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30 km am Tag: Welchen Bewegungsbedarf hat dein Pferd?

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Inhaltsverzeichnis

Pferdehaltung optimieren: So stoppst du den Bewegungsmangel

Heute spre­che ich als Gast im Podcast „Basiswissen Pferd“ mit Marina Lukasch über ein Thema, das uns al­len am Herzen lie­gen soll­te: den chro­ni­schen Bewegungs- und Haltungsmangel un­se­rer Pferde.

Pferdehaltung_Pferdebewegung_Pferdebox

Vielleicht hast du dich auch schon mal ge­fragt, ob dein Pferd ge­nug Bewegung be­kommt. Wir ha­ben uns in den letz­ten Jahrzehnten enorm wei­ter­ent­wi­ckelt – die Zeiten der dunk­len Ständerhaltung, in der Schulpferde ohne Fenster und Weidegang an­ge­bun­den wa­ren, sind glück­li­cher­wei­se fast vor­bei. Doch auch wenn heu­te fast je­des Pferd in ei­ner Box mit Fenster steht und täg­lich auf die Koppel kommt, ist der Weg zu ei­ner wirk­lich art­ge­rech­ten Haltung noch weit. Lass uns ge­mein­sam ein­tau­chen, war­um das so ist und was du kon­kret tun kannst.

Vom Stehtier zum Lauftier: Warum Bewegung für dein Pferd überlebenswichtig ist

Dein Pferd ist von Natur aus ein Lauftier, kein Stehtier. In frei­er Wildbahn be­wegt es sich 16 bis 18 Stunden täg­lich, legt da­bei 20 bis 30 Kilometer zu­rück und das haupt­säch­lich im Schritt. Dieser kon­stan­te Bewegungsfluss hält den ge­sam­ten Organismus ge­sund: den Bewegungsapparat, die Verdauung und auch die Psyche.

Vergleichen wir das mal mit dem Alltag vie­ler mo­der­ner Pferde: Eine Stunde Reiten, Longieren oder Bodenarbeit und viel­leicht ein paar Stunden auf ei­nem klei­nen Paddock oder ei­ner ab­ge­fres­se­nen Koppel. Selbst bei größ­ter Mühe kom­men wir oft nicht an­nä­hernd an das na­tür­li­che Bewegungspensum her­an. Das Resultat der Bewegungs- und Haltungsmangel sind oft ge­sund­heit­li­che Probleme, die wir erst be­mer­ken, wenn es schon fast zu spät ist.

Mythos Schulpferd: Mehr Bewegung, aber auch mehr Belastung?

Oft wird über Schulpferde ge­läs­tert, die meh­re­re Stunden am Tag “ar­bei­ten” müs­sen. Doch aus tier­ärzt­li­cher Sicht ist die Perspektive eine an­de­re. Während das Privatpferd viel­leicht nur eine Stunde am Tag be­wegt wird, kommt das Schulpferd oft auf meh­re­re Stunden. Kilometertechnisch ist es also nä­her am na­tür­li­chen Bedürfnis dran.

Allerdings müs­sen wir klar zwi­schen rei­ner Bewegung und an­stren­gen­dem Training un­ter­schei­den. Für ein Schulpferd kann eine Stunde mit ei­nem un­aus­ba­lan­cier­ten Reitanfänger un­glaub­lich an­stren­gend sein. Das Pferd muss per­ma­nent die feh­len­de Koordination und Körperspannung des Reiters aus­glei­chen. Das ist Schwerstarbeit, auch wenn es von au­ßen nicht nach Lektionen und an­spruchs­vol­lem Training aus­sieht. Ein gut ge­rit­te­nes Pferd un­ter ei­nem fort­ge­schrit­te­nen Reiter hat es da oft leich­ter. Die Belastung hängt also mas­siv vom Reiter und der Art der Arbeit ab.

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Training vs. Bewegung: So misst du dein Pferd glücklich

Bist du neu­gie­rig, wie vie­le Kilometer dein Pferd und du wirk­lich zu­rück­le­gen? Ein ein­fa­cher Tipp: Nutze die GPS-Funktion dei­nes Handys! Steck es si­cher in eine Tasche an der Satteldecke oder am Longiergurt und tra­cke eine Einheit. Du wirst über­rascht sein, wie we­ni­ge Kilometer selbst in ei­ner 60-mi­nü­ti­gen Reitstunde in der Halle zusammenkommen.

Genauso wich­tig ist das Verständnis für ak­ti­ve Erholung. Ein „frei­er Tag“ be­deu­tet nicht, 23 Stunden in der Box zu ste­hen. Nach ei­ner an­stren­gen­den Einheit – wie ei­nem Turnierstart oder in­ten­si­vem Training – braucht der Körper Regeneration. Diese wird aber durch leich­te Bewegung ge­för­dert. Ein Spaziergang, lo­cke­res Longieren oder eine Wellness-Einheit un­ter­stüt­zen die Muskulatur da­bei, sich zu er­ho­len und für den nächs­ten Trainingsreiz be­reit zu sein (Stichwort: Superkompensation).

Mehr als nur Reiten: Wie du deinem Pferd wirklich Gutes tust

Du möch­test die Bindung zu dei­nem Pferd stär­ken und ihm et­was Gutes tun, das über das Reiten hin­aus­geht? Vergiss zu­sätz­li­che Leckerchen – Liebe geht nicht durch den Magen! Investiere statt­des­sen in Quality Time und Wellness.

Hier sind ein paar Ideen, die du leicht um­set­zen kannst:

  • Wellness-Massagen: Lerne ein­fa­che Massagetechniken wie sanf­te Ausstreichungen. Du musst kein Physiotherapeut sein, um dei­nem Pferd mit ent­span­nen­den Berührungen Wohlbefinden zu schenken.
  • Gelenke mo­bi­li­sie­ren: Nutze das Hufe aus­krat­zen, um die Gelenke der Gliedmaße sanft in all ih­ren na­tür­li­chen Richtungen zu be­we­gen. So för­derst du die Beweglichkeit und be­kommst ein Gefühl für den Körper dei­nes Pferdes.
  • Werde zum Gesundheits-Checker: Lerne, Puls und Atemfrequenz zu mes­sen. So er­kennst du früh­zei­tig, wenn es dei­nem Pferd nicht gut geht, zum Beispiel bei gro­ßer Hitze, und kannst das Training ent­spre­chend anpassen.
  • Akupressur: Es gibt ein­fa­che und si­che­re Akupressurpunkte, zum Beispiel am Kopf, die Pferde als sehr an­ge­nehm emp­fin­den und die du sanft im Uhrzeigersinn mas­sie­ren kannst.

Die Revolution im Stall: Warum der Paddock-Trail die Lösung sein kann für Bewegungs- und Haltungsmangel

Die mit Abstand größ­te Verbesserung für die Gesundheit und das Wohlbefinden dei­nes Pferdes er­reichst du durch eine Optimierung der Haltung. Ein Paddock-Trail oder Aktivstall kommt den na­tür­li­chen Bedürfnissen ei­nes Pferdes am nächs­ten. Die Pferde le­ben in ei­ner Herde, ha­ben Sozialkontakte und sind den gan­zen Tag in lang­sa­mer Bewegung, um Futter, Wasser oder Liegeflächen aufzusuchen.

Die Veränderungen sind oft dramatisch:

  • Ausgeglichenheit: Pferde, die vor­her ker­nig, schreck­haft oder am Anbinder un­ru­hig wa­ren, wer­den oft tie­fen­ent­spannt und ausgeglichen.
  • Motivation: Pferde, die eher trie­big und faul wirk­ten, ent­wi­ckeln mehr Lebensenergie und Kondition.
  • Gesundheit: Die per­ma­nen­te, lang­sa­me Bewegung ist die bes­te Prävention ge­gen Gelenk- und Sehnenprobleme.
Paddock-Trail_Bewegungsmangel_Pferd

Natürlich gibt es eine Umstellungsphase. Die Pferde könn­ten an­fangs mü­der sein, weil sie sich mehr be­we­gen. Vielleicht gibt es auch mal ei­nen Kratzer durch eine Rangelei in der Herde. Aber ganz ehr­lich: Ein ober­fläch­li­cher Kratzer, der schnell heilt, ist nichts im Vergleich zu den schlei­chen­den, un­sicht­ba­ren Schäden, die durch dau­er­haf­tes Stehen in der Box entstehen.

Wenn Pferde die­se Haltungsform von klein auf ken­nen­ler­nen, wird sie zum neu­en Normal – und das ist das größ­te Geschenk, das wir der nächs­ten Pferdegeneration ma­chen können.


Fazit & Dein nächster Schritt

Bewegung ist kein Luxus, son­dern eine Lebensnotwendigkeit für dein Pferd. Indem du die Haltung, das Training und auch die trai­nings­frei­en Tage über­denkst, legst du den Grundstein für ein lan­ges, ge­sun­des und glück­li­ches Pferdeleben.

Wenn du tie­fer in die Materie ein­tau­chen und ler­nen möch­test, wie du dein Pferd aus me­di­zi­ni­scher Sicht op­ti­mal trai­nierst und ge­sund er­hältst, dann schau dir un­be­dingt mei­nen Online-Kurs „Trainingskurs aus me­di­zi­ni­scher Sicht“ an. Dort er­ar­bei­ten wir sys­te­ma­tisch, wie du dein Pferd zum ge­sun­den Athleten machst.

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FAQ — Häufig gestellte Fragen

1. Wie viel Bewegung braucht ein Pferd pro Tag wirk­lich?

Ein Pferd ist von Natur aus dar­auf aus­ge­legt, sich 16 bis 18 Stunden täg­lich zu be­we­gen und da­bei Strecken von 20 bis 30 Kilometern, meist im Schritt, zu­rück­zu­le­gen. Eine rei­ne Boxenhaltung mit ei­ner Stunde Training wird die­sem Bedürfnis nicht gerecht.

2. Ist es schlimm, wenn mein Pferd im Offenstall ei­nen Kratzer hat?

Nein, in den meis­ten Fällen ist das völ­lig un­be­denk­lich. Eine ober­fläch­li­che Hautverletzung durch eine so­zia­le Interaktion in der Herde heilt schnell. Sie ist weit­aus we­ni­ger pro­ble­ma­tisch als die un­sicht­ba­ren, aber schwer­wie­gen­den Schäden an Gelenken und Sehnen, die durch Bewegungsmangel in der Boxenhaltung ent­ste­hen können.

3. Ist es für ein Schulpferd an­stren­gend, meh­re­re Stunden am Tag zu lau­fen? 

Das hängt stark vom Reiter ab. Eine Stunde mit ei­nem un­aus­ba­lan­cier­ten Anfänger kann für das Pferd ex­trem an­stren­gend sein, da es stän­dig aus­glei­chen muss. Mehrere Stunden lo­cke­re Bewegung un­ter er­fah­re­nen Reitern kön­nen hin­ge­gen we­ni­ger be­las­tend sein. Die rei­ne Stundenzahl ist nicht al­lein entscheidend.

4. Was kann ich mei­nem Pferd Gutes tun, au­ßer es zu füt­tern? 

Investiere in ge­mein­sa­me Zeit und Wellness. Sanfte Massagen (Ausstreichungen), die Mobilisation der Gelenke beim Hufe aus­krat­zen oder das Erlernen von Akupressurpunkten stär­ken die Bindung und för­dern das Wohlbefinden dei­nes Pferdes viel nach­hal­ti­ger als Leckerlis.

5. Was ist der Unterschied zwi­schen Training und Bewegung?

Bewegung ist die all­ge­mei­ne Aktivität des Pferdes, wie das lang­sa­me Gehen auf der Weide oder im Paddock-Trail. Training hin­ge­gen ist eine ge­ziel­te Aktivität mit ei­nem über­schwel­li­gen Reiz, der den Körper zur Anpassung an­regt (z. B. Muskelaufbau, Konditionsverbesserung). Beide Aspekte sind für ein ge­sun­des Pferd essenziell.

 

 

 

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Dr. Veronika Klein

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