Entwurmung mit Plan

Zum Jahresbeginn besprechen wir etappenweise nochmal mein 4-Phasen-Modell für mehr Pferdegesundheit. In der ersten Phase geht es um das gesunde Pferd und die Gesundheitsförderung, welche Vorsorgemaßnahmen sind sinnvoll und sollten geplant werden für das Jahr? Dazu zählen die Impfungen, Sattelkontrollen und auch die Entwurmungsstrategie, um die es in dieser Podcastepisode gehen wird. 

Die 2.Phase beschäftigt sich mit dem gesunden Risikopatienten und der Prävention, wie kann ich die Risikofaktoren Mensch, Pferd und Umwelt einschätzen und das Risiko einer Erkrankung bei bestehendem Risiko minimieren? Darüber werden wir dann im Februar sprechen. 3. Phase – das kranke Pferd – Symptome erkennen und Erste Hilfe Maßhnahmen einleiten und zu guter Letzt die 4. Phase Rehabilitation – der genesene Risikopatient – du hast das Go von Tierarzt wieder loslegen zu dürfen, aber wie genau geht das? Dazu kommen wir dann in ein paar Wochen.

Du trägst die Verantwortung für die Gesundheit deines Pferdes und solltest dich daher am Anfang des Jahres mit Vorsorgenmaßnahmen, die im laufe des Jahres durchzuführen sind auseinandersetzten. 

Heute also die Entwurmungsstrategien. Welche Endoparasiten kennst du überhaupt? Gegen was entwurmen wir den genau? Häufig lautet die  Antwort „na Würmer halt“ – aber so einfach ist die Antwort jedoch nicht. Wir schauen uns mal die wichtigsten an, dazu zählen

Endoparasiten des Pferdes

1) der Zwergfadenwurm – den nenne ich immer als erstes, denn er tritt auch als erstes im Pferdeleben auf – nämlich bei den Saugfohlen, da er mit der Muttermilch übertragen wird.  Empfohlen wird die Mutterstute zu entwurmen vor der Geburt, um eine Übertragung zu minimieren. 

2) der Spulwurm – nach dem Fohlenalter, wird der Befall mit Spulwürmern relevant, also bei Absetzern bis zum Jungpferd, danach haben die meisten Pferde wiederum eine Immunität ausgebildet und daher spielt er im späteren Leben eigentlich keine Rolle mehr. Bei Jungpferden kann er aber sehr große Probleme verursachen und zu einem Wurmileus, also einer Verstopfung des Darmrohrs mit Würmern zur Folge haben, die Pferde koliken stark und müssen meist operiert werden. Vielleicht kennst du das Video der Kolik-OP, bei der ein Stück Darm aufgeschnitten wird und jede Menge weiße Würmer herausquillen. Dabei können es tote Würmer sein, nämlich nach einer Wurmkur, aber auch lebendige. Ich habe beides schon gesehen in der OP in meiner Klinikzeit und es ist wirklich abscheulich! Bei einem Nachweis von Spulwurmeiern, auch wenn es nur eins ist, wird immer entwurmt und am besten auch gleich der gesamte Bestand.

3) die kleinen Strongyliden – die leben im Dickdarm und ihre Larven nisten sich in der Darmwand ein (Ruhestadium). Bei massenhaften auswandern aus der Darmwand im Frühjahr kann es zur larvalen Cyathostominose kommen, einer sehr ernsthaften Durchfallerkrankung, da die Darmwand durch die Bohrlöcher massiv geschädigt ist. Ansonsten richten diese Parasiten allerdings wenig Schaden an und ein geringer Befall stimuliert das Immunsystem und wird als positiv bewertet. Daher entwurmt man gegen kleine Strongyliden auch nur, wenn der Schwellenwert von 200 epg erreicht ist. Aber dazu später mehr.

3) die großen Strongyliden, sind inzwischen Gott sei dank kaum noch nachweisbar, die früher strenge Entwurmung von allen Pferden 4 mal im Jahr, hat diese Wurmart stark zurückgedrängt und das ist auch gut so, denn diese Wurmart wandert munter durch den ganzen Körper, schädigt massiv die inneren Organe und führte früher häufig zum Tod der Pferde. Heute machen sie aber weniger als 1% in Deutschland aus und daher macht es auch Sinn die Entwurmungsstrategie zu wechseln. Sollte allerdings große Strongyliden gefunden werden in der Untersuchung muss entwurmt werden, auch hier am Besten alle Pferde in der Herde. Das tükische die Eier sind nicht zu unterscheiden von kleinen und  großen Strongyliden, möchte man also wissen um welche Art von Strongyliden es sich handelt muss eine Larvenanzucht durchgeführt werden und die dauert 14 Tage. Gerade bei Importierten Tieren aus dem Ausland ist dies absolut zu empfehlen, wenn eine selektive Entwurmungsstrategie genutzt wird im Betrieb.

4) Bandwürmer: diese leben im Dünndarm direkt vor der Klappen in den Blinddarm und haben einen Zwischenwirt außerhalb des Pferdekörpers, nämlich die Mossmilbe. Die kommt eher bei feuchten Wetter, wie im Herbst vor und daher scheidet der Bandwurm auch periodisch seine Eier aus – kluges Kerlchen – im Sommer findet man daher eher keine Bandwurmeier im Kot, was nicht heißt das sie nicht da sind. Bandwürmer sind sehr schwer durch eine Kotprobe zu finden. Findet man auch nur ein Ei bei einem Pferd, müssen alle Pferde entwurmt werden und zwar mit einem speziellen Wirkstoff, “draußen” nennen wir das dann die große Wurmkur. Es gibt inzwischen aber auch einen Speichelprobentest, der um die 30 € liegt und ihr im Internet beziehen könnt.

5) Pfriemenschwänze leben im Dickdarm und wandern aus dem Anus aus und legen dort ihre gelben Eischnüre ab und können mit einem Tesafilm-Abklatsch-Präparat oder mit bloßen Auge diagnostiziert werden. Hier wir in der Regel nur das betroffene Pferd behandelt.

6) Magendasseln – sind eigentlich Fliegen und diese legen ihre Eier im Fell ab, die Pferde lecken sie ab und dann bohren sich die Larven durch die Maulschleimhaut und gelangen zum überwintern in den Magen, an dem sie sich festsaugen. Im Kot sind also keine Eier nachweisbar, sondern es handelt sich hier um eine Blickdiagnose (Eier im Fell) oder es wird bei einer Gastroskopie festgestellt – auch hier sollten alle Pferde entwurmt werden, wenn bei einem Pferd die Eier gesichtet worden sind – so die Empfehlung. Die Entwurmung erfolgt typischerweise Nikolaus.

7) Leberegel: kommen sehr selten vor bei Pferden, sie haben als Zwischenwirt die Zwergschlammschnecke und brauchen daher Gewässer in der Nähe. Hier lautet dann aber auch die Empfehlung wird er bei einem Pferd entdeckt, sollten alle entwurmt werden.

8) Lungenwürmer: Hier ist der Esel der Hauptwirt, Pferde sind Fehlwirte, daher entwickeln sich aus den aufgenommenem Stadien nicht immer eierlegende Adulte, das bedeutet der Entwicklungszyklus ist unvollständig und die Pferde scheiden keine Eier mit dem Kot aus, hier hilft dementsprechend leider auch nicht immer eine Kotprobe zur Diagnostik. 

Das als kleiner Einblick in einige Endoparasiten des Pferdes – mehr Infos zu den Entwicklungszyklen findest du im Onlinekurs, das würde hier jetzt den Rahmen sprengen. Wieder ab Ende März 2020 erhältlich!

Entwurmungsstrategie bei Pferden

Wie entwurme ich denn jetzt aber richtig? Eine heiß diskutierte Frage! Es gibt unterschiedliche Strategien:

1) die strategische Entwurmung: alle Pferde gleichzeitig 4 mal im Jahr

Nachteil: die Wirkstoffe sind sehr begrenzt, die Resistenzen steigen und viele Pferde benötigen eine solch strikte Entwurmung garnicht und so wird der Organismus unnötig belastet – obwohl ein gesundes Pferd damit in der Regel keine Probleme hat – da sind Fütterungsfehler, wie massenhaft Zusatzfutter und Mischfuttermittel mit Konservierungsstoffen und Geruchstoffen, zu wenig Heu sowie schlechte Haltung und Stress deutlich schädlicher! Insgesamt sollte der Einsatz von Wurmkuren jedoch gezielter und seltener erfolgen als in der Vergangenheit, wo die großen Strongyliden noch das Ziel waren. Diese Methode ist daher nicht mehr zu empfehlen!

2) die selektive Entwurmung: diese wurde ursprünglich für Schafe entwickelt und bezieht sich NUR auf die kleinen Strongyliden, andere Würmer werden nicht erfasst und eine Unterscheidung zwischen große und kleinen Strongyliden wird auch nicht vorgenommen. Zudem hast du ja gehört je nach Alter ist die Wurmbelastung unterschiedlich, die selektive Entwurmung ist also nur für Pferde ab 3 bis 4 Jahren geeignet. Krankheit, junges und sehr hohes Alter verlangen ein geändertes Vorgehen. Hier werden 4 Kotproben genommen und im Anschluss nur die behandelt, die über 200 egp liegen, nach 2 Wochen wird die Kotprobe wiederholt, um die Wirksamkeit der Wurmkur zu kontrollieren.
Kritik an der Methode: Lungenwürmer, Bandwürmer, Magendasseln sind garnicht oder nur sehr schlecht im Kot zu finden, keine Unterscheidung zwischen großen und kleinen Strongyliden und damit die Gefahr, dass die großen Strongyliden wieder vermerht auftreten und auch die Ruhestadien der kleinen Strondyliden in der Darmwand werden in der Kotprobe nicht erfasst. Bei der selektiven Entwurmung wird nach dem McMasterverfahren im Labor vorgegangen, hierbei handelt es sich um ein Flotationsverfahren mit einer genauen Kotmenge.

3) zeitgemäße und selektive Entwurmung: diese wurde entwickelt, um genau diese Kritikpunkte zu beheben, es werden alle wichtigen Endoparasiten des Pferdes abgedeckt. Auch hier werden 4 Kotproben im ersten Jahr genommen und untersucht allerdings etwas aufwändiger Sedimentation- und Flotationsverfahren, Larvenanzucht der Strongyliden, Larvenauswanderungsverfahren, bei Jungpferden Untersuchung auf Spulwürmer und so weiter. 2 Wochen nach einer Wurmkur wird auch hier eine Wirksamkeitsprobe durchgeführt. Die Summe von mehreren Kotprobenuntersuchungen ergibt ein umfassendes Bild über Niedrige Eiausscheider, die machen 70 -80% der Pferde aus und die Hohen Eiausscheider, meist 30% der Pferde und gibt einen Überblick welche Endoparasiten im jeweiligen Bestand vorkommen. Würde dein Pferd zu den hoch Ausscheidern gehören muss es hier ein Jahr strategisch entwurmt werden, also 4 mal im Jahr und dann wird die Untersuchung wiederholt. Werden bestimmte Endoparasiten festgestellt, wird entweder das individuelle Pferd oder aber auch der ganze Bestand entwurmt, zum Beispiel beim Bandwurm. Das ist jetzt nur einmal ein grober Überblick über diese Entwurmungsstrategie, aber ich denke es wird klar – einfach Kot nehmen und dann entwurmen ja oder nein so einfach ist das eben auch nicht. Im Onlinekurs habe ich ein ganzes Kapitel diesem Thema gewidmet, da es sehr umfassend ist und so viel diskutiert wird und auch viel falsches kusiert.

4) Alternative: Hier lautet die Empfehlung:  Grundsätzlich alle erwachsenen Pferde 2 mal im Jahr zu entwurmen und zwar im Sommer und im Winter, um die Magendasseln, Ruhestadien der kleinen Strongyliden, große Strongyliden und Bandwürmer oder weitere mögliche Parasiten wie auch die Lungenwürmer zu erwischen. Es sollten jedoch trotzdem Kotproben genommen werden und auch Wirksamkeitsproben 14 Tage nach den Wurmkuren. Das heißt im Frühjahr Kotprobe und nur entwurmen bei Befall, Sommer Kotprobe aber immer entwurmen, Herbst Kotprobe und nur entwurmen bei Befall, Winter Kotprobe und immer entwurmen. Je nach dem zu welchem Labor man die Proben schickt, werden unterschiedlich Untersuchungsmethoden durchgeführt und du hast ja heute gelernt, je nachdem was man sucht, findet man auch unterschiedliche Sache – das ist also eine Labor und Kostenfrage.

und wie sieht es in der Praxis aus?? Nicht so wie hier in den Strategien dargestellt – wir betreuen sehr wenige Ställe, die selektiv entwurmen und nur einige entwurmen richtig strategisch – sprich alle Pferde eines Bestandes zur gleichen Zeit – die meisten entwurmen ohne Plan. Ich hoffe diese Folge hat dir einen Einblick gegeben was möglich ist und vielleicht stellt ja der eine oder andere um. Eine Entwurmungsstrategie gehört auf jeden Fall in einen Vorsorgeplan für dein Pferd. Nach einer Umfrage haben nur 10 % angegeben einen Vorsorgeplan für ihr Pferd ausgearbeitet zu haben – daher habe ich eine 3 -Tage-Challenge – erarbeitet mit dem der Aufgabe: Erstelle für dein Pferd jetzt einen Vorsorgeplan. Dazu kannst du dich jetzt anmelden und mitmachen, jeden Tag gibt es dann Input und Aufgabe zum Erstellen deines indiviuellen Vorsorgeplans von mir für dich– sei für dieses Jahr gut vorbereitet und schütze dein Pferd – keine Impfung mehr vergessen, unnötige Wurmkuren vermeiden, Schmied, Sattel und Physiotherape im Griff – das Beste für dein Pferd erreichen, das ist unser Ziel – also sei dabei, den Link zur Anmeldung findest du hier – ich freu mich auf unsere Zusammenarbeit – und bis dahin denke daran Pferde sind lebensfreude, also hacken runter und Stimmung rauf!

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