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Erhöhte Leberwerte beim Pferd: 7 Ursachen erkennen

Pferdegesundheit
Dr. Veronika Klein
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Das Wichtigste in Kürze

» Die Leber regeneriert sich stark – klinische Symptome zeigen sich erst, wenn 70–80 Prozent ihrer Funktion zerstört sind.
» Erhöhte Leberwerte haben viele Ursachen – von Pflanzengiften wie Jakobskreuzkraut bis zur Leberverfettung bei dicken Pferden.
» Die Therapie ist unterstützend: hochwertiges Heu, Mariendistel und regelmäßige Kontrolle des Gamma-GT-Werts.

Erhöhte Leberwerte sind in der Pferdepraxis ein häufiger Befund – und einer der tückischsten. Denn die Leber ist das regenerationsfähigste Organ im Körper und kann erstaunlich viel kompensieren, bevor sie überhaupt klinische Symptome zeigt. Klar erkennbare Beschwerden treten oft erst auf, wenn bereits 70 bis 80 Prozent der Leberfunktion zerstört sind. Bis dahin läuft das Pferd scheinbar normal, vielleicht etwas matter, vielleicht etwas leistungsschwächer – und dann taucht die Diagnose plötzlich im Laborbericht auf.

Dieser Artikel zeigt dir, warum die Leber so lange schweigt, welche Symptome du beachten solltest, welche sieben Ursachen für erhöhte Leberwerte beim Pferd in Frage kommen, wie die Diagnostik aussieht und mit welchen Maßnahmen du dein Pferd unterstützen kannst.

Podcast-Cover Kernkompetenz Pferd zu Folge 29 Lebererkrankungen mit Blutröhrchen, Blutentnahme am Pferd und Heuprobe.

Warum die Leber so lange schweigt

Die Leber ist eine Stoffwechselzentrale: Sie entgiftet, baut Eiweiße auf, regelt den Fettstoffwechsel, produziert Gallenflüssigkeit und speichert Energie. Gleichzeitig ist sie ein extrem widerstandsfähiges Organ. Selbst wenn ein großer Teil ihres Gewebes geschädigt ist, übernimmt der gesunde Rest klaglos weiter. Genau das macht Lebererkrankungen beim Pferd so heimtückisch: Bis die Leistungsfähigkeit spürbar einbricht, ist das Organ meist schon massiv vorgeschädigt.

Aus diesem Grund wird ein Leberproblem in der Praxis selten gezielt gesucht – sondern meistens zufällig entdeckt. Entweder wird ein großes Blutbild als Kontrolluntersuchung gemacht, etwa im Rahmen der jährlichen Vorsorge, oder das Pferd zeigt unspezifische Symptome wie Leistungsminderung und Apathie und der Tierarzt schaut sicherheitshalber nach. Auf einem solchen aussagekräftigen Blutbild beim Pferd stehen die Leberenzyme dann plötzlich erhöht – und es beginnt die Detektivarbeit nach dem „Warum".

Symptome: Was Pferdemenschen aufmerksam machen sollte

Die Symptomatik einer Lebererkrankung ist am Anfang variabel und sehr unspezifisch – das ist einer der Gründe, warum sie so oft übersehen wird. Anzeichen, die du im Hinterkopf behalten solltest, sind:

  • Auffälliges, häufiges Gähnen
  • Inappetenz – das Pferd frisst weniger oder verweigert das Futter
  • Gelbe Schleimhäute, fachsprachlich Ikterus genannt
  • Aufgezogenes Abdomen, ein „spitzer" oder „hochgezogener" Bauch
  • Mattigkeit und reduzierte Leistungsbereitschaft
  • Wiederkehrende milde Koliken
  • Gewichtsverlust ohne erkennbare Ursache

Das Problem: Diese Symptome treten genauso bei anderen chronischen Erkrankungen auf. Ein gähnendes, mattes Pferd kann auch Magenprobleme, Zahnschmerzen oder Stress haben. Genau deshalb ist es so wichtig, bei diffuser Symptomatik die Leberwerte im Blutbild mitzuprüfen, bevor man rein symptomatisch behandelt.

Erst beim akuten Leberversagen werden die Anzeichen dramatisch und unverkennbar: Sehstörungen, Ataxie (Koordinationsstörungen), zwanghaftes Laufen und sogar manieartige Verhaltensänderungen können auftreten. Ursache ist eine schwere hepatische Enzephalopathie – also eine zentralnervöse Störung. Sie entsteht, weil das toxische Ammoniak, das normalerweise zuverlässig durch die Leber entgiftet wird, im Blut zirkuliert und das Gehirn angreift.

Ein weiteres, oft unterschätztes Symptom ist die sogenannte sekundäre photosensible Dermatitis: eine Lichtempfindlichkeit mit Hautentzündung an den Schleimhaut-Übergängen, zum Beispiel am Maul. Das sieht aus wie ein massiver Sonnenbrand, hat aber eine ganz andere Ursache. Verantwortlich ist Phylloerythrin – ein Abbauprodukt des Chlorophylls, das normalerweise über die Leber ausgeschieden wird. Funktioniert die Leber nicht richtig, sammelt sich Phylloerythrin im Blut an und reagiert in der Haut mit UV-Licht. Wenn du Hautveränderungen an den Schleimhautübergängen siehst, sollte die Leberfunktion immer mit überprüft werden.

Auch ein paar volkstümliche Redewendungen verraten, wie eng Leber und Gemüt verbunden sind: „Mir ist eine Laus über die Leber gelaufen" oder „Mir geht die Galle über" sind kein Zufall. Lebererkrankungen schlagen aufs Gemüt – und genau das spiegelt sich im Verhalten des Pferdes wider.

Die 7 häufigsten Ursachen für erhöhte Leberwerte beim Pferd

So einfach es ist, erhöhte Leberwerte festzustellen – Blut nehmen und ins Labor schicken ist kein Hexenwerk –, so schwer bis fast unmöglich ist es, die genaue Ursache herauszufinden. Es gibt schlicht zu viele mögliche Auslöser. Der Vorbericht des Besitzers ist daher absolut ausschlaggebend: Fütterung, Weide, Haltung, Medikation, kürzlich überstandene Infekte – jedes Detail kann den entscheidenden Hinweis liefern. Im Folgenden findest du die sieben wichtigsten Ursachen.

1. Pflanzengifte

Das Jakobskreuzkraut ist der wohl prominenteste Vertreter pflanzlicher Lebertoxine in unseren Breiten. Das Heimtückische: Es bleibt auch im getrockneten Heu giftig, der Geschmack ist im trockenen Zustand sogar weniger bitter, sodass Pferde es leichter mitfressen. Die enthaltenen Pyrrolizidinalkaloide schädigen die Leber dauerhaft und kumulativ – das heißt, mehrere kleine Aufnahmen über Wochen und Monate addieren sich auf.

Aber auch andere Weidepflanzen können lebergiftige Stoffe enthalten – etwa Greiskräuter, Wasserkreuzkraut oder bestimmte Hahnenfußgewächse. Die regelmäßige Weidepflege ist daher kein lästiges Extra, sondern echter Pferdeschutz.

2. Giftstoffe im Futter

Verunreinigungen bei der Futterproduktion sind eine zweite ernstzunehmende Quelle. Besonders gefürchtet ist eine Kreuzkontamination mit Mischfuttermitteln für Rinder und Schafe, die mit einem Fütterungsantibiotikum (Ionophore wie Monensin) versehen sind. Für Wiederkäuer ist dieser Wirkstoff ungefährlich – für Pferde jedoch hochgradig toxisch und im schlimmsten Fall tödlich. Genau deshalb sollte Pferdefutter ausschließlich aus Produktionslinien stammen, die für Pferde freigegeben sind.

Ein deutlich häufigerer Übeltäter sind Schimmelpilze und ihre Stoffwechselprodukte, die Mykotoxine, in Heu und Stroh. Aflatoxine, Ochratoxin oder Fumonisine belasten die Leber stark. Erkennbar ist verschimmeltes Heu nicht immer mit bloßem Auge – ein muffiger Geruch, Stockflecken oder klumpige Stellen sind Warnsignale. Hochwertiges, sauber geerntetes und richtig gelagertes Raufutter ist die einfachste Lebervorsorge überhaupt.

3. Infektionen durch Bakterien und Viren

Auch Krankheitserreger können die Leber direkt oder indirekt schädigen. Bakterielle Infektionen, etwa durch aufsteigende Keime aus dem Darm, virale Erkrankungen oder systemische Entzündungsgeschehen hinterlassen häufig Spuren in den Leberwerten. Oft sind die Veränderungen vorübergehend und normalisieren sich nach Ausheilung der Grunderkrankung – eine Kontrolle des Blutbildes nach einigen Wochen ist trotzdem sinnvoll.

4. Parasiten – Leberegel und Würmer auf Wanderschaft

Beim Stichwort „Parasit und Leber" fällt vielen zuerst der Leberegel ein. In der Realität ist er aber tatsächlich ein eher seltener Auslöser. Der Grund: Der Leberegel braucht die Zwergschlammschnecke als Zwischenwirt – ohne entsprechende Gewässer in der Nähe wird das Pferd nicht infiziert. Und selbst wenn es zur Infektion kommt, stellt das Pferd nur einen Fehlwirt dar. Der Parasit entwickelt sich nicht vollständig, scheidet keine Eier im Kot aus – und genau deshalb ist eine Kotprobe in diesem Fall nicht zielführend. Eine Diagnose über die klassische Untersuchung scheitert.

Weitaus häufiger sind es ganz „normale" Darmparasiten, die der Leber zu schaffen machen. Große Strongyliden und andere Würmer halten sich während ihres Entwicklungszyklus nämlich nicht nur im Darm auf, sondern wandern durch den Körper – und damit auch durch die Leber. Die Bohrgänge dieser Wanderlarven hinterlassen Entzündungen und können die Leberwerte vorübergehend deutlich erhöhen. Ein gutes Argument für eine durchdachte Entwurmungsstrategie: Wer mehr darüber wissen möchte, findet hier einen Überblick zur zeitgemäßen und selektiven Entwurmung beim Pferd.

5. Leberverfettung – die Zivilisationskrankheit

Die Leberverfettung ist nicht nur ein Problem beim Menschen. Auch beim Pferd, vor allem bei den kleinen, runden Ponys, entwickelt sich aus einer Hyperlipidämie eine Fettleber. Häufige Ursache: eine fehlerhafte Fütterung mit dauerhaft energetischem Überangebot. Freizeitpferde, die zu viel Kraftfutter, zu viele Leckerlis und obendrein 24 Stunden Heuzugang bekommen, ohne entsprechende Bewegung, sind die typischen Patienten.

Ein unangemessener, ständiger Nahrungsüberschuss ist wirklich ein riesiges Problem – und es betrifft inzwischen einen großen Teil unserer Hauspferde. Man tut wirklich niemandem einen Gefallen mit „ein paar Pfund mehr auf den Hüften". Mehr dazu findest du in der ausführlichen Aufarbeitung der fünf Mythen über dicke Pferde.

6. Tumore

Lebertumore – sowohl primäre Tumore des Organs als auch Metastasen anderer Krebsarten – sind beim Pferd zum Glück sehr selten. Sie tauchen meist bei älteren Pferden auf und zeigen sich oft erst, wenn die Krankheit weit fortgeschritten ist. Trotzdem gehören sie in die Liste der differentialdiagnostischen Möglichkeiten, sobald andere Ursachen ausgeschlossen sind und die Werte therapieresistent erhöht bleiben.

7. Stress und Medikamente

Auch chronischer Stress, eine länger andauernde Schmerzbehandlung mit Entzündungshemmern oder bestimmte Antibiotika belasten die Leber. Das heißt nicht, dass diese Medikamente per se schlecht sind – sie sind oft lebenswichtig. Aber jede Langzeitmedikation gehört von Zeit zu Zeit mit einer Blutkontrolle begleitet, gerade damit man genau diese Nebenwirkung früh erkennt und gegensteuern kann.

Diagnostik: Welche Werte verraten den Zustand der Leber

Im Blut können verschiedene Leberenzyme gemessen werden. Sobald Leberzellen durch einen der oben genannten Auslöser zerstört werden, treten diese Enzyme aus den Zellen aus und gelangen ins Blut – die Werte steigen also. Zu den relevanten Enzymen gehören:

  • AST (Aspartat-Aminotransferase): nicht leberspezifisch, kommt auch in Muskulatur und anderen Organen vor – aber ein wichtiger Hinweisgeber.
  • GLDH (Glutamatdehydrogenase): sehr leberspezifisch, steigt vor allem bei akuten Leberzellschäden an.
  • Gamma-GT (Gamma-Glutamyltransferase): vor allem bei Gallengangsproblemen erhöht; wichtigster Verlaufsparameter zur Überwachung der Genesung.

Wichtig zu wissen: Nicht alle Enzyme sind allein leberspezifisch. AST kommt zum Beispiel ebenfalls in Muskulatur und Knochen vor – ein erhöhter Wert kann also auch von einem überanstrengten Muskel kommen. Die Interpretation gehört darum immer in tierärztliche Hand und in den Gesamtkontext aus Blutbild, Vorbericht und Klinik.

Als weiterführende Diagnostik kann ein Ultraschall der Leber durchgeführt werden – ganz einfach von außen durch die Haut, nicht invasiv und ohne Narkose. Damit lassen sich Größe, Struktur und auffällige Veränderungen wie Zysten oder Tumore beurteilen. Auch eine Leberbiopsie ist möglich. Vor einem solchen Eingriff sollte aber immer eine Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen: Meist verbessert die Biopsie die Prognose-Einschätzung deutlich, die genaue Ursache lässt sich aber nicht immer ablesen – und Blutungen sind eine seltene, aber ernstzunehmende Komplikation.

Die eigentliche Leistungsfähigkeit der Leber wird über die Bestimmung der Gallensäuren im Blut beurteilt. Gallensäuren werden in der Leber gebildet, in der Galle gespeichert und nach der Mahlzeit in den Darm ausgeschüttet. Funktioniert die Leber nicht mehr richtig, steigen sie im Blut an. Sind die Gallensäuren erhöht, liegt eine echte Funktionsstörung vor – und in dem Fall sollte in jedem Fall eine Therapie eingeleitet werden.

Therapie und Fütterung bei Leberproblemen

Die Therapie ist bei Lebererkrankungen leider meist nur unterstützend – ein Allheilmittel gibt es nicht. Die wichtigste Maßnahme zuerst: Wenn der Auslöser bekannt ist, muss er natürlich abgestellt werden. Ist das Heu schimmlig, kommt es weg. Wird Jakobskreuzkraut auf der Weide gefunden, gehört es konsequent entfernt. Wird ein bestimmtes Medikament als Auslöser identifiziert, muss in Rücksprache mit dem Tierarzt umgestellt werden.

Fütterungsmanagement optimieren

Das Fütterungsmanagement ist der zentrale Hebel bei jeder Lebertherapie. Folgende Bausteine haben sich bewährt:

  • Hochwertiges Heu als Alleinfuttermittel – staubarm, schimmelfrei, gut gelagert.
  • Artischockenextrakt, um den Gallenfluss anzuregen.
  • Mariendistelpräparate zur Unterstützung der Leberregeneration – die enthaltenen Silymarine sind echte Leber-Schutzstoffe.
  • Kraftfutter nur in geringen Mengen – die Leber muss entlastet, nicht zusätzlich gefordert werden.
  • Energie bei Bedarf über Öle oder Maisflocken – aber wirklich nur, wenn der Bedarf besteht, nicht aus Gewohnheit.
  • Viele kleine Portionen über den Tag verteilt, um den Blutzuckerspiegel stabil zu halten und die Leber nicht stoßartig zu belasten.

Bei übergewichtigen Pferden mit Verdacht auf Leberverfettung ist das Fütterungsmanagement noch einmal entscheidender. Hier geht es um eine sanfte, kontrollierte Reduktion der Energiezufuhr – niemals um eine radikale Diät. Eine plötzliche Hungerphase verschärft die Leberverfettung sogar, weil der Körper die eigenen Fettreserven mobilisiert und die Leber damit überschwemmt.

Sonnenschutz und Trainingspause

Pferde mit erhöhten Leberwerten sollten vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden, vor allem wenn bereits eine Phylloerythrin-bedingte Lichtempfindlichkeit vorliegt. Schattige Weide, Stallhaltung in den hellsten Stunden oder UV-Decken sind je nach Fall sinnvoll.

Beim Training gilt: nur minimal pro Gramm, was die Belastung angeht. Stressarme Schrittbewegung ist erlaubt und sogar förderlich – sie unterstützt Kreislauf und Stoffwechsel, ohne die Leber zu fordern. Galoppieren, Sportreiten oder Intervalltraining sind in der akuten Phase tabu. Gerade im Fellwechsel und in der Regenerationszeit nach der Saison bei Sportpferden ist außerdem eine Zufütterung von pflanzlichen Bitterstoffen hilfreich – Löwenzahn, Wermut, Schafgarbe oder Mariendistel passen hier hervorragend.

Genesung im Blick behalten – der Gamma-GT als Verlaufsparameter

Wenn die Therapie greift und die Leber sich regeneriert, sinken die Enzyme nicht alle gleich schnell. Manche normalisieren sich innerhalb von Tagen, andere brauchen Wochen. Besonders bewährt hat sich die regelmäßige Kontrolle des Gamma-GT-Werts. Er fällt typischerweise als letzter wieder in den Normalbereich – erst wenn dieser Wert wirklich unten ist, kann das Pferd schrittweise wieder voll belastet werden.

Konkret heißt das: Solange Gamma-GT erhöht ist, bleibt das Pferd in der Reha-Schrittphase. Hier nicht zu früh aufs Tempo zu drücken ist einer der häufigsten Fehler. Die Leber meldet sich nicht laut zurück, wenn man sie überfordert – sie schweigt einfach weiter und der Schaden setzt sich fort. Geduld zahlt sich hier mehrfach aus.

Lebererkrankungen und ihre Wechselwirkungen mit anderen Symptomen

Spannend – und in der Praxis oft unterschätzt – sind die Wechselwirkungen zwischen Leber und anderen scheinbar unzusammenhängenden Symptomen. Mauke, COB (chronisch-obstruktive Bronchitis) und Kotwasser können in manchen Fällen Hinweise auf eine Leberbelastung sein. Der gemeinsame Nenner: Die Leber ist das wichtigste Entgiftungsorgan. Wenn sie nicht mehr leistungsfähig genug ist, verlagert der Körper Ausscheidungsaufgaben in andere Bereiche – die Haut, die Schleimhäute, den Darm. Was zunächst wie ein lokales Hautproblem aussieht, kann durchaus eine Wurzel in einer Leberfunktionsstörung haben.

Bei Hautveränderungen im Bereich der Schleimhäute, zum Beispiel am Maul, sollte daher routinemäßig die Leberfunktion mit überprüft werden. Das ist ein einfacher Bluttest – aber er kann den entscheidenden Unterschied machen, ob du symptomatisch immer wieder dieselbe Salbe schmierst oder die Ursache wirklich angehst.

Fazit: Leberwerte ernst nehmen, aber nicht in Panik verfallen

Erhöhte Leberwerte im Blutbild beim Pferd sind ein häufiger Befund – und die Ursachen sind vielfältig: Pflanzengifte wie Jakobskreuzkraut, Giftstoffe oder Schimmelpilze im Futter, bakterielle und virale Infektionen, Parasiten wie Leberegel und Darmwürmer auf Körperwanderung, die Leberverfettung als echte Zivilisationskrankheit unserer Pferde, Stress und Medikamente sowie – sehr selten – Tumore. Die Symptome sind unspezifisch: Gähnen, Mattigkeit, Gewichtsverlust, aber auch andere Erkrankungen wie Mauke, COB und Kotwasser können Hinweise sein.

Die Diagnose erfolgt über die Leberenzyme im Blut – AST, GLDH und Gamma-GT –, wobei die Gallensäuren die eigentliche Funktion der Leber abbilden. Ultraschall und Biopsie ergänzen das Bild bei Bedarf. Die Therapie ist meist unterstützend: Futterumstellung mit hochwertigem Heu, pflanzliche Bitterstoffe und Mariendistel, Trainingspause und Sonnenschutz. Die Genesung kontrollierst du über den Gamma-GT-Wert.

Wenn beim nächsten Blutbild deines Pferdes die Leberwerte auffällig sind, weißt du jetzt, in welche Richtungen du den Vorbericht aufarbeiten kannst – und kannst gemeinsam mit deinem Tierarzt deutlich schneller zur Ursache und zur passenden Maßnahme kommen. Denn: Die Leber schweigt lang, aber sie verzeiht erstaunlich viel, wenn man sie rechtzeitig entlastet.

Häufige Fragen

Erhöhte Leberwerte zeigen, dass Leberzellen geschädigt werden und Enzyme wie AST, GLDH oder Gamma-GT ins Blut austreten. Da die Leber sehr regenerationsfähig ist, treten klinische Symptome oft erst auf, wenn 70 bis 80 Prozent der Funktion zerstört sind. Ein einzelner erhöhter Wert ist noch keine Diagnose, sondern ein Hinweis auf eine Belastung – die Ursache muss durch Vorbericht, weitere Werte und gegebenenfalls Ultraschall geklärt werden.

Die Symptome sind anfangs unspezifisch: häufiges Gähnen, Inappetenz, Mattigkeit, Leistungsabfall, Gewichtsverlust, aufgezogenes Abdomen und milde wiederkehrende Koliken. Gelbe Schleimhäute (Ikterus) und Lichtempfindlichkeit mit Hautentzündungen an den Schleimhautübergängen sind deutlichere Zeichen. Im akuten Leberversagen kommen zentralnervöse Symptome wie Ataxie, zwanghaftes Laufen und Sehstörungen dazu.

Jakobskreuzkraut enthält Pyrrolizidinalkaloide, die die Leber dauerhaft und kumulativ schädigen. Besonders heimtückisch: Es bleibt auch im getrockneten Heu giftig und schmeckt dann weniger bitter, sodass Pferde es eher mitfressen. Schon kleine Mengen über längere Zeit reichen aus, um eine Lebererkrankung auszulösen. Konsequente Weidepflege und Heukontrolle sind die wichtigsten Schutzmaßnahmen.

Die wichtigste Maßnahme ist, den Auslöser zu finden und abzustellen. Die unterstützende Therapie umfasst hochwertiges, schimmelfreies Heu als Alleinfuttermittel, Mariendistelpräparate zur Regeneration, Artischockenextrakt für den Gallenfluss, viele kleine Portionen über den Tag, Kraftfutter nur in geringen Mengen sowie Trainingspause und Sonnenschutz. Pflanzliche Bitterstoffe wie Löwenzahn oder Wermut unterstützen die Leberfunktion zusätzlich.

Der wichtigste Verlaufsparameter ist der Gamma-GT-Wert. Er sinkt typischerweise als letzter wieder in den Normalbereich. Erst wenn Gamma-GT vollständig im Referenzbereich liegt, sollte das Pferd schrittweise wieder voll belastet werden. Bis dahin sind ausschließlich stressarme Schrittbewegungen erlaubt. Regelmäßige Blutkontrollen alle paar Wochen helfen, die Genesung verlässlich zu verfolgen.

Nein, eine Kotprobe ist beim Leberegelverdacht nicht zielführend. Das Pferd ist nur Fehlwirt – der Parasit entwickelt sich nicht vollständig und scheidet keine Eier aus. Eine negative Kotprobe schließt eine Infektion daher nicht aus. Der Leberegel ist außerdem selten, weil er die Zwergschlammschnecke als Zwischenwirt braucht und damit auf Gewässer in der Nähe angewiesen ist. Häufiger sind Darmwürmer, deren Wanderlarven die Leber auf ihrem Weg durch den Körper passieren und schädigen.

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