit nur dann wirklich nimmt, wenn andere mit am Tisch sitzen. Wir wissen ja alle, was wir tun sollten. Wir tun es nur leider so häufig nicht. Und genau da setzt ein gemeinsamer Termin im Kalender an. Ein zweiter Vorteil kommt dazu: Bei den Live-Terminen kann man Fragen stellen und wird mit den Aufgaben nicht allein gelassen.

Drei Mitglieder, drei völlig unterschiedliche Nutzungsmuster

Was in den Interviews besonders auffällt: Alle drei nennen Fachwissen als Basis, nutzen die Formate aber komplett unterschiedlich.

  • Margarete hört jeden Monat den Vortrag zum Hauptthema und die Fragestunde, live oder als Aufzeichnung, und holt bei Bedarf nach. Sie liest jeden einzelnen KKP-Moment, auch wenn sie selten selbst kommentiert.
  • Die Ingenieurin beschreibt Fachwissen plus Austausch als Basis, ihren eigentlichen Hebel aber in den Reflexionsformaten und im Zielesetzen.
  • Die Selbstversorgerin nennt vor allem das wissenschaftlich belegte Fachwissen und die beiden Leserunden, kommt aber als Vollzeitberufstätige mit eigenem Stall regelmäßig an ihre Zeitgrenze.

Der letzte Punkt verdient Beachtung, weil er in Fortbildungskontexten selten so klar ausgesprochen wird. Ihre Erkenntnis lautet: Man muss sich fokussieren und auswählen. Manchmal ist es eben doch der Koppelzaun und nicht die Leserunde oder der Yogaabend. Bei einem großen Angebot aktiv wegzulassen, ist vermutlich die größte Kunst, und sie bringt einen weiter als der Versuch, überall dabei zu sein. Dass die Aufzeichnungen bleiben, macht diese Entscheidung überhaupt erst möglich.

Die KKP-Momente sind ein eigenes Kapitel. Manche nennen sie Gold- oder Aha-Momente. Dort teilen Mitglieder, wenn etwas gut gelaufen ist, wenn sie etwas gelernt hat oder etwas sie überrascht hat. Man liest zwischen den Zeilen die Begeisterung für das Pferd und für die Sache. Gerade an einem schlechten Tag ist das erquickend. Ähnlich funktioniert der Bildbereich, den eine der Interviewten so beschreibt: ein bisschen wie Instagram, nur besser. Mit besserer Laune und ausschließlich Pferden.

Wenn Wissen zur bewussten Verantwortung wird

Der ehrlichste Moment der Interviews kommt von der Selbstversorgerin aus Mittelfranken. Sie beschreibt, dass Wissen nicht nur befreit. Wer viel weiß, sieht auch viel, auch bei anderen. Und man hat keine Ausrede mehr. Ihr Beispiel: Sie weiß, dass ihr Pferd zu dick ist, und sie weiß, was zu tun ist. Das Einfachste ist Futter, anderes Heu, das ist schnell umgesetzt. Aber Bewegung, Arbeit und Training sind eine andere Nummer. Nicht weil sie kompliziert wären, sondern weil sie bedeuten: Ich muss mich jetzt aufs Pferd setzen und vernünftig arbeiten, statt nur festzustellen, dass er zu dick ist.

Sie ringt selbst um das richtige Wort und landet bei: Es gibt einem eine Verantwortung, die man dann aufgreifen muss. Das ist präzise. Die Verantwortung ist ohnehin da, sobald man ein Pferd hat. Nichtwissen schützt nicht vor Strafe. Der Unterschied ist, ob man sie bewusst trägt oder nicht. Bewusst getragene Verantwortung fühlt sich anfangs schwerer an. Genau das ist aber Teil der Reise.

Dahinter steckt eine Stufenlogik. Der erste Schritt ist Beruhigung: Ich habe Wissen und Werkzeuge, ich muss nicht bei jeder Kleinigkeit in Panik geraten. Der zweite Schritt geht darüber hinaus und heißt Selbstführung. Ich bin selbstsicher, weil ich vieles mit den eigenen Händen gemacht und daraus Erfahrung gesammelt habe, und kann mich in Fragen der Pferdegesundheit selbst führen. Das ist ein anderer Zustand als beruhigt sein.

Rechnet sich Fortbildung überhaupt?

Die Antwort der Selbstversorgerin auf die Kostenfrage ist entwaffnend pragmatisch: Es kostet nicht mehr als ein Fitnessstudio, in das man auch nicht jeden Tag geht. Unterm Strich spare es sogar Geld.

Ihre Begründung ist konkret und hat nichts mit Rechentricks zu tun. Man kauft nicht mehr jedes Futtermittel. Man fällt nicht mehr auf jedes Werbeversprechen herein. Man weiß, wann man den Tierarzt anruft, und ruft ihn dadurch zum richtigen Zeitpunkt. Und weil man den Termin vorbereitet und alle Infos und Werte parat hat, muss er unter Umständen einmal weniger kommen. Wer schon einmal eine Kiste ungenutzter Ergänzungsfuttermittel im Schrank stehen hatte, weiß, wie schnell sich solche Beträge summieren.

Kursgrafik Der Sehnenkurs mit den Stichworten Verstehen, Erkennen, Therapie und Reha, daneben Dr. Veronika Klein beim Abtasten einer Pferdevorderhand

Wie tief die Fachthemen gehen, zeigt der aktuelle Monatsschwerpunkt: ein kompletter Sehnenkurs von Verstehen und Erkennen über Therapie bis zur Reha, mit zwei Gastdozenten, darunter ein Tierarzt mit einem Vortrag zu Sehnentherapien.

Für wen das Ganze gedacht ist

Zum Schluss wurde jede gefragt, wem sie den Einstieg empfehlen würde. Die Antworten fielen erstaunlich einheitlich aus, mit jeweils eigener Begründung.

Margarete sagt: eigentlich allen Pferdebesitzern. Ihr Argument geht über das einzelne Pferd hinaus. Je besser Reiter und Pferdebesitzer gebildet sind, desto besser wird auch der Stall, in dem sie ihr Pferd unterstellen. Sie beschreibt eine Region, in der es kaum passende Ställe gibt, in der viele als Selbstversorger unterwegs sind und jeder macht, wie er denkt. Auch Stallbesitzer wissen manchmal viel, scheitern aber an der Umsetzung. Da geht Potenzial verloren.

Die Ingenieurin fasst es anders: alle Pferdemenschen, die sich mit „Das haben wir schon immer so gemacht“ nicht zufriedengeben. Wen dieser Satz triggert, der ist richtig. Die Selbstversorgerin nennt vor allem Menschen, die viel Verantwortung tragen, weil sie Selbstversorger sind oder in Strukturen stecken, in denen niemand mit echter Ahnung die Fäden zieht. Aber auch die, die in konventionellen Ställen stehen und einfach mal den Impuls brauchen, dass es auch anders geht.

Ausdrücklich eingeschlossen sind Reitbeteiligungen. Sie sind die Pferdebesitzer von morgen, und einige nutzen die Inhalte für ihr Beteiligungs- oder Schulpferd. Es gibt keine Beschränkung darauf, ein oder zwei eigene Pferde zu haben. Es sind sogar Mitglieder dabei, deren alte Pferde gestorben sind und die trotzdem bleiben, weil man sich nach Jahren mit Namen und Gesicht kennt.

Was sich die Mitglieder für das dritte Jahr wünschen

Am Ende jedes Interviews stand die Frage nach Wünschen. Die Sammlung ist ein guter Querschnitt dessen, was Pferdemenschen aktuell umtreibt.

  1. Weitere Gastdozenten. Genannt wurde unter anderem Anja Beran und ihre Arbeit zur gesunderhaltenden Dressurarbeit, bei der schwierige, teils abgeschobene Pferde allein über klassische Lektionen so weit aufgebaut wurden, dass man sie wieder normal reiten konnte.
  2. Wissenschaftlich bleiben. Der Wunsch, dass Inhalte belegt und nicht nur behauptet sind. Das kommende Jahr ist als Tierärzte-Jahr geplant.
  3. Pferdehaltung als Schwerpunkt, samt einer Ideen-Challenge: Jeder bringt Ideen ein, wie sich Paddocks und Ställe mit den vorhandenen Mitteln verbessern lassen, und alle dürfen bei den anderen abschauen.
  4. Das Thema Schlaf. Ausgelöst durch den Umzug eines alten Pferdes in den Offenstall mit drei Kumpels und die Frage, ob dort sicher geschlafen werden kann. Für dieses Thema gibt es bereits einen Gastvortrag aus dem Schlaflabor in Lüsche im Trainingskurs.
  5. Ein weiteres Live-Treffen, dazu ein Buchklub mit Conny Röhm und, mit einem Augenzwinkern eingebracht, eine Kakao-Zeremonie.

Ein wichtiger Punkt kam bei der Frage nach Dozenten auf: Es reicht nicht, fachlich exzellent zu sein. Der Vortrag muss für Pferdebesitzer aufgearbeitet sein, nicht für Fachpersonal, und auch dann verständlich bleiben, wenn man von den Fachbegriffen keine Ahnung hat. Das deckt sich mit einer Erfahrung aus dem tierärztlichen Alltag: Fortbildungen für Tiermedizinische Fachangestellte waren oft nützlicher als reine Tierärztefortbildungen, weil sie einfacher erklärt sind und man das Gelernte eins zu eins draußen in der Praxis anwenden kann. Reine Wissenschaftsvorträge sind spannend, lassen sich aber oft schlecht umsetzen. Deshalb gehören Theorie- und Praxisteil zusammen.

Im Live-Chat kamen zusätzlich fachliche Zwischenfragen, etwa zu Polydipsie und Polyurie, also vermehrtem Trinken und Harnabsatz. Zu diesem Symptomkomplex gibt es bislang keinen eigenen Schwerpunkt, wohl aber zu den Erkrankungen dahinter. Zum Thema Hormone und Rosseprobleme gab es dagegen ein ganzes Monatsthema mit der Tierärztin Jutta Sielhorst.

Was nach zwei Jahren bleibt

Gefragt nach drei Worten für die KKP Welt kamen drei sehr unterschiedliche Antworten. „Pferde, Community und Wissenserweiterung.“ „Mut zu Veränderung“, und zwar auf jegliche Art. Und schließlich zwei Vorschläge, weil die Entscheidung schwerfiel: „Wissen, Austausch, Respekt“ oder „ins Tun kommen“.

Besonders die letzte Formulierung trifft den Kern. Wissen, Sicherheit und Selbstständigkeit entstehen nicht durch Lesen und nicht durch Zuhören, sondern nur dadurch, dass man die Impulse tatsächlich ausprobiert. Die Inhalte sind heute fast alle irgendwo im Internet zu finden. Der Unterschied liegt nicht im Zugang zur Information, sondern darin, ob man das Pferderad wirklich ausmalt, sich den Tracker wirklich ausleiht, wirklich einmal ehrlich hinschaut.

Und das gelingt offenbar besser mit Rückenwind. Der Bereich, in dem Mitglieder Fotos und Videos teilen, ist dafür ein gutes Beispiel. Beim ersten eigenen Reitvideo denkt man noch, das sieht bestimmt blöd aus, und stellt es trotzdem rein. Ein paar Runden später ist es selbstverständlich. Selbst beim Body-Condition-Score-Monat, einem emotional heiklen Thema, haben viele ihre Fotos geteilt. Und es blieb durchweg sachlich, wohlwollend und unterstützend. Es musste kein einziger Kommentar moderiert werden. Denn allein das Wahrnehmen des tatsächlichen Ernährungszustands ist schon ein wichtiger Schritt.

Zwei Jahre KKP Welt heißen also nicht in erster Linie: zwei Jahre Kursbibliothek. Sie heißen: ein 28-jähriges Pferd, das noch einmal umgezogen ist. Eine Reiterin, die selbst ins Fitnessstudio gegangen ist, weil sie den Puls ihres Pferdes getrackt hat und dann den eigenen. Eine erfahrene Pferdefrau, die nach Jahrzehnten noch einmal das eigene Wissen hinterfragt hat. Und drei Menschen, die sich zum ersten Mal live vor eine Kamera gesetzt haben, um davon zu erzählen. Kernkompetenz Pferd geht 2027 ins zehnte Jahr. Was dort passiert, entscheiden diese Wünsche mit.

Häufige Fragen

Ja, und zwar besonders. Die meisten steigen erst ein, wenn eine akute Baustelle drückt. Maßnahmen zur Gesunderhaltung wirken aber über Jahre und lassen sich nicht nachholen, wenn die Diagnose schon da ist. Eine der Interviewten hat ein weitgehend gesundes Pferd und arbeitet bewusst an der Gesunderhaltung, statt später Krankheiten zu behandeln.

Es kann funktionieren, ist aber kein Selbstläufer. Entscheidend sind Herdenkonstellation, Bodenbefestigung und ausreichend Futterplätze. Im geschilderten Fall lag der Offenstall hundert Meter weiter im selben Betrieb, es gab also eine Rückkehroption. Das Pferd ist heute deutlich zufriedener und bewegt sich messbar mehr.

Nenne keine Diagnose, sondern formuliere einen Verdacht und schildere die beobachteten Symptome sowie gemessene Vitalwerte. Die Einordnung bleibt beim Tierarzt. Mit Hintergrundwissen fragst du präziser nach und kannst die Antworten besser einordnen, was am Ende zu besseren Entscheidungen für dein Pferd führt.

Ja. Reitbeteiligungen sind ausdrücklich willkommen und nutzen die Inhalte für ihr Beteiligungs- oder Schulpferd. Es gibt keine Voraussetzung, ein eigenes Pferd zu besitzen. Es sind sogar Mitglieder dabei, deren Pferd gestorben ist und die trotzdem bleiben.

So viel oder so wenig, wie in deinen Alltag passt. Eine Vollzeitberufstätige mit Selbstversorgerstall beschreibt bewusstes Auswählen als wichtigste Fähigkeit: Manchmal ist der Koppelzaun eben wichtiger als die Leserunde. Weil es Aufzeichnungen gibt, lässt sich vieles nachholen.

Nach Erfahrung einer langjährigen Pferdebesitzerin spart sie unterm Strich Geld. Man kauft nicht mehr jedes beworbene Futtermittel, erkennt Werbeversprechen als solche und ruft den Tierarzt zum richtigen Zeitpunkt. Gut vorbereitete Termine mit dokumentierten Werten können außerdem Folgebesuche ersparen.

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