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Pferdetraining auf Island: Vorbild oder überholt?

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Inhaltsverzeichnis

be­en­here

Das Wichtigste in Kürze

» Natürliche Trittsicherheit: Die Aufzucht in den is­län­di­schen Bergen und ge­misch­ten Herden schult Koordination und Sozialverhalten bes­ser als jede Reithalle.
» Training mal an­ders: „Rekstur“ (das Treiben ei­ner frei­en Herde) ist eine ef­fek­ti­ve Trainingsmethode für Fitness und Motivation, die wir uns ab­schau­en kön­nen.
» Gesundheits-Alarm: Zivilisationskrankheiten wie Magenprobleme und eine mas­si­ve Zunahme von Sehnenschäden (bis zu 50 %) zei­gen, dass auch Islandpferde mo­der­nes, bio­me­cha­nisch kor­rek­tes Training benötigen.


Wintertraining und Islandpferde: Was wir vom hohen Norden lernen können (und was besser nicht)

Island – das Land der Träume für vie­le Pferdemenschen. Weite Landschaften, wil­de Herden und die­se ganz be­son­de­re Energie. Doch wie sieht der Alltag dort wirk­lich aus, be­son­ders im har­ten Winter? In der ak­tu­el­len Podcast-Folge habe ich mit Merle ge­spro­chen. Sie ist Physiotherapeutin, Osteopathin und Trainerin, lebt seit 1999 auf Island und kennt die Insel wie ihre Westentasche. Gemeinsam ha­ben wir hin­ter die Kulissen ge­schaut: Was läuft dort ge­ni­al für Islandpferde, und wo müs­sen wir drin­gend umdenken?

Merles Geschichte be­ginnt üb­ri­gens ganz klas­sisch mit ei­nem „Bauchgefühl-Moment“. Statt im si­che­ren Job als Hörgeräteakustikerin zu blei­ben, flog sie 1999 spon­tan für ei­nen Job auf ei­nem Bauernhof nach Island – und blieb. Heute ver­bin­det sie das tra­di­tio­nel­le Wissen der Insel mit mo­der­ner Biomechanik und Tensegrity-Training.

Ein Leben auf der Insel aus Feuer und Eis

Wenn wir an Island den­ken, ha­ben wir oft ro­man­ti­sche Bilder im Kopf. Und ja, Merle be­stä­tigt: Das Gefühl, dort „nach Hause zu kom­men“, ist ma­gisch. Aber der Winter ist hart, und das Pferdetraining muss sich den Gegebenheiten an­pas­sen. Doch ge­nau die­se rau­en Bedingungen ha­ben das Islandpferd zu dem ge­macht, was es ist. Aber ist heu­te noch al­les so ur­sprüng­lich wie frü­her? Nicht ganz. Lass uns zu­erst auf die Dinge schau­en, die wir uns de­fi­ni­tiv ab­schau­en sollten.

3 Dinge, die Islandpferde so besonders robust machen

Es gibt Aspekte der is­län­di­schen Pferdehaltung, die Gold wert sind für die phy­si­sche und psy­chi­sche Gesundheit der Tiere.

1. Die Aufzucht im Bergland

In Deutschland wach­sen Fohlen oft in gleich­alt­ri­gen Gruppen auf fla­chen Weiden auf. Auf Island? Da geht es im Sommer ab in die Berge – auf 9000 Hektar Land. Die Jungpferde müs­sen klet­tern, Bäche durch­que­ren und sich in un­ebe­nem Gelände be­we­gen. Das Ergebnis: Exzellente Trittsicherheit und na­tür­li­che Bemuskelung. Sie ler­nen, wo ihre Beine sind, lan­ge be­vor der ers­te Mensch auf ih­nen sitzt.

  • Learning für uns: Auch wenn wir kei­ne Berge ha­ben, kön­nen wir Paddock Trails oder un­ebe­ne Untergründe nut­zen, um die Koordination zu fördern.

2. Echte Sozialkompetenz

In den rie­si­gen Sommerweiden bil­den sich na­tür­li­che Kleingruppen. Die Pferde ler­nen Sozialverhalten von der Pike auf – von der stren­gen Leitstute bis zum spie­len­den Jährling. Das macht sie spä­ter im Umgang oft fei­ner und kla­rer in der Kommunikation. Ein blo­ßes Zucken des Ohres reicht oft schon als Signal.

3. Anpassungsfähigkeit

Isländer sind Meister im Energiesparen, kön­nen aber auf Knopfdruck Leistung brin­gen. Diese Robustheit ist be­wun­derns­wert, darf aber – wie wir gleich se­hen wer­den – nicht aus­ge­nutzt wer­den. Gerade im Winter müs­sen wir bei un­se­ren al­ten Pferden hier­zu­lan­de gut auf­pas­sen, dass sie fit blei­ben, da un­se­re Haltung oft we­ni­ger Bewegungsanreize bietet.

Training auf Isländisch: “Rekstur” und die Kraft der Natur

Ein Begriff, den du dir mer­ken soll­test, ist „Rekstur“. Das be­zeich­net das Treiben ei­ner frei­lau­fen­den Herde von Pferden (oft be­glei­tet von ei­nem Reiter oder heu­te auch Quads). Die Pferde lau­fen meh­re­re Kilometer in der Gruppe frei vorwärts.

Warum das ge­ni­al ist?

  • Pure Bewegungsfreude: Die Pferde ha­ben Spaß in der Gruppe.
  • Biomechanik: Sie be­we­gen sich frei ohne Reitergewicht, was den Rücken ent­las­tet und den Stoffwechsel ankurbelt.
  • Gelände nut­zen: Statt in der Halle Kreise zu zie­hen, wird das Training ins Gelände ver­legt. Bergauf, berg­ab, har­ter Boden, wei­cher Boden – die Umgebung trai­niert das Pferd mit.

Das ist eine wun­der­ba­re Inspiration für uns: Öfter mal ab­stei­gen, das Pferd als Handpferd mit­neh­men oder – wo mög­lich – kon­trol­lier­tes Freilaufen auf gro­ßen Flächen nutzen.

Die Schattenseite: Wenn das Pferd zum „Motorrad“ wird

Doch Merle räumt auch mit der Romantik auf. Es gibt Dinge auf Island, die kri­tisch zu be­trach­ten sind. Das Pferd wird dort tra­di­tio­nell oft noch als Nutztier ge­se­hen – fast wie ein Motorrad. Es wird raus­ge­holt, wenn man Spaß ha­ben will, und wenn es nicht funk­tio­niert, „ist der Gaul halt blöd“.

Das Fütterungs-Problem

Früher über­leb­ten die Pferde im Winter drau­ßen ohne Zufütterung – eine har­te na­tür­li­che Auslese. Heute wird (zum Glück) zu­ge­füt­tert. Das Problem: Die Pferde ha­ben ge­ne­tisch im­mer noch den Drang, sich für den Winter Fett an­zu­fres­sen. Da sie aber durch­ge­füt­tert wer­den und oft in rie­si­gen Herden (30–60 Pferde) ste­hen, ent­ste­hen neue Probleme:

  • Übergewicht: Die Pferde neh­men im Winter nicht mehr na­tür­lich ab.
  • Magenstress: In den gro­ßen Futtergruppen herrscht oft Unruhe. Studien zei­gen be­reits bei Jungpferden, die frisch von der Weide kom­men, Anzeichen von Magenproblemen.

Tradition vs. Moderne Reiterei

Ein Satz, den Merle oft hört: „Das ha­ben wir im­mer schon so ge­macht.“ Doch das Reiten hat sich ver­än­dert. Früher lie­fen die Pferde frei­er, heu­te wer­den sie oft in eine Form ge­presst, die hohe Aufrichtung und spek­ta­ku­lä­re Gänge ver­langt. Das Problem da­bei? Die Trainingsmethoden sind oft noch die al­ten (ein­fach drauf und los), wäh­rend die Anforderungen an den Pferdekörper ge­stie­gen sind.

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Alarmstufe Rot: Warum Sehnenprobleme beim Isländer explodieren

Ein scho­ckie­ren­der Fakt aus dem Gespräch: War frü­her ein Sehnenschaden beim ro­bus­ten Isländer eine Seltenheit, spre­chen ak­tu­el­le Erhebungen (u.a. von der Uni Zürich) da­von, dass mitt­ler­wei­le bis zu 50 % der Islandpferde Probleme mit den Sehnen haben.

Woran liegt das?

  1. Zucht: Die Pferde wer­den im­mer be­weg­li­cher und „gum­mi­ball-ar­ti­ger“ gezüchtet.
  2. Training: Diese hy­per­mo­bi­len Pferde brau­chen Stabilität. Wenn sie aber wie die al­ten, sta­bi­len Typen ein­fach nur „ge­rit­ten“ wer­den, ohne ge­ziel­tes Rumpftraining, ma­chen die Strukturen schlapp.
  3. Aufzucht: Auch auf Island wer­den Fohlen teils frü­her auf­ge­stallt oder ha­ben we­ni­ger Bewegung als frü­her, was das Grundgewebe schwächt.

Das zeigt uns ganz deut­lich: Ein Islandpferd ist kein Selbstläufer. Es braucht ge­nau­so ei­nen durch­dach­ten Trainingsplan wie ein Warmblut. Wenn wir Sehnenschäden ver­mei­den wol­len, müs­sen wir weg vom „Draufsetzen und Tölten“ hin zu ech­tem, funk­tio­nel­lem Training. Du willst mit Merle zu­sam­men­ar­bei­ten? Unter die­sem Link kannst du dich an­mel­den. Viel spaß!

Fazit: Was wir für unser Training mitnehmen können

Merles Appell ist klar: Wir brau­chen ei­nen Mittelweg.

  • Weg von der „Verhätschelung“ (Pferd in Watte packen).
  • Weg von der „Nutzung als Sportgerät“ (Motorrad-Denke).
  • Hin zu ei­nem fai­ren Miteinander, bei dem wir ge­nau hin­schau­en: Was braucht die­ses in­di­vi­du­el­le Pferd?

Islandpferde kom­mu­ni­zie­ren ex­trem fein. Wenn sie „laut“ wer­den (Widersetzlichkeit), ha­ben wir meist schon zehn lei­se Signale über­se­hen. Tensegrales Training und ge­naue Blickschulung hel­fen da­bei, die­se fei­nen Signale wie­der wahrzunehmen.

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Häufige Fragen zum Islandpferd und Training

Was ist „Rekstur“ beim Islandpferd?

Rekstur be­zeich­net das tra­di­tio­nel­le Freilaufenlassen ei­ner Pferdeherde in Island. Dabei wer­den die Pferde (ohne Reiter) über meh­re­re Kilometer ge­trie­ben. Dies för­dert die na­tür­li­che Bewegungsfreude, die Trittsicherheit und die Grundkondition, ohne das Reitergewicht den Rücken belastet.

Warum ha­ben Islandpferde oft Magenprobleme, ob­wohl sie ro­bust sind?

Die Umstellung von klei­nen Gruppen in der frei­en Natur auf oft sehr gro­ße Winter-Herden (30–60 Pferde) mit Futterkonkurrenz er­zeugt Stress. Zudem wer­den mo­der­ne Islandpferde oft en­er­gie­rei­cher ge­füt­tert, was in Kombination mit Stress zu Magenschleimhautreizungen füh­ren kann.

Sind Islandpferde an­fäl­li­ger für Sehnenschäden?

Früher wa­ren sie es nicht, heu­te lei­der ja. Studien deu­ten dar­auf hin, dass fast 50 % der Islandpferde Sehnenprobleme ent­wi­ckeln. Der Grund liegt oft in der Zucht auf ex­tre­me Beweglichkeit bei gleich­zei­tig ver­al­te­tem Training, das zu we­nig auf Rumpfstabilität und kor­rek­te Biomechanik achtet.

Brauchen Islandpferde im Winter Decken?

Das kommt auf die Haltung und das Training an. Ein Islandpferd im vol­len Winterfell, das ro­bust ge­hal­ten wird, braucht meist kei­ne Decke. Wird es je­doch in­ten­siv trai­niert und schwitzt stark, oder ist es alt bzw. krank, kann eine Decke not­wen­dig sein, um Auskühlung und Muskelverspannungen zu verhindern.

Wie un­ter­schei­det sich die Aufzucht auf Island von Deutschland?

In Island ver­brin­gen Jungpferde den Sommer oft in rie­si­gen, ber­gi­gen Gebieten in ge­misch­ten Herdenverbänden weit­ge­hend ohne Menschenkontakt. Dies schult Trittsicherheit, Bemuskelung und Sozialverhalten ex­trem gut. In Deutschland feh­len oft die rie­si­gen Flächen und das an­spruchs­vol­le Gelände für die­sen na­tür­li­chen Trainingseffekt.

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Dr. Veronika Klein

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